Alles über Wein und den Rest der Welt…

“Meisterklasse”

“Lehre – Forschung – Praxis”. Das sind die drei wesentlichen Dinge, die die Technikerschule in Bad Kreuznach vermitteln will. Angehende Weinbautechniker werden hier ein Jahr lang auf ihren Abschluß vorbereitet. Was “Praxis” bedeuten kann, nicht nur weinbaulich und kellertechnisch, zeigt das heute vorgestellte Projekt “Meisterklasse”.

Markenweine gibt es wie Sand am Meer, keine Frage. Die großen unter den Marken dominieren den Wein-Weltmarkt. Man kann sich natürlich trefflich darüber streiten, was einen Wein zu einer “Marke” macht, wie viele Flaschen hierfür verkauft werden müssen und wie das Ganze aufgestellt zu sein hat. Marken werden in der Fläche verkauft, Millionen Flaschen stehen in den Regalen des LEH und der Discounter. Was einige dabei aber gerne vergessen, ist die Tatsache, dass im Grunde genommen jeder noch so kleine Weinerzeuger ebenfalls eine “Marke” ist. Zumindest eine werden kann – manchmal vielleicht auch werden sollte. Marken haben ganz klar definierte Profile und Aussagen, und gerade das ist es, was im deutschen Erzeugeralltag leider immer noch so häufig fehlt. Ein klares Profil und eine deutliche Aussage. Genau diese Herausforderung haben 13 Schüler der Technikerschule Bad Kreuznach angenommen und ich finde, sie haben das ausgesprochen gut gut gemacht.

Herausgekommen ist ein Weinßweincuvée aus Riesling, Silvaner und Weissburgunder. Nicht ganz trocken, aber dann doch noch so trocken, dass keinerlei Süße unangenehm auffällt. Ein runder und harmonischer Wein. Frisch und spritzig. Passend zum heutigen Wetter und zum hoffentlich bevorstehenden Frühling. Das Ganze wird exklusiv vom großen Handelshaus “Globus” vertrieben. Ein Supermarktwein also, für knackige 4,99 Euro. Ja, ja… ein Wein aus dem Supermarkt. Und da waren sie wieder unsere Vorurteile und Aversionen und was sonst noch so alles dazu gehört. Aber gerade dieser Wein ist ein Paradebeispiel für meine stetig vorgetragene Litanei: Deutscher Wein im Regal in der Fläche ist definitiv nicht zu vergleichen mit seinen Mitbewerbern aus Spanien oder Südfrankreich oder Übersee. Es ist eben kein Massenwein, sondern definitiv ein handwerklich hergestellter Wein – wenngleich üblicherweise natürlich nicht nach den Kriterien elitärer Weinbauorganisationen. Im konkreten Fall kommen die Weine aus der Domäne in Oppenheim – immerhin ein VDP-Betrieb.

Was mir persönlich an der “Meisterklasse” am besten gefällt, ist diese Transferleistung vom theoretischen Unterricht hin zu einem ganz konkreten Projekt. Besser können zukünftige Generationen von Winzern, Weinmachern und Betriebsleitern eigentlich kaum lernen, was es heisst, eine Marke zu sein – oder irgendwann zu werden. Kein Planspiel, sondern ein ganz reales Produkt und das dazugehörige Geschäft mit einem Handelsriesen. Und wenn es dann auch noch schmeckt, wie im vorliegenden Fall, sind doch alle glücklich!

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