Alles über Wein und den Rest der Welt…

Verkehrte Welt

Im kommenden Jahr findet bekanntlich die Fußball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine statt. Letzteres kenne ich einigermaßen von mehreren Besuchen.Die Ukraine ist ein enorm spannendes und sehr interessantes Land, die Menschen sind, wie eigentlich alle im Osten, extrem gastfreundlich. Mit “Menschen” meine ich die Normalbürger, die ich bei meinen Aufenthalten kennenlernen durfte. Die Ukraine ist allerdings auch ein gespaltenes Land. Die Ukrainer auf der einen, die Russen auf der anderen Seite. Vieles in der Ukraine ist im Argen, das Land teilweise völlig marode und korrupt. In den vergangenen Tagen beobachte ich im Internet, insbesondere auf Facebook etwas, dass mich nicht nur nachdenklich, sondern ehrlich gesagt auch wütend macht.

In der Ukraine werden jede Menge streunende Hunde und Katzen getötet. Erschlagen, überfahren, hauptsache weg. Das ist nicht schön, keine Frage. Ein Sturm der Entrüstung tobt über Facebook. Es wird gar zum Boykott der EM aufgerufen. Ich finde das, sagen wir einmal, grenzwertig. Warum, ihr lieben Leute regt Ihr Euch nicht über die wirklichen Mißstände in der Ukraine auf? Anstatt sich auf Hunde und Katzen zu fokusieren, schaut Euch doch bitte mal das unsägliche Leid der “Kinder von Tschernovbyl” an. Die haben mittlerweile fast gar keine Lobby mehr. Es gruselt mich, dass beim Anblick eines erschlagenen Hundes – zugegeben kein schöner Anblick –  der kollektive Reflex einsetzt, aber kein Mensch sich für das Leid der Überlebenden und deren Nachkommen aus Tschernobyl interessiert. Einzig einige wenige, unerschrockene sammeln noch für diese Menschen Kleidung, Geld und diverse nützliche Dinge. Diese Leute bekommen eine lächerliche Rente, die zum Leben nicht reicht und das, obwohl Milliarden in dieses Land nach der Katastrophe geflossen sind! Wo bleibt denn da die Welle der Facebook-Entrüstung? Was ist, nebenbei bemerkt, mit dem großen Thema “AIDS” in der Ukraine?

Ich komme da leider nicht mit. Für mich ist das “verkehrte Welt”. Beim niedlichen Hund ist die Empörung groß, alles andere interessiert keinen. Auf Facebook sieht man erschreckende Bilder eines totgeschlagenen Hundes. Dahinter ist ein Haus zu sehen. Besser gesagt eine Baracke. Darin wohnen übrigens die Leute, von denen ich hier gerade spreche…

Dazu passt ganz hübsch ein Bericht, den ich neulich gesehen habe und der ausführte, dass in manchen deutschen Haushalten, das Tierzeug besser ernährt wird als das Kind… Tut mir leid, ich verstehe zwar Eure Entrüstung, aber  konzentriert doch Eure Energien bitte einmal auf die wirklichen Probleme! “Ich sage NEIN zu Massenmord für Fußballsport”… dicker ging es wohl nicht mehr…

13 Kommentare zu “Verkehrte Welt

  • Thomas Golenia

    ähnliches dachte ich heute auch. da wird ein knuddeliger hund abgemurkst. die leute heulen, sind kollektivempört (das kann der deutsche ja ganz gut). morgen wird dann in der betriebskantine wieder das schnitzel mit fritten bestellt.

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  • G.P.M.

    … ein typischer tausendsassawürtz beitrag. hauptsacha man sagt und schriebt und bloggt zu allem etwas. ist ja auch egal wenn dort 100000 hunde abgeschlachtet werden. ist doch auch egal ob die mit knüppeln erschlagen werden … ist doch auch egal ob die einfach abgefackelt werden … sind doch nur hunde. dirk würtz ist ein begnadeter schwätzer.

