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Herkunft Südafrika – Teil 2

Ich muss zugeben, das Thema hat mich gepackt. Die erste kleine Verkostung war extrem spannend. Umso mehr bin ich auf die neuerliche Runde gespannt. Der rheinhessische Ausnahmewinzer H.O. Spanier kommt gleich zu mir und meine Frau ist natürlich auch anwesend. Ich bin quasi gleich umringt von Profis und Geschmackskommissaren…

Allem Anschein nach, bin ich nicht der einzige, dem dieses Thema gefällt. Wenn ich mir die Zugriffszahlen auf den ersten Teil der Geschichte anschaue, dann bestätigt mich das direkt in meiner Annahme. Das freut mich, wenngleich es mich gar nicht wundert. Südafrika ist ein dankbares Thema. Eines der Traumziele der deutschen Touristenseele – bringt immer Quote, egal wie. Wein aus Südafrika ist beliebt. Und im Gegensatz zu anderen Themen im “Weinweb”gibt es hier quasi keine Deutungshoheit. Es gibt sicherlich Versuche, deutungshoheitlich zu werden, aber das nimmt kaum einer ernst. Ich habe es neulich schon einmal gesagt, die “Weinonliner” sind erwachsen geworden. Es wird relativ wenig gestritten und totdiskutiert, wenn es um Südafrika geht. Vielleicht liegt das auch daran, dass es einfach keinen Grund zum Streiten gibt. Eine traumhafte Vorstellung… Wenn es um deutschen Wein geht, genügt oft nur ein Wort – sagen wir mal “Supermarkt” – und es geht direkt los. Das Beschäftigen mit südafrikanischem Wein ist für mich also beinahe so etwas wie Urlaub. Schön!

Meine Mitverkoster sind da, wir können anfangen. Single Vneyards, darum geht es. Heute dreht sich ausschließlich alles um Sauvignon Blanc. 2012 Strandveld “Poffaderbos”. Der Name kommt von der “Puffotter”. Die sind wohl öfter in diesem Weinberg anzufinden. Klingt gefährlich, irgendwie. Ich habe mal eine in echt gesehen, die sehen nicht wirklich sympathisch aus. Es riecht ganz klassisch nach Sauvignon Blanc, das ist schon mal gut. Mein Sohn kommt übrigens gerade und erzählt von der Bundeswehr und wieviele Kalorien der deutsche Soldat am Tag braucht. 2.800 zu Hause und 4.500 in Kriseneinsätzen. Ohne Abendesssen… Es entspannt sich direkt eine sehr kurzweilige, aber so gar nicht zitierfähige Unterhaltung zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr und deren Sinn im Allgemeinen.

Zurück zu Thema. H.O meint, das rieche deutlich besser, als so mancher “Quatsch aus Deutschland”. Er teilt also meine Meinung, dass Sauvignon Blanc hier nicht sein muss. Damit sind wir beide so gar nicht “en vogue”. Das macht aber gar nichts! Meine Frau riecht in dem Wein Lebkuchengewürz, Spanier Nelken und Pfeffer und irgendwie haben sie beide recht. Der Wein ist leicht bitter (aber nicht unangenehm), sehr kantig und ziemlich anspruchsvoll. Knochentrocken versteht sich. Ordentlich Säure hat er und lang ist er auch. Extrem lang sogar! Den Wein durchzieht im Übrigen eine gewisse Salzigkeit. Sehr charaktervoll! Ich frage in die Runde, was der Wein kosten darf. Meine Frau meint über 20 Euro, Spanier würde auch 20 Euro für den Wein ausgeben. Ich tippe auf 12,50. tatsächlich kostet er 13,50 bei VINEXUS. In jedem Fall sind wir uns einig, es ist ein genialer Wein. Eigentlich sogar ein “grosser Wein”. Für den Preis ist der Wein ein echtes Schnäppchen? Dringende Kaufempfehlung an alle Sauvignon Blanc Liebhaber!

2011 Hermanuspietersfontein Nr. 3 “Bergblokke”. Riecht zitronig, limettig, etwas kräutrig. Spanier findet den Wein sehr technisch. Er meint, er sei perfekt. Das irritiert ihn nachhaltig. Ich weiß, was er meint, kann es sogar nachvollziehen. Meine Frau ist nicht wirklich begeistert. Sie schenkt sich gerade den ersten wieder ein. An mich geht er auch nicht. Es wirkt irgendwie alles eher gemacht. Sehr gut gemacht, keine Frage, allerdings ohne das gewisse Etwas. Kostet 15 Euro und gibt es auch bei VINEXUS.

