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Quo vadis, Weinversteigerung?

Drei Stunden Frühjahrsversteigerung der Hessischen Staatsweingüter im Kloster Eberbach. 32 Lose versteigert, 63.000 Euro Umsatz, 450 zufriedene Besucher, dazu 1650 Euro für eine Flasche 1959er Spätburgunder Naturrein (klasse Pinot!) und 1550 Euro für eine Steinberger TBA aus dem gleichen Jahrgang. Also alles gut? Keineswegs!

AuktionDie (zumindest  hessischen) Weinauktionen sind ein Sanierungsfall, wenn sie mehr sein wollen als eine nette Nachmittagsunterhaltung mit Anekdoten und Gelächter für 400 Weinnasen. Die Weinauktionen an der hessischen Bergstraße gibt es schon seit Jahren nicht mehr, die Raritätenauktionen des VDP sind (offenbar) Geschichte. Zum hundertjährigen VDP-Jubiläum fiel die avisierte große Raritäten- Auktion wegen interner Querelen aus. Im Rheingau gibt es statt einst drei inzwischen nur noch zwei Auktionen im Jahr. Die Zahl der Lose ist geringer geworden, und die großen Höhepunkte bleiben seit einigen Jahren aus. Zugpferde wie einst das Weingut Weil bieten keine BA und TBA Goldkapsel mehr an und bescheiden sich mit einer Versteigerungs-Auslese. Woran liegt´s? Selbst in diesen Zeiten, in denen das billige Geld angeblich locker sitzt und auf dem Konto keine Zinsen bringt? Zeit für eine Klärung: Will die Auktion nur eine Werbe- und Marketingauktion sein? Will sie mehr als nur einen netten Tagesumsatz generieren? Ist ihre Zukunft die einer weinfolkloristischen Gaudi für Touristen? Oder geht es wirklich ums Weingeschäft auf hohem Niveau? Es scheint an der Zeit, dass sich der VDP nicht länger um die Antwort drückt …. aber hat er eine ?

 

 

11 Kommentare zu “Quo vadis, Weinversteigerung?

  • Sigbert Frisch

    Im September vergangenen Jahres war ich erstmals bei der Versteigerung des Großen Rings in Trier – eine aus der Zeit gefallene Veranstaltung, die freilich nicht gold gerahmte Melancholie atmet, sondern das krasse Gegenteil: vollständige Lächerlichkeit. Da war der Auktionator, ein junger Winzer, der der Veranstaltung eine zeitgemäße Weltoffenheit verleihen wollte, aber in peinlichster Weise an der englischen Sprache scheiterte. Da musste der Beginn verschoben werden, weil ein (in Zahlen: 1) Weinhändler aus Berlin im Verkehr stecken geblieben war und ohne diesen Einen offenbar die gesamte Auktion nicht hätte stattfinden können, was den Herren Prüm und Müller sichtlich rote Köpfe und Schweißausbrüche bescherte. Und als es dann endlich zäh losging, da stellten sich ein paar ältere Herren vor dem Auktionator auf, die nach sehr undurchsichtigen Regeln (die mir ein neben mir sitzender Winzer dreimal vergeblich zu erklären versuchte, und ich bin bestimmt normal intelligent) die Preise festlegten – von wegen Versteigerung. Wer braucht das? Die Weine jedoch, die ich wie alle anderen Gäste probieren durfte, waren göttlich.

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    • Heinz Bert

      Herr Vorredner,
      ums kurz zu machen. Bevor Sie diesen ominösen Winzer-Auktionator runtermachen versuchen Sie es doch erst einmal selbst besser. Das die Trier Vernstaltung eine Verjüngungskur nötig hat sehen auch die Herren Prüm und Müller aber Sie wissen genau so gut wie ich, dass keiner von beiden zwingend auf die Autionserlöse angewisen ist, also drängen Sie sie nicht unnötig zwanghaft in die Ecke. Kritik am falschen Ende.

      Ja, die Veranstaltung steht im Umbruch und ja, e ist nicht alles völlig perfekt gelaufen. Aber bis ins kleinste Detail durchgestylte und minutiös geplant Veranstaltung haben wir doch zur Genüge, ernsthaft, sie werden langweilig. Da tut so eine Spur Menschlichkeit, mir zumindest, sehr gut!

      Die Protagonisten werden in den nächsten Jahren auch dazu lernen, also nicht gleich im ersten Jahr niederreden! Ich habe Respekt vor der Leistung und die, für meine Begriffe, kleinen Fehler machen sie nur um so authentischer und machen nicht zuletzt den Reiz der Veranstaltung aus!

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    • Rheingauer Weinschmecker Post author

      Zur Verteidigung der Kommissionäre: Wenn ein Versteigerungslos weit mehr Flaschen umfasst, als ein einzelner Kommissionär im Auftrag seines Kunden abzunehmen in der Lage ist, verständigen sie sich untereinander und bieten solange, bis das (gesamte!) Los zum höchstmöglichen Preis zugeschlagen werden kann, bei dem dann alle (!) Flaschen auch tatsächlich einen Abnehmer finden. Das ist zum Vorteil für den Kunden und für den Winzer, dem es wenig nützt, wenn er nur einen kleinen Teil (vielleicht 6 von 60 Flaschen) zu einem Höchstpreis absetzen würde, den großen Rest aber zurücknehmen müsste… Ok ? Die zugegeben wenig publikumsfreundliche Abstimmung der Kommissionäre wäre nur vermeidbar, wenn die Losgröße auf so kleine Mengen reduziert würden, dass die Auktion entweder viele Stunden dauern würde oder dass ihre Bedeutung im Hinblick auf Flaschen- und Euro-Umsatz deutlich geringer wäre…

