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Bezeichnungs-Durcheinander

Das Thema “Lagenklassifikation” und Weinbezeichungen beschäftigt mich immer mehr und je länger ich darüber nachdenke, diverse Blogebeiträge und Print-Artikel lese, umso klarer wird mir, dass eigentlich gar nichts klar ist und mich das Ganze nachhaltig verwirrt.

Das Problem an der Sache ist folgendes: Wenn mich das Ganze schon verwirrt, wie muss es dann erst dem Konsumenten gehen? Versteht der sämtliche, auf deutschen Etiketten zu findende, Weinbezeichnungen? Ist das überhaupt eine wichtige Frage, oder ist es schlichtweg eagl, was auf den Etiketten steht?

Es ist ein wahrer Bezeichungs-Dschungel: Deutscher Wein, Landwein Rhein und all seine Variationen, Qualitätswein, Qualitätswein mit Prädikat, Classic, CHARTA, Selektion, Erstes Gewächs, Grosses Gewächs, Hochgewächs, trocken, halbtrocken, feinherb, Einzellagen, Großlagen, Bereiche, Ortswein und so weiter und so fort. Ich weiss gar nicht einmal ganz genau, ob mir alle Bezeichnungen ad hoc einfallen… Viele dieser Bezeichnungen sind per Gesetz definiert, andere sind freiwillig gewählt oder entstammen den Ideen einiger Verbände und Vereine. Die Bezeichnungs-Vielfalt ist sicherlich auch ein Grund dafür, dass es seit Jahren Bestrebungen gibt, gewisse Dinge zu vereinfachen, griffige neue Bezeichnungen einzuführen und dabei Geschmackskorridore zu definieren. Meistens war das zwar gut gemeint und aller Ehren wert, führte aber in der Regel zu noch mehr Verwirrung und wenig Akzeptanz am Markt – siehe “Classic”.

Der wichtigste Aspekt einer Bezeichnung – zumindest für mich – ist, eine klare und einfach zu verstehende Information an den Konsumenten zu transportieren. Am besten so, dass das Ganze zeitgleich auch eine deutliche Aussage über den qualitativen Inhalt der Flasche darstellt. Das ist, zugegeben, gar nicht so einfach. Der neulich hier diskutierte Begriff “Spätlese” hat es deutlich gezeigt – der Begriff alleine ist leider keine Qualitätsaussage… zumindest nicht mehr… Einfacher wird es bei Begriffen wie “Erstes Gewächs” oder “Grosses Gewächs”. Diese Begrifflichkeiten lassen in der Theorie keinerlei Deutungsspielraum zu. Unabhängig ob dieser Wein einem schmeckt oder nicht, signalisiert der bloße Begriff in jedem Fall ein qualitativ hochwertig hergestelltes Produkt. So sollte es, in der Theorie, wenigstens sein. Der beinahe schon inflationäre Umgang mit diesen beiden Bezeichnungen, insbesondere im Jahrgang 2010, lässt da allerdings auch wieder einige Zweifel ob dieser von mir erhofften Aussagekraft in mir aufkeimen.

Mit diesen ganzen leichten Zweifeln und Überlegungen bin ich nicht alleine. Der VDP ist mit dem Feintuning beschäftigt, andere machen sich Gedanken über pyramidale Herkünfte, andere erdenken gar gänzlich neue Herkunftsbezeichnungen. Manches davon gefällt mir sehr gut, anderes finde ich eher grenzwertig. Was das Sinnvollste von allem ist, erschließt sich mir momentan noch nicht gänzlich. Ich persönlich mag starke und deutliche Begriffe, die keinerlei Deutungsspielraum zulassen.

Solche Begrifflichkeiten flächendeckend einzuführen, dürfte allerdings ein Lebenswerk sein. Zu unterschiedlich und zu vielfältig sind die Interessen der einzelnen Erzeuger in den verschiedenen Regionen. Und je mehr ich darüber nachdenke, umso besser gefällt mir das auch. Die regionale Vielfalt ist das, was unsere Weinwelt doch tatsächlich ausmacht. Ob diese Vielfalt dann kompliziert und verwirrend bezeichnet werden muss, wage ich allerdings zu bezweifeln.

