Alles über Wein und den Rest der Welt…

Kleine Weinfibel – 3

Vor mir stehen jede Menge Flaschen Wein, die darauf warten, probiert zu werden. Ganz subjektiv, versteht sich…

 

Es gibt Momente, die sind so spannend und kurzweilig, dass man, selbst wenn man wollte, sie sich nicht ausdenken könnte. Neulich hatte ich so einen:

Ich stand, nach einer längeren Tour durch die Weinberge, in der Vinothek in Hattenheim und erklärte unseren neuen Mitarbeitern alles rund um unsere Weine, Philosophie und natürlich tranken wir dabei das eine oder andere Glas Riesling. Die Tür ging auf und zwei – sagen wir mal – “junge Männer – kamen herein. Kundschaft… Sie fingen an zu probieren und aus dem Augenwinkel – ich konnte nicht anders, ich musste hinsehen – erkannte ich, dass es sich ganz sicher um “Männer vom Fach” handeln musste. Wir kamen, über die Köpfe der Kollegen, in das Gespräch. Winzer, Pfälzer – unüberhörbar – das Weingut Pfirmann aus Wollmesheim (das ist in der Südpfalz in der Nähe von Landau) war im Haus. Wir hatten Spaß, haben gefachsimpelt und probiert und “schee pälzisch gebabbelt”. Irgendwann ging Stefan Pfirmann an sein Auto und holte eine Flasche von seinem Wein. Die war so gut, dass ich sofort und ohne Umstände in euphorisches Schwärmen geriet. Das geht bei mir ganz schnell, besonders dann, wenn nicht nur der Wein, sondern auch die Stimmung gut ist. Dankenswerter Weise hat er mir zwei Flaschen des köstlichen Getränkes dagelassen und die muss jetzt zwecks Überprüfung der Würtz´schen Ultraeuphorie dran glauben. 2011 Riesling Buntsandstein, heisst der Wein. Das gibt bei mir direkt Punktabzug. Geologische Ausdrücke, Bodenformationen und dergleichen auf dem Etikett machen mich seit jeher irre… Der Punktabzug verfliegt direkt, wenn ich den Wein im Glas habe. Klar, präzise, aberwitzig saftig, elegant und ausgestattet mit einer ganz großartigen Säure. Lang, und lang und ganz lang… Während ich eine Bezugsquelle für den Wein suche, sehe ich die Bewertung des Weines in einem Weinführer: 84 Punkte… das wird diesem großartigen Wein nicht gerecht. Das ist nicht schlecht, keine Frage, aber zu wenig. Die Verkostung, so steht es da, war im Juli 2012. Wahrscheinlich war das einfach zu früh. Ich habe den Geschmack des Weines immer noch im Mund – es will gar nicht aufhören. Ein fantastischer Wein für läppische 7,10 Euro. “Völlig schnörkellos, unaufgeregt, pur und extrem lecker”, meint auch gerade meine Frau…  Übrigens schmeckt der so gar nicht pfälzisch, falls es so etwas überhaupt gibt. Er erinnert mich mehr an kühlere Gegenden. Am besten einfach mal selbst probieren. Entweder direkt im Weingut, oder bei den Freunden von K&M in Frankfurt. Zufälle gibt es… Zu dem Wein passt übrigens ganz vorzüglich frische Lyoner – tut mir leid Ihr Vegetarier…

Neulich war ich auf einer Veranstaltung in der wunderschönen Hansestadt Hamburg. Da traf ich einen jungen Mann, wenn ich mich nicht ganz täusche, kenne ich den aus Geisenheim… Ich habe kurz seine Weine probiert und bat ihn dann sie mir noch einmal zuzuschicken. Das Weingut heisst “König Johann A. Schmitt”. Und im Moment, da ich mir die homepage ansehe, wird mir klar, dass ich ihn als Student aus Geisenheim kenne… Der hat sogar einen Blog. Allem Anschein nach ist die ganze Mühe dann doch nicht umsonst… ;-)

