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Partners in Crime – Wechsler!

Ich bin ganz schön spät dran, mit meiner Geschichte über die Wechsler. Wenn ich mit ihr – oder über sie – rede, oder sie rufe, lasse ich ihren Vornamen immer weg. Ist das unhöflich? Nein, es ist für mich vielmehr ein Zeichen von Vertrautheit. Fangen wir aber ganz vorne an: es geht um Katharina Wechsler aus Westhofen. Wahrlich kein Geheimtipp mehr.

969002_559057490819532_2117818012_nDie Wechsler ist so ganz anders, als die anderen, die ich kenne. Der knallrote Lippenstift trägt einiges dazu bei. Für mich ist er das Erkennungszeichen, ihr Erkennungszeichen. Jeder hat eines. Der eine trägt gerne Kappen, der andere hat immer einen Schal um, und die Wechlser trägt eben Lippenstift. Knallrot, beinahe leuchtend! Ich finde das gut. Es passt zu ihrem Gesicht. Der Lippenstift leuchtet fast so wie die ganze Frau. Als ich vor ein oder zwei Jahren zum ersten Mal von ihr hörte und einige Weine probierte, war schnell klar, dass hier wieder einmal ein neues und großes Talent aufgetaucht ist. Überhaupt tauchen in der letzten Zeit jede Menge neue, junge Talente auf. In der Regel werden die auch allesamt sofort und ohne Umwege mit einigen Vorschusslorbeeren bedacht und medial geschickt in Szene gesetzt. Manchmal habe ich das Gefühl, dass das alles einen Tick zu schnell geht und die Jungs und Mädels nur unnötig unter Druck setzt. Aber egal, es ist wie es ist und es geht vorwärts im deutschen Weinbau!

Die Wechsler kommt aus Westhofen, also aus dem Dorf der Wittmanns, Fauths und der großen Weine Kellers. Das ist eine geniale Voraussetzung, aber eben auch ganz sicher eine Hypothek. Eine, die man nicht unterschätzen sollte. Vergleiche sind schnell zur Hand und da muss sie sich direkt mit den Besten messen. Kein Zweifel, in Westhofen wachsen Weine von Weltruf (Keller, Wittmann) und Weine mit großartigem PLV, wie beispielsweise die von Florian Fauth.

Westhofen ist ein echtes Kaff. Früher gab es mal einen richtig guten Italiener, heute gibt es da nur noch Döner. Schön ist es schon irgendwie, dieses Westhofen – ruhig und beschaulich – und weltberühmt ist es. Nicht nur wegen seines Weines. Anna Seghers Roman “Das siebte Kreuz” hat den Namen Westhofen in die ganze Welt getragen. Natürlich weiß jeder, dass die Geschichte eigentlich im Konzentrationslager in Osthofen spielt, aber im Buch steht eben Westhofen.

Das alles ändert aber dennoch nichts daran, dass Westhofen ein Kaff ist. Die Wechsler passt eigentlich gar nicht in dieses Kaff. Sie hat mehr so etwas großstädtisches. Würde ich nicht wissen, woher sie kommt, ich würde sie eher in die großen, schnellen und hippen Metropolen dieser Welt verorten. Das passt zu ihr. Das kommt natürlich nicht von ungefähr. Sie hat lange in Berlin gelebt und Fernsehen gemacht. Nicht die Art von Fernsehen, die ich für gewöhnlich schaue. Mehr so in Richtung RTL2. Masse, Quote, deutlich bildungsfern und für eine ganz  bestimmte Zielgruppe. Massenkompatibel eben. Da passte das Studium der Sozialwissenschaften wie die sprichwörtliche Faust auf das Auge. Mit 30 kam dann die Sinnkrise und die Wechsler ging nach Hause.. Solche Sinnkrisen kann man haben und die draus resultierenden Fragen sich auch stellen, wenn man noch jung ist. Ich kenne das…