Der nächste Wein riecht sehr speziell. Ein echter Klassiker: die Katze während des Urlaubs zu Hause vergessen. Herjehmine, was ein Geruch…der Wein braucht Luft, ganz dringend, ganz viel Luft. Der Normalweintrinker würde spätestens jetzt zum Bier greifen. Ich bin fasziniert von dem Wein. Spanier und ich diskutieren technisch, quasi unter Winzern. Der Wein, die Trauben und der Most haben ganz sicher noch nie Luft gesehen, davon sind wir überzeugt. Die Trauben wurden abgeschnitten und dann ging es direkt los mit Trockeneis, vorgespanntem CO2 und wie man heutzutage eben solche Weine produziert. 2012 Tokara, Walker Bay. Der Wein kostet 20 Euro. Ein angemessener Preis, finde ich. Klassischer Cool Climat Wein mit echtem Trinkfluss, keine Frage. Allerdings fragen wir uns gerade nach der Herkunft, denn die Machart ist doch sehr dominant. Der nächste Wein ist aus dem gleichen Haus, kommt allerdings aus “Elgin”. Riecht deutlich normaler und verbraucherfreundlicher, als der erste. Sehr typisch. Stachelbeerig. Eher einfach und unaufgeregt. Spanier mag das nicht. Er und meine Frau haben gleich die erste Flasche, den “Pofadderboss” leer getrunken… Was habe ich mir da nur an den Tisch geholt. Der Wein ist ganz sicher kein Grand Cru, aber er ist in jedem Fall ein sehr guter. Knapp 20 Euro kostet der Wein und natürlich gibt es ihn auch bei VINEXUS.

2012 Fryer’s Cove ” Bamboes Bay”. Das riecht gewaltig, monumental, grossartig, ich kann es gar nicht anders sagen. Der Rest am Tisch ist auch begeistert. Ein Hauch von Spargel, etwa Zimt ( meint meine Frau), Spanier riecht grünen Spargel und vermutet, wie immer, Technik. Ich finde das gar nicht technisch und wir diskutieren direkt darüber. Wie technisch darf ein Wein hergestellt sein? Eine interessante Frage. Wo fängt die Technik an, wo hört sie auf? Wenn ich in Afrika Trauben bei 40 Grad im Schatten ernte, dann verarbeite ich diese Trauben natürlich ganz anders, als in Höhen-Sülzen. Das Kühlen des Mostes macht dann schon Sinn. Selbst wenn ich die Trauben in der Nacht lese und sie “nur” noch 20 Grad haben.  Für den rheinhessischen Puristen ist das natürlich schon zuviel… Der Weinberg liegt 350 Kilometer nordwestlich von Kapstadt, 820 Meter vom Atlantik entfernt. Roter Sand und Kalk dominieren. Kurzum, das ganze hat eine gewisse Mineralität. Die haben wir alle erkannt – beruhigend! Der Wein kommt von…VINEXUS… und kostet 13 Euro. Passt, super PLV!

Unser Fazit der heutigen Verkostung ist ein einfaches. Sauvignon Blanc kann unglaublich viel Charakter haben, man muss ihn aber herausarbeiten wollen. Die Machart ist entscheidend, aber wenn sie zu dominant wird, ist der der Herkunftscharakter quasi perdu… Unsere zwei Favoriten waren wirklich grandios. Erfreulich für uns Verbraucher – es waren zwei durchaus günstige Weine. Unser absoluter Favorit, der Puffotter Wein ist leer. Nichts anders war zu erwarten. Der Fryer’ s Cove ist auf dem Weg, das gleiche Schicksal zu erleiden. Demnächst dann mehr…

4 Kommentare zu “Herkunft Südafrika – Teil 2

  • Barrique-Haus

    Sehr schönes Thema. Wobei es mir ähnlich wie deinen Mitverkostern geht. Kommt als erstes in den Sinn, der Wein wirkt gemacht, ja “industriell”, habe ich wenig Spaß damit.

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    • Dirk Würtz Post author

      Da bist Du völlig auf dem Holzweg. Das hat mit industriell gar nichts zu tun. Null! Gemacht mit industriell gleichzusetzen, ist ein großer Fehler!

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  • Barrique-Haus

    Ist nicht gleichgesetzt, deswegen die “”. Wird ein Wein perfekt gemacht, mit sehr viel Technik (auch wenn es in Kleinserie mit viel Akribie und Einfallsreichtum geschieht) tendiert es manchmal (nicht immer, es kann nicht muss) in Richtung der Frage, ist es jetzt ein “handgemachter” oder “industrieller” Wein. Wobei das jeder wahrscheinlich anders abgrenzt. Letztendlich mag ich persönlich die Ecken und Kanten, sie gehören für mich zu einem Charakter dazu, der seine Herkunft widerspiegelt.

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    • Dirk Würtz Post author

      @Barrique Haus
      Der Begriff Industriewein oder industrieller Wein ist falsch, den gibt es nicht. Es gibt nur Wein, der industriell weiterverarbeitet wird (in der Regel durch Kellereien)

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