Alles über Wein und den Rest der Welt…

Parker ade!

Jetzt ist es also amtlich – Robert Parker hat einen Teil seiner Firma verkauft, Investoren mit an Bord genommen, tritt kürzer… Wie auch immer, eine Ära geht zu Ende!

 

Robert Parker ist der Weinpapst – zumindest für die meisten Menschen auf diesem Planet, die sich mit Wein beschäftigen. Selbstverständlich nicht für diejenigen, die schon immer wussten, dass er eigentlich keine Ahnung hat und seine Urteile völlig falsch sind… Parker ist ein echtes Phänomen. Während der eine Teil der Welt mit Spannung auf sein Urteil wartete, versuchte der andere Teil es konstant klein zu reden und zu relativieren. Letztere sind freilich in der Minderheit und weit davon entfernt, auch nur im Ansatz einen Hauch von Einfluss gehabt zu haben. Zumindest im Vergleich zu Parker. Parker war – noch ist er -der einzige Weinkritiker, der tatsächlich auch Einfluss auf die Preisgestaltung eines Weines hatte. So etwas nennt man Relevanz! Dabei spielt es eigentlich auch gar keine Rolle, wie MAN das findet, es ist eben einfach so. Das wird sich ändern, davon bin ich überzeugt.

Es hängt, wie so oft im Leben, an der Person. Natürlich hat Parker schon immer seine Mitarbeiter, die bestimmte Regionen verkosten. Er beschränkt sich seit Jahren auf wenige Gebiete. Und natürlich gab es da auch immer die eine oder andere Geschichte über diverse Mitarbeiter und deren Verfehlungen. Dennoch war es eben “PARKER”. Solange der Mann da ist, der Chef  ist, ist alles immer irgendwie in Ordnung. Das wird sich schlagartig ändern, wenn er sich zur Ruhe gesetzt hat – und nichts anderes hat er vor. Egal wo und wie ich die zahlreich erschienenen Meldungen lese, Parker verabschiedet sich auf Raten – daran habe ich keinen Zweifel. Dabei lässt er sich sein Lebenswerk – hoffentlich – ordentlich vergolden. Recht hat! Für die Nachfolger wird es schwierig.

Der neue Focus ist Asien – auch das steht ausser Zweifel. Künftig werden wir lesen, warum der eine oder andere chinesische Wein 98 Punkte hat, im “The Wine Advocat” wird jede Menge bezahlte Werbung auftauchen und die alte Welt wird in die dritte Reihe rücken. Zumindest was die Zielgruppe der Leserschaft angeht. Bei lächerlichen 50.000 Abonnenten muss das alles wohl auch so sein. Egal wie viel Geld die Investoren haben, rechnen können sie sicherlich. Da kauft  keiner eine “Marke Parker”, um sich den eigenen Weinkeller hochschreiben zu lassen. Die Investitionen werden zurückkommen müssen – so einfach ist das!

In der alten Weinwelt wird ein Vakuum entstehen und einer wird versuchen es zu füllen. Wer wird der nächste Robert Parker? Keiner, glaube ich, ehrlich gesagt. Der neue Robert Parker ist längst da und heisst Internet!

10 Kommentare zu “Parker ade!

  • J. Freudiger

    “Der neue Parker heisst Internet” – Ich weiss, wie du das meinst, aber ich glaube es so eigentlich nicht. Denn das Urteil, welches “das Netz” fällt, ist quasi ein demokratisches. Das, was den Parker aber so stark gemacht hat, war, dass er seinen ureigenen, individuellen Geschmack in den Vordergrund gestellt hat, dass er sich ein persönliches Urteil erlaubt hat. Ob man seinen Geschmack nun geteilt hat oder nicht, ist egal, er hat den Leuten eine Orientierung gegeben. Fadengerade. Im Netz werde ich doch zu jedem Wein Urteile in jede beliebige Richtung finden – und das ist genau das Gegenteil von Orientierung.

