Alles über Wein und den Rest der Welt…

Da irrt der Ösi!

Der von mir geschätzte Captain Cork hat gestern einen Artikel verfasst, auf den ich einfach antworten muss. Ich kann nicht anders, denn der Captain täuscht sich. Zumindest in einigen Punkten.

“Muss Wein zu allem passen?” fragte er gestern.  Meine reflexartige Antwort lautet: “Muss nicht, kann aber”. Ich für meinen Teil finde es unglaublich spannend und aufregend, Wein zu allen möglichen Speisen zu kombinieren. Insbesondere so ganz anders, als das in der Regel von den “Experten” vorgeschlagen wird. Der Captain schreibt beispielsweise, dass eine Schweinshaxe nach “Bier schreit”:

“Warum zerbricht man sich in einem Forum 260 Einträge lang den Kopf, was zu Schweinshaxe schmecken kann? Herausgekommen ist: Riesling Großes Gewächs. Absurd”.

Da muss ich geradezu energisch widersprechen. Ich für meinen Teil, trinke gerade zu solchen Gerichten, zu gebratenen, gegrillten und geschmorten Gerichten eigentlich nur noch Weißweine und tatsächlich auch mal trockene “Grosse Gewächse”. Insbesondere dann, wenn sie gereift sind. Wobei meine absolute Traumkombination zu solchen Gerichten eine Riesling Auslese ist. Nicht so sehr pappig süß und mit etwas mehr Alkohol. Für mich ist das beinahe unschlagbar. Und warum eigentlich, geht zu solchen Gerichten nur Bier? Das ist mir viel zu dogmatisch.

Ein Passus im Cork´schen Artikel macht mich allerdings noch viel nachdenklicher und ich frage mich, wie der Captain zu dieser Annahme kommt:

“Das ist auch der Grund, warum Köchen wie Schuhbeck, Wissler, Wohlfahrt etc. die “deutschen Weinfuzzis” (Zitat Schuhbeck) so suspekt sind. Und sie das Weinthema ihrer Restaurants gerne vollständig an die Sommeliers übergeben. Sie entlarven den deutschen Weinfreak als Essenshasser. Und ehrlich gesagt sprechen die eher bodenständig-einfältigen Speisen, die in den Foren nachgefragt werden (Vinothekare können davon ein Lied singen) nicht gerade für ein breites kulinarisches Weltbild. Das bei Leuten, die jede Weinlage auswendig herunterbeten können.”

Der Schubeck ist mir übrigens  auch suspekt, wenn er so etwas sagt… Der deutsche Weinfreak ist ein Essenshasser? Quatsch! In hundert Jahren nicht. Da muss er etwas verwechseln, der Captain. Gerade der deutsche Weinfreak ist ein Essensliebhaber. Wenn es etwas gibt, dass ich nach beinahe 15 Jahren Erfahrung in deutschen Weinforen sagen kann, dann das! Die Essenshasser gibt es, das sind aber nicht die Freaks, das sind die anderen. Dass das kulinarische Weltbild des Deutschen per se nicht breit ist, stimmt. Der Weinfreak ist da allerdings eine Ausnahme. Und was für eine. Hundertmal erlebt!

Natürlich, da hat der Captain recht, ist die deutsche Kulinarik im Aufbruch. Wie eigentlich jede Kulinarik eines Landes irgendwie immer im Aufbruch ist. Meiner Meinung nach müssen wir einfach nur die alten Zöpfe abschneiden und die eingefahrenen Spuren verlassen. Wie oft wundere ich mich gerade über die Empfehlungen von so manchen Sommeliers. Ein teilweise an Langweile kaum noch zu überbietendes und stereotypes Einerlei. Gerade vor einiger Zeit hab ich es wieder erlebt. Es gab gebackene Milzwurst und ich sollte dazu einen fetten Italiener trinken. Im Leben nicht! Ich trank einen restsüßen Kabinett von Wilhelm Weil aus dem Jahr 2009 und das war ein Traum. Ging gar nicht besser!

