Alles über Wein und den Rest der Welt…

Kleine Weinfibel – 4

Zugegeben, das hat jetzt echt ein wenig länger gedauert, bis ich mich zu einer neuen “Kleinen Weinfibel” aufraffen konnte. Aber erstens habe ich so viel andere Sachen zu tun gehabt und zweitens war ich ganz froh, nicht noch mehr Wein probieren zu dürfen, sollen, können, müssen.  Wie dem auch sei, bevor ich mich jetzt in die Sommerpause verabschiede, gibt es noch einige subjektive aber natürlich weltwichtige Weinempfehlungen…

 

Am vergangenen Wochenende, genauer gesagt am Samstag, war ich wieder einmal im Zellertal. Aufmerksame Leser dieses Blogs wissen, dass ich quasi der Zellertal-Fan Nummer 1 bin. Lange Zeit war das nördlichste Fleckchen der Pfalz in einer Art Dornröschenschlaf. Jetzt erwacht es Stück für Stück. Für dieses Erwachen ist hauptsächlich Stefan Schwedhelm mit seinem Klosterhof verantwortlich. Aus diesem Grund haben wir ihn am vergangenen Wochenende auch zum Gegenstand einer neuen Folge der “stern.de-Weinschule” gemacht. Zu sehen sein wird das Ganze irgendwann im August auf stern.de.

Die 11er Kollektion von Schwedhelm war schon ziemlich genial, aber das habe ich ja schon mehr als einmal gesagt und geschrieben. Die 12er Weine setzen noch einmal einen drauf. Ich habe mehrer Stunden mit “Schwedi” am Tisch, im Weinberg und im Kreise seiner extrem sympathischen Familie verbracht. Wir haben die Weine nicht nur verkostet, wir haben sie getrunken. Also genau das, was man mit Wein auch machen sollte. Eigentlich wollte ich Schwedi in meinem Euphorierausch und in meinem Zustand der höchsten Rieslingglückseligkeit bereits am Wochenende zu meinem persönlichen Winzer des Jahres erklären. Dann hätte ich mir aber von den geschätzten Kollegen wieder anhören müssen, dass man in solchen Glücksmomenten nicht objektiv werten kann. Na ja, das will ich ja eigentlich auch gar nicht. Die objektive Weinbewertung ist mir völlig egal, ich werte subjektiv, nach Gefühl und Stimmung.Und nebenbei bemerkt, sitze ich jetzt gerade wieder vor den Weinen und bin nicht minder euphorisch. Der 2012 Riesling aus der Lage “Schwarzer Herrgott” wäre ganz sicher eines der besten “Grossen Gewächse”, wenn es denn ein “VDP Grosses Gewächs” wäre. Der Wein ist extrem kühl – keine Fruchtbombe – will heißen, er ist nullkommanull aufdringlich, eher zurückhaltend. Zumindest im ersten Moment. Er riecht erst ein wenig nach frisch gespitztem Bleistift, dann nach reifen Himbeeren, dann leicht staubig, dann etwas zitronig und irgendwo geistert ein Pfirsisch durch das Glas. Die Säure ist straff, aber super reif und der Wein hat eine enorme Länge. Er hört und hört nicht auf zu schmecken. Der “Schwarze Herrgott” hat eindeutig das Potenzial einer wirklich großen Lage. Ich hoffe nur, dass das wirklich alle im Zellertal verstehen und auch umsetzen.

Mein absoluter Favorit ist aber der 2012 “Wotanfels”, Schwedis erster, echter einhundertprozentiger Sponti – also ein Wein, der ohne den Zusatz von Reinzuchthefe vergoren wurde. Der Wein ist ein Traum und zwar ein perfekter. Der Wein hat so viele Facetten, dass es mir schlichtweg unmöglich ist, sie zu beschreiben. Ich sage es einfach mal so: Bis jetzt, ist das das Beste, was ich aus 2012 getrunken habe. Der Wein schmeckt und schmeckt und schmeckt und hört nicht auf zu schmecken. Das Ganze kostet um die 10,00 Euro. Zehnfuffzich, wenn ich mich nicht täusche. Ich glaube übrigens, dass ich mit meiner durch und durch euphorischen Einschätzung des Weines gar nicht so falsch liege. Warum ich das glaube? Ganz einfach, meine Jungs von stern.de, ausgewiesene Weinnichtprofisabertrinker, haben gar nicht mehr aufgehört, diesen Wein zu trinken. Meine Frau trinkt ihn übrigens gerade auch… Der Wein passt ganz vorzüglich zur gegrillten Schweinelende. Ich habe es vor Ort ausprobiert! Viel wichtiger aber ist die passende Musik und die gibt es hier.

