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Anbaustopp

Das heutige studentische Thema ist ein brisantes. Kleine Zusatzinformation: Der junge Mann ist politisch engagiert…

Anbaustopp Weg der Zukunft?

Der seit 1976 geltende europaweite Anbaustopp für Rebpflanzung, gilt als Garant zur Kontrolle der produzierten Menge und zur angeblichen Erhaltung der Steillagen in deutschen Weinbaugebieten. Befürworter des Anbaustopps argumentieren häufig mit folgenden, wie Sie glauben, Folgen für den Deutschen Weinbau: Verschwinden der Steillagen, ausbleibender Tourismus, die Zerstörung der Kulturlandschaft Deutschen Weinbaus und natürlich Qualitäts- und Preisverlust. Die Frage ist, ob der Anbaustopp noch zeitgemäß ist, oder ob dieser nicht schon längst überflüssig geworden ist?

Fakt ist, dass es in Deutschland nur ca 9% Steillagen und heute 417 nationale Subventionsgesetzte gibt. Die Frage, ob hier marktwirtschaftlich gearbeitet wird, stellt sich also automatisch! Fakt ist auch, dass das  EU-Recht  schon mehrfach  missachtet worden ist.  So hat beispielsweise die Weinbauregion Rheinhessen mit Genehmigung  im Jahre 1990 ihre Anbaufläche um 430 Hektar  erweitert.  Andere weinproduzierende Länder wie Italien missachten das EU- Recht gleich mehrfach. In Italien wird die Anreicherung mit rektifiziertem Traubenmostkonzentrat  durch öffentliche Gelder gefördert. Begründet wird dies seit 1976 mit schlechtem Wetter in Italien. Weiter hat Italien ein Reben-Rodungsprogramm von einer Fläche von ca. 90.000ha genehmigt, abgerechnet wurde aber eine Fläche von 175.000ha. Das ist glatter Subventionsbetrug.  Die italienische Weinbauregion Langhe verkündet offiziell die Erweiterung der Rebflächen und tut dies auch! In Frankreich wurden die Anbauregionen in der Weinbauregion Bordeaux um ca. ein Fünftel der Fläche ausgedehnt. Auch Spanien baut seine Anbaugebiete weiter aus. Das Weinbaugebiet Ribera del Duero, was heute ca. 12.000ha hat, darf bis auf maximal 15.000 ha erweitert werden. Diese Erlaubnis steht im direkten Konflikt mit dem Anbaustopp!

Man muss sich hier einmal fragen, warum sich die Deutschen Weinerzeuger so für ein weiterbestehen eines Anbaustopps einsetzten, wenn sie de fakto die einzigen sind, die sich in Europa daran halten. Wenn man sich die Fakten betrachtet, versuchen hier die Deutschen Weinerzeuger sich per Gesetz einen Wettbewerbsnachteil aufzubrummen. Wen soll dieser Anbaustopp schützen?

Hört man nicht immer wieder davon, dass für einen wirklichen Wettbewerb am Weltweinmarkt die produzierte Menge zu gering ist? Gibt es nicht bereits Kontrollen zur Regulierung des Hektarertrags? Warum also diesen Anbaustopp weiter befürworten? Steillagen zu bewirtschaften ist natürlich kostspieliger als im Flachland Weinbau zu betrieben. Man kann im Flachland nun mal günstiger produzieren als in Steillagen. Man beachte aber, dass es in Deutschland nur ca. 9% Steillagen gibt und diese bereits jetzt subventioniert werden um wettbewerbsfähig zu bleiben. 

Der Standort Deutschland muss auch in Zukunft wettbewerbsfähig sein. Um dies zu Gewährleisten müssen sich die Deutschen Weinerzeuger von ihrer Angst frei machen und den Tatsachen ins Auge blicken, dass außer Ihnen selbst, sich niemand an den Anbaustopp hält. Die deutsche Weinbaukulturlandschaft wird nicht gefährdet durch eine Aufgabe des Anbaustopps, sondern sie wird dadurch zukunftsfähig gemacht. Wir schützen durch vorausschauendes Denken an die Zukunft unseren Deutschen Wein und alles was ihn ausmacht.

In diesem Sinne
Mark Ellis

Quellen:
http://willisweinidee.com/2010/11/24/aufhebung-des-anbaustopps-berechtigte-angst-der-winzer/
http://willisweinidee.com/2011/11/21/anbaustopp-oder-pflanzrechte-beibehalten/
http://www.pfalz.de/anbaustopp-der
http://willisweinidee.com/2011/12/02/anbaustopp-aufheben-ein-fiasko-oder-eine-chance/
http://www.weinimwww.de/presse_rodungsprogramm_antraege_bis_15_september_moeglich.php
http://www.wein-aus-spanien.a-prof.de/index.php?id=31
http://www.begerow.com/index.php?id=446

7 Kommentare zu “Anbaustopp

  • Peer F. Holm

    Ein Artikel über den man diskutieren kann …
    Zu den Zahlen habe ich jedoch eine konkrete Anmerkung. In Spanien wurden in den letzten 10 Jahren zig-tausend Hektar gerodet. Vor allem im zentralspanischen Castilla-La Mancha. Im Juli 2011 wurden die aktuellen Daten vom Argrarzenzus des Jahres 2009 veröffentlicht und diese Zahlen belegen, dass die Rebfläche Spaniens nunmehr bei nur noch 852.618 ha liegt. das sind knapp 1,5 mio ha weniger als vorher. Fällt da noch ein möglicher Zuwachs von 3.000 ha im Ribera del Duero auf?
    Aber es ist immer das gleiche Spiel mit den Zahlen. Je nachdem in welchem Zusammenhang man sie verwendet, sehen sie so oder so aus …