Trauen müssen wir uns. Versuchen, probieren und sich einfach mal treiben lassen. Gerade auch die sogenannten “Amateure”. Nirgendwo steht geschrieben, dass zur Schweinshaxe zwingend Bier gehört. Und wenn einer Wein zur Weißwurst haben will, selbst wenn da süßer Wein dabei ist, soll er es machen. Es lebe die Vielfalt, die Freiheit und der persönliche Geschmack! Es geht eben nicht darum, alles in Regeln und Formen zu pressen, wie mein Freund Knalli im Cork´schen Kommentarstrang anmerkte. Nix “typisch Deutsch”. Es geht um genau das Gegenteil. Dabei fällt mir auf, dass gerade meine österreichischen Freunde bei alles und jedem schnell mit der “typisch-Deutsch-Keule” schwingen. Gewöhnt Euch das bitte mal ab. Zumindest, wenn es um das Essen und das Trinken geht. Da sind wir sowas von offen und multikulti und auf dem Weg. Davon können andere nur träumen!

Nebenbei bemerkt ist “Wein und Wurst” ein beinahe abendfüllendes Thema. machen wir demnächst mal…

16 Kommentare zu “Da irrt der Ösi!

  • Oliver Hess

    Der Frankfurter sieht das vollkommen anders, zur Schweinshaxe gehört ein ordenlicher Ebbelwoi…

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  • Ollie

    Wenn man statt “Ging gar nicht besser!” oder “Zu x gehoert y!” einfach “Mir hat dieses mit jenem gut geschmeckt, aber es gibt viele andere Kombinationen, die mir auch und anderen Leuten vielleicht sogar noch besser schmecken” schriebe, koennte man sich die 260 Forumseintraege, das halbe Dutzend blogposts und die meisten, na, eigentlich alle Kommentare dazu schenken; auch dieser hier waere ueberfluessig.

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  • Helmut O. Knall

    Ja natürlich poltert der Captain, das macht er ja schon deswegen, weil ihr das ja so wollt und darauf auch brav reagiert. Und vielleicht, weil er keinen Holzfuss hat und sich nicht nur wegen der Corporate Identity einen Haxn amputieren lassen wird.
    Was ich allerdings mit meinem Kommentar meinte, war eben, dass ich sehr wohl das ganz anders erlebe als du, lieber Dirk. Ich empfinde bei meinen diversen Besuchen in Deutschland, auch bei sogenannten Weinfreaks (kann mir mal wer erklären, was ihr damit eigentlich meint), eigentlich immer eine Krampfhaftigkeit. Eben diesen von mir empfundenen “Zwang” alles zuzuordnen. Und ich empfinde das in Österreich immer viel lockerer, verspielter, und ja, genussvoller. Und Dirk -> du (und einige wenige andere) bist die ziemliche Ausnahme. Ok. vielleicht bin ich immer noch zu wenig in eurem Land (ich finde ja eigentlich, dass ich da schon viel zu oft bin), vielleicht kenne ich zu wenig Freaks (aber mir reichen Elflein & Co völlig) und vielleicht tue ich euch als Österreicher manchmal Unrecht. Mag sein. Aber das kannst du ja wieder nicht beurteilen, mein Lieber, da du es ja immer noch nicht über die Grenze geschafft hast ;-)

    Und nur nebenbei, ich macht euch dauernd und überall über die Ösis lustig. Das ist ja nur ein klein wenig Revanche…

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  • Martin Joest

    Alles gesagt, nur ein Hinweiß. Ist es nicht besser Weinfreaks als Extrem Wine Lovers zu bezeichnen dann ist das mit dem Essenshasser schon am Start absurd. Übrigens Land und ethnischer Zugehörigkeit unabhänig, noch nie in einem Weingut gewesen in dem Essen nicht hoch aufgehängt war, weil Betreiber aber vor allem die Kunden das so sehen.

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  • Der Captain

    Es ist eine andere Mentalität, Knall. mehr Ingenieure, weniger schlampig, dafür romantischer und der Schubladisierung zugeneigt. Wir sind versoffener und drehen oft mit Bestemm an den immergleichen Knöpfen. Deswegen ist ihr Riesling auch so viel besser. Und wir lassen den Veltliner der Exzellenz immer noc vermissen (was Schiefer und Velich beim Blaufränkischen ja schon geschafft haben)..

