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Gänsestopfleber

Während tagtäglich nach wie vor unzählige Menschen elendig den Hungertod sterben, streiten sich die Geister über das Verbot von Gänsestopfleber in Californien. Das war jetzt die politisch korekte Einleitung zu einem Thema, dass die Gourmets bewegt und das ich gestern durch einen Zufall im Netz entdeckt habe.

Ich gebe es gerne zu, auch ich esse gerne Gänsestopfleber. Früher deutlich mehr als heute – wenn ich genau darüber nachdenke habe ich schon ewig keine mehr gegessen – aber ich sage nicht nein, wenn mir jemand dieses kranke Organ anbietet. Während die Franzosen die Gänsestopfleber als Kultur- und Gastronomieerbe unter Schutz gestellt haben, hat der Bundesstaat Californien die Herstellung und den Verkauf selbiger zum 1. Juli, als erster US-Bundesstaat, per Gesetz verboten. Bei uns in Deutschland ist das Stopfen auch verboten. Wer das Ganze einmal gesehen hat, weiss auch warum. Allerdings muss man auch anmerken, dass es durchaus verschiedene Möglichkeiten des Gänsestopfens gibt. Die industrielle Variante und eine weniger widerliche, nennen wir es mal “artisanale” Variante. Das ergebnis ist allerdings in beiden Fällen gleich. Es ist, so oder so betrachtet, ein wenig appetitlicher Vorgang. Das Ergebnis ist es, was schmeckt. Nebenbei bemerkt ist das Mästen von Gänsen ein jahrtausende alter Usus – was allerdings nichts daran ändert, dass das korrekt betrachtet nichts anderes als Zwangsernährung ist.

Fazit…???

Fakt ist, kein Mensch braucht Gänsestopfleber – im Gegenteil – es gäbe ganz andere Produkte, die die Welt brauchen könnte. Ich gebe unumwunden zu, mir schmeckt das Zeug gut, aber ich kann sehr gut ohne leben. Ich bin mittlerweile einfach nicht mehr gewillt Dinge zu essen, die unter grenzwertigen Bedingungen hergestellt werden.

Wirklich spannend finde ich in diesem Zusammenhang übrigens die Tatsache, dass die Franzosen ein Produkt zum “nationlen und gastronomischen Kulturerbe” erklären! “Gastronomisches Kulturerbe”… was wären denn das für Dinge hier bei uns in Deutschland?

19 Kommentare zu “Gänsestopfleber

  • Dorit Schmitt

    Na, der Saumagen *lol* Oder die Blutwurst. Vielleicht sogar die Kartoffel?
    Ich esse Foie Gras sehr gerne – aber eben auch nicht sehr oft – d.h. von meinem Konsum muss kein industriell gestopftes Federvieh sein. Selbstverständlich ist das Stopfen an sich kein schön anzusehender Vorgang. Das ist das Schlachten eines Tieres aber auch nicht. Ich möchte nicht auf Foie Gras verzichten. Und es ist mir egal, was andere nun von mir halten. Ich genieße es – gerade an Weihnachten als Vorspeise zu einem Elsässer Pinot Gris oder auch Gewürztraminer. Und im Elsass auch mal frisch gebraten. Eine Anmerkung noch am Rande: Es gibt tatsächlich “wichtigere” Themen, die die Welt bewegen sollte.

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  • Werner Elflein

    Nein, Dirk, angesichts der Zustände in der deutschen Massentierhaltung weiß ich nicht, warum das Stopfen der Gänse verboten ist! Gerade die Leber ist extrem anfällig gegen Stresshormone, da werden seriöse(!) Landwirte, die ihre Gänse artgerecht behandeln, die Qualität ihrer Gänsestopfleber nicht dadurch torpedieren, indem sie die Gänse gegen ihren Willen stopfen. Was tun denn die meisten Gänse (nicht alle sind geeignet), wenn sie merken, dass aus dem Stopfrohr Nahrung kommt? Richtig, sie hauen sich das Rohr selber rein! Letztlich macht man sich hier nur einen natürlichen Trieb der Gänse zunutze. Insofern ist die Gänsestopfleber nicht halb so unnatürlich, wie ein Huhn aus der Massenmast, das nie das Licht der Welt gesehen hat, außer vielleicht kurz, bevor es sein Leben im Schlachtbetrieb, zu dem es mehrere hundert Kilometer gefahren wird, aushaucht. Aber das passt mal wieder zu den deutschen Heuchlern: Über Gänsestopfleber wettern, aber morgen in den nächsten Supermarkt rennen und dort die eigentlichen Produkte der Massentierquäler kaufen. Hauptsache billig. Und hier, beim “billig” fängt naturgemäß die Tierquälerei an, nicht bei einem Luxusprodukt, dass für seine Qualität zwingend artgerechte Haltung voraussetzt. (Das Problem entsteht nur dadurch, dass es immer Vögel gibt, die meinen, es ginge billiger …)

