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Von Winning – vom Feinsten

Mit wunderbar wiederkehrender Regelmässigkeit gibt es alle paar Jahre “neue” Weingüter, zu den die Massen pilgern, weil sie extrem angesagt sind. Aktuell ist das ganz sicherlich das Pfälzer Weingut “Von Winning” in Deidesheim.

 

Natürlich ist dass Weingut nicht wirklich neu und hat eine lange Geschichte. Vielleicht sollte ich sagen, es wurde vor einigen Jahren wieder neu erweckt. Das ist alles nicht neu, die Gazetten und das Netz sind voll von tollen Geschichten über von Winning. Ich muss das jetzt alles nicht wiederholen, aber ich muss Abbitte leisten! Im Sommer, anlässlich der Präsentation der “Grossen Gewächse”, schrieb ich folgende Zeilen hier im Blog:

Spannend ist das Kirchenstück von “von Wínning” Nicht ganz so wild wie in den letzten Jahren, aber unheimlich spannend. Sehr elegant und verspielt. Nicht weniger spannend ist der “Spiess”, wenngleich auch dieser Wein mir deutlich braver vorkommt als das was ich sonst so kannte aus dem Weingut. Der Kalkofen hingegen ist wieder etwas lauter… Alle Weine sind wirklich  interessant zu verkosten. Ob ich eine Flasche davon leer trinken könnte, weiss ich aber nicht. Was aber nicht weiter schlimm ist. Für mich sind das tatsächlich eher spannende Verkosterweine.

Ich nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil. Die Weine sind eben KEINE Verkosterweine.  Ich habe dieser Tage einige Weine noch einmal probiert und war mehr als erstaunt – ich war begeistert. Das “Kirchenstück”  hat sich zu einem wahren “Prachtstück” entwickelt. Es ist tief und lang und komplex und es macht unglaublich viel Spass zu trinken! Nicht verkosten, sondern trinken. Ein grösseres Kompliment kann man einem Wein kaum machen!

Die eigentliche Verneigung muss ich aber vor dem Sauvignon Blanc “500″ machen. Ich kann mich nicht erinnern, jemals einen solchen Sauvignon Blanc aus Deutschland getrunken zu haben. Ich bin ein grosser Fan dieser Rebsorte – solange sie in Südafrika oder Neuseeland oder wo auch immer wächst. Ansonsten mache ich gerne einen Bogen um die deutschen Vertreter.

Der “500″  ist allerdings  ein Meisterwerk! Ich kann den Wein gar nicht richtig beschreiben, weil ich so etwas überhaupt nicht kenne. Es ist kein einfaches Weinchen, das man eben mal so wegschlabbert. Der Wein fordert einem alles ab. Er hatte es diese Woche in einer geselligen Runde sehr schwer. Die Jungens wollten trinken, aber eben nicht gefordert werden.  Das war der falsche Wein zum falschen Zeitpunkt, keine Frage. Aber es ändert nichts an der Tatsache, dass dieser Wein ein Monument ist. Er ist so unglaublich komplex und vielschichtig, wie ich persönlich es selten erlebt habe.

Wer solche Weine produziert, kompromisslos und berauschend, der ist keine Modeerscheinung - der ist nicht eben mal “in”. Natürlich zieht die “Hipster-Weintrinker-Karawane” zu von Winning und im kommenden Jahr dann eben zum nächsten, der angesagt ist. So war das schon immer und so wird das auch immer bleiben. Von Winning wird aber auch bleiben, da bin ich mir sicher! Solche Weine sind keine Zufallsprodukte, solche Weine sind der Ausdruck von handwerklicher Kompetenz und grösster Inspiration.

5 Kommentare zu “Von Winning – vom Feinsten

  • vinophil

    Oh Gott, jetzt gibt es sie auch schon beim Wein – “Hipster-Weintrinker-Karawane” ;)

    Letztens, in Berlin: Zwei Hipster schauen sich nach einem Laden zum Essen um. Bleiben vor dem Fenster eines guten Italieners stehen (mit gelungener Weinauswahl).
    Sagt Hipster 1: Da stehen überall Weinflaschen auf den Tischen.
    Hipster 2: Lass uns weitersuchen, der Laden ist zu alt für uns.

    Ich konnte nur den Kopf schütteln…

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  • Carsten Henn

    Ich sag es ja nicht gerne… nein, quatsch: ich sag es gerne! Höchstbewerteter Sauvignon Blanc im neuen Gault & Millau WeinGuide: der SB von “von Winning”. Ist doch schön, wenn wir einer Meinung sind, Bloggwart!;-)

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