Es “könnte” doch eigentlich ganz einfach sein. Ein Begriff, wie beispielsweise der des “Grosses Gewächs”, wird ein für allemal definiert. Es geht damit los, dass eine wissenschaftliche Gütekarte hergestellt wird. Darauf basierend werden ALLE für ein solches Gewächs in Frage kommenden Weinberge klassifiziert und parzellengenau abgegrenzt. Das Ganze wird in regelmäßigen Abständen überprüft und im Bedarfsfall angepasst. Dann kann jeder, der in einem solchen exakt festgelegten Weinberg arbeitet, einen Wein produzieren, der sich “Grosses Gewächs” nennen darf. Ob man diese Weine dann noch einer sensorischen Prüfung unterzieht, kann man darüber hinaus ja gerne noch diskutieren. Damit wäre, zumindest was diesen Begriff angeht, der “elitäre Gedanke” gewahrt, aber das Ganze auf eine demokratische und für jeden nachvollziehbare Basis gestellt.

27 Kommentare zu “Bezeichnungs-Durcheinander

  • braunewell

    ja dirk, das wäre vielleicht ganz einfach. ich tue mir nur schwer mit einer fixen lagenklassifikation, nicht das wir in einigen jahren dastehen wie in burgund oder bdx, die klassifikation steht, die besten weine aber woanders herkommen. halte ich für schwierig, gerade in der dynamik rheinhessens. ich bin dann eher dafür, dass jeder seine eigenen top-weine macht, es gibt gerade in rheinhessen so viele unentdeckte lagen
    …ja, das problem mit den unterschidelichen regionen

    was ich wirklich schwierig finde, sind die überlegen des vorreiterverbandes. ich hatte immer die hoffnung, dass das wirrwar aus großem gewächs, erster lage, erstem gewächs vielleicht mal eins wird
    statt zu vereinfachen gibt es dann bald wohl erste lage und große lage im selben betrieb, na vielen dank für die verwirrung, dann kann man die lagendiskussion bald beerdigen, schade wärs…

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    • Dirk Würtz Post author

      @braunewell
      Eben genau wegen der Dynamik sage ich ja, dass das Ganze in regelmäßigen Abständen überprüft gehört

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  • Felix Peters

    Rheinhessen macht es einfach, Gutswein – Ortswein – Lagenwein. Hier gehört nur noch hinzu, welche Erträge man wo ernten darf (wie es der VDP Rheinhessen macht). Und ob sich der Lagenwein in den einzelnen Betrieben durchsetzt sollte der Markt entscheiden, denn aufgrund niedrigerer Erträge wird er teurer sein als die anderen beiden Klassen.

    Letztendlich zählt sowieso nur noch die Markenkraft eines jeden Weingutes und weniger die Klassifikation.
    Natürlich sollte die Klassifikation ordnen, so dass ein Konsument das Anbaugebiet besser verstehen kann. Jedoch wen interessiert die Premier Crus in Macon oder Fixin (Burgund), hier strahlen beim Rotwein im Burgund vielleicht sechs Gemeinden, wo die Klassifikation zieht. Beim Weißwein ist die Klassifikation im Burgund schräg, fette Grand Crus stehen teilweise qualitativ unter leckeren Premier Crus, Meursault hat gar keinen Grand Cru, obwohl das Premier Cru Perriéres mit die gesuchtesten Weißweine im Burgund sind.
    Champagne, wer orientiert sich an der Klassifiaktion? Ist es wichtig einen Grand Cru zu trinken oder ist es wichtig einen Vintage aus gutem Hause zu trinken, wenn es was zu feiern gibt?

    Was sagt uns das? Locker bleiben und es einfach halten. Die Gemeinschaftliche Umsetzung der Dreistufigkeit in Rheinhessen ist auf gutem Weg, das wird dann auch schneller kapiert.
    LG Felix

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    • Dirk Würtz Post author

      @Felix
      Ich bin ein grosser Befürworter dieser Dreistufigkeit. Wie ist das bei den trockenen Wienen mit dem Lagenverbrauch?

