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Mally und der Blaufränkisch

Clemens Mally war einmal der “Obermaat” an Bord von Captain Cork. Jetzt ist er ein Schiffbrüchiger und ich habe ihm hier ein kleines Asyl gewährt ;-) . Mal sehen…

Ich bin ja wirklich kein ausgewiesener Kenner der Weine aus Österreich. Insofern lese ich das Ganze selbst mit grosser Spannung.  Es geht also direkt los mit Clemens Mallys erstem Stück über ein Ur-Österreicher-Thema:

Österreich ist für uns Ösis ein eigener Kosmos und in Wahrheit auch der Einzige. Warum sollte man da gerade in Weinfragen über den Tellerrand blicken? Die breite Masse hat ihren Grünen Veltliner, eine nette weiße Rebsorte, die meiner Meinung nach um nichts besser ist, als der deutsche Silvaner (dessen Zeit demnächst kommen wird, wenn man merkt, dass Riesling auch nur Wein ist…). Ich liebe Euren Silvaner aber auch Euren Riesling, deswegen halt ich jetzt auch gleich mal das Maul..

Wer hier zwischen Boden- und Neusiedlersee etwas mehr auf sich hält trinkt Riesling. Wenn man Österreich und Deutschland anhand ihrer Rieslinge vergleicht, so wird man ähnlich wie im Fußball einen deutlichen Klassenunterschied zugunsten Deutschlands feststellen müssen. Österreichs Winzer waren nicht immer gefeierte Superstars in ihrem österreichischen Miniuniversum. Sie waren auch keine Adeligen oder Aristokraten wie manche Weingutsbesitzer in Deutschland. Österreichs Winzer waren Bauern, die nebenbei den einen oder anderen Parzellen ihren Willen aufzwangen und Reben darauf kultivierten.

Oft hab ich den Eindruck, dass diese bäuerliche Mentalität noch tief in den Genen vieler Winzer hier verankert ist. Früher hieß es, dass der reichste Bauer der mit dem größten Misthaufen ist. Heute ist der beste Winzer der mit dem kräftigsten Wein. Einen anständigen Riesling in der Wachau unter 14% Alkohol zu finden ist gar nicht so einfach und weil diese Gegend mit ihrer überreifen Stilistik sehr erfolgreich ist, ziehen viele Winzer in anderen Regionen nach und zeigen, dass es nicht zwingend eine Wachau braucht um fetten Weißwein zu machen. Die etwas dumme Mindestalkoholregelung bei den DAC-Weinen unterstützt diesen Wahnsinn natürlich. Ein Kamptal DAC-Reserve muss zum Beispiel mindestens 13 Umdrehungen auf die Waage bekommen. Ich kenne Winzer, die deswegen 2010 keine Reserven auf den Markt bringen konnten und auch nicht wollten, weil Aufzuckern oder Überreife kein Thema für sie sind. Ich will hier aber nicht auf unseren Weißweinen rumhacken. Natürlich gibt es auch hier grandioses Zeug. Über solche Winzer sprechen wir aber ein anderes Mal.

Für mich driftet Österreich immer mehr zur Rotweinnation ab. Das freut mich nicht nur weil ich gebürtiger Mittelburgenländer bin und daher den Blaufränkischen schon über die Brust meiner Mutter eingeflößt bekam. Er fließt quasi in meinen Adern. Auch wenn ich gerade nicht von ihm nasche.

Österreichs qualitative Nummer 1 in Sachen Rotwein keltert man aus der Blaufränkisch-Traube. Eine Sorte, die in den letzten Jahren sehr trendy wurde. Einige Winzer, vor allem aber Roland Velich vom Weingut Moric und Uwe Schiefer, bewegten sich immer weiter weg von der internationalen Ausbauart in neuen Barriquefässern. Man kreierte einen eigenen, authentischen und köstlichen Blaufränkisch-Stil. Die Weinbauern orientierten sich an Fixsternen wie dem Barolo, der nördlichen Rhone und dem Burgund – und irgendwo dazwischen steht auch der gute Blaufränkisch.

