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Fazit 2014

Es ist dann jetzt doch an der Zeit für ein kleines Fazit in Sachen des Jahrganges 2014.  

Ich gebe es gerne zu, diese Ernte hat Nerven gekostet – und wie. Nachdem es tatsächlich, trotz größter Hoffnung, nie wirklich trocken wurde, war das alles andere als ein Spaziergang. Ich habe mittlerweile drei verschiedene Wetter-Apps auf meinem Telefon, den obligatorischen Regen Radar und diverse gespeicherte Wetterseiten. Nicht eine davon war auch nur im Ansatz hilfreich in diesem Herbst. Im nächsten Leben werde ich Meteorologe, da kann man allem Anschein nach so ziemlich alles machen, was man will, es spielt keine Rolle ob das, was vorhergesagt wird auch tatsächlich zutrifft… ;-)

Schlussendlich haben wir uns von Wetterfenster zu Wetterfenster gehangelt. Sprich: sobald es mal kurz nicht geregnet hat, gingen wir ernten. Dummerweise war es beinahe jeden Morgen hier extrem nebelig. Nebel ist nur leider mindestens genau so wenig produktiv, wie Regen. Lange Rede kurzer Sinn – die Ernte 2014 bleibt als eine der aufwendigsten überhaupt in Erinnerung. Ein wahrer Selektionsmarathon. Mal positiv, mal negativ, mal alles gleichzeitig. Ein aberwitziger Aufwand, den wir nur dadurch bewältigen konnten, indem wir unsere Erntemannschaft direkt verdoppelt haben.

Zum Glück ist am Ende die Menge nicht ganz so wenig wie in 2013, wenngleich sie aber auch nicht wirklich hoch ist. Man kann zufrieden sein. Die Qualitäten sind extrem unterschiedlich. Von “geht so”, bis “grandios”ist alles im Keller. Es gärt – manches zügig, manches sehr langsam. Im Keller läuft alles weitestgehend nach Plan. Das große Glück bei all den “Naturgewalten” war die Tatsache, dass viele Trauben früh bereits sehr reif waren. Die Säure war somit weniger hoch als befürchtet und der große Entsäuerungsgau blieb aus. Die Moste schmeckten bereits mit 83 Oechsle ziemlich reif.

Ganz entscheidend, zumindest für mich persönlich, war der Unterschied zu den Ökotrauben. Die waren wesentlich länger stabil und dadurch gesünder als die konventionellen. Natürlich gab es auch hier Fäulnis, aber eben weniger und später. Für mich ist das wieder einmal der Beweis, dass es kaum Alternativen zur ökologischen Wirtschaftsweise gibt.

2014 ist weider ein extremes Jahr. Zum wiederholten Mal in jüngerer Vergangenheit läuft ab einem bestimmten Zeitpunkt alles in Extremen ab. Auch das ist ein deutliches Signal. Es ist entweder zu warm, zu kalt, zu trocken oder zu nass. Wir sind mittendrin im Klimawandel, da hilft kein wegreden. Es hilft auch kein Relativieren und diesen Satz: “Klimawandel gab es schon immer”, kann ich nicht mehr hören. Natürlich gab es den schon immer. Und? Das was jetzt passiert, haben wir zu verantworten. Das ist der erste vom Mensch verschuldetet Klimawandel. Und dagegen muss etwas getan werden.

Natürlich werden wir uns in der Landwirtschaft auf diese Extreme einstellen. Unsere Art der Weinbergsbearbeitung wird sich in einigen Punkten gravierend ändern. Öko oder nicht öko ist für mich persönlich überhaupt keine Frage mehr. Hier ist die Entscheidung mit diesem Jahr endgültig gefallen.

4 Kommentare zu “Fazit 2014

  • Wolfgang

    Dirk, Frage eines angehenden Hobbywinzers: viele “klassische” Winzer argumentieren aber gerade in diesem Jahr, dass ein enormer Spritzaufwand im Bioweinbau betrieben werden musste. Die meisten sind anscheinend 14 – 18 mal rausgefahren, die konventionellen nur ca 5 – 8 mal (so sagen viele zumindest hier im Burgenland). Kann das erstens stimmen? Die Ökobilanz (CO2Footprint etc) beeinflusst das sicher, sehr wahrscheinlich auch Bodenverdichtung (gerade wenn es nass ist), zudem gibt es ja immer die Diskussion von sehr viel notwendigen Kupfer bei biologischer Bewirtschaftung….
    Zweitens: du schreibst “kaum Alternativen zur ökologischen Bewirtschaftung…da würde mich deine Meinung sehr interessieren welche Bewirtschaftungsmethoden es doch gibt und unter welchen Bedingungen diese besser wären und Drittens: was genau macht die Biotrauben und Stöcke wirklich gesünder? Ganz so wie N.Joly das sagt oder noch was anderes?
    Vielleicht mal ein eigener Artikel zu diesem Thema? Drängt sich vielleicht für viele interessierte Weintrinker nach deinem Kommentar auf.
    Herzliche Grüße
    Wolfgang

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    • Dirk Würtz Post author

      @Wolfgang
      Das ist eine gute Idee, das mache ich die Tage mal.
      Kurz vorab: nix gegen Nicolas Joly, aber der ist mir mittlerweile eher etwas suspekt…

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  • HomoCogitans

    “Klimawandel gab es schon immer.”
    Völlig richtig. Man könnte hinzufügen: und vermutlich wird es auch weiterhin Änderungen geben. Dass das Klima konstant bleiben sollte, ist keine logische Schlussfolgerung in solch nichtlinearen Systemen.

    “Das was jetzt passiert, haben wir zu verantworten. Das ist der erste vom Mensch verschuldetet Klimawandel.”
    Nun, es gibt keine Belege für die These, der Mensch habe den Klimawandel verursacht. Sollte die Spezies dennoch dazu beigetragen haben, so ist dies schlicht der Tatsache geschuldet, dass der Mensch eben auch zur Natur gehört und kein artifizielles Wesen ist.

    Der Autor gibt eingangs zu, dass noch nicht einmal das aktuelle Wetter korrekt vorhergesagt werden kann, obwohl im Maßstab verhältnismäßig kleine Zeitfenster angegeben werden. Gleichwohl wird suggeriert, der Mensch können qualifizierte Aussagen über Klimaspezifika treffen.

    “Und dagegen muss etwas getan werden.”
    Ideologie? Aktionismus? Weswegen etwas gegen den Klimawandel unternommen werden muss, wird nicht ausgeführt.

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    • Dirk Würtz Post author

      @Homowasauchimmer
      Sorry, aber solche Diskussionen führe ich nicht mehr und schon gar nicht anonym . Das könne Sie gerne anderswo trollmäßig tun, hier nicht!

      Reply

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