Alles über Wein und den Rest der Welt…

Es (Ge)wächs(t)

Jetzt ist es amtlich, ab dem Jahrgang 2012 gibt es zwei verschiedene Bezeichnungen für die trockenen Spitzenweine aus dem Rheingau.

Nachdem der Rheingauer VDP bereits vor einem Jahr beschlossen hat, künftig statt dem bisherigen “Ersten Gewächs”, das “VDP.Grosse Gewächs” zu machen, hat sich nun der Rheingauer Weinbauverband seinerseits entschlossen, am bisherigen “Ersten Gewächs” festzuhalten. Ich finde das gut, sehr gut sogar.  Das wir uns nicht missverstehen – grundsätzlich finde ich die gesamten “neuen alten” Bezeichnung und Klassifikationen zunächst ein wenig bis gewaltig verwirrend  - zumindest für den Verbraucher. Und ob man am Ende tatsächlich ein wie auch immer geartetes “Gewächs” bezeichnungstechnisch braucht…

Der ein oder andere meint, oder schreibt,  dass der Rheingau nun zweigeteilt ist und der Rheingauer VDP die übrigen Rheingauer Winzer zurücklässt und diese gar mit ihrem “Ersten Gewächs” in der Bedeutungslosigkeit verschwinden könnten. Nachzulesen so beispielsweise in einem Artikel hier auf “faz.net”. Mal abgesehen davon, dass es im Rheingau nicht “fast 50″ VDP-Betriebe sind, sondern 42 (ich finde das klingt schon ganz anders), lässt der VDP keinen zurück. So wichtig sollte man den VDP nun auch nicht nehmen, auch wenn er im Rheingau aufgrund seiner schieren Größe ganz sicher Gewicht hat. “Zurücklassen” klingt für mich auch nach Streit und Dissens. Und so ist es eben dann doch nicht. Der VDP hat jede Menge Hausaufgaben zu machen und ist auf dem Weg, diese auch genau abzuarbeiten. Der überwiegende Teil der Kritik an den “Ersten Gewächsen” in den vergangenen Jahren richtete sich ja nun einmal gegen die VDP-Gewächse und eben nicht gegen die der übrigen Winzer.  Letztere verkauften in der Vergangenheit im Übrigen ihre “Ersten Gewächse” sehr gut und getrunken wurden sie auch. Sie spielen gerade in der regionalen Gastronomie – und die ist ja nicht gerade schlecht – eine gewichtige Rolle.

Nun ist es auch nicht so, dass der Verband einfach alles so lässt wie bisher und “business as usual” macht. Im Gegenteil. Auch der Rheingauer Weinbauverband gibt sich eine neue Prüfungsordnung, hat sämtliche bisherigen Kriterien kritisch hinterfragt und wird ganz sicher alles andere als ein beliebiges Weinchen mit noch einem Gütezeichen auf den Markt bringen. Ich habe es an anderer Stelle schon einmal geschrieben – durch den Rheingau geht ein Ruck, und der ist deutlich zu spüren.

Natürlich, und daran gibt es nichts zu deuteln, ist der Rheingau jetzt irgendwie “zweigeteilt”. Das ist aber nichts wirklich besonderes. Derartige “Teilungen” zwischen bestimmten Gewächsen und Weingütern gibt es auf der  ganzen Welt, vorzugsweise im Bordelais. Ich sehe so etwas eigentlich immer unter dem Aspekt der Vielfalt und der Chance Einzelner, sich zu profilieren, als unter dem Aspekt: “Ätsch, ich bin aber besser, als Du”.

 

 

 

 

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>