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Spektakuläre Übernahme

In der jüngeren Vergangenheit gab es immer wieder einmal Weingutsübernahmen, die für Schlagzeilen gesorgt haben. Günther Jauch und von Othegraven, “Brangelina” und Miraval oder zuletzt den Kauf von Schloss Reinhartshausen durch die Pfälzer Familie Lergenmüller. Das alles ist nichts im Vergleich zu der Übernahme, die jetzt, Stück für Stück, bekannt wird.

Die Russen, insbesondere die reichen Russen, trinken gerne Wein. Ganz besonders gerne teuren. Der Alltagsbedarf wird durch moldawischen Wein oder den, der auf der Krim wächst, gedeckt. Natürlich findet auch Deutscher Wein in Russland statt, allerdings eher im unteren Preis- und Qualitätssegment. Ausnahmen sind auch hier die Regel, zumindest was die großen deutschen Namen wie Weil, Egon Müller, Dönnhof und Co betrifft. Der Export heimischer Weine nach Russland ist im Übrigen eher kompliziert. Steuerbandarolen, unendlich viele Bestimmungen und Währungsschwankungen machen das Ganze nicht wirklich einfach. Das hat sich wohl auch ein Konsortium rund um den russischen Oligarchen Michail Prochorow gedacht. Prochorow, der seine Multimilliarden insbesondere mit Gold und Nickel verdient hat, ist ein erfahrener Investor. Nicht zuletzt durch ihn und seinen Konsortiumskollegen Andrej Bokarew, waren die olympischen Spiele in Sotschi überhaupt möglich. Beiden wird eine große Nähe zu Putin nachgesagt, der ebenfalls diesem neuen Konsortium angehören soll. Investiert wird nicht einfach nur in Wein, sondern direkt in Weinbergsflächen, Immobilien und den Handel.

Insgesamt 3.500 Hektar Rebfläche in mehreren deutschen Anbaugebieten hat das Konsortium mittlerweile zusammengekauft. Nahezu unbemerkt, über mehrere Jahre, kamen so viele wertvolle Weinbergslagen in russischen Besitz. “Wir sind im Roten Hang in Nierstein, im Rüdesheimer Berg Schlossberg, im Ürziger Würzgarten und im Ihringer Winklerberg, um nur einmal einige zu nennen”, bestätigt ein Sprecher des Konsortiums. “Gehen Sie einfach davon aus, dass wir überall da sind, wo Deutscher Wein von Weltruf wachsen kann”, so der Sprecher weiter. Verarbeitet wird das Ganze künftig in einer neuen Kellerei im Osten der Republik, die nahe der polnischen Grenze in Rogossen errichtet wird.  Auf einer Fläche von fünf (!) Hektar ensteht hier demnächst Europas modernste Kellerei. Der erste Spatenstich ist am 1.Juli 2014. Ähnlich wie in Sotschi herrscht auch hier ein enormer Termindruck. Die 2014er Ernte soll bereits in der neuen Kellerei verarbeitet werden. Das Konsortium ist allerdings zuversichtlich: “Wir kennen uns mit Arbeiten unter Termindruck aus. Die Kellerei wird rechtzeitig fertig sein”, lässt Investor Prochorow ausrichten. Primär sollen die 3.500 Hektar Wein in Russland vermarktet werden. Aber auch den deutschen Markt haben die Investoren fest im Blick. Nachdem mehrere Übernahmegespräche gescheitert seien, haben Prochorow, Putin und Co. jetzt das Internet start-up-Unternehmen “Wine in Black” im Visier. Unbestätigten Meldungen zufolge stehe eine Einigung kurz bevor.

Das Ganze ist nicht weniger, als die größte Übernahme von Weinbergsflächen aller Zeiten in der Geschichte des Deutschen Weinbaus. Daraus ensteht eines der größten Weingüter der Welt. Kurz nach Bekanntwerden retgen sich auch die ersten kritischen Stimmen. Vom “Ausverkauf der Heimat” spricht der Präsident des Deutschen Weinbauverbandes, Norbert Weber. Der Präsident des Rheingauer Weinbauverbandes und ehemalige CDU-Landtagsabgeordnete Peter Seyffardt sieht gar eine Gefahr für den freien Wettbewerb und mahnt ein “dringendes Eingreifen Brüssels” an. Weniger kritisch sieht das Ganze der Präsident des “Deutschen Raiffeisenverband”, Manfred Nüssel. Er sieht “große wirtschaftliche Chancen, insbesondere für die Zulieferer”.

