Alles über Wein und den Rest der Welt…

Schnauze voll!

Wer in Deutschland Qualitätswein produzieren, in Flaschen füllen und in den Verkehr bringen will, muss den Wein prüfen lassen. Eine sogenannte Qualitätsweinprüfung. Wer in der Lebensmittelwirtschaft macht das noch? Keiner!

Je länger ich darüber nachdenke, umso deutlicher wird mir die Tatsache bewusst, dass es wohl kaum einen Hersteller von Getränken oder Lebensmitteln gibt, der derart streng kontrolliert wird, wie der Weinbau in Deutschland. Angefangen von Pflanzrechten, Höchsterträgen, Spritzmittelverordnungen, mitsamt einzuhaltenden Fristen, Naturschutz, Wasserschutz und weiß der Teufel was noch, bis hin zu Richtlinien und Verordnungen im Keller und natürlich den üblichen Rückstandskontrollen. Alles ist gesetzlich geregelt und wird beinahe lückenlos überwacht. Am Ende des Herstellungsprozesses steht dann die sogenannte Qualitätsweinprüfung, die darüber entscheidet, ob ein Qualitätswein mit oder ohne Prädikat überhaupt verkehrsfähig ist. Zu dieser Prüfung muss eine Analyse des Weines mit eingereicht werden, die im Zweifelsfall auch gerne einmal überprüft wird. Die Proben des Weines MUSS man jahrelang aufbewahren, um etwaige Nachprüfungen gewährleisten zu können. Die Weinkontrolle überwacht und kontrolliert, Öko-Verbände kontrollieren und die Öko-Kontrolle kommt auch einmal im Jahr. Alle unangemeldet in der Regel, versteht sich. Dazu natürlich noch der Zoll und das Finanzamt und die Berufsgenossenschaft überhaupt kommen irgendwie alle, die etwas prüfen können. So langsam aber sicher habe ich das Gefühl, dieses Prozedere ist einmalig – weltweit! Es kann natürlich sein, dass ich mich täusche, es fühlt sich aber an, als wäre es so.

Hat schon jemals einer etwas von einer “Qualitätswurstkontrolle” gehört. Also von einem Gremium von Wurstverkostern, die das Produkt probieren und mitsamt der Analyse selbiger entscheiden, ob das Zeug verkehrsfähig ist? Oder vielleicht eine “Qualitätsmilchproduktkontrolle”? Oder Fleisch oder Gemüse oder Backwaren, in denen gerne einmal genmanipulierter Kram eingearbeitet wird? Ich habe von derartigen Prüfungen und Kontrollen noch nichts gehört. Kein Gremium entscheidet,ob die Lasagne verkehrsfähig ist oder nicht! Aber beim Wein, da wird kontrolliert und getan und gemacht, bis zum jüngsten Tag. Klar, in der Vergangenheit gab es immer mal wieder den einen oder anderen Skandal. Den letzten echten in den 80iger Jahren – Stichwort Glykol. Aber sonst ist es doch eher ruhig um das Produkt Wein. Wenigstens wenn es um unerlaubte Zusätze geht. Und während der geneigte Weinfreund im Internet über “additive Oenologie” und deren “Schrecken” diskutiert, frisst sich die Lebensmittelmafia durch deren Magenwände und Geldbeutel! Schön so! Selbst wenn morgen in der Lasagne Katzimausi oder Hundehasi drin ist – egal. Mund abwischen und weitermachen. Merkt ja keiner! Hauptsache keiner frisst unsere Kinder – oder wäre Hund der grössere Aufschrei? Ist ja eigentlich auch egal..

Was ich sagen möchte ist ganz einfach: Nehmt Euch mal ein Beispiel am deutschen Weinbau und führt amtliche Qualitätskontrollen für alle diese Produkte ein. Und wer sie ohne AP-Nummer (amtliche Prüfnummer) in den Verkehr bringt fährt ein!

