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Mehr Staatsknete fürs Staatsweingut

240 Hektar erfasste Rebfläche, 70 Mitarbeiter, viele Spitzenlagen im Rheingau, eine Schatzkammer voller Wein, das sind die Hessischen  Staatsweingüter… und nachdem sie dem Steuerzahler jahrzehntelang auf der Tasche gelegen haben und jährlich mit sechs- und siebenstelligen Beträgen alimentiert werden mussten, schreiben sie nach eigener Angaben nun sogar regelmäßig schwarze Zahlen! Wow! Doch zunächst einmal muss das Eigenkapital mit noch mehr Staatsknete gestärkt werden…

Die Hessischen Staatsweingüter haben 2013 im dritten Jahr in Folge ein positives Betriebsergebnis erzielt und entwickeln sich deutlich besser als erwartet. „Wir sind doppelt so gut, wie wir hätten sein müssen“, sagte Hessens Finanzminister Thomas Schäfer (CDU), als er sich in dieser Woche im Kloster Eberbach als neuer Aufsichtsratsvorsitzender der landeseigenen GmbH vorstellte. Schäfer ist Nachfolger des früheren Ministerpräsidenten Roland Koch, denn Bouffier wollte nicht. Nach Darstellung von Schäfer und  Geschäftsführer Dieter Greiner steht das Weingut wirtschaftlich gut da. Das Land sei bei der Konsolidierung seines chronisch defizitären Weinguts schneller als erwartet vorangekommen. Nach dem im Zuge eines Beihilfeverfahrens der Europäischen Union vorgelegten Plan dürfte das Weingut derzeit noch Verlustvorträge von rund sieben Millionen Euro vor sich herschieben. Aktuell seien es aber nur noch 3,4 Millionen Euro. In einen normalen Erntejahr rechnet Schäfer mit einem Ertrag von einer halben Million Euro. Das bezeichnete er als „irrsinnigen Fortschritt“. Es sei gelungen, das Staatsweingut als Flaggschiff des Rheingaus auf nationalen und internationalen Märkten zu positionieren.

Nun ja, ein Flaggschiff sind die Staatsweingüter wohl nur in den verklärten Augen ihres Eigentümers.  Wer die einschlägigen Weinführer studiert, sieht die Staatsweingüter meist im guten Mittelfeld platziert. Die Rotweine der Domäne Assmannshausen mit ihren vermeintlich so unrentablen Steillagen genießen dabei meist einen etwas besseren Ruf als die Weißweine aus dem gesamten Rheingau und von der Bergstraße. Von einer Qualitätsführerschaft kann keine Rede sein.

Immerhin. Die vollständig kreditfinanzierte, mehr als 15 Millionen Euro teure Kellerei hat meiner Ansicht nach der Qualität der Weine durchaus gut getan. Mit der Vorbildwirkung ist es indes so eine Sache. Kürzlich stand ein 4,99 Euro-Wein mit Adler in der Metro…. die VDP-Kollegen waren entsetzt, Greiner spricht von einem nachweisbaren Etikettierfehler, also einer Art „Unfall“, der schnell korrigiert worden sei…. Die Querterrassierung von Steillagen hat das Staatsweingut nicht erfunden (im Rheingau: Laquai), Minimalschnitt und Bewässerung sind eigentlich „alte Hüte“ …. und wirklich Vorbild für die übrigen Betriebe? Dafür wurde der markante Adler vom Etikett verbannt… mit der Folge, dass die Bergsträßer Weine jetzt das Rheingauer Kloster auf dem Etikett tragen….

Sei´s drum. Die gute Nachricht über die Entwicklung bei den Staatsweingütern lässt sich nicht immer auf den Flaschenetiketten ablesen, aber immer öfter in den Bilanzen. Für die Steuerzahler ist das die bedeutsamere Botschaft.

Eine Analyse des hessischen Rechnungshofes hat aber ergeben, dass die Eigenkapitalausstattung mit nur 17 Prozent gegenüber erfolgreichen Weingütern mit rund 60 Prozent zu gering ist. Das Land wird deshalb mit Billigung der EU ein den Staatsweingütern für den Kellereibau gewährtes Darlehen in Höhe von 7,5 Millionen Euro in Eigenkapital umwandeln und noch mehr Staatsknete bereitstellen: in diesem Jahr weitere 500.000 Euro für die Eigenkapitalrücklage, im Jahr 2015 womöglich noch einmal den gleichen Betrag. Dann würde die Eigenkapitalquote knapp 50 Prozent erreichen, was Schäfer und Greiner für ausreichend halten.

Das Land ist für uns hessische Steuerzahler zuversichtlich, das Geld wiederzusehen, sagte Schäfer. Nach Abarbeitung der Verlustvorträge erwartet das Land eine Umsatzrendite von fünf Prozent. Zudem erhält das Land eine Bruttopacht von 300.000 Euro jährlich für die Weinberge. Laut Greiner hat die GmbH seit ihrer Gründung ein jährliches Umsatzwachstum von 7,5 Prozent erreicht.

Die ordnungspolitische Frage, ob es zu den Kernaufgaben eines deutschen Bundeslandes gehört, ein eigenes Weingut zu betreiben, stellt sich Hessen nach Ansicht der Landesregierung derzeit nicht. Die enge Verzahnung mit Kloster Eberbach und der hohe Anteil an unrentablen Steillagen sind nach Ansicht des neuen Aufsichtsratsvorsitzenden für private Investoren ohnehin abschreckend. Vom „Schmücken einer Braut“ könne im Hinblick auf die Entwicklung und Stärkung der Staatsweingüter daher keine Rede sein… eigentlich schade !

3 Kommentare zu “Mehr Staatsknete fürs Staatsweingut

  • Bernd

    Vielleicht sollte man dem Land Hessen die Steuerverschwendung gar nicht so stark vorhalten. Die Geberländer im Länderfinanzausgleich rechnen da gerne anders: Je besser sie finanziell da stehen, um so mehr müssen sie an andere Länder wie z.B. Rheinland-Pfalz oder das Saarland abführen. Da steckt man das Geld besser in defizitäre landeseigene Unternehmen. Beispiele für derartiges Handeln in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen gibt es mehrere. Vielleicht wird das Staatsweingut ja wirklich mal zum Leuchtturm für Weinqualität und -kultur im Rheingau. Dann wäre der gesamten Region geholfen und das Geld ist im Land Hessen geblieben.

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  • pw

    Die Journalistin vom Wiesbadener Kurier hat nicht einmal die Aussage: “7,5 Millionen Euro wird das Land nun als eigenes Kapital in das Weingut einbringen. Das Geld, so erläuterte der Finanzminister, entspreche der Summe, die die Staatsweingüter durch den Verkauf von Liegenschaften eingenommen habe.” hinterfragt. In der gleichen Ausgabe des WK wie deren Artikel über die Pressekonferenz des Finanzminister ist ein Artikel über das Bebauungskonzept auf dem ehemaligen Gelände der Staatsweingüter, dort ist von 2,5 Mio Verkaufspreis die Rede. 5 Millionen kamen wohl aus einer anderen Quelle.

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  • Rheinhessen Meister

    Der Länderfinanzausgleich ist ein Schmerzengeld für das vom Fluglärm geplagte nördliches
    Rheinhessen. Und außerdem bracuht ein jedes Bundesland ein Ort zum Geld verschleudern.
    Ist egal ob Rennstrecke in der Eifel oder Weingut oder Stuttgart 21 alles wird zu Schluß
    immer richtig teuer.

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