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Ein Talent!

Ich freue mich immer, wenn ich ein hoffnungsvolles Talent am deutschen Weinhimmel entdecke. Manchmal werde ich auf solche Talente hingewiesen, manchmal melden sie sich von selbst bei mir und hin und wieder entdecke ich auch selbst einmal eines. Wie in diesem Fall. Es ist ein Talent aus dem Rheingau – das Weingut Gerster-Wagner in Hattenheim.

Ja, ich bin nahe an diesem Talent dran. Wir arbeiten täglich zusammen. Der Junior des Weingutes, Sascha Wagner, ist seit Februar diesen Jahres Kellermeister bei uns  im Weingut Balthasar Ress in Hattenheim. Nein, ich schreibe diese Zeilen nicht, weil ich muss, sondern weil ich will. Und natürlich bin ich in diesem Fall gar nicht objektiv, sondern lasse mich von meiner Sympathie leiten. Sympathie alleine macht aber noch keinen guten Wein!

Das Weingut wurde 1983 gegründet, hat um die sechs Hektar und ist, wie im Rheingau so üblich, quasi ein Riesling-Weingut. Fast alle Hattenheimer Lagen sind seit 1999 klassifiziert, wie im Rheingau ebenfalls üblich. Selbstverständlich kann man sich über diese Klassifizierung streiten, keine Frage, aber eine gewisse qualitative Grundaussage hat sie eben doch. Gerster-Wagner hat in mehreren dieser klassifizierten Lagen Besitz. Allen voran im Engelmannsberg. Meiner Meinung nach eine der beiden besten Lagen Hattenheims, neben dem Nussbrunnen. Aus eben diesem Engelmannsberg kommt in 2011 eine trockene Spätlese für sagenhafte 7,00 Euro . Er hat um die acht Gramm Restzucker und acht Gramm Säure. Also dieser typische Rheingauer Säure-Süsse-Stil. Oftmals ist das so gar nicht mein Fall, weil meistens die Süsse zu sehr dominiert. Bei diesem Wein geht es mir aber ganz anders. Der Wein hat Klasse, Druck, eine gewisse Feinheit, einen unerhört guten Trinkfluss und wirkt eben so gar nicht süss! Besser und typischer kann Rheingauer Riesling in dieser Preiskategorie kaum schmecken.

Wer es puristischer mag, wer den ganz klaren und schnörkellosen Stil bevorzugt, der sollte den 2011er Hattenheimer Schützenhaus Riesling Kabinett trocken probieren. Ein Kabinett, so klar wie ein Gebirgsbach, nicht aufdringlich aber doch deutlich geprägt von gelben Früchten mit schlanken 11,5 Prozent Alkohol für sage und schreibe 4,50 Euro. Ich wiederhole noch einmal, wir befinden uns im Rheingau… Viereurofuffzich für eine Flasche Wein aus dem Rheingau…

Aus dem Engelmannsberg kommt in 2011 auch ein Spätburgunder. Und was für einer. Der Wein ist genauso, wie ich persönlich diese Rebsorte am liebsten mag. Er hat eine ganz klare Kirschfrucht und eine schmeckbare Säure. Letzteres ist für mich so oder so der wichtigste Aspekt. Pinot ohne Säure geht gar nicht! Überhaupt finde ich Rotwein ohne Säure zunehmend langweilig und uninteressant. Der Spätburgunder von Sascha Wagner ist ein Tänzer, ein zarter aber charaktervoller Genosse. Er hat einen gewaltigen Trinkspass – ich habe es mehrfach ausprobiert. Der Preis ist auch hier wieder so günstig, dass ich es kaum wage, ihn zu nennen… 6,50 Euro.

Ich wiederhole mich gerne noch einmal: Ja, ich bin befangen, aber es ist mir in diesem Fall völlig egal! Das Weingut Gerster-Wagner steht für mich stellvertretend für eine ganze Reihe von Rheingauer Weingütern, von denen man zwar wenig liest und wenig hört, die aber ganz hervorragende Qualitäten zu sehr attraktiven Preisen erzeugen. Also genau das, was eine Region in Sachen Wein tatsächlich braucht! Und wenn ich so überlege, werde ich vielleicht ein kleine Reihe machen, denn mir fallen spontan noch mehrere dieser Betriebe ein.