Was dann folgte, war sehr zielstrebig. Zwei Jahre Praktika bei Gutzler, Keller und die Fachschule für Wirtschafter in Oppenheim und aus der TV-Berlin-Wechsler wurde die Winzerin Katharina Wechsler. Eine Metamorphose – und was für eine! Seitdem macht sie Wein im Kaff. Die Wechsler hat noch einen älteren Bruder. Auch er ist im Weingeschäft, allerdings in der Lehre in Oppenheim. Bernd Wechsler ist einer der Marketingköpfe in Sachen Wein im Land.Es ist eher ungewöhnlich, dass die jüngere Schwester den Laden übernimmt und nicht der “Erstgeborene”. Als ich neulich beim Grillen Vater Wechsler fragte, warum denn der Sohn das Weingut nicht übernommen hat, antwortete er kurz und knapp: “Der war schon immer zu intelligent”. Der Vater ist also auch ein Charakter! Ich stelle mir das alltägliche Zusammentreffen aller Wechslers ziemlich energiegeladen vor. Langweile dürfte da kaum herrschen…

wines_big_01Wie ist der Wein?

Wer jahrelang von der Quote getrieben war, und weiß wie man Massen erfolgreich zu bespaßen hat, der kommt ganz sicher ganz schnell in Versuchung, das Ganze auch auf seinen Wein zu übertragen: viel Lärm, Marketing, die Trumpfkarte “Frau” (ja, das ist merkwürdigerweise immer noch eine Extraerwähnung bei einigen wert), einprägsame Etiketten und das Ding läuft. Das macht sie nicht – zum Glück! Natürlich stimmt bei ihr auch der Marketingmix, keine Frage. Mir kommt es aber so vor, als ginge sie den beschwerlicheren Weg. Den der harten und ehrlichen Arbeit im Weinberg. Die Weine sind anders, als die oft zu schnell gehypten und hochgeschriebenen Erstlinge. Sie haben Tiefe und Struktur. Zumindest empfinde ich das so. Und ich schaue mir das ja jetzt schon eine Zeit lang an. Ich habe extra gewartet. Nicht, weil ich der Sache nicht getraut hätte, sondern weil ich sehen wollte, was da so passiert. Natürlich sind drei Jahre keine Zeit, schon gar nicht im Weinbau. Aber es ist genug Zeit um zu sehen, wohin sich die Sache entwickelt und ob es sich um eine Eintagsfliege handelt oder nicht. Die Wechsler ist keine Eintagsfliege. Ganz im Gegenteil.

Ja, ich mag sie und ich weiß, dass man das hier herauslesen kann. Ich mag Menschen, die so sind wie die Wechsler. Immer leicht vibrierend, unter Strom, gedanklich voll auf der Höhe mit Visionen und Ideen und dem notwendigen Handwerkszeug. Ich mag ehrliche Menschen und Menschen, die präsent sind! Wer den Wein trinkt, weiß sofort, was ich meine!

Hier gibt es alle Infos zu den Weinen und wer wissen will, wie der Silvaner schmeckt, der möge sich dieses Video hier anschauen.

12 Kommentare zu “Partners in Crime – Wechsler!

  • Laurenz

    Ich mag Deine ehrliche, “vibrierende” und begeistert-begeisternde Art über Weine und Weinmenschen zu schreiben! Das hat echt Spaß gemacht – und macht vor allem Lust, sich durch die Weine “der Wechsler” (oder wie man hier in Bayern sagen würde: “der Wechslerin”) zu probieren! Danke.

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  • Ulf Peter Böhme

    UNVERWECHSELBAR Würtz. Der Text macht einfach Lust die Weine der Wechsler zu probieren. Ich freu mich schon darauf.

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  • Mehltau

    “…heute gibt es da nur noch Döner…”
    Das stimmt Gottseidank nicht. Direkt an der Piazza – die gleich zwei Kriegerdenkmäler aufweist, und zwar zwei absolut rare, nämlich eines für die deutschen Gefallenen der Grande Armée Napoleons und das zweite für die des 1871er Krieges – steht ein Gasthaus mit eigener Schlachtung, “Deutsches Haus” genannt, wo ich einmal denkwürdig gute Lewwerknepp gegessen habe, und zwar ohne Majoran, denn dieses Kraut sei eine Pfälzer Zutat und habe in einem rheinhessischen Lewwerknopp nichts verloren, versicherte mir der Wirt. Es gab auch eine Reihe solider rheinhessischer Weine.