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      • Jürgen

        Es geht doch bei den Versteigerungen schon lange nicht mehr darum, Wein abzusetzen oder Umsatz zu machen. Es ist eine reine Prestige-Angelegenheit und das ist ja auch in Ordnung. Nur dass die Veranstaltung keinerlei Anreize für Normale Menschen bietet, daran teilzunehmen und das ist unter anderem auch den Wein-Kommissionären zu verdanken.
        Auktionen, bei denen der Käufer direkt mitbieten kann, sind immer noch beliebt und werden auch gerne Wahrgenommen. Ein Beispiel hierfür ist die Munich Wine Company die Präsenz als auch Internetauktionen anbietet und damit sehr erfolgreich ist.

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        • Rheingauer Weinschmecker Post author

          Nun ja, der Reiz der “nassen” Versteigerungen liegt für die “normalen” Zuschauer natürlich darin, für einen überschaubaren Eintrittspreis etliche Weine verkosten zu dürfen, die man sonst vielleicht nie auf die Zunge bekommen würde…. aber von diesen Gästen bietet tatsächlich kaum einer über einen Kommissionär mit…. übrigens gibt es in Rüdesheim noch eine (letzte) lokale Auktion im Rheingau, bei der jeder mitbieten darf… mit mäßigem Erfolg… aber das hat wieder andere Gründe…

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          • Jürgen

            Ja das stimmt natürlich, dass viele Leute dort gerne Weine probieren, die sie sonst nie trinken würden (was ja eigentlich toll ist, das zeigt uns, dass es noch Menschen gibt die aufgeschlossen gegenüber alten oder irgendwie anders schmeckenden Weinen sind). Aber vielleicht würde der ein oder andere ja mit steigern, wenn er nicht den umständlichen weg über die Kommissionäre gehen müsste.

            Bei der Rüdesheimer Auktion gibt es halt kaum Highlights, die locken. Weine die ohnehin im Weingut ohne Probleme gekauft werden können, bieten nun mal wenig Anreiz und fördern den Kitzel beim Ersteigern nicht sonderlich. Eine 20 Jahre alte Beerenauslese oder ähnliches macht da schon mehr her.

  • Marc

    Dirk, ich denke die Rheingau-Frühjahrsversteigerung wird über kurz oder lang eingestellt. Zu wenig relevant, zu wenig wirklich interessante Weine. Die Preise werden durch künstliche Verknappung hochgehalten (Die Staatsweingüter könnten ja als eines der wenigen Güter wirklich substantielle Mengen versteigern).
    Anders sieht es mit den Versteigerungen in Trier und Kreuznach aus. Hier werden durchaus gute Umsätze bei hohen Flaschenpreisen gemacht. Hier werden auch großartige Weine versteigert. Außerdem gibt es in Bad Kreuznach auch regelmäßig begehrte trockene Weine in Sonderformaten oder spezielle Auktionsfüllungen wie den “A.de L.” oder den “La Bourne”. Den Trend hat der Rheingau lange Zeit verschlafen und viele Güter, die im Rheingau gute, auch restsüße Weine versteigen könnten (Künstler, Leitz, Kühn) haben sich von der Versteigerung zurückgezogen. Von daher würde ich sagen: Die Versteigerung als Form des Weinverkaufs hat allgemein Zukunft, speziell der Rheingau scheint da aber etwas hinterher zu hinken.

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  • Thomas

    Früher, so bis vor ca. 15 Jahren wurden vom Staatsweingut Eltville Posten von 240 Fl, 300 Fl. 600 Fl und auch 1200 Fl. versteigert. Diese Flaschen wurden von Großkunden wie z.B. Hertie in Frankfurt auf der Zeil verkauft.
    Bei der Bergstrßer Versteigerung gabs früher, glaube ich, auch 1800′er Lose. Da wurde noch richtig Umsatz gemacht (mehrere 100.000 DM), nun schaft der Rheingau grade mal 62.000 €, was ne Armut bei dem Potential.
    Das haben VDP Mosel, VDP Nahe mit Rheinhessen, Ahr und Pfalz und auch der Bernkasteler Ring viel besser drauf.

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    • Dirk Würtz

      Ich würde mir mal keine Illusionen in Sachen Versteigerungen wo auch immer machen. Der eine Kommentar, mit dem Warten auf DEN EINEN Händler, zeigt gut, wo das Problem liegt. Das gehört alles komplett neu aufgestellt, da hat der Rheingauer Weinschmecker schon recht

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  • Jean-Marc

    Ich persönlich bin allgemein kein Freund von Versteigerungen – egal ob online oder offline. Ich habe oft das Gefühl, dass man einfach zu viel bezahlt, daher bleibe ich dann lieber bei dem Wein Shop meines Vertrauens.
    Aber bin Gespannt wie sich das im Bereich Weine weiterentwickelt. Vielleicht sollte man diese Auktionen auch Teilweise online verfügbar machen um neue Zielgruppen zu erschließen? Dabei wäre aber fraglich, ob das Internet für hochpreisige Weine der richtige Ort wäre und ob es die gewünschte “Prestige” bzw. Werbewirkung hätte.

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  • Salomon Xr Crossmax Neutral

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