Vor einiger Zeit gab es eine neue Veranstaltung im Rheingau – “Wine4Sense”. Es handelt sich um eine Party, ganz im Stile der “Winevibes und der Winerotation”. Also eine Mischung aus Wein, Musik, cooles Ambiente und Essen. Der Name “Wine4Sense” ist, es tut mir leid, das sagen zu müssen, gruselig. Es wird sich mir auf ewig nicht erschließen, warum man ein Fest mit jungen Winzern so nennen muss. Aber mir muss der Name ja zum Glück nicht gefallen… Fakt ist, die Idee ist gut und die Premiere war gelungen. Für den Rheingau ist diese Art von Fest noch relativ neu, an der Auswahl der Weine kann man sicherlich noch arbeiten, aber das Konzept ist stimmig. Für mich hat sich der Besuch in jedem Fall gelohnt, denn ich habe ein extrem interessantes Weingut entdeckt. Das Weingut heisst Theo J. Kreis und ist in Hallgarten. Hallgarten… im Rheingau gibt es einen Spruch, der heisst: “Zahnschmerzen und eine Frau aus Hallgarten”. Damit ist schon relativ viel erklärt ;-) Natürlich wird das den Hallgartenern nicht ganz gerecht, aber das kleine Bergdorf ist eben schon speziell. Ich denke, das darf man durchaus so sagen. Fakt ist, Hallgarten ist, was die Weinberge anbelangt, mittlerweile ziemlich weit vorne. In den 90igern war das noch anders, heute profitiert Hallgarten ganz eindeutig vom Klimawandel. Hier kann man ganz spät noch ganz fantastische Trauben ernten. Der 2012 “Hallgartener Mehrhölzchen” Riesling Kabinett trocken ist für mich ein Paradebeispiel eines Rheingauer Rieslings. Glasklar – meine neben mir sitzende Frau meint, er sei “stringent”… was auch immer das bei einem Wein bedeuten soll. Er hat eine tolle Säure, gar nicht spitz und unreif wie so manch anderer. Er erinnert sehr stark an grüne Melone und hat eine gewisse Würzigkeit. Er ist nicht zu dick und nicht zu dünn und für sage und schreibe FÜNF Euro ist das mal eine echte Offenbarung. Kaufen, trinken, Spaß haben!!! Der Wein aber, der mich auf das Weingut aufmerksam machte, ist die 2012 feinherbe Spätlese aus dem “Hallgartener Hendelberg”. Der Hendelberg gehört für mich zu den spannendsten Lagen im ganzen Rheingau. Ich bin überzeugt davon, dass hier irgendwann wirklich große Weine entstehen können. Bis es soweit ist, vergnüge ich mich mit diesem Wein, der einen ganz enormen Trinkfluss hat. Für acht Euro gibt es hier alles, was das Herz begehrt. Reife Mirabellen, ein wenig Aprikose, tolle Säure, einen Hauch Gerbstoffe (total angenehm) und er hört gar nicht auf zu schmecken. Er ist lang und länger! Allerdings liefert er auch 13 Prozent Alkohol. Alles in allem kann ich auch hier nur eine dringende Kaufempfehlung abgeben. So macht der Rheingau echt Spaß! Hier ist die passende Musik zum Wein, kann man aber nur laut hören! Danke an Nico Medenbach, dem Bloggerkollegen und begnadeten DJ!