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  • Eckhard Supp

    Das Problem des Großteils dieser Bezeichnungen oder Klassifikationen, die im Einzelnen durchaus sinnvoll scheinen mögen, ist die Tatsache, dass sie immer auf bereits Bestehendes draufgesattelt wurden bzw. werden. Gipfel dieser unsäglichen Tendenz sind die aktuellen Bestrebungen, das neue EU-Weinrecht einzuführen und dennoch das alte deutsche Weinrecht beizubehalten. Was die Klassifikationen betrifft, so wäre es letztlich unbedeutend, ob man Lagen (Burgund) oder Erzeuger (Bordeaux) klassifiziert, vorausgesetzt man überprüft beide Klassifizierungen immer wieder oder stellt die Berechtigung, sie zu führen, sogar von Jahr zu Jahr in Frage. Es ist schon lange kein Geheimnis mehr, dass eine Reihe der besten deutschen Weine weder von VDP-Mitgliedern stammen, noch aus klassifizierten Lagen, dass umgekehrt Einiges von dem, was diese beiden Bedingungen erfüllt, die Labels gar nicht tragen dürfte. Wenn Klassifikation, dann bitte seriös und streng, so dass der Weinfreund ein ECHTES Instrument für seine Kaufentscheidung in die Hand bekommt! Aber ich fürchte, das ist reines Wunschdenken und wird es auch bleiben – nicht nur in Deutschland, versteht sich!

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  • Felix Peters

    @Dirk
    Momentan gibt es ja keine rechtlich bindenden Bezeichnungsrichtlinen dieser Dreistufigkeit. Der VDP Rheinhessen hat es vorgemacht und die Region hat es mitgemacht. Natürlich liegt das auch daran, dass Otto Schätzel dies den Winzerlehrlingen in der Oppenheimer Schule immer wieder als funktionierendes Konzept schon lange einhämmert.
    Im VDP Rheinhessen hat man den Lagenverbauch im trockenen Bereich vereinbart und soweit ich das beurteilen kann halten sich alle dran. Es gibt halt nur einen (ich sage mal) Morstein Großes Gewächs und nicht noch den zweit- und drittbesten trockenen Wein mit der gleichen Lagenbezeichnung. Wir in Rheinhessen haben dies für gut befunden und schnell umgesetzt. Es gut um die Stärkung der Lagen, Lagenname=trockener Topwein – das ist einfach zu verstehen.
    An der Nahe gibt es andere Meinungen darüber, dort gibt es Lagenzweitweine. Für mich ist das verwirrend. Der Verbraucher kann sich sowieso kaum Lagennamen merken, wieso dann überstrapazieren. Wenn jemand den Felseneck nicht-Großes-Gewächs von Schäfer Fröhlich im Restaurant ordert, dann weil er weiss das das Weingut Weltklasse ist und man sich auf seine Qualitäten verlassen kann und nicht weil dieser “Zweitwein” sich mit der Lage schmückt.
    Was mich an der konsequenten Arbeit des VDP (und vor allem Rheinhessen) fasziniert ist, dass man die Dinge in einem Verein erarbeitet und rechtsunverbindliche Dinge gemeinsam umsetzt. Normalerweise hätte man in der freien Wirtschaft den Begriff Großes Gewächs nicht gewählt, weil er schon von Fremden geschützt war und weil er gar nicht weingesetztlich auf dem Etikett benutzt werden darf.
    Trotzdem ist mittlerweile aus dem Großen Gewächs eine Kennung geworden, die sich am Markt etabliert hat. Das ist ein Erfolg.
    Meiner Meinung nach gilt es jetzt diese Errungenschaft zu stärken – auch mit dem Lagenverbrauch.
    LG Felix

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    • Dirk Würtz Post author