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  • Michaela

    Rodungsprämien und Neuanpflanzungen sind sicher ein heißes Thema über das man Abendfüllend diskutieren könnte. Hier passiert mit Sicherheit einiges an Missbrauch. Ich versteh aber den Umkehrschluß nicht, Deutschland soll dann einfach gleich handeln? Anstatt Misständen Einhalt zu gebieten selbst zum Täter werden? Diese Logik erschließt sich mir nicht ganz.
    Deutschland und Regionen wie La Mancha auf eine Ebene zu stellen funktioniert auch nicht. Und ich bin mir sicher das der ein oder andere Produzent der dort mit 30ct/lt abgefertigt wird sehnsüchtig gegen Westen schaut;)
    “Hört man nicht immer wieder davon, dass für einen wirklichen Wettbewerb am Weltweinmarkt die produzierte Menge zu gering ist?” Naja, man muss ja vielleicht nicht gleich am Weltweinmarkt mitspielen;)? Da ist sicher nicht nur die produzierte Menge problematisch, auch klimatisch ist Deutschland da benachteiligt und die Produktionskosten einfach zu hoch.

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  • Kellerchef

    Sehr guter Artikel!

    Natürlich ist Deutschland nicht mit Spanien zu vergleichen. Die Zeiten, in denen man in Spanien und Italien für 30 Cent pro Liter Wein bekommen hat, sind aber definitiv vorbei.

    Das Problem der Steillagen ist doch nicht der Anbaustopp! Es ist viel mehr das Problem, dass der dort erzeugte Wein meist nicht kostendeckend verkauft wird. Hohe produktionskosten hin oder her, das ist ganz klar ein Problem der Vermarktung. Warum sollte sich dies ändern, nur weil Winzer XY verboten wird, z.B. in Rheinhessen 200ha Grüner Veltliner auf einem bisherigen Acker zu pflanzen? Niemand pflanzt einfach so große Flächen, sondern nur wenn er sein Vorhaben für absolut sinnvoll und zukunftsfähig erachtet. Und die Eignung einer Fläche für Weinbau wird der Winzer dann sicher hinreichend prüfen. Bevor der Winzer viel Geld investiert, wird er sich alles ganz genau überlegen und hat dabei sicherlich mehr fachliche Kompetenz als die Politiker, die Gesetze zum Anbaustopp machen. Mit Rebanlagen erwirtschaftet man schließlich nicht kurzfristig in wenigen Jahren Gewinn. Also ist ein Anbau das alleinige Risiko von Winzer XY. Sollte der Winzer diesen Wein -aus welchem Grund auch immer- nicht an den Mann bekommen, wird der freie Markt dem Schicksal relativ schnell von selbst ein Ende setzen. Letztlich schadet das nur Winzer XY, sonst niemandem. Erst recht nicht den Steillagen-Winzern z.B. an der Mosel.

    Es sollte lieber mehr für die Förderung der Vermarktung der Steillagen-Weine getan werden, als sich ständig um die Beibehaltung des Anbaustopps zu kümmern. Aber das hat wohl viel mit Lobbyarbeit der Winzerverbände und Genossenschaften contra Kellereien zu tun. Wer den Kürzeren zieht, wird man sehen. Es kann jedenfalls nicht das Ziel sein, dass wir uns in Deutschland immer selbst alle Wege versperren, indem wir EU-Recht nicht 1:1 umsetzen, sondern dieses noch erheblich verkomplizieren und uns damit selbst aus dem Wettbewerb katapultieren!

    An dieser Stelle sei auf folgendes interessantes Interview verwiesen: http://wuertz-wein.de/wordpress/2011/01/26/michael-willkomm-im-interview/

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  • Bernhard

    Ich sehe das ähnlich wie Mark Ellis und Kellerchef. Leider argumentiert die österreichische Weinbaupolitik ähnlich wie die deutsche und beide haben offenbar große Angst vor dem Markt:

    http://www.bernhard-fiedler.at/weblog/?p=3600

    Fairerweise muß man aber wohl sagen, dass die Liberalisierung der Auspflanzungen in der EU nur funktionieren kann, wenn jegliche staatliche Produktionsanzreize wie Förderungen für die Auspflanzung, Aufkaufsaktionen für Überschüsse und Destillation bzw. RTK-Produktion, etc. ersatzlos gestrichen werden. Nur dann nämlich greifen die Marktmechanismen wirklich, die Kellerchef schön darstellt.

    Weil das aber gegen den Widerstand von Italien, Frankreich und Spanien wie schon bei der letzten Weinmarktordnung wohl nicht möglich sein wird, werden wir wohl eine Verlängerung des Status quo erleben…

    Reply
  • Mark Ellis

    @Michaela ich meinte auf keinen Fall das Deutschland anfangen soll gegen bestehende Gesetze zu handeln, nein, meine Anliegen war es deutlich zu machen das Deutschland durch das Festhalten an einem Anbaustopp Nachteile hat, da sich die anderen Länder derzeit nur in geringem Maße an die Gesetze halten. Warum an etwas festhalten was nur unsere Konkurrenz stärkt?

    Ihnen allen ein Erfolgreiches und Glückliches Jahr 2012

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  • Udo Thiem

    Dort wo der Staat mit Subventionen und Quoten mitmischt funktioniert nichts, sag ich da nur und denke an Biogas, Milchquote….
    Mit Steuergelder wird da entweder Natur zerstört oder die marktgerechte Produktion verzerrt.

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