Alles über Wein und den Rest der Welt…

Fleischdreck!

Es wird jetzt ganz gewaltig emotional und alle empfindlichen Gemüter sollten das, was jetzt kommt, einfach nicht lesen, ignorieren oder was auch immer. Es geht, wieder einmal um unser tägliches Essen…

Ich weiß gar nicht wo ich in meinem aktuellen Zustand der emotionalen Kernschmelze anfangen soll. Vielleicht mit dieser unsäglichen Beliebigkeit, diesem kranken Hang zum Relativieren und dieser “istmirdochallesegalichhabeeswarmundkuschelig” Haltung. Giftgas in Syrien, tote Kinder? Weit weg! Durchgeknallte faschistisch-islamistische Terroristen im Irak? Da fahre ich eh nicht hin! Ukraine? Mir Wurscht! Ebola, AIDS, Hunger, Hass, Kinderarbeit…klar, alles schlimm, können wir darüber reden. Am besten virtuell, da darf auch jeder die Sau rauslassen. Apropos “Sau”. Es ist eine Schande, ein Dilemma, ein Armutszeugnis, ein sechs Minus, was in der deutschen Fleischindustrie passiert. Und warum? Weil es keinen Menschen interessiert, wie es der Sau geht. Es ist kaum zu glauben, aber leider ist es wahr. Der deutsche Konsument schert sich eine Dreck darum, wie es gemacht wird und wo es herkommt. Nicht alle, versteht sich, aber die meisten!

Mit ist völlig klar, dass Blogbeiträge, wie die vielen zu dem Thema mittlerweile hier bei mir, völlig verpuffen. Das bekommt keiner mit. Komischerweise berichten aber auch alle großen Gazetten, alle Radiosender und TV-Stationen SEIT JAHREN permanent und regelmäßig über einen Fleischskandal nach dem anderen. Und was passiert? Richtig – nichts! Keine Sau, Pardon, kein Mensch interessiert sich dafür. Wobei das so ja gar nicht stimmt. Natürlich interessiert “man” sich dafür. Innig, heiß und laut wird insbesondere am virtuellen Stammtisch getobt, geschimpft und beleidigt was das Zeug hält. Die Fleischmafia wird beschimpft, die Discounter und die Politik sowieso! Wahrscheinlich liegt dabei neben der Tastatur noch der Schnäppchen-Hackfleisch-Einkauf vom Wochenende. Aktuell gab es bei einem großen Discounter eine Aktion: 500 Gramm Gemischtes Hackfleisch für 1,79 Euro. Geil!

Dabei wäre es doch so einfach. Knapp 60 Millionen Schweine fressen wir jedes Jahr. 6 0  M i l l i o n e n… Wir müssten doch nur auf die Hälfte verzichten und es wäre schon viel geholfen. Wir müssten einfach nur Fleisch wieder zum “Nichtgrundnahrungsmittel” machen. Nein, ich bin kein Vegetarier. Ich liebe Fleisch. Aber ich muss und ich will es nicht immer und jederzeit essen. Ich habe Respekt vor den Tieren, auch wenn ich sie esse. Ich will, dass es ihnen zu Lebzeiten gut gegangen ist. Deswegen achte ich darauf, was ich wo kaufe. Und weil das dann eben teurer ist, gibt es das Ganze auch nicht jeden Tag. Es geht darum sich etwas leisten zu wollen, nicht zu können. Mit Essen spielt man nicht und mit Essen protzt man auch nicht. Die Zeiten, in denen Fleisch ein Statussymbol war, sind lange vorbei! Es gibt kein Grundrecht auf Fleisch. Und wer protzen will, soll meinetwegen aus realen elf Zentimeter 28 Zentimeter machen. Mir egal. Aber beim Essen hört der Spaß langsam wirklich auf. Es kann doch nicht so schwierig sein. Was muss denn noch alles passieren? Wollt Ihr alle krank werden? Wollen wir alles aufgrund fehlender Einsicht in Grund und Boden reiten?