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  • Peter Riffel

    Ich verfolge seit einiger Zeit Deine Blogs und mag die unaufgeregte , sachorientierte Kommentierung.In Sachen Wechslerweine regt sich bei mir Widerspruch. Mir ist das Ganze zu sehr gehypt.Als Seiteneinsteigerin mit der den Naturwissenschaften etwas ferneren Ausbildung in Sozialwissenschaften und eine Turboausbildung in Sachen Weinbau habe ich erhebliche Zweifel an der Nachhaltigkeit in der Erzeugung von Spitzenweinen. Es reicht doch nicht die Hand mit den manikürten Fingernägel auf das Faß zu legen und schon wird ein hevorragender Wein daraus.Die Erzeugung von Spitzenweinen ist oft eine mühseelige, zeitaufwendige Angelegenheit, die meist auch mit Rückschlägen verbunden ist. Sie erfordert neben der handwerklichen Arbeit auch ein hohes Maß an sensorischer Begabung. Deshalb Vorsicht mit den hochgelobten (hochgeschriebenen ) jungen Talenten. Man kann die Medienschraube auch überdrehen. Viele Grüsse Weinfreak 14

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  • Christopher Emrich

    Ups, was ist denn das?
    Die Frage, ob es sich bei Katharina Wechslers Weinen um Spitzenweine handelt, entscheiden doch einzig die Weine selbst und nicht die Ausbildung oder der Lippenstift.
    Kein Bänker wird als Quereinsteiger der vinologischen Schieflage verdächtigt, aber wenn eine “gut aussehende” junge Frau aus der Medienbranche Wein macht, muss da Hype im Spiel sein – abgesehen mal von der schnöden Tatsache, dass es sich dabei um eine Frau handelt, die in diesem Weingut aufgewachsen ist.
    Da darf dann auch kein Stereotyp zu abgegriffen sein – die richtigen großen Jungs machen eben Wein im Weinberg, Frau Wechsler hat den Magic Touch im lackierten Fingernagel.
    Komisch, dass diese reflexartigen Verkürzungen auf das Aussehen immer bei Frauen auftauchen und gegen eine vielleicht ja doch vorhandene Kompetenz in Stellung gebracht werden:-(

    Was den Hype um neue Talente an sich betrifft: Dirk hat es angedeutet – gerade in der Onlinewelt geht manches eben sehr schnell und unmittelbar, doch sollte man sich mal überlegen, welche großartigen (ehemaligen) “Talente” eben NICHT dem VDP angehören: Dreissigacker, Thörle, Bischel, Becker-Landgraf, Riffel etc. – und das in Anbetracht diverser Karteileichen in diesem Verein.

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    • Dirk Würtz Post author

      @Christopher
      Wie kommst Du denn jetzt schon wieder auf den VDP? Was hat der denn mit der Wechsler-Geschichte zu tun?

      @Peter Riffel
      NAch allem, was ich von Katharina sehe, ist das durch und durch Handwerk. Und ich habe ja auch in meinem Blogbeitrag das Ganze gehype durchaus kritisch angemerkt

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  • Rheinhessen Meister

    Herr Emrich – Ist ja wieder typisch das Sie nur die jungen Wilden nennen (die sind ja auch echt gut),
    aber mir fallen mindestens 5 alte Winzer ein, die durch Ihre sehr gute Betriebsleistung der letzen
    30 Jahre es noch mehr verdient hätten.
    Aber Leistung ist ja wie bekannt nicht alles.

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  • Christopher Emrich

    Ich wüsste nicht, warum das typisch wäre, zudem sehe ich die hier genannten größtenteils auch nicht den jungen Wilden (mit 40:-)?) zugehörig, sonder betrachte sie als Weingüter, die eben auch schon über einen langen Zeitraum beständig außergewöhnliche Qualität erzeugen.
    Solche Leute lobend zu erwähnen spricht doch nicht gegen “alte” Winzer, denen das seit 30 Jahren gelingt, und die Sie ja ebenfalls gerne nennen dürften – wir stricken hier doch jetzt nicht an einem Generationskonflikt, oder?