      @Felix
      Ich persönlich (welch Wunder ;-) ) finde das rheinhessische VDP System extrem gut, inklusive dem Lagenverbrauch für den trockenen Spitzenwein. Ob das auf alle anderen Regionen 1:1 übertragbar ist, weiss ich allerdings nicht…

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  • Werner Elflein

    Dirk, was spricht denn bitteschön für den “Lagenverbrauch”. Ich halte diesen Begriff schon von der Wortwahl her so ziemlich für das Blödeste überhaupt. Eine Lage kann man nicht verbrauchen, und es gibt nicht EIN plausibles Argument, warum neben dem Großen Gewächs nicht auch etwa ein trockener Kabinett oder eine trockene Spätlese aus derselben Lage kommen sollten. Die Etikettentrinker kaufen das Große Gewächs, die Weingenießer Kabinett und Spätlese. So einfach kann die Welt sein. ;-)

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  • braunewell

    @dirk @felix
    auch wenn es gerade gefahr läuft eine rheinhessische diskussion zu werden nochmal kompliment an den vdp rheinhessen, der hoffentlich bei der dreistufigkeit bleibt.

    ob dieses system in andere deutsche weinbauregionen übertragbar ist, müssen die kollegen selbst entscheiden und hier äußern, ich sehe aber zwischen rheinhessen nicht die großen unterschiede zu pfalz, nahe, baden, franken…
    vielleicht sind mosel und rheingau anders, aber wie viele trockenen spitzenweine gibt es denn an der mosel? und könnte nicht hier gerade mit ortsweinen auch toll agiert werden, rheingau kann dirk vielleicht beantworten.

    sicher sind die vielen kleinen lagen alle anders und unterschiedlich im charakter, das gab es in rheinhessen früher auch, jetzt haben wir eine große einzellage, suchen uns das beste stück, das lagenfilet, für den lagenwein raus, sonst gibt es eben ortswein.

    macht doch gescheite ortsweine, statt zweit- und drittlagen, und lasst den zweitklassigen lagen eben weg, wir machen auch keinen lagenwein aus den “zucherrübenlagen”, nur das noch was tolles drauf steht, was in wirklichkeit nur zweitklassig ist

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  • braunewell

    @werner
    kann man sicher drüber diskutieren, ich finde eine lagenbezeichnung ist frage der typizität, und ein kabinett ist eben austauschbarer mit anderen lagen, winzern, ortschaften, als ein gg aus der lage,
    deshalb lagenverbrauch

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  • Helmut Knall

    Das Durcheinander bei den Weinbezeichnungen ist mir schon seit vielen Jahren ein Dorn im Auge. Erstaunlich nur, dass es immer noch komplizierter statt einfacher wird. Kein einziger Markenartikler würde solchen Schwachsinn überleben. Aber beim Wein glauben ja immer alle mindestens Professoren zu sein. Dass mehr als 90% der Weinkäufer das alles überhaupt nicht interessiert, geht in die Hirne der Wein-Marketer nicht hinein.
    So nebenbei ein wunderbares Beispiel: Italien. Fast wöchentlich kommen Meldungen über neue DOC’s. Kein Mensch kann sich die noch merken. Inzwischen etikettiert ganz Sizilien keine DOC’s oder DOCG’s mehr, sondern “Sicilia IGT”, weil “Sicilia” eben weltweit verstanden wird.
    Und auch nur nebenbei: Einen Gruss an den Kartographen. Wo er die Länderumrisse her hat, tät mich interessieren, Österreich ist das mal ganz sicher nicht, USA auch nur mit Reagans Vorstellung von Amerika etc…

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  • Eckhard Supp

    Keep it simple nach Brüssel? Da lachen ja die Hühner! Ein Bezeichnungs-Chaos diesen Ausmaßes kennt tatsächlich nur Deutschland. Nix gegen Kritik an Brüssel, aber bitte nur dort, wo sie hingehört. Für unser deutsches Chaos sind wir durchaus selbst verantwortlich. Aber das einzusehen, übersteigt wohl die Mainzer Fähigkeiten.