Leider distanzieren sich die Federführer dieser Stilistik inzwischen wieder weit von ihr. Ein Trend der mir schon vor einiger Zeit auffiel. Neulich diskutierte ich mit einem sympathischen Außenstehenden, einem genialen Portweinproduzenten der Blaufränkisch liebt, über diesen Trend. Er bestätigte, dass die inzwischen sehr gehypten Weine von Schiefer und Velich in den letzten zwei Jahren marmeladig wurden. Überholzt sind sie noch immer nicht aber doch sehr überreif und paradox modern. Leider!

Zum Glück haben andere, die diesen genialen Blaufränkischstil mitkreierten nicht geschlafen. Manche haben ihn sogar verbessert.

Das mit Abstand beste Beispiel für puristischen Blaufränkisch ist das Weingut Weninger in Horitschon. Hier sind Winzer am Werk, die die letzten 20 Jahre schon immer ihrer Zeit voraus waren. Franz Weninger sen. ist einer der Väter des österreichischen Rotweinbooms. Seine – damals klassisch ausgebauten – Rotweine aus den späten 80ern und frühen 90ern sind jetzt gerade in einem sehr gutem Trinkalter und werden sicher noch einige Jahre am Leben sein.

Vor einigen Jahren wurde dann auf biodynamischen Wein umgestellt und heuer übernahm schließlich Franz Weninger jun., der bisher das Weingut Weninger in Ungarn leitete, die Ruder des Familienbetriebs.

Blaufränkisch von Weninger schmeckt nach Weninger -quasi schon immer! Hier werden ungeschönte, handwerkliche Weine gekeltert. Weine mit Mut zur Säure, mit Mut zu niedrigem Alkohol und mit Mut zu Härte.

Weninger ist eben mehr!

Die Geburtsstation hochwertiger Trauben sind bei Weningers tiefgründige Lehmlagen. Die Böden erinnern hier ziemlich stark an das Pomerol: Lehm und Kies lautet die Zauberformel für diese saftigen, gut strukturierten Rotweine. Angesichts dieser Tatsache ist es noch immer überraschend, wie günstig ein paar der Lagenblaufränkisch hier sind. Bestes Beispiel hierfür ist der puristische Blaufränkisch aus der Lage “Hochäcker”. Dieser Wein gewann vor kurzem eine Vergleichsprobe der N.Y. Times und war deutlich vor den Konfitüren von Moric und Schiefer (die beide das Fünffache kosten) und hier ausgesprochen schlecht abschnitten.

Die Reben der hier verwendeten Trauben sind zwischen 30 und 40 Jahre alt. Der Boden besteht aus Lehm, Kies und Eisen. Nachdem der Wein spontan im Holzgärständer vergoren wurde, schickte Weninger ihn für 17 Monate in das große Holz. Das war es…

Der 2009er ist würzig und verfügt über die typische Frucht des Blaufränkisch. Hier findet man Veilchen, Pfeffer, etwas Raulederschuh und dann natürlich Brombeere und viel Kirsche. Der Wein beeindruckt von der ersten Sekunde an. Er ist saftig, homogen und sehr bekömmlich. Auch die Tanninstruktur, vor allem jedoch ihre Qualität ist erstklassig. Dieser Saft hat weder ein Gramm zuviel, noch eines zu wenig. Ein feiner Speisenbegleiter, der die nächsten 10 Jahre, wahrscheinlich sogar die nächsten 15 Jahre problemlos überstehen wird.

Hier ist aber noch lange nicht Schluss. Über dem  Weningerschen Sortiments thront der Blaufränkisch aus der Lage “Dürrau”. “Dürrau” ist eine sehr unauffällige Lage. Leicht geneigt; nein hier findet man nichts, was einen aus den Socken hauen würde außer einer unzähligen Anzahl uralter Rebstöcke und eben diesen unglaublich tiefgründigen Lehmboden. Was die Vergärung betrifft, ist hier kaum was anders als beim Hochäcker. Ausgebaut wurde er dann allerdings 15 Monate in 500l Fässern und 10 weitere Monate im großen Holzfass.