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    • Dirk Würtz Post author

      @Werner
      Selten, aber ich stimme Dir quasi vollumfänglich zu! In Sachen Nahrung ist hier in D (natürlich nicht nur hier) alles ziemlich schizo. Ich werde mich demnächst ausführlicher diesen Themen widmen.

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  • Werner Elflein

    Landwirte, die ihre Tiere lieben (und einen fairen Preis bekommen), gehen auch verantwortungsbewusst mit ihnen um. Vergangenen Sonntag habe ich eine Hofführung über den Stautenhof in Willich-Anrath mitgemacht. Bioland- und Naturland-zertifiziert. Dort wird kein Kalbsfleisch angeboten, aber auch Spanferkel und Stubenküken wird es dort niemals geben. Weil: Es werden keine Tierkinder geschlachtet! Das ist auch ein Punkt, über den man einmal nachdenken sollte. Kalbsbries ist lecker, ich würde es auch vermissen – aber auf der anderen Seite brauche ich es nicht für mein kulinarisches Glück.

    Ich verlinke mal: http://www.youtube.com/watch?v=frDgxQoFNOM
    Das Schweinefilet schmeckt übrigens göttlich.

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  • Bastian

    “Landwirte, die ihre Tiere lieben (und einen fairen Preis bekommen)”…

    Wenn nun Tönnies, Vion und Westfleich 55% der Schweine in D schlachten und mit weiteren 7 Unternehmen auf 76% kommen, weiß ich nicht, ob das Loben der zwar exisiterenden aber nicht marktbedeutenden, tierfreundlichen Alternativen uns in Frieden wiegen sollte.

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  • A. Hofer

    Abgesehen von der Diskussion um Gänsestopfleber, Kalbfleisch etc. (ich esse im Übrigen beides mit Genuß, wenn die Herkunft stimmt) greift der Artikel in seinem letzten Absatz das – in meinen Augen – Entscheidende auf: Frankreich, auch Italien und Spanien haben ein ganz anderes Verständnis fürs Essen als wir es haben. Gerade in Frankreich ist man stolz auf regionale Produkte und findet diese auch im Supermarkt (wer einmal in Frankreich im Supermarkt war, weiß, was ich meine). Die Leute dort sind dann gerne bereit, für etwas besonderes und regionales mehr Geld auszugeben. Dieses Verständnis fehlt bei uns (noch). Lieber Garnelen und schmierigen Lachs beim “Brunchen” aus dem Discounter (=Luxus) als selbstgemachten Bauernschinken beim Biohof von Nebenan.

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  • Werner Elflein

    Bastian, ganz im Gegenteil. Den von dir oben genannten Unternehmen gehört das schmutzige Handwerk gelegt. Die “tierfreundlichen Alternativen” müssen zur Regel werden. Die Konsequenz: Wir essen dann eben nicht jeden Tag, sondern nur einmal in der Woche Fleisch. Dafür dann aber ein ordentliches Produkt.

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  • concuore

    zur Stopfleber: Wenn die Gänse das auch selber machen “sie hauen sich das Rohr selber rein” braucht man sie ja nicht mehr gewaltsam stopfen. Für mich Quälerei, auch weil die Tiere krank werden müssen, damit das gewünschte Produkt entsteht. Und nur weil es auch noch schlimmer geht wie in gewöhnlicher Mastproduktion ist das ja keine Rechtfertigung.
    Alles andere zur Stopfleber hat Vinzent Klink wunderbar zusammengefasst
    http://blog.zeit.de/nachgesalzen/2006/04/29/ganseleber_121

    Zum Thema kein Kalbfleisch essen: Dann wohl auch keine Milchprodukte und Käse mehr, oder? Denn dafür müssen erst einmal Kälber und Lämmer geboren werden. Und wenn die keiner essen will – und denen damit wenigstens ein paar Tage/Wochen/Monate gibt – werden die eben direkt nach Geburt getötet und weggeworfen oder als Tierfutter verwertet. Oder was glaubt ihr, was damit passiert?
    Ich bezeichne übrigens keinen deswegen als “typischen deutschen Heuchler”, einige Sachen sind eben etwas komplizierter.