12 Kommentare zu “Schnauze voll!

  • Gernot

    …..dem Beitrag kann man nur zustimmen. Finanzamt, LVA, Krankenkassen, Berufsgenossenschaft, ganz beliebt Umsatzsteuer-Sonderprüfungen…….man hat den Eindruck förmlich die Unterhosen ausgezogen zu bekommen. Kleiner Betrieb, wie schwer es ist Gewinn zu realisieren werden einige wissen, und am Ende holen es sich die Ämter. Und das schlimme ist, die Institutionen wissen das. Um alle Förmlichkeiten korrekt umzusetzen, müsste man bestimmt 2x im Monat Kurse hierzu belegen. Für mich ist das alles schon lange nicht mehr nachvollziehbar. Das wirklich tragische ist daran, die Selbständigkeit oftmals dadurch in Frage zu stellen…………

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  • Joachim Kaiser / VINOSITAS

    Nur zu wahr, Nerv tötend, Initiative tötend, überbürdende Bürokratie – staatliches Schmarotzertum, quetscht kleine und mittlere Betriebe aus bis zum Exzess!
    Auf der anderen Seite, wo gelingt die Selbstkontrolle der Wirtschaft? Der letzte große Skandal in der Weinwirtschaft ist eben nicht so lange her. Mit freundlicher und gieriger Unterstützung deutscher Importeure wanderten Millionen falsch deklarierte, billige Weine aus Italien nach Deutschland, usw.
    Nichts ist nur schwarz oder weiß. Aber eine Entlastung kleiner und mittlerer Betriebe, nicht nur im, aber vor allem auch in der Weinwirtschaft ist bitter nötig!

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    • Dirk Würtz Post author

      Klar, @Joachim Kaiser, keine Frage, zwischen schwarz und weiß gibt es 50 Graustufen. Ich spreche aber ganz explizit vom DEUTSCHEN Qualitätswein und nicht von italienischen Weinen…

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  • Gast

    Wurst mit Wein vergleichen? OK, mach ich mal eben und gucke mir bei eBay an was da so im Angebot ist:

    “LECKERE WURSTKONSERVEN
    400 gr. Dosen
    alles frische Ware mit MHD 1,5 bis 2 Jahre”

    und beim Wein?

    “3 Flaschen 74/2000 er Pfälzer Beerenauslese
    Sieht man von der Gefahr eines Korkschmeckers einmal ab, werden die Weine sicherlich noch ganz hervorragend sein.”

    Aha, der Wein ist ja schon 12 Jahre alt und die Wurst soll nur noch bis zu 2 Jahre haltbar sein. Bei welchem Produkt müsste also schärfer kontrolliert werden?

    Bin mir sicher, darüber kann man lange streiten – allerdings ist es schon erfreulich, dass niemand 12 Jahre Lagerkosten für weinhaltige Giftbrühe investieren muss sondern sich freuen kann den begrenzten Lagerraum für strengstens kontrollierte Qualität zu blockieren – oder etwa nicht? Bewahrt jemand gerne 12 Jahre und länger “Gift-Müll” auf? ;-)

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  • Gast

    In allen Supermärkten und Discountern wird mittlerweile -anders als bei anderen Produkten- jede Charge Wein bis aufs letzte Detail von externen Instituten geprüft. Da steckt eine riesen Branche dahinter, die sich dumm und dusselig verdient. Dabei rückt die (streng genommen subjektiv empfundene) Qualität im Glas in den Hintergrund. Was hat der Kunde davon, wenn der Wein bis auf’s letzte Atom (z.B. mittels NMR) untersucht wurde und sich jemand an den Analysen bereichert? Was helfen unendlich viele Zertifizierengen, die niemand versteht, aber dafür viel Geld kosten? Jede Kellerei wird sich doch hüten, nicht verkehrsfähige Weine ins Regal zu stellen und untersucht deshalb die wichtigsten Parameter sowieso spätestens vor der Abfüllung selbst.
    Mir ist unbegreiflich, warum man bei einem sehr sicheren Produkt wie Wein so einen riesen Aufwand betreibt, während dies bei wesentlich sensibleren Produkten wie z.B. Fleisch nicht geschieht. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Produkt gesundheitsschädlich ist, ist bei Wein äußerst gering, bei anderen Produkten hingegen deutlich größer.
    Ein shcönes Beispiel, kürzlich bei Lidl zu sehen: Bei Wein wir ein riesen Geschiss gemacht und der Rohmilchkäse wurde erst aus dem Verkehr gezogen, als bereits Menschen daran gestorben sind.

