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Es ist doch nur Fussball!

Heute ist Sonntag, der Tag des Endspiels in Kiew, der beinahe grosse Tag der Nationalmannschaft. Ich bin aus meiner Schockstarre erwacht und kurz davor, in die nächste zu fallen!

Es ist ein Drama, es ist eine Katastrophe, es ist traurig, aber es ist nicht mehr zu ändern – wir werden nicht Europameister. Zumindest nicht in diesem Jahr. Ich wusste es am Donnerstag vor dem Spiel, wenigstens habe ich es geahnt, als ich die Aufstellung gesehen habe – nachzulesen auf Facebook. Natürlich bin ich einer der Millionen von Bundestrainern, die grundsätzlich alles besser wissen. Mal mehr mal weniger. Natürlich habe ich ganz laut “SCHEISSE” geschrien. Aber ich bin einer, der schnell zurück in die Normalität findet.

Fussball ist ein Sport – zugegeben, der wichtigste Sport der Welt, zumindest für mich! Was da aber gerade landauf und landab in bundesdeutschen Haushalten und Medien passiert, ist kaum zu glauben. Aus einer “deutschen Heldentruppe” und dem beliebtesten und wahrscheinlich auch kompetentesten Bundestrainer aller Zeiten wird über Nacht ein kollektiver Versagerhaufen voller Stümper und Vollidioten. So etwas habe ich noch nie erlebt. Wobei ich anmerken muss, dass auch ich zu den grossen Gomez-Kritkern gehöre. Würde das nur in der BILD so stattfinden, ich könnte damit leben. Leider macht aber sogar das ZDF bei dieser Art des unangepassten Nachrufs mit. Die Krönung war gestern Abend Toni Schumacher im “Aktuellen Sportstudio”. Der hätte besser geschwiegen… Mindestens ebenso heftig kommt die sofortige Gegenrede. Allen voran vom geschätzten Arnd Zeigler in einem offenen Brief auf Facebook. Sehr lesenswert, über weite Strecken auch sehr richtig, aber alles in allem mindestens genauso heftig und leicht übertrieben wie der Auslöser (wobei ihm ganz klar meine Sympathie gehört). Das Ganze ist übrigens zusammenfassend sehr schön hier bei Niggemeier zu lesen.

Ich lerne wieder einmal, dass beim Fussball der Spass aufhört. Wir sind zwar hier nicht so überdreht wie manche Süd- oder Mittelamerikaner, die auch mal den Verteidiger der Nationalmannschaft erschiessen, weil der den entscheidenden Fehler in einem Spiel gemacht hat. Aber wir sind in jedem Fall Europameister im verbalen Abschlachten. Ganz besonders herausragend, ja geradezu weltmeisterlich, sind wir allerdings in der auf diese Reaktionen nachfolgenden Korrektur-Diskussionen. ARD Mann Zamperoni hat angeblich hämisch gelächelt in den Tagesthemen zur Halbzeitpause. Darf der das, der Italiener im deutschen Fernsehen? Empörung einiger dumpfer und idiotischer Zuschauer und anschliessende “wehret den Anfängen” Diskussion. Sich über Zamperoni aufzuregen ist für mich genauso bescheuert wie daraus eine Rassismusdebatte anzuzetteln. Wie hat Bruno Labbadia einmal so schön gesagt: “Gar nicht ignorieren”. Kindergarten ist das, nicht mehr und nicht weniger.

Fussball ist ein “Kampfsport”. Wer einmal Fussball gespielt hat weiss das. Da wird der Gegner beschimpft, weggegrätscht und es wird Stärke demonstriert. Nach dem Spiel ist alles wieder gut und man trinkt ein Bier zusammen. Nicht immer, aber hin und wieder. Und genauso handhabe ich das auch noch als nicht aktiver Fussballer. Ich kämpfe, ich grätsche verbal und ich trete. Alles während des Spiels, selbstverständlich ganz bequem und fett auf dem Sofa! Danach ist alles gut und es geht weiter. Schliesslich ist das nur ein Spiel…

