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Mainzer Weinbörse

Am vergangenen Wochenende war die Mainzer Weinbörse des VDP. Wie immer war sie eine gute Gelegenheit, sich einen Überblick über den aktuellen Jahrgang zu verschaffen.

 

Eines vorweg – 2012 entwickelt sich zu einem enorm spannenden Jahrgang. Das alles beherrschende Thema ist die Säure beim Riesling. Die ist da, und wie! Ich persönlich finde das extrem gut, andere wiederum kommen damit weniger klar. Das ist aber völlig normal. Im Grunde genommen ist Säure und Riesling seit dem Jahrtausendwechsel kaum noch ein echtes Thema – zumindest nicht flächendeckend. 2008 war sie spürbar da und auch 2010. Bei letzterem aber eher aus der Not heraus und ganz oft eben ganz unreif. In 2012 ist sie da, die Säure, aber eben reif. Manchen war das zuviel und sie haben entsäuert. Das ist einigen Weinen deutlichst anzumerken. Das ist eben eine Frage der Philosophie und des persönlich bevorzugten Stils.

Überhaupt fällt auf, dass sich die Stilistiken immer mehr ändern und auch immer weiter auseinander driften. Auf der einen Seite hat man eher wilde und ungestüme Weine. Teilweise alle eigentlich viel zu jung, um überhaupt gezeigt zu werden. Weine, die unglaublich ausdrucksstark sind, respektive auf dem Weg sind, es zu werden. Ich nennen so etwas gerne die “gewachsenen Weine”. Der Gutsriesling von Wittmann ist so einer. Irre! Ganz besonders gefielen mir in diesem Zusammenhang die Rieslinge des VDP-Präsidenten Christmann. Allesamt enorm dicht, glasklar und ausdrucksstark. Auf der anderen Seite stehen da auch ganz viele komplett fertige Weine. Auch solche, die eher brav daherkommen. Gemacht eben, ohne das negativ werten zu wollen. Hier prallen wirklich mittlerweile Welten aufeinander. Die Unterschiede in der Philosophie waren selten so deutlich wie aktuell. Ich würde sogar fast so weit gehen zu sagen, dass es eine Art neue Bewegung innerhalb des VDP gibt. Eine Bewegung hin zu völlig schnörkellosen, nullkommanull primärfruchtigen, kühlen und total herkunftsbezogenen Weinen. Mir persönlich gefällt das extrem gut, muss ich sagen.

Es ist schon ziemlich spannend zu sehen, dass selbst ein vergleichsweise kleiner Verband wie der VDP (200 Mitglieder) so heterogen ist, was die Weinphilosophie angeht. Es versteht sich von selbst, dass alle diese Weine ihre Berechtigung haben. Ich bin gespannt, wie sich diese Entwicklung fortsetzen wird…

Ein großes Thema war auch – wieder einmal – die neue Klassifikation des VDP. Hier gibt es noch jede Menge Erklärungsbedarf. Sowohl innerhalb des Verbandes, als auch im Markt. An manchen Stellen herrscht eher Aufregung und Unverständnis über diese Klassifikation. Ich kann das nachvollziehen, denke aber, dass sich das bald legen wird. Die Sache ist neu und neue Dinge brauchen eben ihre Zeit. So kompliziert sie momentan erscheint, so einfach wird sie am Ende sein. Darauf würde ich beinahe wetten wollen…

8 Kommentare zu “Mainzer Weinbörse

  • Gernot

    Neben dem was Dirk hier beschrieben hat finde ich es von Jahr zu Jahr schockierender, was für Weingüter unter dem Deckmantel VDP unterirdische Weine anbieten und vertreiben. Das ist ja kaum noch zu ertragen. Was berechtigt eigentlich, dass diese dort weiterhin untergebracht werden? Das macht mich wirklich sprachlos.

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  • Pingback: Weinbörse 2013 – Qualität im Zeichen der Pyramide — Blind Tasting Club – Wine and Dine Blog

  • jack

    da ich nicht die möglichkeit habe verschiedene weingüter nebeneinander auszuprobieren, wäre mir sehr geholfen wenn dirk mal die divergierenden stile namentlich gegenüberstellen könnte. so kann ich, nach proben besser nachvollziehen, was mit den ” eher wilde und ungestüme Weine2 meint.

    gruß

    jack

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  • Christopher

    Meine ersten Kontakte mit dem 2012er sind ebenfalls äußerst positiv – spannend oder spannungsgeladen trifft es wirklich gut.
    Letzte Woche war ich auf der Ortsweinverkostung Rheinhessen und vom Niveau des eh für mich vom PKV interessantesten Mittelbaus äußerst angetan – besonders die stilistische Bandbreite beim Silvaner war faszinierend.

    Mal von den Granden wie Wittmann, Battenfeld-Gilot oder Wagner-Stempel abgesehen, haben mich die Silvaner und Rieslinge von Kai Schätzel aus Nierstein echt umgehauen, ähnlich interessant Thörle aus Saulheim, Kneewitz und Bischel aus Appenheim oder Winter aus Dittelsheim-Hessloch, aber auch Dreissigacker, Becker-Landgraf, Landgraf, Riffel und viele andere lagen auf sehr sehr hohem Niveau.

    Heutzutage von trockenen deutschen Weißweinen zu sprechen und dabei Rheinhessen immer noch zu belächeln, hat doch meines Erachtens sehr viel mit Ignoranz zu tun.

    @ kai

    Ich glaube kaum, dass sich das mit den “wilden Weinen” oder bestimmten Stilen, die es ja auch so trennscharf ganz bestimmt nicht gibt, auf der deskriptiven Ebene kaum verdeutlichen lässt – das wichtigste beim Umgang mit Wein ist immer noch das Probieren, Vergleichen etc.

    Grüße
    Christopher

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