Ein “Dürrau” benötigt Zeit, so auch der 2007er. 10 Jahre sollten es mindestens sein bevor man ihn öffnet. Im Moment zeigt er nach ein paar Stunden Luft ansatzweise, was er zu leisten vermag. Da duftet er dann intensiv nach Sauerkirsche mit schwarzem Pfeffer, etwas Rosenholz, Erdbeermark und nach ein paar mediterranen Kräutern.

Das Tannin, dass er gerade an den Tag legt überfordert manchmal und schmeckt trotzdem. Es hinterlässt keine Zweifel über das Alterungspotenzial dieses Weines. Dieser Blaufränkisch ist ein Hammer! Einer der den Gaumen anschlägt und lange vibrieren lässt. Wer ihn trotzdem jetzt schon trinken möchte, sollte zumindest ansatzweise masochistisch veranlagt sein und genau deswegen reiß ich mir jetzt auch so einen auf. Prost!

Blaufränkisch Hochäcker 2009 (13 Alkohol) erhältlich ab Hof Link: http://www.weninger.com/shop/?lang=de um 9,90
Blaufränkisch Dürrau 2007 (13 Alkohol) erhältlich ab Hof Link: http://www.weninger.com/shop/?lang=de um 49,00

24 Kommentare zu “Mally und der Blaufränkisch

  • genussrausch

    “Österreichs qualitative Nummer 1 in Sachen Rotwein keltert man aus der Blaufränkisch-Traube.” …diese Aussage sollte auch einer jener aus dem Mittelburgenland überdenken; hier wäre zumindest ein Duett zu nennen…

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  • Hartmut

    Netter Artikel. Was mich als Wahlösi ein bisserl stört, ist die eindimensionale Wahrnehmung der Rieslinge: Die Wachauer waren den deutschen Trockenen(!) bis in die 1990er weit voraus! Und heute machen etwa Loimer, Hirsch oder Bründlmayer hervorragende weine.

    Zu den Meistern des Blaufränkisch würde ich neben Weninger mindestens auch Paul Achs zählen. Wenn es etwas mehr sein darf auch Igler oder Feiler-Artiger. Nach langer Suche (seit 1985?) hat das Rotweinösterreich hier seinen besten Ausdruck gefunden!

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  • pivu

    schon ein bissl populistisch das ganze, tatsächlich findet man in letzter zeit immer weißweine, die weggehen von der überreifen stilistik der letzten 20 jahre. das weiß auch der mally. und uwe schiefers anhand seines teuersten (nicht zwangsläufig seines besten) weins, dem ‘reihburg’ festzumachen, ist schlicht unseriös. wo bitteschön ist der ‘eisenberg’, der ‘pala’ oder auch der ‘szapary’, wenn er er 3+ jahre auf der flasche ist, “marmeladig”? und weninger hat erst seit dem jg. 07 die kurve bekommen, davor waren gerade auch seine weine vertreter der “holz-alc-frucht & power” schule, preferred by moser & co. und wenn hier von puristischen rotweinen die rede ist, muss an erster stelle hannes schuster genannt werden. weine, die initial (vievinum 2008) überhaupt nicht verstanden wurden.

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  • Clemens

    Hannes Schuster schließ ich mich (natürlich) an – Trotzdem stimmt das mit Weninger nicht! Der 05er Dürrau ist top, keiner (bis vielleicht auf den 03er) ist marmeladig und holzlastig sind die Weine sowieso nicht – du solltest die mal wieder kosten Peter!