21 Kommentare zu “Spektakuläre Übernahme

  • Steffen Schindler

    Hallo Dirk, Gerüchte dazu gab es ja schon seit längerem und es war ja nur noch eine Frage der Zeit, bis das publik wurde. Es wundert mich nun auch nicht, dass ausgerechnet Du diese Sensation erstmals veröffentlichtst. Die Spatzen pfeifen es doch längst von den Dächern, dass kein Geringerer als Du selbst die Leitung dieser neuen Großkellerei übernehmen sollst. In Gau-Odernheim sprechen die Leute doch schon seit Langem über die vielen Russen, die bei Euch ein- und ausgehen. Ich wünsche Dir jedenfalls alles Gute und hoffe, dass Du trotzdem noch Zeit haben wirst für Deinen Blog. Toi toi toi.

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  • bacchus 08/15

    April April…. Aber gar nicht mal so unrealistisch….. schön geschrieben, lieber Dirk

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  • susa

    Das war ja nur eine Frage der Zeit.
    Geld regiert die Welt :(
    Allerdings sind 3.500 Hektar Wein ja nur was für nen hohlen Zar, ööööh, nen hohlen Zahn.

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  • Erik Theissen

    Ich habe auch gehört, dass ein rusisches Konsortium (das gleiche?) In Frankreich alle Ziegen, Kühe und Schafe aufkauft, aus deren Milch man Qualiätskäse herstellen kann. Experten erwarten in der Folge die größte Verschiffung lebender Tiere seit der Arche Noah.

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  • christoph hammel

    lange tradition – großartiger ruf der weißen , allen voran der RHEINRIESLING – top klima , gerade in der langzeitprognose – top infrastruktur , auch und gerade in der zulieferindustrie von kellereiartikel bis laboratorien – größte VW europas und bevölkerungsreichstes land der eu – top ausbildungsystem – politische stabität – nach ende des WK2 entgültige , wirklich freundschaftliche akzeptanz D durch nachbarn und die weltgemeinschaft – unsichere währungszeiten – …bei diesen argumenten erscheint eine investition in D immobilen landwirtschaftlicher natur und deren produkte sinnvoll . also…good luck ! cheers & nastrowje my friends ! ch

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  • christoph hammel

    ….aber bitte doch….der gedanke gefällt mir besser und besser….ein pfiffiger kollege aus der nachbarschaft hat “ungemach” mit weinkontrolle der add , die ihm vorwirft , mit einen rotwein den er “pornfelder” nennt , den verbraucher zu täuschen . der könnte denken , das wäre eine eigene sorte…..muhahah…..!!!!
    ich stelle mir gerade vor , wie unsere
    ” neuen kollegen ” das regeln würden…..
    gruß-c

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  • steven

    Pornfelder und Dornfelder ist einfach viel zu ähnlich! Der Normal-Weintrinker
    kennt ja nicht mal denn Unterschied zwischen einer Gutsabfüllug und einer
    Erzeugerabfüllung. Also da kann ich jeden Einwand von seiten der Behörden
    verstehen.

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  • christoph hammel

    lieber steven , das kann doch nicht ihr ernst sein…ein winzer mit persönlichkeit fern ab des üblichen….eine erfrischende idee im einheitsbrei zwischen industrieweinen und spontanterroir nachhaltigbewusstblablabla….und dann sofort wieder ein eingreifen der behörden….come on…muss das sein?????.

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  • Steven

    Das er eine Interessante Persönlichkeit ist, steht absolut außer Frage!
    Nur- es kommt doch keiner auf Portugieser bei Porn-felder – jeder denkt
    an Dornfelder-verwechslungsgefahr. Es wird also nicht einfach, aber einfach
    kann ja jeder.

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    • christoph hammel

      drunter steht : “Portugieser X Dornfelder “…..deshalb wirds auch durchgehen…..steht ja explizit drauf !
      einfach nur das Etikett lesen…
      also….WARUM dann wieder behördlich mit meinem Steuergeld aktiv werden ….what the f..k for ?????

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  • steven

    Es soll doch eine Marke werden (eingetrag. Markenzeichen)
    nützt doch nichts wenn es auf dem Etikett steht…….!!!!!
    Mir ist es auch egal – so kommt man auch in die Medien und
    allein dieses ist ja schon gute Werbung. Ein schönes Wo.ende.

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  • Lukas Krauß

    Hallo!
    Ist alles gut!
    Es ist durch! Die Behörden haben das Etikett so wie es ist abgesegnet!
    Schade ist nur, dass ein Anwalt eingeschaltet werden musste! Das hätte man auch anders regeln können!
    Lukas

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