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Syrah vom Feinsten – Gramercy Cellars

Syrah von der nördlichen Rhône gehört für mich seit jeher zum Besten, was es an Wein so gibt. Diese Mischung aus Druck und Finesse ist beinahe einzigartig. Beinahe…

Greg Harrington ist Master Sommelier. Nein, das ist nicht irgendeine Wischi-Waschi-Auszeichnung, das ist eine der härtesten Weinprüfungen der Welt. Wer da bestehen will, muss weit mehr drauf haben, als lustige Weinempfehlungen abgeben und eine Flasche  Wein ordentlich dekantieren können. 2005 gründete er gemeinsam mit seiner Frau Pam sein eigenes Weingut in Washington State, genaue genommen in Walla Walla. Was klingt wie ein linguistisches Unglück ist eine ziemlich spannende Gegend an der Grenze zu Oregon. Charles Smith ist hier, einer der bekanntesten Winzer Washingtons – wenngleich der eher ein Marketinggenie, als ein Weinmachergenie ist. Wie auch immer, Greg und Pam, zwei extrem liebenswürdige und kurzweilige Menschen machen seit mehr als zehn Jahren Weine, die für mich zum besten gehören, was sich in Sachen Syrah seit langem im Glas hatte.

gramercyÜber Allem thront ein Wein namens “Forgotten Hills”. Hier ist es einen Tacken kühler, als im Rest des sonst so extrem heißen Walla Wallas – Washington State heißt Weinbau in der Wüste. Das darf man nie vergessen. Der 2013er ist ein wahres Monument. Eine Ausgeburt an Tiefe und Größe aber immer eben auch mit einer beinahe vibrierenden Säure. Das ist es, was den Unterschied macht. Die Säure. Sie steht zwar nicht im Vordergrund, aber sie trägt diesen Wein auf eine annähernd atemberaubende Art und Weise. In jeder Blindprobe würde dieser Syrah locker als Côte Rotie durchgehen – ich würde darauf wetten wollen. Aus dem Columbia Valley kommt der 2013 Lagniappe. Ein beinahe pfeffriger, feiner und dennoch sehr intensiver Wein. Alles wirkt perfekt auf dem Punkt. Die Ballkönigin quasi. Die, zu der alle bewundernd – manche auch neidisch – aufsehen. Und selbst der Einstiegswein, ein Syrah aus verschiedenen Weinbergen ist ein extrem feines Beispiel dafür, dass fast 14 Prozent Alkohol frisch und extrem trinkfreudig sein können. Man muss es eben nur richtig machen.

Greg macht nicht nur Syrah, er macht auch Cabernet Sauvignon und das auf einem außergewöhnlichen Niveau. Hier kommen vor Allem die Anhänger des unkomplizierten und trinkfreudigen Stils auf ihren Geschmack. Der “Lower East” Cab Sauv ist an Trinkfluß nur schwer zu überbieten. Dicht ist er, extrem fruchtig und röstig, mit einem Hauch von Grafit und einer gewissen Süße – ohne wirklich süß zu sein. Top Trinkspaß auf hohem Niveau.

Ein Wein hat mich allerdings ganz besonders gepackt – ich wage es kaum zu sagen. Ein Rosé. Ich mag keinen Rosé – das ist nicht neu, wenn man diesen Blog kennt. Ich finde diese Art von Wein in der Regel langweilig und an Belanglosigkeit kaum zu überbieten. Ich hatte mehrere, extrem einprägende Erlebnisse vor über 20 Jahren in Südfrankreich mit dieser Art von Wein. Seitdem mache ich meistens einen Bogen um dieses Zeug. Natürlich gibt es Ausnahmen und natürlich mag ich Rosé dann, wenn er Kohlensäure hat und in Form von Schampus oder gutem Sekt vor mir steht. Der 2013 Rosé Olsen Vineyard hingegen ist einer, den ich tatsächlich trinken würde – und zwar in großen Mengen. Noch nie ist es mir passiert, dass mich diese Art von Wein so angemacht hat. Alleine schon deshalb, weil aus dem Glas ein schier aberwitziger Geruch förmlich herausspringt. Etwas, was mich sofort gepackt und nicht mehr losgelassen hat. Eine Frucht, die mir direkt ins Hirn ging und einen direkten Trinkreflex auslöste. Unfassbar, dass mir das mit einem Rosé passiert.