    Reply
    • Dirk Würtz Post author

      @J.Freudiger
      Ich sehe halt im Moment weit und breit tatsächlich niemanden… Ausserdem glaube ich, sind eine Empfehlung und viel unterschiedliche Infos am Ende wichtiger als “eine” Orientierung.

      Reply
  • Werner Elflein

    J. Freudiger,
    sicher wird es zu gewissen Weinen im Internet sehr unterschiedliche Einzelstimmen geben. Aber die sind ja in aller Regel nicht anonym und können zugeordnet werden. Und ich glaube, dass sich hier schnell herauskristallisiert, wer nach welchen Kriterien urteilt und wer für das steht, was ich als Weintrinker suche.

    Reply
  • J. Freudiger

    @Werner Elflein: Schon, aber dass dieses Konzert von Einzelstimmen einen Einfluss bekommt, wie ihn der gute Herr Parker hatte, kann man bezweifeln. Was aber auch sein Gutes hat. Wenn Parker keinen Einfluss mehr auf die Preisgestaltung gewisser Bx-Güter hat, werde ich mir das eine oder andere vielleicht irgendwann dann auch wieder leisten können ;-) Es gab eine Zeit, zu der konnte ich mir ab und zu eine Flasche Cheval Blanc leisten. Das ist lange her. Sehr lange. Daher: Bye, bye, Robert!

    Reply
    • Dirk Würtz Post author

      @J.Freudiger
      Ich finde es schade, wenn Parker in Rente geht. Zu diesen aberwitzigen Preisen gehört aber viel mehr, als ein Robert Parker

      Reply
  • J. Freudiger

    @Dirk: Nö, von mir aus kann der bleiben, wo der Pfeffer wächst. Überträgt man seinen Weingeschmack auf Damen, so sind nur grossbusige Wasserstoffblondinen mit aufgespritzten Lippen schön. Dabei gefallen anderen Leuten vielleicht zierliche, dunkelhaarige, kleinbusige Französinnen. Zum Beispiel. Das mit den aberwitzigen Preisen stimmt aber natürlich. Ohne schwerreiche Etikettentrinker wäre das nicht möglich.

    Reply
  • Ollie

    @J. Freudiger: Sie moegen Cheval Blanc. Parker mag Cheval Blanc auch. Deshalb(!) koennen Sie ihn sich aber nicht leisten. Parker mag , ergo ist Cheval Blanc eine , ergo moegen Sie auch . Wo ist dann das Problem? Liebhaber unter sich…

    Reply
  • Barrique-Haus

    Das Internet wird es aber nur für die “Freaks” sein, wie du schon die Realität beschrieben hast – viele haben nach Parkerpunkten gekauft und werden wieder eine Orientierung suchen. Sie wollen nur lecker Wein trinken und sich um nichts weiter kümmern müssen.

    Reply
  • Michael Kreuzer

    Dirk,Du bringst es mal wieder mit wenigen Sätzen auf den Punkt,wie so oft.Das schätze ich,das ist glasklar und erfrischend wie ein saftiger Riesling mit köstlicher Restsüße.Anders halt als die vielen Schreiber in diversen Weinblogs,die letztendlich nix anderes sind als vinophile Kleingeister und Mückenzähler und der staunenden Leserschaft ihren Geschmack,ihre Verkostungsregeln e.a.auf’s Auge meinen drücken zu müssen.Nicht besser oder schlechter als Parker.

    Reply
  • Udo Thiem

    Parker hat bestimmt so etwas wie einen Trend gemacht indem er Weine bzw. Weingüter hochgelobt hat. Wer aber Weinerfahrung hat probiert vieles und entscheidet selbst was ihm schmeckt. Wein nur nach Parkerpunkten zu kaufen ist Unfug. Ich kenne viele “Nicht-Wirklich”-Weinliebhaber, die kommen stets bei teuren Weinen ins schwärmen, obwohl sie sonst bekunden keinen Wein zu mögen.

    Reply

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>