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  • Willi

    so was von lecker und ergänzender Harmonie: Weißwürste mit einer 2012er Huxelrebe Spätlese mit 46 gr- Restzucker vom Weingut Rainer Schlumberger aus Laufen / Markgräflerland. Schmeckt am besten um 11 Uhr.

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  • Frank Schulz

    Danke für diesen Kommentar Dirk, auch an tsweinblog und Direttore für deren Einlassungen sowie die anderen Protagonisten, die ich möglicherweise dazu noch nicht gelesen habe. “PAUL” kann bei der Weinauswahl zu Speisen Orientierungshilfen geben http://tinyurl.com/lexk3qc Den gibt’s zurzeit im http://www.shop.deutscheweine.de und demnächst auch online. Zur Sache möchte ich mich nicht einlassen. Meine Vorredner haben dazu alles gesagt. Klimek hat wie jeder Mensch mehrere Facetten, einige sind sehr originell, manche inhaltlich fragwürdig. Man kann Diskussion ja auch als Erkenntnisgewinn erleben.-)

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  • jan

    Wow immer ein sehr interessantes Thema – Essen und Wein! Da “muss” ich einfach auch antworten auf Grund meines Restaurantfachmann Hintergrunds aus den 90igern…:
    Meiner Meinung nach kann jeder Wein mit jedem Essen besser schmecken als solo, wobei es selbstverständlich auch Weine gibt, die ich gerne ohne Essen genieße.
    Es geht aber auch andersrum: Für mich gibt es Weine, die ich solo kaum trinken kann. Dazu gehören z.B. viele Trollinger oder Trollinger-Lemberger – am besten noch maischeerhitzt!
    Aber wenn ich dann schon einen solchen Wein trinken möchte (was selten vorkommt), dann schmecken mir diese ausschließlich (bislang) nur in einer guten schwäbischen Besenwirtschaft mit einer deftigen Schlachtplatte!
    Was ich sagen möchte: Warum muss der Wein zum Essen schmecken und nicht andersherum: Das Essen sollte zum Wein schmecken?!
    Ich habe es mir mittlerweile angewöhnt, mir in Restaurants nach Möglichkeit erst einen Wein zu bestellen (das sind meistens solche, von denen ich sage: “oha, die Rebsorte, den Jhg, die Herkunft hatte ich ja schon lange nicht mehr”) und dann werfe ich einen Blick auf die Speisekarte…
    Weißwürste esse ich nur vormittags und da ist mir selten nach Wein zu Mute – höchstens Sekt. Vielleicht sollte ich das mal das nächste Mal ausprobieren, wenn ich Mal wieder in Bayern sein sollte!? Denn “oha Sekt trinke ich auch wirklich viel zu selten” und ich hätte einen Anlass mehr Prickelbrausen zu trinken außer an Neujahr, Jubiläen, Geburtstagen, glückliche Scheidungen…
    Das werde ich mal ausprobieren. Danke für die Anregung!

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  • Benzinger

    Roter Wein zu dunklem Fleisch und weißer Wein zu hellem Fleisch ist out.Wenn ich eine Trockenbeerenauslese zur Forelle blau trinken will, dann tue ich es eben.Übrigens, wenn ich ein Bier zur Schweinshaxe trinken will, die Betonung liegt auf “will”, dann tue ich es eben.Uns mangelt es häufig an Liberalität, deshalb wollen wir vielleicht vieles zuordnen.Da muß ich dem Herrn Knall recht geben, das machen unsere Nachbarn etwas besser.Wir neigen zur ÜBERBEWERTUNG unserer eigenen Vorstellung!

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  • Heinz Magnus

    Das “Wir”-Gefühl will sich bei mir nicht so richtig einstellen. Deshalb finde ich die Gegenüberstellung D und A relativ albern.

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  • Pingback: www.derWeinblog.de | Weisswurst vol. 2 - www.derWeinblog.de

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