Es muss etwas passieren! Und so wie ich das sehe, geht das nur mit einer Art Zwang. Lebensmittelkunde und Ernährung muss zum Hauptpflichtfach in Schulen werden. Vom Anfang an bis zum Ende. Gärten wären schön und Tiere irgendwie auch. Ja, ich fantasiere, aber das ist mir jetzt auch egal! Es ist eine Frage der Bildung und nichts anderes. Wer nicht weiss, was er isst, der frisst sich immer blöde., Wer es nicht wissen will, muss dazu gezwungen werden es wissen zu wollen! Wie so oft, ist Bildung der Schlüssel zur Veränderung. Egal in welchem Bereich. Wäre es nicht beinahe absurd, würde ich zur Gründung eines “Aktionsbündnisses” aufrufen. Aber dann müsste ich noch viele andere Aufrufe auch starten. Vielleicht hilft ein wenig flehen und bitten: Denkt doch nach und ändert etwas. Esst seltener Fleisch, esst es bewusst und kauft es in ordentlichen Metzgereien wie hier bei Metzger David, oder beim Metzger Dirr, oder hier beim Metzger Hardt.

Weniger emotional geht es hier zu…

16 Kommentare zu “Fleischdreck!

  • Heike

    Bin 100% deiner Meinung! Es sollte auch viel mehr Bilder geben, die den Begriff Massentierhaltung direkt zeigen. Und was die Billigpreise genau bedeuten. Es darf nicht möglich sein, dass es sich so leicht verdrängen lässt. Ein gutes Blog zu diesem und verwandten Themen gibt es hier:

    http://jorgeson13.wordpress.com/
    Lg

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  • Jasenka Wallbraun

    Ein sehr gut geschriebener Beitrag, danke Dirk. Du spricht mir aus der Seele- aber die Menschen sind eben ignorant, selbst wenn sie schwer erkranken fressen sie weiter als gäbe es keinen Morgen-und erwarten die Hilfe vom Arzt . Dabei könnten sie sich selber so gut helfen wenn sie sich etwas mäßigen würden…
    Es liegt an der Bildung, oh ja, aber selbst die Ärzte werden manipuliert und empfehlen viel zu selten ein Umdenken in der Sache Ernährung…Teufels Kreis-und das im Informationszeitalter.
    Ich bin selber seit einigen Jahren kein Fleischesser mehr und viel gesünder, aber wenn solche Worte von mir kämen dann würde es heissen das ich missioniere. Daher noch ein mal-DANKE das du als Fleischessender Mensch trotzdem klar siehst und über das Thema offen redest.

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  • Münch Peter

    Dirk du hasst vollkommen recht, es müsste viel mehr aufgeklärt werden, aber ich glaube zuerst müssten unsere Politiker aufgeklärt werden, damit Veränderungen im Bewusstsein der Verbraucher erfolgen
    - PS – Dirk du hasst die Metzgerei Braun http://www.braun-1905.de vergessen-

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  • Bernd Klingenbrunn

    Sag ich schon seit Jahren, Lebensmittelkunde oder das Thema Ernährung in den Schulen nicht so stiefmütterlich zu behandeln, sondern es zum Pflichtfach zu machen. Es muss “live an den Mann gebracht werden”, nur so bekommen wir mehr Bewusstsein in die Köpfe der Menschen.

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  • Herr Meier

    Es ist überall immer die selbe Abhandlung. Es wird gejammert und sich beschwert, ein Brennpunkt jagt den nächsten, aber an der Kasse beim Discounter wird dann die ganze Betroffenheit weit hinter sich gelassen. In Deutschland geht der Konsument nun einmal mit seinem Konto vorsichtiger um, als mit seiner Gesundheit. Für die zahlt er ja auch schon jeden Monat ein, da muss irgendwann auch mal Leistung fließen, sonst ist es ja umsonst.

    Beim Thema Amazon und Löhne und Autorenerpressung das selbe Schema. Motzen, meckern, aber dann doch lieber versandkostenfrei bestellen, egal ob Jobs in Deutschland gegen Jobs in Polen getauscht werden, etc.

    Es macht manchmal keinen Spaß eine gute Leistung in Deutschland anzubieten, denn viele Leute wissen es nicht zu schätzen. Ich kaufe gerne beim Metzger ein, gehe auf die Wochenmärkte in Frankfurt und versuche darauf zu achten wo welches Produkt herkommt. Am Ende bekommt man den den Spruch gedrückt “Hast wohl zu viel Geld’ ist doch bei Penny günstiger”.