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  • Werner Elflein

    “Keep it simple” hat dazu geführt, dass aus Mosel-Saar-Ruwer Mosel wurde, und dass ein Satz mit mehr als Subjekt, Prädikat und Objekt schon jeden zweiten Gymnasiasten intellektuell überfordert. Demnächst wird aus Rheinhessen Hessen, aus dem Rheingau der (bei vielen Weinen ohnehin längst eingetretene) Gau, und ich bin sicher, selbst bei der Ahr würde einigen noch etwas einfallen. Nennt mir bitte mal einen einzigen plausiblen Grund, warum etwas über das Maß des bestehenden Prädikatssystems hinaus simplifiziert werden sollte. Ich finde zwar auch, dass ein Großes Gewächs nicht noch zusätzlich “Reserve”, “Günther” oder wie auch immer sich Großvater oder Söhnchen schimpfen, heißen muss, dass wir keine individuellen, von Weingut zu Weingut differierenden Bezeichnungsorgien brauchen – aber eine Basis brauche wir schon. Und hier ist das “Konzept” des VDP schlicht Volksverblödung pur. Ich warte ja noch immer auf das Argument pro Lagenverbrauch. (Dass Kabinette eher weniger lagentypisch sind, widerspricht meinen bisherigen Erfahrungen.)
    Und das ständige Gejammer, wir Deutschen hätten das komplizierteste Bezeichnungsrecht der Welt, ist eh Schwachsinn. Ich bin gerade dabei, einer Vergleichsprobe von deutschen und burgundischen Pinots den letzten Schliff zu geben und muss mich nun neben Appellationen, Lagen und deren Klassifizierung auch noch mit so genannten climats beschäftigen. Da lobe ich mir, wenn bei uns auf dem Etikett klar und deutlich “Ürziger Würzgarten” steht anstelle von “Ürzig Grand Cru Würzgarten, Appellation Würzgarten contrôlée”.
    Knalli, deine Argumentation geht schon allein deswegen in die Hose, weil die Diskussion mit einem schlüssigen Bezeichnungssystem den von dir angeführten 90 Prozent eh am Allerwertesten vorbei gehen. Denen ist schlicht egal, was auf dem Etikett steht, solange das Zeug billig ist und in der Blutbahn Wirkung entfaltet. Ich bin jedenfalls nicht bereit, mir von einer dummen Masse sagen zu lassen, nach welchen Maßstäben ich beim Wein zu differenzieren habe.

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  • Roland Furch

    Ich habe bei dieser Diskussion auch häufiger den Eindruck, dass Profis bzw.Produzenten die Verständlichkeit von Bezeichnungen beim Konsumenten falsch einschätzen.
    Um ein Beispiel aus der Pfalz zu nennen, welches mir spontan einfällt:Ich halte die Klassifikation eines Weinguts wie z.B. Köhler-Ruprecht für einfacher und zudem aussagekräftiger als die Klassifikation bei sagen wir mal Rebholz: Riesling Buntsandstein,Buntsandstein S,GG “Ganz Horn im Sonnenschein”-oder war es doch “Im Sonnenschein” ohne Ganz Horn. Die Weine unterschiedlicher Stilistik aus gleicher Lage werden nur mit Vorkenntnissen bzw. Recherche als solche kenntlich, ganz anders dagegen Kallstadter Saumagen Kabinett,Spätlese,Auslese trocken.Hier verstehe ich auf Anhieb,was gemeint ist, wie sicherlich die Mehrzahl der Konsumenten.

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  • Frank Schulz

    Danke für die Klarstellung an Roland Furch. Die Verständlichkeit von Bezeichnungen beim Konsumenten sollte Maßstab aller Bemühungen sein. simplify-Erkenntnisse aus Marketing u Kommunikation sind “plain facts”, nicht mehr aber auch nicht weniger. @Herr Supp: Eine Lesart Ihrer nebulöse Vermutung ist, dass Sie gescheitert sind, Schlimmstes in Mainz zu verhindern.-) Nicht aufgeben! Wir tun’s auch nicht!