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  • pivu

    wie gesagt, ich (und viele andere) haben franz weningers weine bis 2003 anders wahrgenommen. die güte des 05ers überrascht mich wirklich, as you know, hat frantz 2004 in richtung bio (und mehr) umgestellt, um im regnerischen 2005 wieder davon abzurücken. im 2. versuch gelang’s dann auch, und die weine finde ich ab 2007 spürbar besser, authentischer, trinkiger.

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  • Oscar S.

    Hab erst vor kurzem wieder alle aktuellen Weninger-Weine probiert. Tolle Blaufränkisch die wie im Artikel beschrieben Zeit brauchen. Alle zutiefst ehrliche, gradlinig und nichts gekünsteltes dabei. Diese Linie zieht sich durchs gesamte Sortiment. Ich empfehle alle Mittelburgenlänsiche Blaufränkischweine mind. 12 Stunden vor dem Genuss zu dekantieren. Auch ältere Jahrgänge!

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  • Clemens Mally

                @ Peter, vielleicht schaffen wir es ja gemeinsam alte Weningers zu kosten. Ich hab schon öfters uralte (damals noch nicht so genannte) Dürrau gekostet. 90 ist toll!! Alte Veratina sind fantastisch (99 z.B.) genau wie der Vorläufer der “Alten Reben” damals Bf-Reserve genannt. Natürlich sind die Weine jetzt kompromissloser. Fett waren oder gar konzentriert waren sie damals aber nicht. 

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  • Michael Pronay

    Also, wenn Grüne Veltliner in der Blindprobe weiße Top-Burgunder schlagen – und das nicht nur in Wien, sondern auch in London und Paris –, dann bin ich ganz gewiss nicht der Meinung, dass es sich um “eine nette weiße Rebsorte” handelt, die “um nichts besser ist als der deutsche Silvaner”.

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  • Clemens Mally

    Ich schon.. Solche Verkostungen gilt es immer zu hinterfragen! Ähnlich wie die Pinotverkostung in Singapur, bei der die heimischen Pinots die Franzosen schlugen.. Der Silvaner ist der G.V. Deutschlands. Lediglich am Image fehlt es ihm noch, aber das dauert auch nicht mehr lang und das ist gut so!

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  • Michael Pronay

    C. Mally: “Solche Verkostungen [Veltliner schlagen Top-Burgunder] gilt es immer zu hinterfragen!”

    Keine Sorge, die sind hinterfragt. Die Burgunder wurden von lokalen Weinjournalisten ausgewählt, und (blind)verkostet haben ebenfalls die lokalen Weinjournalisten. Idee und Ausführung (ist schon einige Jahre her) von Jan Erik Paulson, aus Schweden stammenden Zahnarzt und Raritätenweinhändler (und Veltliner-Fan) in Waldkirchen unweit von Passau in Bayern.

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  • Clemens Mally

    So eine Blindverkostung bringt doch nichts weil ein G.V. schmeckt wie er schmeckt. Grundsätzlich find ich die Ergebnisse ja toll für den österreichischen Wein, ernst zu nehmen sind sie trotzdem nicht. Freuen wir uns, dass wir ihn haben. Wenn wir ihn mit der Burgund mitspielen lassen, tun wir ihm nichts Gutes. Da fehlt ihm dann doch das Genie.

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  • Christopher Emrich

    So so: Maat Mallys Märchenstunde oder “Wie die vinologische Schiffahrt mal wieder provozieren wollte, aber leider nicht über Traumschiff-Niveau hinaus gekommen ist”

    Aber bleiben wir zunächst mal sachlich:

    Die Analogie GV – Silvaner ist ja natürlich kaum von der Hand zu weisen und auch schon vor Jahren nicht nur von P. Wittmann auf 100° Öchsle zur Genüge beschrieben worden: Silvaner als deutsche Parallelleitsorte analog zum GV als österreichische Parallelleitsorte zum Riesling, eine ähnliche Aromatik, die weniger durch die Frucht wie beim Riesling oder Sauvignon Blanc, sondern durch Würze und vegetabile Noten geprägt ist, milde Säure, großartiger Essensbegleiter, vorwiegend trocken ausgebaut, enorme Bandbreite von leichten Sommerweinen bis zu komplexen Spitzenweinen, beide “reifen, ohne zu altern”, wie mal jemand treffend notiert hat etc. pp).