Sollte jetzt der ein oder andere Lust auf diese Weine bekommen haben, kommen wir zur eigentlichen schlechten Nachricht. Die Weine gibt es leider nicht hier in Deutschland. Weine aus Washington State sind wahre Exoten hierzulande und die wenigen Händler, die versucht haben sie zu verkaufen – oder es immer noch versuchen – stöhnen. Das meiste liegt wie Blei. Unbekannt und zu teuer, hört man in der Regel. Ein Witz, ein schlechter. Natürlich sind die Weine nicht billig. Gregs Syrahs kosten zwischen 40 und 60 Dollar. Die herausragenden Rotweine von Andrew Will kosten beispielsweise bis zu 80 Dollar und die müssen sich vor keinem der Top Bordeaux verstecken. Natürlich sind diese Weine kein Schnäppchen. Setzt man die Preise aber in Relation zu dem, was man teilweise in Frankreich bezahlen “darf”, sieht das Ganze schon wieder anders aus. Der “Forgotten Hills” wird mit seinen 60 Dollar kaum zu schlagen sein. Und wenn, dann wird es deutlich teurer. Wie gesagt, alles reine Makulatur, das Zeugs gibt es nicht. Noch nicht. Ich hoffe ich kann dazu beitragen, das bald zu ändern…

Hier gibt es übrigens Videos zum Thema Washington

3 Kommentare zu “Syrah vom Feinsten – Gramercy Cellars

  • Frank

    Lieber Dirk, danke für den Tipp – bei Boucherville hier in Zürich gibt’s eine ziemlich schöne Auswahl an Weinen von Gramercy – Leider nicht den “Forgotten Hills” – dafür etwa 5 andere Syrahs (sowie diverse Cabs und Rhone-Blends) …

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  • EC

    Das mit den Rosés kann ich gut nachvollziehen. Ging mir früher genauso. Ist ja auch kein Wunder, welcher Winzer macht schon Rosés aus Passion? Die allermeisten haben gerade mal einen einzigen als Sortimentsfüller im Programm und ich unterstelle mal, daß in die Weinwerdung eines Rosés im Durchschnitt deutlich weniger Winzerherzblut investiert wird als für die Farben Weiß und Rot. Meist ist es ja eh’ nur “Abfall” in Form von Saftabzug aus der Rotweinkonzentration. Und wo findet man mal einen Rosé oberhalb der Gutsweinebene? Rosa GG für 30 Euronen plus? Oder wenigstens ein Lagen-Rosé? Absolute Fehlanzeige, zumindest mir nicht bekannt. Bin aber für Hinweise absolut dankbar!
    Aber zumindest für meinen Geschmack habe ich in den letzten Jahren dennoch ein paar wenige rosa Tröpfchen aus D, A, I, F gefunden, die weit abseits vom Bonbon-Klischee Spaß machen. Sogar im Rheingau. Manche allerdings erst so richtig, wenn sie ein paar Jahre alt sind. Womit die Mär, daß Rosés ausschließlich ganz jung getrunken werden müssen, aus meiner Sicht auch widerlegt ist. Die werden allerdings den “normalen” Roséliebhabern weniger gefallen, schätze ich.
    Mein aktueller Favorit -aus Nerello Mascalese- stammt übrigens aus Sizilien vom Etna :
    https://ec1962.wordpress.com/2015/12/15/rosa-steine/
    Ob der mit dem hier beschriebenen Rosé mithalten kann, weiß ich nicht, aber er hat zumindest den Vorteil, daß er hier erhältlich und gemessen am Geschmackserlebnis lächerlich günstig ist…

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