Alles über Wein und den Rest der Welt…

Das “süße Zeug”…

Sie spricht mir aus der Seele, die Studentin. Man MUSS es einfach einmal mitgemacht haben…

Des Winzers edle Goldstücke ab 125 Ka(G)ra(d)t

Viele reden darüber, wenige trinken davon, viel Arbeit steckt dahinter, wenig kommt damit herum, viel, wenig, viel wenig…man könnte dieses Spiel noch länger weiter spielen und ich glaube, ich kann ein Lied davon singen. Ein wunderschönes Lied über die Beerenauslese oder die Trockenbeerenauslese.

Dieses Jahr arbeitete ich  6 Monate lang in einem Weingut, um praktische Erfahrungen zu sammeln, für`s Studium.  Eines Tages während der Lesezeit hieß es dann morgens zu Arbeitsbeginn: „Heute, da machen wir mal `ne Spezialarbeit!“ „Oh ja, mal ein bisschen Abwechslung!“, dachte sich jeder in unserer Lesetruppe. Und die versprochene Abwechslung bekamen wir. Zuerst ging es in die Weinberge, um geeignetes Traubenmaterial zu suchen, „möglichst mit viel Botrytis, wenig grünen Beeren und bloß keine essigfaulen Traubenbeeren“, Dieses wurde abgeschnitten und in Boxen gesammelt. Das war erst der Anfang und somit auch der weniger zeitaufwändige und weniger spektakuläre Part. Mit den voll beladenen Boxen zurück im Kelterhaus des Weinguts angekommen, ging sie los; die Arbeit. Stunde um Stunde wurden die mit schöner guter Botrytis befallenen, braunschwarzen, rosinenähnlichen Beerchen nach und nach von der Traube abgezupft, eins nach dem anderen, Stunde um Stunde, zupfen, zupfen, zupfen. Gut schmeckten sie, die Beerchen, ganz süß, da die Inhaltsstoffe durch den Botrytispilz konzentriert worden waren, wirklich fast wie Rosinen. Grüne Beeren waren fehl am Platz, diese wurden gut aussortiert und separat verarbeitet. Unser Ergebnis nach 10 Stunden zupfen, nach 10 Stunden Spaß, nach 10 Stunden exakt gleicher Bewegungstätigkeit: 2 mittelgroße weiße Boxen voller Beeren, die aussahen wie Rosinen; schön! Eine minimale Ausbeute, die am nächsten Tag nach nächtlicher Standzeit in eine „Minipresse“ wanderte. Nach längerem Pressen, war es vollbracht: Der Beginn der Entstehung des flüssigen Goldstückes eines Winzers . Diesen Tag hake ich unter Erlebnissen der besonderen Art ab. Es war ein Erlebnis, das mir in gewisser Weise die Augen öffnete. Von dem Zeitpunkt an, wusste ich zu schätzen, was hinter einer Beerenauslese steckt und wieso man für sie stolze Preise zu zahlen hat: Weil sie es wert ist.

Und dann wird so etwas aufwändig hergestelltes manchmal als „Süßes Zeug“ bezeichnet, das ja sowieso keiner trinkt. Bietet es sich aber nicht gerade an besonderen Tagen, wie beispielsweise  zum Weihnachtsfestessen an, zum Dessert eine schöne Beerenauslese aufzutischen? Zu manchen Anlässen passt eine Beerenauslese einfach vorzüglich. Und es soll Menschen geben, die lieben gerade dieses wahnsinnig süße, feine hochkarätige Prädikat, weil sie sonst noch nicht den Weg zum Wein gefunden haben. Die Beerenauslese möge ihnen zu einem Einstieg in das Weintrinken verhelfen.

Ich finde, man sollte die kostbaren Erzeugnisse schätzen, denn vor allem aus Riesling, Ortega, Rieslaner oder der Huxelrebe lassen sich köstliche, sehr facettenreiche, unglaublich fruchtige Beerenauslesen produzieren, die auch, wenn sie nicht in großen Mengen getrunken werden, trotzdem dazugehören, zu der Vielfalt, die aus Traubenbeeren entstehen kann.

Kristin Schreieck

4 Kommentare zu “Das “süße Zeug”…

  • steffi

    Flüssige Praline sind einfach super un machen Spaß zu “mache” besonders aus Scheurebe -haste vergessen!!!

    Reply
  • Weinkaiser

    Danke für diesen Beitrag. Das perfekte Zusammenspiel von Süße, Säure und tropischen Fruchtaromen einer großen BA oder TBA sind wirklich von keinem anderen Getränk zu übertreffen. Übrigens besser nicht zum Dessert sondern als Dessert! Bei den perfekt geeigneten Rebsorten sollten Rieslaner, Scheurebe und die weniger bekannte aber gerne heimlich beigegebene Albalonga nicht vergessen werden. Und wer den oben beschriebenen mühsamen Entstehungsprozeß einer BA gelesen hat, wird auch verstehen, dass ein solches Elixir nicht für fünf Euro im Discounter stehen kann…

    Frohe Weihnachten! (Und ab in den Keller…)

    Reply

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>