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  • steven

    Es wird sich nichts ändern- Der Mensch ist halt soooo!
    Diesen Beitrag einfach in einen Jahr nochmal Posten und in zwei und in drei Jahren usw. bis
    zum Ende der Menschheit.
    Mahlzeit.

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  • Patrick Schuster

    Ein sehr guter Beitrag, obgleich das Thema oft nicht so einfach ist wie es daherkommt. Das Thema ist so komplex und so viele Parameter spielen hier eine Rolle, man könnte ewig darüber sinnieren (Politik, Lobbyismus, Wirtschaft und Kapitalismus, Gewinne + Löhne, Export, Globalisierung, Urbanisierung, Zentralisierung, uvm.). Wahrscheinlich ist sogar schon der eingetretene Rückgang des Schweinefleischkonsums in Deutschland mit schuld. Weniger Konsum, gleiches Angebot, Preisverfall -> Schindluder.

    Ein großes Problem ist für mich die völlige Entkopplung der Bevölkerung von der Nahrungsmittelproduktion und die mangelnde Transparenz dieser. Selbst der Metzger von nebenan muss schon seinem Viehhändler vertrauen und kann den Kunden nur sagen “der macht einen guten Job”. Dank der EU bekommt auch kaum ein Metzger seine Tiere noch lebend zu sehen, sondern das Töten wird in Schlachthöfen erledigt. Fehlende Transparenz auf ganzer Linie – egal ob konventionell oder Bio. Und wenn ich nicht sicher bin was ich kaufe, greife ich lieber zum billigen Produkt. Bildung ist gut, kann die Transparenz aber nicht gänzlich herstellen. Da müssten wir uns die Schweine schon selber halten und in der Garage schlachten – was aber leider auch verboten ist.
    Letztlich muss man auch sehen, dass durch diesen Skandal ein derzeitiges Reizthema der Nahrungsmittelproduktion wieder im Fokus steht. Warum redet niemand von den vielen Tieren die beim Ackerbau dran glauben müssen? Oder gar den Menschen die auf Obstplantage arbeiten und mit 30-40 Jahren den Löffel abgeben. Ich mag es nicht wenn Mitgefühl nur in engen Bahnen daher kommt. Grundsätzlich muss man wohl verstehen, dass bei der Ernährung immer irgendwer das Nachsehen hat.

    Für mich hilft letztlich nur eines: Kontrolle & harte Strafen, eines der besten Mittel um in einer Gesellschaft eine Veränderung herbeizuführen. Das wirtschaftliche Meisterstück der deutschen Fleischproduktion ist etabliert und erfolgreich. Abschaffen geht nicht – aber kontrollieren man es besser!
    Zu letzterem Thema kann man sicherlich auch kurz einen Vorteil der modernen Lebensmittelproduktion nennen. Tiere werden nicht mehr von Laien im Hinterhof massakriert, die Hygiene, Kühlung, Haltbarkeit hat sich enorm verbessert. Nie wurden so saubere Lebensmittel produziert wie heutzutage.

    Es ist schön wenn man weiß wo sein Fleisch herkommt und dies guten Gewissens für etwas mehr Geld kaufen kann. Ein richtig gutes Gefühl für einen selbst, auch für mich, aber letztlich keine Lösung für das Problem. Bei Menschen von denen ich weiß, dass sie sich eine gute Ernährung leisten können, argumentiere ich nicht mehr mit der Tierhaltung – eher mit dem guten Gefühl und dem Geschmack beim Essen eines Tieres vom Metzger. Sauberes Handwerk und Individualität sind die Vorteile die ich ins Feld führe.

    Sorry für den langen Text. :)
    Hier noch ein Text von mir: http://gastroguerilla.wordpress.com/2014/03/08/ernahrung-vegan-massentierhaltung/

    Patrick

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  • Regine Schork

    Lieber Dirk Würtz.
    Wenn ich nicht schon 30 Jahre in festen Händen wäre (mit Burkhard Schork / Das Schlachtfest/ Tre Torri Verlag )
    … Dann würde ich dich glatt weg heiraten :) )