    Wie gesagt: sehr treffend, wenn auch wenig originell.

    Ärgerlich wird s dann aber, wenn eine der in letzter Zeit spannendsten Rebsorten der Welt mit einem so oberflächlichen Nebensatz beschrieben wird, dass es einem echt die Schuhe auszieht:

    “eine nette weiße Rebsorte, die meiner Meinung nach um nichts besser ist, als der deutsche Silvaner”

    (By the way: welche Rebsorte ist denn in D überhaupt interessanter als der Silvaner? Weiß-, Grau, Spätburgunder?
    Sicherlich hat sich da viel getan, aber nur ganz ganz wenige Burgunder spielen in D auch nur ANNÄHERND in der gleichen Liga wie Burgund und obwohl ich diese Weine auch selbst gerne trinke, verhält es sich immer noch wie der afrikanische Fußball zum europäischen oder südamerikanischen: einzelne Mannschaften können die besten europäischen und südamerikanischen Teams mal punktuell einen Moment lang kitzeln, aber grundsätzlich klaffen dazwischen immer noch Welten).

    Was den GV betrifft muss man eben doch ein hohes Maß an Ignoranz an den Tag legen oder wie Dirk wenig Ahnung davon haben (was er ja zugibt), wenn man da an Hand der Spitzenerzeugnisse von Leuten wie Loimer, Alzinger, Prager, Hirsch, Nigl, Bründlmeyer, Schloss Gobelsberg, Pichler 1 und 2, Neumayer, Jurtschitsch, Proidl, Hirtzberger, Veyder-Malberg (ganz besonders!!!) und Dutzenden anderen von einem nur ganz netten Wein spricht.

    Maat Mally spricht von fehlendem “Genie” im Vergleich zu den besten Burgundern.

    OK, wenn man natürlich 12 der besten Grandcrus aus dem Burgund in weiß und rot für meistens dreistellige Beträge zum Vergleich heranzieht, dürften es wohl nahezu alle Weine dieser Welt etwas schwer haben, wobei die besten GV schon unglaublich gut und vor allem auch originell sind. Aber da braucht man dann auch nicht mit Blaufränkisch kommen, der auch für mich zu den derzeit interessantesten roten Sorten zählt (interessanter auf jeden fall als das meiste aus Spanien und Italien).

    Österreich hat meines Wissens nach ca. 50.000 ha Reben, Sizilien alleine dürfte mehr als 200.000 haben. Dennoch kommen aus diesem kleinen Land zahlreiche der besten trockenen Wein-, Rot- und natürlich auch Süßweine, was das Land in der Welt des Weines ähnlich beeindruckend verortet wie Irland im Bereich der Literatur.

    Was den Riesling betrifft: Bis weit in die 90er Jahre hinein war man in Österreich hinsichtlich der Erzeugung trockener Spitzenweine Deutschland um Längen voraus, gerade was das Entwicklungspotential betrifft. Erst zu Beginn des letzten Jahrzehnts hat sich das Verhältnis etwas gewandelt und Deutschland – auch nicht zuletzt dank der Größe – ETWAS in die Pole-Position befördert. Dennoch gibt es in A zahlreiche Top-Rieslinge mit enormen Potential (Probiert mal die neuen Spitzenrieslinge von Veyder-Malbeg aus der Wachau – sensationell, wenn auch nicht ganz billig).

    Alleine meine zufälligen Erfahrungen der letzten zwei, drei Wochen rufen bei mir jetzt noch eine Gänsehaut hervor: Pragers 2002er Achleiten: großartig oder noch besser: Loimers 2001er Steinmassel: selten gleichwertiges getrunken).

