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Jahrgang 2015 – Mosel – Meierer – update 4

Halbzeit bei Meierer an der Mosel

Nach einer Woche Lese würde ich grob schätzen, dass die Hälfte im Keller ist und das trotz Anlaufschwierigkeiten. Erst wurde unser Leseteam stark dezimiert durch diverse, sagen wir, unglückliche Ereignisse und andere Dinge über die ich mich nicht mehr aufregen will. Dann ging auch noch das Keltertuch am zweiten Tag kaputt. Ohne kann man nicht pressen, folglich Lesepause. Also ging es erst vergangenen Mittwoch los mit einer Mischung aus voller Lese für die Basisqualitäten und Vorlese für die Premiumweine.

Mit stetig steigenden Lesehelferzahlen ist auch die Schlagkraft gestiegen und wir ernten mittlerweile in guter Geschwindigkeit. Im Endeffekt fand ich die kleine Verzögerung sogar ganz gut, es gab noch den einen oder anderen Tag Sonne, aber viel wichtiger der Typ auf Drogen (aka Petrus) schickt und auch kühle Temperaturen mit trockenem Ostwind. Dies wiederum führt zu sauber eintrocknender Botrytis, wo diese vorhanden ist oder konstant gesund bleibenden Trauben –  wo ebendiese fehlt. Aber die Säure nimmt konstant ab. Was heißt das für den Wein!?

1. Dieses Jahr gibt es optimale Trauben für jede Geschmacksrichtung. Trocken, feinherb, fruchtsüß, edelsüß, super-duper-süß
2. Wir haben momentan erst Trauben für die feinherben und fruchtsüßen Weine gelesen. Die Trauben für die trockenen Weine hängen vorselektiert noch komplett draußen.
3. 2015 kann gar nicht mehr schlecht werden.

Wenn jetzt einer was meckern will, könnte man anführen, dass es wenig gibt. Zumindest hört man das öfter von Kollegen. Ich für meinen Teil schätze den Ertrag nach der ersten Woche im mittleren Bereich ein. Mehr dazu in einer Woche, dann sollte so gut wie alles im Keller sein!

Einen Aufreger gab es dann aber noch:

Der Fassweinpreis!!! Sagt mal ihr Kellerpeispackos, hab ihr den Schuss nicht gehört??? 0,70ct pro Liter Rieslingmost wollt ihr bezahlen? Davon sollen Winzer überleben, wenn der Preis nicht bald wieder steigt wird es definitiv im kommenden Jahr viele neue Brachparzellen an der Mosel geben. Die noch viel bessere Begründung: „Der Preis orientiert sich an den Preisen in der Pfalz und Rheinhessen.“ Abgesehen davon das es selbst dafür zu niedrig ist sind wir hier immer noch an dieser komischen Mosel mit ihrem etwas höherem Arbeitsaufwand.

 

5 Kommentare zu “Jahrgang 2015 – Mosel – Meierer – update 4

  • EC

    Was mich als reinen Endverbraucher von Weinen, die im Durchschnitt so ca. 13 bis 16 Euronen kosten dürften, mal interessieren würde, wäre, welchen Stellenwert diese Faßweine bei den Erzeugern einnehmen, die ja eigentlich für ganz andere Qualitäten -bei mir- bekannt sind.

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  • Michael

    Nunja,die unteren 10% kommen in allen Weingütern auf dem Umweg Kellerei Zum Discounter. Dann gibt es neben den selbstvermarktenden Winzern eine Menge reine Trauben- bzw Fassweinproduzenten. Die liefern alles über letztgenannt Weg. Es gibt einen Preis pro Liter egal was es ist. Entsprechend wird produziert…Nun könnte man sagen “ist doch egal wenn die untergehen/aufhören”. Isses aber nicht. Für 70 Cent pro Liter kann man auch in Autobahnlage Rheinhessen oder Pfalz nicht kostendeckend produzieren. Mosel 3x nicht.
    Positiv : ich habe bis Ende der Woche alles drin und bin end-laser-happy mit dem Jahrgang:)
    PS: welchen Schuss sollen die Kellereien denn gehört haben?

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    • EC

      Ich bin ja eigentlich der Meinung, daß jeder für seine Arbeit auch ordentlich bezahlt werden soll. Aber in manchen Märkten funktioniert das anscheinend nachhaltig nicht. Ist ja bei der Milch nicht viel anders. Solange man die Erzeuger immer gegeneinander ausspielen kann bzw. es immer genügend gibt, die dann doch zum festgesetzten Preis liefern, ist man dann als Einzelner einfach ausgeliefert. Also eine kollektive Flucht in die Produktion höherpreisiger Weine? Dafür sind dann wohl die Konsumenten nicht da, wenn ich mir die Durchschnittspreise im Weingeschäft so anschaue. Der Markt verlangt leider nach Billo-Weinen, für die man dann eben keinen höheren Faßweinpreis bezahlen kann. Ich weiß nicht, was passieren würde, wenn der Billo-Wein sich von 1,99 EUR auf 2,49 EUR verteuert. Wird dann einfach spanischer Plempel gekauft? Ich sehe da jetzt keinen wirklichen Ausweg, aber ich bin ja auch nicht wirklich nah an dem Thema dran…

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  • Michael

    in groben Zügen sieht das so aus. Wie in jedem anderen Markt in dem das Angebot die Nachfrage weit übersteigt…wenn bspw. deutscher Riesling für 1,99 nicht mehr zu haben ist, wird er substituiert durch irgendwas von irgendwoher was eben mit angemessener Spanne zu dem Preis zu verscherbeln ist. Über die Konsumenten in diesem Segment möchte ich mich nicht mehr aufregen:)
    Ein Teil des Problems ist sicherlich auch die extreme Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel. Es gibt noch 4-5 Player, die das Ganze alleine diktieren und den Kellereien klare Ansagen machen was, wie zu tun ist. Ich denke dass das Ganze auch wieder drehen wird und sich kleinere Spezialanbieter etablieren werden (gab es alles schon mal). Aber bis dahin wird es für viele Erzeuger zu spät sein.
    Die Mosel wird sich in Richtung Qualität konsolidieren. Das ist zwar im Moment hart, aber langfristig auch nicht das Schlechteste…

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    • EC

      Bei der Konsolidierung wünsche ich mir ganz uneigennützig, daß die derzeitige Vielfalt im deutschen Qualitätsweinbau erhalten bleibt oder sich vielleicht noch weiter steigert! WTF…

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