Alles über Wein und den Rest der Welt…

Opok – Tauss – und natürlich öko

Clemens Mally, Österreicher und bekennender Bio-Jünger, berichtet heute über die Steiermark. Ich war noch nie in der Steiermark, aber wenn ich das so lese, wird es allerhöchste Zeit…

Die Steiermark ist ein schöner grüner Fleck österreichischer Erde. An manchen Stellen so schön, dass es fast kitschig ist. Ganz ehrlich, ich halte dieses Gesamtkunstwerk aus hügelig bewaldeter Schönheit und Leuten die sie vermarkten nicht, oder nicht lange aus. Steiermark, das ist auch perfektes Marketing bei dem jeder einzelne Steirer dieser Welt mitspielt. In der Steiermark ist eben alles steirisch; Arnold Schwarzenegger, Backhenderl (so wie Wiener Schnitzel nur aus Huhn), Welschriesling… Ich bin mir fast sicher, dass man in der Steiermark glaubt, dass Jesus steirische Wurzeln hat, ach was, die Steirer wissen das…

Und dann gibt es noch den steirischen Wein. Den verbindet man in Österreich unter anderem mit dem „Junker“. Er ist das Sinnbild für Jungwein „made in Austria“ und ein geschützter Markenname. Das tangiert die Leute hier allerdings wenig bis gar nicht. Wenn sich Max Mustermann schon einen Jungwein antut (aus welchem Grund auch immer), dann nennt er ihn aus Prinzip „Junker“, egal ob aus Niederösterreich, Wien, dem Burgenland oder irgendwo. Abgesehen davon denkt Herr Musterman bei steirischem Wein noch an einfache Schoppenweine mit wenig Alkohol, duftig-fruchtigem Aroma und trockenem Geschmack.

Den heute bekannten „Winzerstars“ der Region waren diese einfachen Zischfrischweine in der Vergangenheit natürlich zu wenig. Sie suchten nach Anerkennung und fanden diese – in Österreich zumindest - als sie begannen, ihre Weißweine in Barriquefässern auszubauen und angeblich auch mit Ertragsbeschränkung. So existieren in der Steiermark mehr oder weniger zwei Weinextreme: Die leichten „Dreh und Trinks“  und fette Holzbrummer, die Degustatoren und geschmacksbefreite Geldadelige beeindrucken sollten. Zum Glück ist inzwischen in vielen Weingütern eine neue Generation am Ruder – die altbekannten „Jungen“ die zeigen wollen was ihr Terroir kann und jetzt etwas Größere und bereits benutzte Holzfässer benutzen gibt es halt auch in der grünen Mark. Junge Winzer wie  überall! Freuen wir uns, dass es sie gibt!

Sieht man von ihnen ab, erkennt man in der Steiermark aber noch einen weiteren Trend (der vielleicht auch wieder mit Vermarktung zu tun hat – egal, es ist ein positiver). Die Steiermark hat eine beachtliche Dichte an „Indie Winzern“. Biodynamiker, Qualitätsfanatiker, Irre oder einfach Leute, die regelmäßig unglaublich genialen Stoff in Flaschen füllen.

Yummy!

Zu dieser Gruppe kann man das Weingut Tauss zählen. Alice und Roland Tauss bewirtschaften 8 Hektar an Weingärten in den steilen Kessellagen bei Leutschach in der Südsteiermark. Die Böden dort bestehen aus dem sogenannten „Opok“. Opok ist kalkhaltiger, lehmiger Sand. Von diesen Opok Böden kommen zwei wunderbare Weine die angenehm und erquicklich animieren und dadurch das Zeug haben, Alltagströpfchen zu werden. Sie stellen eine Art Basis im Sortiment der Familie Tauss dar, sind aber eigentlich keine Einstiegsweine sondern hochelegante Gesöffe, die auch nach fünf Monaten in Folge nicht langweilig werden. Bereits die Basis des Sortiments darf mehr als ein Jahr im Fass schlummern. Schön wenn es Winzer gibt, die auch ihren simpleren Rebsäften erlauben mindestens ein Jahr im Holzfass zu reifen. Noch schöner ist der liberale Umgang mit Informationen, die den Ausbau betreffen. Roland Tauss schreibt auf seiner Homapage sehr detailliert wie sein Wein zu Wein wurde, ob er chaptalisierte, wie viel Schwefel er zufügte, womit er filtrierte undsoweiterundsofort. Ich finde das gut, genauso wie seine Weine!