    @Dirk
    Schon wieder? ich habe eigentlich nicht den Eindruck, dass ich mich besonders intensiv mit dem VDP beschäftige, aber damit der Zusammenhang zu den vermeintlich “jungen Wilden” und auch K. Wechsler klar ist:
    Wenn man sich die Zusammensetzung des VDP gerade in Rheinhessen anschaut, fällt auf, dass es da eine Schieflage gibt zwischen offenbar uralten Mitgliedern und solchen, die es eigentlich eher verdient hätten durch die Leistungen der letzten gut 10 Jahre. Dies wollte ich nur im Kontext des Hypevorwurfs anmerken, den eben Frau Wechsler jetzt auch stellvertretend für diverse andere auf sich gezogen hat.
    Natürlich ist das ein Hype, genau so wie die Sache mit dem Klosterhof ein Hype war, aber entscheidend ist doch daran nicht der Hype, sondern die Qualität der Weine – und da finde ich, dass es eben bei Katharina Wechsler mit dem Marketing ein Ende hat, denn die Weine haben garantiert keine “lackierten Fingernägel” – wie auch Stephan Schwedhelm (Klosterhof) wieder eine durch die Bank beeindruckende Kollektion heraus gehauen hat, in der sich sogar ein prima Sauvignon Blanc findet.

    Ich habe auch nichts dagegen, wenn man sich explizit auf die Weine beruft und an deren Qualität für sich feststellt, dass sie weit unter den medial erweckten Erwartungen liegen – doch solche Sprüche von wegen “Studium der Sozialwissenschaft und lackierte Fingernägel – das kann ja nichts sein” brauche ich echt nicht.

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    • Dirk Würtz Post author

      @Christoph
      Da muss ich Dir sofort widersprechen. Gerade der rheinhessische VDP ist enorm aufgeräumt, finde ich.

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  • Christopher Emrich

    OK, Dirk, ich will das jetzt auch nicht so vertiefen, hatte nur den Eindruck, dass einige der Weingüter nicht mehr unbedingt die erste Garde repräsentieren, während definitiv einiges fehlt, aber das kann ja auch noch kommen und ich gestehe dir diesbezüglich bestimmt einen besseren Überblick zu.

    Wichtiger war mir eh vielmehr der Spannungsbogen Hype – Qualität, und da erlebe ich eben auch in letzter Zeit gerne mal diesen “medienkritischen” Backlash, jüngst wieder auf Captain Cork, wo jemand die sicher polarisierenden Weine, die Herr Attman bei Von Winning erzeugt mit solchen Floskeln wie: “viel Geld rein gepulvert, Medienhype, nichts als holzbetonte Blender etc.” bedachte.

    Es gibt eben nicht nur den Hype, sondern auch diesen nicht sehr dienlichen Reflex, jemandem Qualität abzusprechen, nur weil er gehypt wird, der Weinqualität auch eine geschmackvolle, zeitgemäße Ausstattung zur Seite stellt oder sich gerne mal deutlich äußert wie beispielsweise Reinhard Löwenstein.

    Eine gute visuelle Ausstattung und ein paar Marketingkenntnisse sind doch kein Widerspruch zu Qualität.

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    • Dirk Würtz Post author

      @Christoph
      Unbestritten, gibt es einen Hype, oder besser gesagt: die Möglichkeit einfach zu hypen. Meine Erfahrung ist aber, dass der Konsument ein sehr gutes Gespür dafür hat, was Hype ist und wo auch tatsächlich Qualität dahinter steckt. Da ist Schwedhelm/Klosterhof das beste Beispiel. Qualität durch und durch. Und so ähnlich sehe ich auch die Wechsler

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  • Christopher Emrich

    Eben – exakt so sehe ich das auch, und die Existenz wie auch die Gefahren eines Hype sind mir zudem durchaus bewusst – ich wollte lediglich darauf hinweisen, dass viele eben leider den Hype mit aufgeblähter oder nicht vorhandener Qualität gleich setzen (siehe oben) – Frau Wechsler macht dagegen wirklich sehr elegante, glasklare und fokussierte Weine – alles andere regelt eh die Zeit.

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