Alles über Wein und den Rest der Welt…

Jahrgang 2014 – Pfalz

Wie im vergangenen Jahr, werden hier auch in diesem Jahr einige Kollegen aus anderen Anbaugebieten über die bevorstehende Ernte berichten. Den Anfang macht heute Volker Benzinger, “Meister B.”, aus Kirchheim in der Pfalz.

Benz1Die Weinlese beginnt nun bald, und somit wird es Zeit,wieder etwas über die Pfalz und den Herbst zu berichten. Dies geht dieses Mal nicht ohne vorher das Jahr in kurzen Zügen Revue passieren zu lassen.
Der Winter 2013/2014 war einer der wärmsten, die wir in den letzten Jahrzehnten erlebt haben.Es gab sehr wenig Frost, und wenn er mal kam, war er nicht sehr stark.
Schnee gab es bei uns gar nicht und Regen hielt sich auch in Grenzen. Dies alles hatte zur Folge, daß die Winzer zügig ihre Winterarbeiten erledigen konnten und man schon relativ früh begann,von einem außergewöhnlichen Jahrgang zu sprechen. Sind wir doch mal ehrlich, es hat uns schon gefallen, unsere Arbeiten zügig ohne große Hemmnisse durch das Wetter erledigen zu können und da war dann auch noch die Freude über den niedrigen Energieverbrauch.

Der Austrieb kam so früh wie noch nie und war auch noch bilderbuchmäßig, dann die Blüte Ende Mai und schon war der Ausnahmejahrgang perfekt. Lange Zeit regnete es sehr wenig und im Juni wurde es ausgesprochen heiß. Die Schädlingsbekämpfung war ein Spaziergang und wer die Intervalle einhielt, bekam so gut wie keinen Mehltau zu Gesicht.

Dann kam die Wende: Juli und August sehr regnerisch und viel zu kühl. Das war gar nicht so schlimm, denn die Trauben hatten ja einen Vorsprung und sie entwickelten sich weiterhin gut. Trotz des vielen Regens, der nicht wie gewohnt langsam und behutsam so vor sich hinnieselte, sondern in wahren Sturzbächen innerhalb weniger Minuten auf uns herniederprasselte, blieben die Trauben gesund. Hier und da ein paar eingetrocknete, weil durch das Volumen der anderen abgedrückte Beeren, aber alles in allem kein Grund zu großer Sorge.

Das Wetter blieb weiterhin kühl und feucht , trotzdem entwickelten sich die Trauben gut und sie wurden langsam süß mit noch beachtlicher Säure, aber der megagroße Entwicklungsvorsprung bildete sich so langsam auf ein Normalmaß zurück. Mit der Reife entwickelten sich aber auch ein paar Probleme, von denen wir nicht wissen, wo die Reise hingeht. Wahrscheinlich als Folge des warmen Winters, trat erstmals bei Rotweinsorten massiv eine Fliege auf, die “drosophila suzuki” oder auch “Kirschessigfliege” genannt, die in großer Zahl Traubenbeeren anstach und darin ihre Eier ablegte, aus denen binnen kürzester Zeit ein Wurm entstand, der die Trauben von innen her auffraß. Im schlimmsten Fall konnte dies binnen weniger Tage zur totalen Zerstörung aller Trauben eines Weinbergs führen. Die Winzer sind ausnahmslos alle verunsichert und verängstigt und haben bereits begonnen von der Fliege befallene Trauben zu ernten um den Schaden so gering wie möglich zuhalten. Trotz geringer Reife scheint die frühe Ernte für viele das kleinere Übel zu sein. Man weiß halt definitiv nicht, oder noch nicht, wie man mit der Gefahr umgehen soll. Ein weiteres, jedoch nicht ganz so massives Problem als Folge des warmen Winters sind Mäuse, die in die Laubwand klettern und dabei die süßen Trauben anknabbern. Die angefressenen Trauben können im Extremfall faul werden oder im günstigsten Fall austrocknen.

Die Reife der Trauben schreitet voran und die Säurewerte gehen langsam auf erträgliche Werte zurück. In den nächsten Tagen wird die Lese der frühen Rebsorten beginnen und wenn man sich die Trauben so anschaut, kann man mit Hoffnung einer guten Ernte entgegensehen.Der immense Vorsprung ist weitestgehend der Normalität gewichen, was wir als wohltuend empfinden, denn mit dem Normalen haben wir gelernt,umzugehen.

Viele Grüße aus dem Leiningerland

Ihr Meister B.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>