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  • Daniel

    Danke Concuore, das gleiche wolte ich auch gerade schreiben. Bitte übrigens dann auch keine FRühstückseier mehr essen, die männlichen Legehühner wandern nämlich nach der Geburt auch ratz-fatz im Schreder. Stubenküken aufziehen lohnt sich nämlich mit dieser Sorte nicht.

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    • Dirk Würtz Post author

      @alle
      Ich esse kein Kalbfleisch mehr, seitdem ich mit Kühen und Kälbern zu tun habe, sonst wegen nix. Ich bekomme das jetzt einfach nicht mehr auf die Reihe. Völlig ideologiefrei also.

      Was ist denn aber jetzt mit der Kultur? Der @Hofer bringt es schön auf den Punkt

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  • Chris

    In Deutschland haben Essen&Trinken eben einen zu geringen Stellenwert.
    Wichtig ist, dass die Felgen auf der Karre groß genug sind und die Hifi-Anlage und die gesamte technische Ausrüstung zu Hause und im Auto was hergibt.Der Fernseh kann nicht groß genug sein usw.usw.. Im Urlaub wird das All-Inclusive Package gebucht und Hauptsache das Buffet war groß genug.
    Was wir aber tagtäglich in uns hinein schütten und stopfen ist nebensächlich. Werner Elflein und A.Hofer haben alles weitere mit Ihren jeweils letzten Kommentaren auf den Punkt gebracht!

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  • Thorsten Kogge

    Gebe Elflein und Hofer auch im Grundsatz Recht, aber frage mich schon, wieso Kalbsfleisch oder Küken töten schlimmer sein soll als ein erwachsenes Tier töten. Denn: Schmerzempfinden, Bewußtsein, körperliche Grundausstattung – in alledem unterscheiden sich das junge und erwachsene Tier keineswegs. Ich denke, hier argumentieren wir zu anthropozentrisch, wenn wir bei Tierkindern einen “Niedlichkeitsfaktor” entdecken und vielleicht sogar an unsere eigenen Kinder dabei denken. Auch mir würde es eventuell schwer fallen, ein Kalb zu sehen das geschlachtet wird, aber rational sehe ich keinen Unterschied: Schlachten ist Schlachten ist Schlachten.

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  • Werner Elflein

    Richtig, concuore, gewaltsam schon mal gar nicht. Wie gesagt: die Gänse stopfen sich selber, wenn sie merken, was aus dem Rohr kommt. Irgendwo im Netz kann man das sogar in einem Filmchen sehen. Ich finde jetzt allerdings den Link nicht. Da sieht man eine Gans, wie sich gierig das Stopfrohr reintreibt und kaum zu bremsen ist. Vincent Klink hat übrigens nichts zur STOPFleber geschrieben, sondern zur Gänseleber allgemein. Und mit seinem Statement zur artgerechten Haltung bestätigt er ja das, was ich auch schon geschrieben habe.

    Daniel, die Geschichte mit den männlichen Legehühnern ist tatsächlich eine Katastrophe. (War auch eines der Dinge, die ich am vergangenen Sonntag bei der Hofführung angeprochen habe.) Deswegen wird derzeit (ich meine, es wäre Wiesbaden gewesen) eine neue Hühnerrasse gezüchtet, die das Shreddern von Küken nicht mehr notwendig macht. Man rechnet damit, dass diese Tiere in drei bis fünf Jahren verfügbar sind. Das Problem ist, dass hier zwei prinzipiell gegensätzliche Zuchtziele (Fleisch und Fruchtbarkeit) miteinander kollidieren. Und kein Verbraucher würde 50,- € für ein Huhn zahlen, an dem kaum Fleisch dran ist.

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  • Bastian

    @ Werner: Ja, das Handwerk gehört gelegt und die Problematik liegt dann genau in der Zahlungsbereitschaft, die hier auch schon auftaucht. 50€ für ein Huhn zahlt niemand. 5€ aber auch schon nicht. Und dann bleibt das Handwerk legen eine politische Angelegenheit, wenn ein Großteil der Verbraucher die eigene Verantwortung nicht wahrnimmt. What you deserve is what you get.

    Zur Stopfleber: http://www.ted.com/talks/dan_barber_s_surprising_foie_gras_parable.html

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