Alles über Wein und den Rest der Welt…

Lesetipp – Minimalschnitt

Wer aufmerksam durch die Weinberge geht, sofern er welche in der Nachbarschaft hat  – Urlaub ist natürlich auch eine Möglichkeit – der sieht in der letzten Zeit öfter Weinberge, die etwas “unordentlich” aussehen.

War da einer zu faul die Reben zu schneiden? Nein, absolut nicht, es handelt sich um den sogenannten Minimalschnitt. Eine, wie ich finde, höchst interessante Angelegenheit. Das Ganze ist nicht wirklich neu, es ist nur erst neuerdings ganz verstärkt zu sehen. Eigentlich schneidet man ja im Winter die Rebe zurück – es geht aber auch anders. Warum und weshalb, kann man in diesem wirklich guten und einfach verständlichen Beitrag der “Rheinhessenwein” nachlesen. Ein Argument fehlt in diesem kleinen Aufsatz aber noch, und das ist der Öko-Aspekt. Ich persönlich glaube, dass der Minimalschnitt und die ökologische Wirtschaftsweise ganz eng zusammen gehören. Aber darüber kann man sicherlich streiten…

Haben die Winzer in einigen Weinbergen den Rebschnitt vergessen …?   So denken sicher viele Weinfreunde, wenn sie dieses Jahr durch die Weinberge laufen.

In den meisten Weinbergen wurden bis auf eine Rute alle Triebe des Vorjahres abgeschnitten. Diese eine Rute wurde umgebogen und jede Knospe ist jetzt ca. 20 cm weit ausgetrieben. In anderen Weinbergen wurde gar nichts abgeschnitten, sie stehen schon jetzt in vollem Grün.   Der Rebschnitt ist grundsätzlich die erste ertragssteuernde Maßnahme. Mit diesem Rückschnitt wird der Ertrag auf ein Niveau von ca. 10.000 l je Jahr und Hektar eingestellt. Weitere ertragssteuernde Maßnahmen in der Vegetationsperiode reduzieren diese Zahl nochmals. Was ist jetzt aber mit den Weinbergen, in welchen nichts abgeschnitten wurde?   Der „Minimalschnitt im Spalier“ wie diese neue Erziehungsform von den Weinbau-Beratern genannt wird, kombiniert arbeitswirtschaftliche Notwendigkeiten mit neuen Erkenntnissen des Ökosystems Rebstock. Sowohl in der Forschungsanstalt Geisenheim wie auch im DLR Rheinhessen-Nahe-Hunsrück stehen schon längere Zeit Versuche zu diesem System. Dieses Jahr sind erstmals auffallend große Flächen in Weingütern auf diese Erziehungsform umgestellt worden.

Links traditioneller Rebschnitt, rechts Minimalschnitt   Die arbeitswirtschaftlichen Aspekte ergeben sich aus der Notwendigkeit, dass bedingt durch den Strukturwandel immer weniger Betriebe immer größere Flächen bearbeiten müssen und zu der Bewältigung des immensen Handarbeitsaufwands von 150 bis 200 Stunden je Hektar einfach nicht genügend Personal vorhanden ist. Mit dem Minmalschnitt reduziert sich dieser Aufwand auf ein Zehntel des ursprünglichen Arbeitsstunden. Gerade einmal die Entfernung der Bodentriebe muss noch von Menschenhand bewältigt werden, alle anderen Tätigkeiten lassen sich mechanisieren.   Jetzt kann man natürlich entgegnen, wo da die Ertragsreduzierung bleibt. Dieses Argument war auch lange Zeit das KO-Kriterium für dieses Schnittsystem. In den ersten beiden Jahren nach der Umstellung der Weinberge ist es auch so, dass die Weinberge das Doppelte bis Dreifache des üblichen Ertrages bringen können. Hier muss mit einer massiven Ausdünnung vor dem Reifwerden der Trauben eingegriffen werden. Das geschieht üblicherweise mit dem Traubenvollernter. Im Laufe der Jahre stellt sich jedoch ein neues Gleichgewicht im Weinberg ein. Die Triebe werden kürzer, die Trauben werden kleiner und vor allem lockerbeeriger, was der Qualität insbesondere bei dichtbeerigen Trauben, wie z. B. bei den Burgundersorten, sehr zugute kommt. Die vielen kleinen Blätter versorgen die Trauben auch mit sehr viel Traubenzucker, weshalb Minmalschnittweinberge in der Regel  über höhere Mostgewichte verfügen als die traditionelle Bogenerziehung. Zudem sind die Weine extraktreicher und vollmundiger. Die Rotweine verfügen über ein höheres Farbpotential.   So lässt sich auch das Argument entkräften, dass dieses Schnittsystem nur für „Massenweine“ taugt. Zur qualitativen Einschätzung der Weine wird man sich jedoch noch einige Jahre gedulden müssen, bis die „Umgewöhnungsphase“ für den Rebstock abgeschlossen ist.   Quelle: Rheinhessenwein

Ein Kommentar zu “Lesetipp – Minimalschnitt

  • Jörg Wendel

    Ja interessante Sache der Minimalschnitt,
    jedoch bin ich ehrlich gesagt etwas erstaunt, dass deine Skepsis sich ja schon fast in Euphorie verwandelt hat. Bedenkt man doch die Diskussion hier: http://www.captaincork.com/Weine/graupert-grauburgunder-burgenland-weisswein-2009-kauftipp
    Für mich ist der Minimalschnitt was Kostenreduktion mit normalen Ertrag und ordentlicher Qualität angeht sehr interessant. Jedoch sehe ich immer noch das Problem des ökologischen Weinbaus. Denn ich muss von Anfang an mit voller Spritzmenge fahren und das schmeckt mir persönlich nicht! Auch habe ich hier in Frankreich, wo ich gerade studiere, in den Vorlesungen schon ein paar Weine probieren dürfen, mit dem Vergleich Minimalschnitt und normalen Spalier, Gobelet oder auch Lyra und anderen Erziehungsmethoden. Der Minimalschnitt hat immer gegen den Lyra oder auch den Spalier verloren. Was nicht heisst dass ich da Schädelspalter bei Minimal getrunken habe, aber wenn ich große Weine will, dann trau ich der Minimalsache noch nicht so wirklich! Hast du Ergebnisse von dem Mehraufwand für die Handlese im Minimalschnitt, den die verlange ich auch in einem hochgepriesenen Ökowein? Wie sieht es mit dem Zeitmanagement während der Lese aus? Kann der Minimalschnitt da einen negativen Einschlag haben? Gerade wenn ich eine Lese mit Fäulnisdruck habe?

    Reply

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>