Tauss´ Chardonnay vom Opok 2010 ist mit 11,00 Volumsprozent Alkohol unglaublich süffig und furztrocken, so soll es sein (so wie ich es eben will!). Sein Bouquet wirkt geradlinig und ehrlich Dabei erinnert es an Wallnüsse, Graphit, vielleicht auch an die Erdnussbutter vom letzten amerikanischen Frühstück, dann aber ohne Jelly. Im Mund rinnt er eher cremig und sympathisch nach hinten. Was soll man sagen? Von Leichtgewicht fehlt hier jede Spur! Dieser Wein ist toll und trinkt sich gut.

Über ähnliche Eigenschaften verfügt auch der Sauvignon Blanc vom Opok 2010. Man erkennt die Handschrift des Winzers. Natürlich ist hier alles etwas weniger aufdringlich als bei diversen Stachelbeerlimonaden aus „sonst woher…“ der Marke „Sauvignon Blanc International“. Diesen Wein verschmierte man nicht mit Aromahefen Enzymen & Co. Er wurde – wie alle Weine von Tauss – spontan vergoren, durfte den biologischen Säureabbau machen (das dürfen auch alle) und schlummerte dann wie der Chardonnay über ein Jahr im großen Holz – das war es! Auf der Etikette lese ich 12,00 Alkohol, pupstrocken ist auch er. Unaufdringlich duftet der Sauvignon vom Opok nach Karotte, Marillenmarmelade, Koriander, Seife und anderen Kräutern; ach ja und nach Spekulatius.
Auch bei ihm spüre ich etwas Graphit (Terroir?) und einen gewissen Hang zur Cremigkeit, aber nicht übertrieben.

Hab ich eigentlich schon erwähnt, dass Sauvignon Blanc eine meiner absoluten Lieblingssorten ist? Ich glaube nicht und wenn ist es eigentlich auch egal. Vermutlich verbindet mich der Sauvignon mit der Steiermark, denn dort machen Winzer wirklich tolle Weine aus ihm. Wer glaubt, dass die Sorte in der Region keine Tradition hat irrt. Die Neumeisters in der Südoststeiermark (nur am Rande) haben zum Beispiel einen uralten Sauvignon Blanc-Weingarten. Gut, der ist vielleicht nicht 500 Jahre oder älter, aber die ältesten Stöcke stammen aus 1937 und das ist doch was oder? Demnächst bin ich dort – ich hoffe sie heißen mich willkommen. Danach werde ich wieder etwas mehr über die Sauvignon Tradition in Österreich wissen. Wie gesagt – die jungen in der Steiermark geben Gas. Ich freu mich darüber.

Der Chardonnay vom Opok kostet € 12,90, hier kann man ihn ordern

Der Sauvignon Blanc vom Opok kostet auch € 12,90 und hier ist der Link zum Glück 

Ein Kommentar zu “Opok – Tauss – und natürlich öko

  • Gerald

    Genau die beiden Weine habe ich am “Biodynamiker-Fest” am Nussberg (das Clemens in jugendlichem Leichtsinn ausgelassen hat ;-) ) probieren können und sie haben mir – zusammen mit den Weinen von Sepp Muster – auch am besten von allen gefallen.
    Aber noch ein Hinweis im “Besserwisser”-Modus: Graphit hat überhaupt keinen Geruch, möglicherweise ist das Zedernholz des Bleistiftes gemeint?

    Reply

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