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  • Thorsten Kogge

    Neue Bezeichnungen machen nur Sinn, wenn sie nicht nur vom Verbraucher verstanden sondern von den Unternehmern in Masse akzeptiert und den intermediären Instanzen vermittelt werden können. Also muss der Diskussionsprozess vorher so offen und umfassend wie möglich sein, damit man dann hinterher einen tragfähigen Kompromiss erreicht. Solange natürlich Verbände und einzelne Grüppchen nur ihren jeweiligen Vorteil aus der bestehenden Regulation und dessen Stückwerk-Erweiterung sehen, bleibt das alles sehr Mühsam. Vielleicht muss wirklich eine innovative Gruppe mal etwas “aus einem Guss” verfassen, eben ein “Draft Weingesetz 2.0″?

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  • Werner Elflein

    Frank Schulz, eine Lösung, die alle Konsumenten gleichermaßen erfasst, wird es ohnehin nicht geben. Das ist wie die Quadratur des Kreises. Das Bedürfnis nach Informationen einerseits und die (faktenvernebelnde) Simplifizierung stehen offensichtlich in einem Widerspruch zueinander, der nicht zufriedenstellend aufgelöst werden kann.

    Thorsten, ein “Draft Weingesetz 2.0″ hätte ich auch gerne einmal vorliegen. Wer aber sollte das verfassen? Ich würde es sogar zuende lesen, wenn ich darin nicht das Wort “Lagenverbrauch” fände.

    Da fällt mir ein: Wo bleibt denn jetzt endlich das Argument pro Lagenverbrauch, nach dem ich schon mehrfach gefragt hatte?

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  • braunewell

    @werner
    ich denke du lieferst die begründung ja selbst in der antwort an frank schulz

    “Frank Schulz, eine Lösung, die alle Konsumenten gleichermaßen erfasst, wird es ohnehin nicht geben. Das ist wie die Quadratur des Kreises. Das Bedürfnis nach Informationen einerseits und die (faktenvernebelnde) Simplifizierung stehen offensichtlich in einem Widerspruch zueinander, der nicht zufriedenstellend aufgelöst werden kann.”

    so gesehen sollten wir den lagenverbrauch nur dort betreiben, wo von wein mit individualität, komlexität, lagencharakter eh nix nechgefragt wird.
    denke doch bitte an die unterste regalschiene im LEH, wo es beispielsweise zeller schwarze katz und flonheimer adelberg in der literflasche gibt, diese weine (egal ob mit großlage im leh, oder einzellage im tante-emma-laden-um-die-ecke) gauckeln vor etwas besonderes wegen ihrer lage zu sein, interessiert es jemand? schmeckt man es?
    nenn mir doch bitte mal einen grund für die lagenbezeichnung hier!!!

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  • Werner Elflein

    Braunewell, der Lagenverbrauch wird ja vom VDP praktiziert, und dies in einem Bereich (nämlich bei den Prädikaten), der nun mit dem Lebensmitteleinzelhandel (LEH) rein gar nichts zu tun hat. Insofern taugt auch dieses Argument für den Lagenverbrauch. Mir ist es nach wie vor unverständlich, warum ein Pfälzer VDP-Weingut, dass ein Großes Gewächs aus dem Forster Ungeheuer erzeugt, nicht auch eine trockene Spätlese und einen Kabinett aus eben dieser Lage im Programm haben sollte. Mir ist nicht bekannt, dass neuerdings Bassermann, Mosbacher & Co. trockene Riesling-Spätlesen über den LEH laufen lassen.

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  • Werner Elflein

    Wollte natürlich sagen: “… taugt … nicht für den Lagenverbrauch”. Der Begriff beinhaltet neben “Lage” auch “Verbrauch”. Was wird denn hier verbraucht? Eine Lage? Das ist semantischer Blödsinn.
    Bei Großlagen (Zeller Schwarze Katz) bin ich ja auch der Ansicht, dass die auf einem Weinetikett nichts zu suchen haben. Das aber segmentübergreifend, egal, ob im LEH oder sonstwo. Großlagen sind aber wieder ein eigenes Thema. Beim Lagenverbrauch geht’s ja nicht um die, sondern um die Einzellagen.