    Schade: Eine so tolle Reborte wie den Blaufränkisch hätte man nicht dadurch würdigen müssen, dass man eine MINDESTENS so vielschichtige Rebsorte wie den Grünen Veltliner mit so holzschnittartigen, oberflächlich-plakativen Sprüchen herabsetzt.

    Und jedesmal, wenn ich irgendwas aus dem Umfeld der verkorksten Seite lese, geht es mir ähnlich:

    Man will vordergründig provozieren, gibt sich unkonventionell, aber durch die Hintertür kommen doch nur ganz oberflächliche und vor allem konservative “Erkenntnisse” raus wie die, dass “es auf den Jahrgang ankommt”.

    Provozierend wie Guido Westerwelle.

    Schade nur, dass dann Leute wie Pigott, die sich wirklich auskennen und intensiv wie kein zweiter in den letzten 10-15 Jahren mit deutschen Weinen und auch unbekannten Weingütern beschäftigt haben, in diesem Forum als “Clown” bezeichnet werden, weil das Sakko großkariert ist.

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    • Dirk Würtz Post author

      @Christopher
      Eines muss ich da jetzt aber mal ganz schnell einwerfen: Die Nummer mit dem Silvaner als Leitrebsorte neben dem Riesling und den GV-Vergleich habe ich vor zehn Jahren überall rumposaunt. Da wollte das aber noch keiner hören…

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  • Clemens Mally

    Guten Morgen Christoph. Wo finden sich den konventionelle Erkenntnisse? Gerade ich stell den Jahrgang immer hinten an. Finden Sie wirklich, dass es gut ist zwei unterschiedliche (die auch wirklich unterschiedlich schmecken) Rebsorten in einer Blindprobe gegenüber zu stellen? Ich nicht! Der Veltliner ist eigenständig und faszinierend genug, der braucht das nicht. Solche Proben bringen nichts und schaden dem G.V. mehr als sie ihm dienen. So sehr ich den Grünen Veltliner schätze und in der Vergangenheit lieben gelernt habe (das war nicht immer so), erlaube ich mir trotzdem zu hinterfragen ob aus ihm wirklich großer Wein entstehen kann. Es gibt Leute (Paulson, der Raritätenhändler), die sich diese Frage bei Chateauneuf stellen, warum also nicht auch bei G.V. wenn er zwar Freude, aber nicht die Spannung, die Mineralik oder die Tiefe ins Glas bringt? Für einen großen Wein braucht es für mich mehr als Lagerpotenzial, Frucht und Würze, sonst müsste man einen Melon de Bourgogne auch als groß Sorte absprechen, tun wir aber nicht weil er final doch etwas zu simpel oder zu derb ist. Diese ganzen Sachen schreibe ich mit großer Ehrfurcht und Freude an und mit unserem genialen Grünen Veltliner. Danke für Ihre ausführliche und konstruktive Stellungnahme! Beste Grüße aus Österreich

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  • Christopher Emrich

    OK, Dirk, das glaube ich dir gerne und das ehrt dich, dass du damals schon dem Silvaner eine Bedeutung zugestanden hast, die er jetzt erst langsam verdientermaßen in einem größeren Maßstab erfährt.
    Es gibt wirklich ganze tolle, immer noch etwas unterschätzte Vertreter der Sorte, natürlich in Franken, aber auch vielerorts in Rheinhessen. Zudem ist der Silvaner eine urdeutsche Rebsorte, meines Wissens nach vor Zeiten die meist verbreitete Sorte hierzulande.

