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Jahrgang 2014 – Südtirol

Ganz besonders freue ich mich, dass Armin Kobler aus Magreid auch in diesem Jahr wieder hier bei mir berichtet. Seine unaufgeregte Art und sein enorm großes Fachwissen machen ihn, zumindest für mich, zu einem der kompetentesten Ansprechpartner.

Dass da was ganz Eigenartiges auf uns zukam, das schwante uns schon im Winter, der eben keiner war. Sehr viel Regen im Tal und riesige Mengen Schnee am Berg. Und dann ein Austrieb, den man sich früher nicht vorstellen konnte, das Gespenst eines rekordfrühen Jahrgangs ging lange Zeit umher. Auch die Blüte war stark vorgezogen, was diese Befürchtungen weiterhin nährte. Der Juni war der wärmste Monat dieses kalendarischen Sommers und bis dorthin hatten wir auch die Rebkrankheiten dank der üblichen Niederschlagshäufigkeit noch im Griff. Und dann kamen der Juli und der August: Regen, bewölkt und kühl mit einer Häufigkeit und Dauer, an denen sich keiner der Alten erinnern kann. Und bis gestern hat sich das Wetter immer noch nicht auf ein längeres Hoch eingestellt. Im Juli hat man gedacht, ein schöner August wird das schon richten, im August erhoffte man das vom September, inzwischen hat man weitestgehend resigniert. Der vorausgesagte deutlichste Reifefortschritt aller Zeiten ist inzwischen sogar hinter jenem des extrem spätreifen 13ers zurückgefallen! Ein nach hinten verlegtes Lesedatum wäre an sich kein Problem, im Gegenteil, aber die andauernde Nässe hat enorme phytosanitäre Probleme mit sich gebracht.

Ein extrem starker Peronosporabefall ab Mitte Juli der Blätter (bei Merlot auch in den Trauben) hat sich noch als das Harmloseste herausgestellt. Gleichfalls stellte sich Oidium bei den anfälligeren Sorten ein (normalerweise schließt das eine das andere aus), in einigen Orten hat es auch mehrmals (!) stark gehagelt. Die vom Wasser aufgepumpten Beeren platzten vielerorts, sodass hauptsächlich bei den Burgundersorten starker Essigfäulebefall zu verzeichnen ist. Nicht verwunderlich, dass auch für den Botrytispilz die anfälligen Beernhäute kein echtes Hindernis darstellen. Interessant, aber auch traurig, zu beobachten, dass vorbildhaft gepflegte Anlagen mit wenig Wachstum, lockerer Traubenstruktur, ordentlichem beidseitigen Entblättern um die Blüte und gutem Pflanzenschutz bis vor kurzem überdurchschnittlich dastanden, jetzt aber auch beim Zusammenbrechen sind. Der Regen – wenn ich mich nicht täusche, die doppellte Regenmenge als normal – und die andauernde Blattnässe waren einfach zu viel, das hält keine Rebanlage auf die Dauer aus. Und natürlich hat auch die Kirschessigfliege nach einem ruhigen Jahr wieder zugeschlagen. Dafür beschränkt sie sich nicht mehr wie anfänglich auf Vernatsch, inzwischen wurde sie auch in Lagrein, Merlot- und Rosenmuskatelleranlagen gefunden.

Seit ca. zehn Tagen werden im Bozner Unterland, in der Stadt Bozen selbst und ihrem Umland, den frühesten Gegenden Südtirols, die Weißweinsorten gelesen. Um die zwei Wochen früher als es der Reifefortschritt eigentlich zulassen würde, aber der Zustand der Anlagen lässt meisten keinen Aufschub zu. Nachdem in der Südtiroler Kellerwirtschaft nur 100 %ig gesundes Lesematerial akzeptiert wird, wird überall in den Anlagen fleißig an den Trauben gezupft, was den Leseaufwand signifikant steigen lässt. Die errreichten Mostgewichte sind natürlich unter den üblichen, die geernteten Mengen leider auch, nicht nur wegen der Selktionsarbeit, schon beim Austrieb wurden bei vielen Sorten weniger Gescheine pro Trieb als üblich gezählt.

Weißer Sauvignon, Ruländer, Weißburgunder und Chardonnay sind die aktuell gelesenen Sorten, in den nächsten Wochen kommen auch der Gewürztraminer in den klassischen Lagen dazu, danach werden die ersten problematischen Vernatschweingärten folgen. Wo es geht, versucht man die Lese hinauszuschieben, um doch noch Reifegrade zu erreichen, welche den bewährten nahe kommen. Schon eigenartig, wir haben die Mostgewichte der 80er Jahre mit den Erträgen der jetztigen Zeit und darunter. Vom Vorwurf der übertriebenen Alkohollastigkeit dürften wir mit dem 14er weitestgehend verschont bleiben, auch was. Wenn das Wetter in der verbliebenen Zeit noch mitspielen würde  - die Hoffnung stirbt wie immer als letztes – , könnte viel Hängendes noch einen bescheidenen aber doch merkbaren Qualitätssprung machen. Es ist sicherlich noch voreilig, von einem schlechten Jahrgang zu sprechen. Extrem schwierig ist er aber allemal. Es wird auch vom 2014er sehr gute Weine geben, nur werden diese deutlich weniger sein als in den letzten Jahren.

lg
armin

2 Kommentare zu “Jahrgang 2014 – Südtirol

  • Pingback: 2014 | Felix und St. Michael Eppan

  • Weinhandel Schickert

    Es wäre wirklich schade, wenn dieser Jahrgang ins “Wasser fallen” würde.

    Ein guter Schoppen zum Essen oder am Abend zum Entspannen ist für viele Menschen ein Teil des täglichen Genießen und Erholens.

    Und die Klimaerwärmung lässt doch Rotwein am Nordpol wachsen oder braucht man nur eine Rechtfertigung für die Ökosteuer?

    Reply

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