Wir haben es hier mit einem klassischen Rieslingweingut an der Saar zu tun und das merkt man auch sofort. Man riecht es, man schmeckt es, man spürt es förmlich. Der 2012 Riesling “Procerus -Hochgewächs trocken” ist ein dickes und pralles Ding. Unglaublich konzentriert, reif aber in keinem Fall plump. Er hat gerade einmal entspannte 12 Prozent Alkohol. Ein annähernd perfekter trockener Riesling, der unglaublich viel Trinkspaß bereitet. Die Flasche werden wir jetzt austrinken. Für, Achtung jetzt kommt es, sechsdreissig… 6,30 Euro… kaum zu glauben, aber wahr, Kauf- und Trinkbefehl! Und das ist nur der Anfang…

Wo der “Saarhammer” hängt zeigt der 2012 Filzener Steinberg “Amarus” Riesling Qba feinherb. Schlanke 11 Umdrehungen, eine absolut urtypische “Saarnase”, großartige Säure, Süße da, aber nullkommanull aufdringlich. Jeder Schluck macht Lust auf den nächsten. Ein Traum – ein Gedicht. Kostet 8,90 und ist jeden Cent wert. Wir essen zu dem Wein gerade ein frisches Stück Laugengebäck mit Butter, eine perfekte Kombination. Pflaumenkompott passt aber auch ganz vorzüglich.

Schnitt! Pinot Blanc macht der Bub auch. 2012 Filzener Unterberg… Unterberg, nicht Underberg :-)  Der Wein ist gut. So wie ein einfacher und süffiger PB sein muss. 6,30 Euro darf das dann auch kosten. Direkt zurück zu den ernsthaften Weinen ;-) 2011 Filzener Urbelt – ihr lieben Leute, haben die komische Namen an der Saar . Ein trockene Spätlese. Eine Bezeichnung, die ich nicht mag. Egal, der Wein ist herrlich. Total reif, herrlich ausbalanciert, beinahe cremig, ultralang, extremst trinkfreudig, eigentlich noch viel zu jung (egal) und mit 9,90 mehr als fair bepreist. Eine vergleichbare Qualität würde bei einigen renommierten Kollegen mehr als das doppelte kosten. Natürlich ist das nicht DAS Argument für den Kauf einer Flasche Wein, aber es ist schon irgendwie charmant.

Mein absoluter Favorit ist allerdings der 2011 Filzener Urbelt, Spätlese halbtrocken. Ebenfalls 9,90 Euro. Ein Monster, ach was, die Ausgeburt an Eleganz. Versehen mit einem kleinen, aristokratischen Bittertönchen. 11 Prozent Alkohol stehen dem Wein und transportieren Aromen. Wobei das nicht nötig wäre, davon hat er genug. Reife Melone, gelbe Früchte, einen kleinen schmutzigen, sexy Rauchton. Während ich diese Zeilen schreibe höre ich übrigens das hier. So wichtig und fantastisch die Kombination von Wein und Speisen ist, so wichtig ist auch die Musik. Zumindest für mich. Es gibt Musik, die lässt einen Wein noch mehr strahlen. Ich glaube, wir müssen mal eine Veranstaltung zu diesem Thema machen. Ich schweife ab, wie immer… Wobei… ich habe alles gesagt, ich würde mich nur wiederholen. Vielleicht eines noch:

Ich bin stolz, auf die vielen Talente, die wir mittlerweile hier in Deutschland haben. Dennis Schmitt vom Weingut König Johann ist wieder einmal so eines. Probiert die Weine, sie sind allesamt gut. Wer Riesling liebt, MUSS das probieren. Alles andere wäre echt eine Schande!!!

Nachdem gerade kurzfristig die Stimmung auf den Nullpunkt gesunken war – ich habe Wein probiert, der war so schrecklich unsauber und unsexy und un-überhaupt – möchte ich mir die Hochstimmung in der ich mich gerade befinde nicht verderben und höre jetzt einfach auf… Einmal wiederhole ich mich noch… probiert den König Johann!!!

4 Kommentare zu “Kleine Weinfibel – 3

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