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  • pivu

    zum vergleich gv – silvaner: potential ist durchaus da, den silvaner als eigenständige sorte auch im oberen segment zu etablieren, leider wird diese “eigenständigkeit” (die nicht jedermann’s sache ist) viel zu oft zugunsten einer art “anderer riesling” aufgegeben. das können die österreicher mit ihren veltliner besser. hier ein paar frühere gedanken von mir dazu ( http://pivu.wordpress.com/2008/08/03/die-zukunft-des-silvaners/ ), wo auch der blogwart kommentiert hat, und eine ganz aktuelle empfehlung für einen idealtypischen silvaner: silvaner “nonnenheim” vom weingut werther windisch aus 2010. nix entsäuert, spontan vergoren, gr. holzfaß, 7,- ! (und der tipp zu jens windisch kam indirekt von clemens mally …)

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  • Christopher Emrich

    Guten Morgen Clemens,

    ich muss mich in einem Punkt entschuldigen, wenn ich da meinerseits wohl etwas zu sehr pauschalisiert habe, indem ich Sie da etwas zu sehr mit der Meinung des Captains identifiziert habe. Mea Culpa,
    Ich halte ebenfalls nicht all zu viel von solchen Proben, dennoch bin ich der Meinung, dass der GC ausreichend Potential für eine große Rebsorte besitzt und einiges an Komplexität und Tiefe mit bringt, aber nun gut.

    Über das Thema, ab wie vielen Jahrzehnten oder vielleicht Jahrhunderten eine Rebsorte oder Weine eines Gebietes als “groß” bezeichnet werden könnten oder sollten, wurde bereits im Rheinhessen-Forum ausführlich diskutiert. Manche Regionen wie der Rheingau haben da eben große historische Vorteile gegenüber u.a. Rheinhessen, aber ich sehe dass doch etwas pragmatischer: Ich beschäftige mich seit 10 Jahren wirklich intensiv mit deutschem Wein, und in dieser Zeit habe ich einfach beeindruckende Erfahrungen mit trockenen rheinhessischen Rieslingen gemacht – beeindruckendere und vor allem zahlreichere gerade auch von jungen Winzerinnen und Winzern als ich das vom Rheingau behaupten könnte. Die Frage, ob beispielsweise ein Westhofener Morstein so groß ist wie ein Rauentaler Baiken oder Erbacher Marcobrunn ist für mich nicht so wichtig, wenn die bzw. einige Weine dieser Lage (es gibt ja nicht nur Wittmann und Keller) derzeit in meinen Augen eben beindruckender sind als die der historisch “größeren” Rheingauer Lagen. Da sollte man eben Rheinhessen, wie das auch Marcus Hofschuster hier ausgeführt hat, eben mal eine Chance geben …

    Wenn man jedoch darüber diskutiert, ob Chateauneufs große Weine sein könnten, kommt man allerdings irgendwann wieder nur dahin zurück, dass es wahrhaft große Weine nur in Burgund und Bordeaux gibt, und ich weiß nicht, ob das sinnvoll ist.

    Dennoch hat Ihre Antwort einiges an meinem Statement relativiert.

    Ebenfalls beste Grüße aus Mainz:-)

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  • Christopher Emrich

    @pivu

    Finde ich interessant. Von Werther-Windisch habe ich mir seinerzeit ebenfalls auf Empfehlung Clemens Mallys’ den Riesling und Silvaner und den Riesling gekauft und auch hier schon einige Male lobend erwähnt.
    Dass es dort auch einen guten GV geben sollte, finde ich wirklich witzig – muss ich beim nächsten Mal unbedingt mit bestellen, guter Tipp, auch wenn ich bei deutschem GV erstmal eher skeptisch bin.

    Reply
  • pivu

    @christopher: also von gv von werther windisch hab’ ich inx gesagt, und den gibt’s dort auch nicht. zumindest nicht den zum trinken :-) )) .

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  • Christopher Emrich

    :-)
    Sorry,
    da habe ich doch ein wenig oberflächlich gelesen, hatte mich auch schon gewundert. Und der Silvaner ist wirklich klasse, auch wenn er noch ein wenig Zeit und/oder Luft braucht.
    Nee, GV gibt’s da wirklich nicht, weder zum trinken noch sonstwie – stand jedenfalls nicht auf der Preisliste:-)

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