Alles über Wein und den Rest der Welt…

Die Schlacht auf dem Dornfeld

Es gibt Weine, die machen mich nn… nachhaltig nachdenklich…

 

Restsüße und halbtrockene Rotweine gehören dazu. Ich hatte dieser Tage so ein Exemplar – Dornfelder Classic – also irgendwas um halbtrocken oder so. Ich habe die genauen Kenndaten des “Classic” jetzt gerade nicht im Kopf, warum auch. Sah aus wie Dornfelder, also blickdicht dunkelrot, roch nach Dornfelder und irgendwie roch es auch süß. Ich weiß jetzt gar nicht, ob das überhaupt sein kann, dass man die Süße in einem Dornfelder riechen kann… egal. Es schmeckte, zuerst, irgendwie, ich kann mich nicht erinnern. Beim dritten oder vierten Schluck entfuhr mir ein “Na ja, fehlerfrei. Irgendwie ordentlich”. Es ist ein Grusel, dachte ich. Bis mir wieder einfiel, dass es ja nur in der Welt des “schönen und reinen Weines” gruselig ist. In der anderen Welt, in der zwar realen, aber irgendwie dann doch nur gerade so parallel existierenden, stellt sich die Frage nach dem Grusel gar nicht. Da wird so etwas getrunken und gut ist es. Auf der Krim produzieren sie solche Weine, in Moldawien in Rumänien in Bulgarien und alle trinken sie ihn. Ich erinnere mich genau an meinen ersten Besuch in der Ukraine und den folkloristisch gestalteten Empfangsabend. “Cabernet Sauvignon halbsüß” – 50 Gramm Restzucker – die Hölle. Der Abend endete in einem ernstzunehmenden Getränkeunfall. Ich war der Letzte am Tisch in der Küche. Genau genommen der Vorletzte… die adipöse Köchin war noch da, schob eine “Musikkasette” mit der von den Slawen so heiß geliebten ,melancholischen Untergangsmusik und dem gesamten menschlichen Weltschmerz ein, hob mich hoch und tanzte mit mir. Danach wurde ich ohnmächtig.

Ich nehme einmal an, ich weiß es nicht genau, aber es werden garantiert Millionen von Litern des süßen Dornfelders in Deutschland getrunken (Portugieser sicher auch). Irgendwo muss er ja auch hin, der Dornfelder. Er hat es nicht leicht im Moment. Im geht es wie dem Hoeneß. Auf einmal hat ihn keiner mehr lieb. Schade eigentlich. Er gerät aus der Mode, der Dornfelder, dabei könnte er immer noch so nützlich sein. Meinetwegen auch süß. Oder halbtrocken. Oder feinherb. Egal. Wenn er so schmeckt, wie der, den ich gerade im Glas habe, macht es in jedem Fall dann doch Sinn. “666 Metal Wines – Black Hills”. Kommt von der Nahe, Jahrgang 2010, ist ein Qualitätswein mt 11 Gramm Restzucker. Rot. Tiefrot und tief süffig. Würde ich auf jedem Konzert mit Freuden trinken. Ganz ehrlich! Ich meine, ich habe irgendwann einmal irgendwo gelesen, dass das Dunkelfelder und Regent sein. Es geht jetzt also dann nicht explizit um Dornfelder. Wir bewegen uns aber in der gleichen Liga. Die Musik von den Jungens ist mir übrigens zu hart. Ich bin kein Metaller. Heute und zu diesem Wein steht mir mehr der Sinn nach dem hier…

Es ist was es ist… und es hat einen Sinn. Klar, man kann Dornfelder, um mal wieder auf ihn zu sprechen zu kommen, verteufeln. Mache ich auch oft genug. Aber es ist dann, ganz am Ende doch irgendwie nicht gerecht. Es ist sogar großer Quatsch! Ganz großer Quatsch! Aber, ich befürchte, es hat sich bald “ausgedornfeldert”. Die Fassweinpreise sind ziemlich im Keller, die Nachfrage lässt nach, selbst 11er Dornfelder marodiert wohl noch über den Markt. Natürlich sind wir selbst schuld – wie immer. Es musste ja auch jahrelang übertrieben werden mit dem Dornfelder. Ich erinnere mich an Jahre, an Weinberge, da habe ich vor lauter Trauben keine Blätter mehr gesehen. 30.000 Liter auf dem Hektar; kein Problem. Jetzt haben wir den Salat. Vielleicht noch nicht ganz, aber die Vorzeichen stehen nicht gut.

Es gibt sie übrigens, die guten, ja sogar herausragenden Dornfelder. Aber dann sind sie selten süß…

5 Kommentare zu “Die Schlacht auf dem Dornfeld

  • de Pälzer

    Es waren Dornfelder, die mich zum Pälzer Rotweintrinker machten…..Knipsers 3 Sterne-Dornfelder, Jakob Pflegers Dornfelder aus der CURATOR-Serie….inzwischen bis auf ein paar Reserveflaschen Geschichte. Bleibt mir noch der tolle Dornfelder Reserve aus dem Weingut Egon Schmitt. Requiem auf eine Rebsorte.

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  • Tobias Solger

    Diese Rebsorte ist einer der wichtigsten Reben überhaupt da sie als “Einstiegsdroge Wein” gilt und die Weintrinker von morgen schafft! Manche bleiben auch dabei, andere brauchen es süß. Es gibt auch Leute die Zucker in den Kaffee schütten. Mir völlig unverständlich, obwohl ich auch einmal so angefangen habe…

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  • Chris

    Die Dornfelder von Gutzler zählen für mich auch immer zum Maximum was man aus der Sorte machen kann!

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  • BioCatering Fan Berlin

    Ich finde das Vermarktungskonzept so interessant. Die Verbindung des teuflisch/ dionysischen mit der Weinkultur. Beschreibungen wie tiefrot oder tief süffig werden da zu philosophischen Begriffen.

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