Zurück in die Pfalz, genauer gesagt nach Gimmeldingen. Das Weingut Johann F. Ohler kannte ich bis zum heutigen Tag nicht und ich weiß auch ehrlich gesagt gar nicht, woher die Flaschen kommen, die vor mir stehen. Aber wie das so ist, wenn ich hier am Weinfibeln bin, irgendwann läuft die Musik und ich schaue, was es sonst noch so gibt. Und da fiel mir eben der Ohler in die Hände. Gimmeldingen kenne ich, Gimmeldingen mag ich, Gimmeldingen ist Präsidenten-Dorf! 2012 Riesling trocken aus der Literflasche. Fünf Euro steht auf der überaus aufgeräumten und ansehnlichen Weinguts-Homepage. Die Seite macht Lust auf mehr, der Literwein auch. Ein typischer Pfälzer, ohne plump und laut zu sein, sehr trinkfreudig und animierend. Zechwein allererster Güte.

Ein ganz anderes Kaliber ist der 2012 “Gimmeldinger Mandelgarten Alte Reben”. Was anderswo eine “VDP.Grosse Lage” ist, ist hier ebenfalls ein echtes Flagschiff. Es schmeckt zumindest so. Leicht rauchige Aromatik, ein Hauch von Zitrus, eine rote Frucht (ich kann sie leider nicht genau definieren) und extrem “mineralisch”. Ja ich weiss, dieses Wort… egal. Meine Frau meint steinig und sie hat absolut recht. Wir mögen das! Für knapp unter zehn Euro ist das in jedem Fall unfassbar viel Wein. Unbedingt ausprobieren und wer auf elektronische Tanzmusik steht MUSS dieses Lied dazu hören. 100 Prozent Riesling

9 Kommentare zu “Kleine Weinfibel – 4

  • Heinz Magnus

    Die Empfehlung mit dem “Martinstaler Rödchen” seinerzeit war ausgezeichnet. Deshalb werde ich unbedingt auch die Schwedhelm-Weine versuchen. Allerdings mit anderer Musik und in der Hoffnung, dass die beiden Rieslinge straffer darherkommen als die jugendlichen Wabbelbäuche beiderlei Geschlechts auf dem Video. :-)
    Vielen Dank für den Riesling-Tipp
    Heinz Magnus

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  • ET

    Hmm. Ich glaube, Dein Weingeschmack liegt mir deutlich näher als Dein Musikgeschmak.
    War im Mai auch bei Schwedhelm und sehr angetan. Schwarzer Herrgott und Wotanfels sind sicher die Spitze der Kollektion, aber auch die einfachen Rebsortenweine – Blanc de Noirs, Weißburgunder, Chardonnay und Scheurebe (sowas trinke ich ja eigentlich gar nicht…) sind aller Ehren wert. Viel Trinkspaß fürs Geld.

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  • Sigbert Frisch

    Psst – Herr Würz! Ich flüstere nur, damit nicht zu viele Leute mitbekommen, wie großartig der Wotanfels vom Klosterhof ist. Ich habe auf Ihre Empfehlung eine Kiste gekauft. Und Sie haben nicht übertrieben: Der Wein ist fantastisch: kühl, feinfruchtig und hoch elegant. Man sollte dem Winzer empfehlen, diesen Wein wenigstens 5 Euro teurer zu machen, nur einfach so zur Stärkung des Selbstwertgefühls. Auf jeden Fall sollte man ihn nicht kaufen, weil er ein Schnäppchen ist (dafür sollte man sich ehr schämen), sondern weil er so toll ist. Was mir besonders gefällt: Dieser Winzer hat einen eigenen Stil und der zeugt von sehr viel Geschmack.

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  • Sigbert Frisch

    Und auch nach einer Woche steht der Wotanfels (die letzten beiden Gläser) wie eine Eins. Jodig-mineralische Eleganz, verwoben mit feiner Säure: sehr burgundisch, wenn man die elegant-fruchtige Nase für einen Moment vergisst.

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    • Dirk Würtz Post author

      Das freut mich, dass der Wein Ihnen so viel Spaß macht. Die Tage gibt es ein Video mit dem er Winzer auf stern. de…

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  • Sigbert Frisch

    Ja, da haben Sie genau ins Schwarze meines Gescmacksempfindens getroffen. Lustig, dass ich die Weinempfehlung eines Weinmachers toll finde, dessen Weine ich gar nicht kenne. Aber das wird nachgeholt …

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  • Pingback: Rotwein: Dunkle, vollmundige gegenüber hellroter Kirsche | Ei Gude, wie?

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