Zu Gerster-Wagner bleibt mir nur eines zu sagen: Absolute Kaufempfehlung!

14 Kommentare zu “Ein Talent!

  • Peter W

    Kann ich nur bestätigen, auch der einfache Sommerwein war schon sehr gut für das kleine Geld. Habe mich mal am Weinprobierfass durch das Trockene Sortiment probiert.

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  • Tom

    Absolute Zustimmung – es gibt viele solche Weingüter im Rheingau, bei denen man echt gute Weine zu einem sehr günstigen Preis bekommt – und die dann auch in komplizierten Jahren eine ordentliche Qualität liefern, so dass man davon ausgehen kann, dass die Leistung kein Zufall sei. Trinkt doch mal vom Albus aus Rauenthal! (nur ein weiteres Beispiel)

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  • Stefan

    Dem kann ich nur zustimmen. Wir haben dieses Jahr – wie üblich – die meisten Winzer am Weinprobierstand in Hattenheim genossen. Gerster-Wagner liegt weit vorne im Feld, in diesem auch einige „großen“ der Region mitspielen. Vor allem die Qualität über die ganze Angebotspalette hat überzeugt. Vom Kabinett bis zur „Creation S“. Wo bei ich persönlich die Hassel Spätlese noch der Creation S vorziehe, das war dieses Jahr der Spitzenwein von Gerster-Wagner. Weiter so!

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  • Tom

    Der Einstiegspreis für Weine direkt vom Winzer für Endkunden ist nun einmal knapp unter 5,- € – ganz ohne Gewinne für Zwischenhändler. Das ist für den Winzer ein fairer Deal – und für den Kunden ebenso. Und der Rheingau gibt es nunmal locker her, dass bei ordentlichen Winzern der Einstiegswein bereits die Qualitätsstufe Kabinett hat. Warum sollte er QbA raufschreiben, wenn auch Kabinett geht (zumindest wenn er ausreichend viel von einem Wein produziert, dass sich die Kosten der Qualifizierung auf ausreichen viele Flaschen verteilen). So hat der Kunde jedenfalls Gewissheit, dass im Keller auf viele Dinge verzichtet wurden, die bei QbA noch, beim Kabinett jedoch nicht mehr erlaubt sind.

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  • Michael Kreuzer

    @Dirk @Olaf
    Der Rheingau braucht das überhaupt nicht,aber der Konsument…wenn’s eine solche Qualität hat.

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  • Joerg

    Also da muss ich mich, bisschen später mal aus dem Norden/Hamburg melden,weil ich diese Weine sofort als 12 er Probepaket bestellt habe, nach der fülligen Laudatio. Abgesehen davon, dass man statt des erwähnten Rieslings mir den Gutsriesling eingepackt hatte (1 Ltr. Flasche) , bisschen möpselnd noch und nur eiskalt eine Frohnatur, kann ich gar nicht der Beschreibungs-Euphorie des Spätburgers zustimmen. Das ist kein Tänzer, das ist eine alkoholische Panzerfaust mit seinen satten 13,5 Vol.,zwar mit dem Kirschton in der Nase angebend, aber dann einen harschen, bitteren Kirschkernton auflegend und nachhaltig Bittermandel in der Nase. Wenn das so sein soll, dann frage ich mich, was im Rheingau so getanzt wird. Keine leichten Ansagen, anscheinend. Und ob die angegebenen 13,5 Vol. tatsächlich nicht auch ein bisschen mehr sind, frage ich mich auch. Man möge mich belehren, Herr Würtz und Herr Wagner!

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    • Dirk Würtz Post author

      @Joerg
      Ich habe mir direkt noch einmal eine Flasche geschnappt, nachdem ich deinen Kommentar gelesen habe. ich empfinde den Wein tatsächlich eben nicht als Panzerfaust und für mich ist der Alk auch gut eingebunden und eben nicht so auffällig. Ich kann das Zeug einfach schön und unkompliziert trinken… Und wie gefiel Dir der Rest?

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  • Pingback: Die besten Weine und Winzer 2012 « Würtz-Wein

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