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  • de Pälzer

    Ich teile sehr wohl den Ekel und den Hass auf die Massenfleischindustrie sowie dem Konsumterror, glaube aber nicht, dass Gräuelbilder oder Artikel wie diese das Konsumverhalten ändern wird. Mit Verteufelung kommt man auch nicht weiter.
    Gesundheit: Auch die Massenproduktion von Nahrungsmittel trug dazu bei, dass der Mensch älter wurde (Hygiene, Haltbarkeit, Verfügbarkeit usw.). Ob Fleischkonsum bei gleicher Menge bei gutem oder Ekelfleisch gesundheitliche Unterschiede macht, ist auch nicht erwiesen.
    Geschmack: Wir sind von Kind an geschmacklich so auf Geschmacksverstärker und Co. getrimmt, dass uns die Bratwurst für 3.95Euro/kg meist noch schmeckt. Ich persönlich habe erst wieder registriert, wie Gemüse schmeckt, als ich für meine Tochter Biogemüse gekocht und in Gläschen gefüllt habe und beim Probieren gemerkt habe, dass der Genussfaktor bei frischen Produkten erheblich höher ist.

    Ich glaube, dass man analog des Spruches “Fußball is uff´m Platz” Erfolge im persönlichen Umfeld am einfachsten sehen kann.
    Man lädt Freunde zum Essen ein und kocht vegetarisch mit “guten ” Zutaten oder kauft gutes Fleisch beim Metzger oder Bauern des Vertrauens ein und es gibt halt nur 100g statt 200g/Kopf. Man läßt mal das Fett an gutem Fleisch probieren und stellt fest, dass dies nicht eklig sondern gut schmeckt. Man diskutiert im Freundeskreis Rezepte aus frischen Produkten, die trotzdem schnell zuzubereiten sind usw.
    Die zugegebenerweise langsame Veränderung des Ess -und Kaufverhaltens in meinem Freundeskreis ist nicht durch Ideologisierung, sondern durch kulinarische Erfahrungen und zunehmenden Spaß am Kochen selbst geprägt worden.

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  • Frank

    Die Argumentation von Dirk und auch von den Kommentierenden ist schlüssig und auch im Großen und Ganzen meine Meinung. Aber…. Wir befinden uns hier in diesem Blog in einer Diskussion auf einem einigermaßen hohen Niveau. Sowohl was die Bildung als auch die finanziellen Möglichkeiten betrifft. Wenn man aber betrachtet, dass es hier in Deutschland eine zunehmende Anzahl von Hartz-IV-Aufstockern gibt, muss man sagen, dass diese von Dirk so genannten Fleischdreckesser oder auch Billigweinkäufer bei den Discountern, die noch immer die Mehrzahl der deutschen Konsumenten ausmacht, doch eine l0gische Konsequenz der Politik der letzten Jahre ist.
    In der Konsequenz ist doch die Frage ob wir als Volk es wollen oder vielleicht auch müssen. Ich persönlich trinke auch lieber einen Von Unserm als eine Plörre vom Discounter. Ich kann es zu Glück noch. Viele nicht, und auch daran sollte man denken, und dieses auch sehr kritisch.

    Frank

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  • Markus

    Das fand ich einen sehr wichtigen Punkt. Ich wüsste im Fall Hartz 4 nicht, wie ich Prioritäten setzen würde. Jede Woche eine Flasche brauchbaren Wein zu 5 Euro abknapsen?
    Aber auch als Besserverdiener steht man bei der Überlegung vor Herausforderungen. Der Winzer soll gute Arbeit bezahlt bekommen, der Metzger ebenso. Und braucht man dann nicht auch ein fair hergestealltes Smartphone und Kleidung, die nicht aus Bangadesh kommt? sowas konsequent durchzuziehen führt meines Erachtens zu einem stetigen Hinterfragen-Müssen und ist selbst bei guten Einkommen schwer in letzter Konsequenz durchzuhalten.
    Zum Thema: Finde ich super wichtig, ich kaufe allerdings auch Fleisch im Supermarkt an der Fleischtheke. Metzger wäre mir lieb, aber der nächste Metzger meines Vertrauens ist selbst hier im Rand der Hauptstadt ca. zwanzig Auto-Minuten entfernt, oder 1h mit dem ÖPNV. Ersteres führt zu sauberem Fleisch, aber dreckiger Luft, für Zweiteres reicht meine knapp bemesseren Freizeit einfach nicht regelmässig aus.

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