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  • braunewell

    @werner
    ich denke wir werden uns nicht einig, aber sicher ist an jedem argument was dran!
    wenn diese pfälzer weingüter jetzt aber noch unterscheiden in erste lage und große lage, hörts wirklich auf!

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  • Charlie

    Ich sehe die Not nicht wirklich. Komplizierte Etiketten sind ein Mittel der sozialen Schichtung. Wie die Rechtschreibung. Und auch die beste Reform wird die soziale Schichtung nicht aufheben. Sie kann höchstens ein paar Leuten das Leben ein bisschen erleichtern. Also kann man es auch lassen.

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  • Werner Elflein

    Braunewell, bei Dr. Bürklin-Wolf heißen Erste und Große Lage “P.C.” (Premier Cru) und “G.C.” (Grand Cru). Auf der Website wird in diesem Zusammenhang von Appellationen gesprochen. Da hat es also schon längst aufgehört. ;-)

    Aber auch die kleineren “P.C.”-Weine wird es wohl nicht im Supermarkt geben.

    Auf eine Antwort, was an dem Argument pro Lagenverbrauch dran sein soll, warte ich immer noch.

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  • Thorsten Kogge

    @Charlie: Interessantes Argument. Allerdings kann ein Gesetz wohl kaum alle Wettbewerbsprobleme und Ungereimtheiten der Bezeichnungslogik dadurch abtun, indem es sagt “ist halt Schichtung”. In ausländischen Märkten werden nur einige deutsche Weine verstanden, andere fallen als Segment wegen undurchsichtiger Bezeichnung komplett weg. Die internationale Presse und Sommeliers scheinen regelmäßig einen Kater von den Bezeichnungen zu bekommen. Fair oder nicht fair, was sich da so entwickelt hat? Sicherlich: die Etiketten oder gerade die Bezeichnungen wie “Erste Lage” sind dazu geeignet, Schichtung herbeizuführen. Aber nicht nur das, sondern auch dauerhaft geschlossene “Clubs” von Titelinhabern die Bezeichnungen mit Eigentum verbinden (Lagebezeichnungen z.B.), die durch eine verbandliche Prägung zusätzlich den Wettbewerb beeinflussen. Insofern ist “Schichtung” als Analyse etwas zu kurz gegriffen.

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  • braunewell

    @werner
    Ich habe mich bereits aus der Diskussion verabschiedet! Übrigens, ich bin ein Anhänger der Elflein Weinkritik und kann mich gut mit allem identifizieren, was hier gesagt wird. Qualität ist ja eben auch sehr subjektiv, wir als Spezialisten streiten uns da um ein bis zwei Punkte rauf oder runter, das ist doch für die meisten Konsumenten nur schwer nachvollziehbar, wie eben alle Regelungen und friwilligen Schichtungsversuche der Winzer.
    Wir können als Weinspezialisten uns einfach nicht als Absolut ansehen. Untereinander gerne, nach außen nur sehr schwierig. Mir ist es wichtig, dass die Menschen auch einen einfachen, unkomplizierten Zugang zu Wein erhalten und leicht Unterschiede zwischen gut und XXXX erleben können.
    Keine Lagenverbauch schützt hier vor schlechten Weinen, und keine Auslese garantiert Trinkgenuss. Eine Verknüpfung von Qualität und Herkunft, gerade in Bezug auf die Erträge und damit den wirtschaftlichen Erfolg der Betriebe, müsste wenigstens die Winzer anregen, nicht schlechten Fusel als Lage, Auslese, *** oder irgendwasanderesinderrichtugn zu uns zu bringen. Dinge, die wir Spezialisten von Bürklin-Wolf und Kollegen nicht erwarten, schon garnicht zu diesem Preis.
    @thorsten
    Ich denke der Preis macht die Schichtung aus. Und die wirkliche Aufgabe ist es, die guten Alltagsweine zum guten Preis zu finden!

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