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  • de Pälzer

    @Gernot: Wollen wir das über den freien Markt regeln? Dann haben wir mit dem Wein bald die gleichen Probleme wie mit dem Fleisch.
    Ich verstehe, dass es von Seiten der Winzer Diskussionen gibt, die Verfahren transparenter und kostengünstiger zu machen, aber ich bin als Verbraucher erst mal froh, dass es diese Kontrollen gibt und wäre es noch mehr, wenn dies auch mit anderen Lebensmitteln so wäre. Das man über die Kriterien der Qualitätsweinprüfung streiten kann…..geschenkt.

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  • Guter Moseltropfen

    Das Leben eines Winzers ist halt hart. Aber wenigstens kann der Wein dann als Qualitätswein benannt werden.
    Habe noch nie etwas von einer Qualitätslimo oder Qualitätscola gehört.
    Wer ein Titel haben will, muss sich halt bemühen ;)

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  • Julian Mutter

    Huhu,

    Sehr gelungener Artikel! Absolut! – muss ich da zustimmen, die Kontrollen und nachweise sind im Weinbau sehr gut und genau. während meiner Ausbildung zum Winzer habe ich einer Qualitätsprüfung als Gast beiwohnen dürfen und ich muss sagen ich war sehr erstaunt wie detailliert die Prüfung und der Labor Test ab-lief. Bleibt zu hoffen das es in andern Bereichen im Handel (Fleisch / Eier) noch mehr Transparenz und Prüfung für den Endverbraucher gibt wie bisher.

    Grüße Julian

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  • Jürgen

    Sie sprechen mir aus der Seele! Es ist heutzutage eigentlich gar nicht mehr möglich einen eigenen Weinbaubetrieb von null aufzubauen. Mal abgesehen davon dass es im Rheingau kaum noch freie Rebfläche gibt, weiss man auch gar nicht wo man anfangen soll. Es reicht ja nicht dass man einen Weinberg pachtet und jetzt mal anfängt Wein zu machen.
    Man braucht ja schon eine Vollzeitkraft um überhaupt die ganzen Formalitäten für das Unternehmen zu ordnen und das obwohl noch nichts produziert wurde. Die Aktenschränke für die Buchhaltung nehmen schon mehr Platz ein als die Rückstellproben fürs Weinbauamt.

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  • Alexander

    Klar, in der Vergangenheit gab es immer mal wieder den einen oder anderen Skandal. Den letzten echten in den 80iger Jahren – Stichwort Glykol. Aber sonst ist es doch eher ruhig um das Produkt Wein.

    Na, das zeigt doch, dass diese ganzen Kontrollen sinnvoll sind, wenn dadurch seit über 30 Jahren kein nenneswertes Problem mehr auftrat.

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  • C. vanD.

    ja aber : gibt es ausserhalb den Wein ein anderes Lebensmittelprodukt, wo es nicht pflichtig die Zutaten auf die Etikette zu nennen ??
    So andersrum : weniger Qualitätsprüfungen ok, aber die Liste von was steckt in der Flasche ausser fermentierter Saft und Alkohol.
    Es würde viele Weinbauer (zweifellos auch in der VDP) wo es auch übrigens so wenig Bio/Biodynamie Weine gibt, “ein bisschen ärgern”, wenn es mehr Transparenz im Gute der Verbraucher wäre.

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