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Jahrgang 2014 – Rheinhessen

Hans-Oliver Spanier, Inhaber und Weinmacher der beiden Spitzenweingüter Battenfeld-Spanier und Kühling -Gillot zur aktuellen Ernte.

 

Nachdem der Pulverrauch der letzten Woche verzogen ist, gilt es wie man so schön sagt, das erlebte zu verarbeiten.

Ich hätte es in meinen kühnsten Träume nicht erwartet, dass bei den Kollegen so schnell die Hütte so brennt. Um es vorweg zu nehmen, ich sehe in vielen Rotweinsorten keinen großen Sinn. Ich trinke diese Weine so gut wie nie, und habe mit so manchem Geschmacksprofil meine Probleme. Nichtsdestotrotz hat sich in der letzten Dekade für viele Betriebe eine Erfolgsstory gerade im Rotweinsegment entwickelt. Und jede Flasche handwerklich, seriös und nachvollziehbar produzierter Rotwein ist per se eine gute Flasche Wein.

Was aber in kürzester Zeit mit diesen Trauben passierte, war nicht zu erwarten. Dieses Mistvieh an Fliege hatte es geschafft, beinahe ganze Landstriche in Angst und Schrecken zu versetzen. Natürlich kamen Umstände ins Spiel, die die Population geradezu explodieren ließen. Kein Frost, ein frühes und warmes Frühjahr, ein kühler und feuchter Spätsommer. Alles das braucht die Kirschessigfliege um ihr verheerendes Werk zu verrichten. Hinzu kamen die untypischen subtropischen Temperaturen, die den reifen Rotweintrauben dann final den Garaus machten.

Bei den Burgundersorten und dem Riesling (spätere Reife) bei perfekter Vorbereitung sah (sieht…??) die Nummer noch vielversprechend aus.

Zur Situation:

Wir haben letzte Woche bereits begonnen, die ersten Spätburgunder, Grauburgunder und Weissburgunder zu ernten. So früh wie noch nie. Allerdings auch selten so perfekt, in Reife und Zustand. Gerade der Spätburgunder bereitet mir gerade sehr viel Freude.

Die unglaublichen Gewitter vom Wochenende, haben unsere wichtigsten Lagen glimpflich davon kommen lassen. Wir hatten glücklicherweise nicht diese monsunartigen Regenfälle wo in kürzester Zeit bis zu 50 Liter gefallen sind. Heute morgen habe ich von nicht zu glaubenden Regenmengen und Unwettern mit Hagel in der direkten Nachbarschaft gehört. Hier wird man sehr schnell demütig. Ein vergessenes Wort in unsere von Hysterie, iphone, tablet, online blablabla geprägten Welt.

Ich werde erst in zwei, drei Tagen sehen, wie stabil gerade die Rieslinge sind. Wenn uns die Kälte erhalten bleibt, dann dürfte sich die Situation stabilisieren.

Fazit:

Alles könnte noch drin sein. Nach den Jahren 2010 (spät, klein), 2011 (Spätfrost, Hagel,klein), 2012 (Hagel, klein), 2013 (spät, klein), hatte ich mich auf einen entspannten “normalen” Herbst gefreut. Entspannt ist zwar anders, freuen tu ich mich immer noch.

Ich öffne jetzt eine Flasche Champagner und rauche eine Zigarre dazu!

Hurra ich lebe noch!

H. O.

3 Kommentare zu “Jahrgang 2014 – Rheinhessen

  • Steven

    Ist doch logisch dass es in der Hütte raucht, wenn es um die eigene Existens geht!
    Die Kredite laufen doch weiter!!!
    Wie können Sie sich darüber nur wundern???

    Reply
    • H.O. Spanier

      Ich wundere mich nicht darüber. Da haben Sie etwas falsch interpretiert. Ich habe es mir nur nicht vorstellen können, dass die Kirschessigfliege so schnell so viel Schaden anrichtet. Das geerntet werden musste, ist doch logisch.

      Reply
  • till

    Wir drücken die Daumen das alles doch noch etwas glimpflicher verläuft, zumal das Wetter ja in den nächsten tagen für Deutschland mehr als sommerlich werden soll und die letzten, sehr kühlen Tage ohne Regen haben hoffentlich auch schon etwas geholfen ;) )
    Good Luck

    Reply

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