12 Kommentare zu “Es ist doch nur Fussball!

  • A. Hofer

    Ja, es ist nur Fussball. Aber ich finde, man darf über das “Wie” des Aussscheidens gegen Italien durchaus verärgert sein. Diese Mannschaft ist sicherlich die fussballerisch talentierteste seit Jahrzehnten. Den Italienern – endlich einmal – auch spielerisch überlegen. Da wäre die Chance gewesen, sich für 2006 zu revanchieren. Aber sie haben erneut – wie schon im Halbfinale der WM 2010 und im Finale der letzten EM 2008 – gezeigt, dass sie nicht in der Lage sind, dagegen zu halten, wenn sie ihr Spiel dem Gegner einmal nicht aufdrücken können. Das ist eine Charakterfrage. Da fehlt die Aggression und der Kampf. Die Einstellung stimmt nicht, die Körpersprache signalisiert Aufgabe. Nach dem Motto: Wir sind ja schon im Halbfinale/Finale, wir probierens einfach weiter wie bisher, wenns nicht klappt, ist auch gut. Wenn es nicht läuft, hält keiner dagegen, setzt niemand ein Zeichen. Prilo hatte alle Zeit der Welt, sich zu überlegen, welchen Pass er spielt. Auch nach der Halbzeitpause. Ich hätte erwartet, dass da einer hingrätscht. Stattdessen verzweifeltes Anrennen. Die einzige Gelbe von Mats Hummels in der 80ten. Erbärmlich, wenn man hinten liegt. Mein Fazit: Hochgezüchtete, stromlinienförmige Muster-Milchbubi-Profis á la Jogi gegen abgezockte Männer. Verdient verloren.

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  • Heinz Magnus

    Ist halt keine Elf. Nur ein Elflein :-) Aber die Jungs wachsen noch in den nächsten Jahren. Hummels fehlt das richtige Vorbild. Er hätte 1958 in Göteborg mal Juskowiak sehen sollen. Hammer aber auch (trotz Führung) vergeigt. Kommt Zeit, kommt Titel.

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  • Werner Elflein

    Heinz Magnus, Hummels braucht kein Vorbild. In ein paar Jahren ist er selber eines. Das setzt allerdings voraus, dass er in der Nationalmannschaft die richtigen Leute um sich herum hat, an denen er wachsen kann. Badstuber und Boateng sind das mit Sicherheit ebenso wenig wie Schweinsteiger und Podolski.

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  • Heinz Magnus

    Oh je, jetzt muss ich erklären, dass meine Zeilen mit einem Quäntchen Ironie gemeint waren. Wer weiß, wer Juskowiak war, dem ist auch klar, dass er nicht zum Vorbild taugt. Von wegen Aggression und Kampf. Ebensogut hätte ich H.D. Höttges nehmen können oder den seligen Kurbjuhn vom HSV, den ich live im Stadion habe treten sehen. Prima, dass dieser Stil überwunden ist. Einmal habe ich einen 18 jährigen erlebt, der keinen brauchte, um daran zu wachsen. Name? War 1965? im Spiel Schweden-Deutschland. Die ganz Guten sind sofort da. Über die vier von Dir genannten Namen braucht man natürlich nicht viel reden. Aber gibt es wirklich bessere? Ich bin als Langzeitbeobachter derzeit zufrieden mit dem, was geboten wird.

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  • Heinz Magnus

    War doch ironisch gemeint. Juskowiak war doch ein Klopper der alten Schule, später gab es noch Namen wie Höttges (Eisenfuß) und Kurbjuhn vom HSV. Die Zeiten sind gottseidank vorbei. Ein Superguter debütierte im September 1965 in Schweden, es ging um die Wurst und er machte das auch ohne Vorbilder perfekt. Der Name ist bekannt. Als Langzeitbeobachter von Länderspielen bin ich mit den derzeitigen Leistung sehr zufrieden, wenn es auch nicht zum Titel reicht. Ähnliches Niveau – wenn auch der Vergleich schwierig ist – gab es 1972. Die vier von Dir genannten Namen sind problematisch, da stimme ich Dir zu. Aber gibt es bessere?

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  • Heinz Magnus

    Komisch, erst kam der Eintrag nicht. Jetzt ist er, weil noch einmal geschrieben, doppelt da. Pardon.

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