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  • Werner Elflein

    Aus was für einem Mastbetrieb das Schwein stammt, lieber Thomas, aus dem die Schnitzel gewonnen wurden, wollen wir an dieser Stelle besser nicht näher ausführen. Auch nicht, aus welcher Kartoffelsorte die Fritten hergestellt wurden und wer auf sie und die DNA des Schweins das Patent hat. Wir wollen auch nicht darüber reden, mit welchen Giften uns die Nahrungsmittelindustrie und konventionell arbeitende Landwirte vollstopfen (weil sie uns mit Mastvieh verwechseln), wie alte Menschen in deutschen Altenpflegeheimen entmündigt und misshandelt werden, wie unsere Soldaten in Afghanistan als Kanonenfutter verheizt werden, welche Mengen an Radioaktivität täglich im ehemaligen End(!)-Lager Asse freigesetzt werden, wieviele Castor-Behälter in Osteuropa unter freiem Himmel “endgelagert” werden. Das ist alles nicht wichtig. Wichtig ist, welche Reality-Soap abends in der Glotze läuft, und dass mit jeder Sendeminute der Intelligenzquotient der zerebreal insuffizienten Zuschauer noch einmal um mindestens 2 Prozentpunkte absinkt, bis das geistige Niveau einer durchschnittlichen FDP-Europaabgeordneten erreicht ist, die noch nicht einmal allein einen Fotokopierer bedienen kann. Dann ist das Ziel der kollektiven Verblödung erreicht und das Kommerzspektakel Europameisterschaft kann kommen.

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  • haribo

    Also das mit dem “begnadeten Schwätzer” ist nun wirklich zu viel der Ehre für unseren allseits geschätzten Blogggwart. Wenn dieser Titel überhaupt jemandem zusteht, dann doch wohl unserem Dauer-Lamentierer und “zerebreal insuffizienten” (hast das eigentlich etwas mit Suff zu tun?) Werner Elflein, der das gesamte Elend der Welt geradezu magisch anzuziehen scheint:-)))

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  • KJ

    So “Niedlich” sind die Hunde da auch nicht wirklich. Verwildert, tollwütig und aggressiv. Das da – unabhängig von der EM – was geschehen muss ist einfach so. Die Methoden sind jedoch mehr als fragwürdig. Dirk hat jedoch definitv recht wenn er anmahnt zuerst an das leid der Menschen zu denken bevor man sich kollektiv über den Tiermord aufregt.

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  • Werner Elflein

    Nicht nur in der Ukraine muss etwas geschehen. Auch hier! Ich plädiere dafür, sich erst einmal um den Müll vor der eigenen Haustür zu kümmern. Wie wollen wir den Menschen in anderen Ländern helfen, wenn wir nicht einmal mit den eigenen Problemen fertig werden?
    Im Übrigen bringt es uns nicht weiter, Tier- gegen Menschenleben “aufzurechnen”.

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  • Kreuznacher

    Der Mensch nimmt für sich in Anspruch, ein selbstbestimmtes Wesen zu sein – insofern kann er seine Sitaution reflektieren und dafür kämpfen, dass sie sich ändert. Wenn er das, aus welchen Gründen auch immer, nicht tut, dann lebt er halt so weiter, hat unser Mitleid aber nicht verdient. Anders bei dem gesamten, nicht selbstbestimmten, von uns heutzutage abhängigem Leben – seien es nun Hunde, Robben oder Wale. Leider schweigen hierzu unsere politischen und religiösen Grössen, die für die Wertevorstellung in unserer Gesellschaft eigentlich Anreize geben sollen. Es wird lieber über die Benutzung von Kondomen geschwafelt und natürlich wird lieber ein Rüstungsgeschäft gemacht, statt hier konsequent Stellung zu beziehen und Einfluss zu nehmen. Wo sind die Werte hin? Ist es einzig erstrebenswert möglichst viel Geld um sich zu scharren, egal wie es dann in der Welt ausschaut? Ich habe schon Verständnis für die vielen Poster, die auf FB-WKW-GPlus etc. persönlich mit ihrem Namen auf die Zustände in der Ukraine hinweisen. Was heute mit den Hunden beginnt, wird vielleicht später einmal einen anderen Inhalt haben und zeigen, dass man mit seiner Meinung nicht alleine steht – dann wird es vielleicht auch nicht mehr passieren, dass eine kleine Clique von Bankzockern unser aller Zukunft aufs Spiel setzt und dann auch noch von uns gerettet wird – dann werden sie vielleicht dort hin kommen, wo sie eigentlich hingehören: “In den Knast!”

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  • Wolfgang

    Moin, moin,

    wie so häufig habe ich auch hier mal wieder meine Probleme so manche Aussage/Einstellung zu verstehen. Ohne die Hinweise in der Netzwelt würde hier kaum jemand von den Verhältnissen der Straßentiere Kenntnis haben, damit einige wenige, der normale Fußballfan wohl sowieso nicht. Klar gibt es eine ganze Menge anderer Probleme, die nicht dahinter stehen sollten. Aber, der eine stellt sich gegen Aids, der andere gegen Atomkraft, der nächste gegen Windkraft, andere gegen Massentierhaltung….. die Liste der (deutschen) Gutmenschen könnte nahezu unendlich fortgesetzt werden. Dann gibt es dazu die Leute, die das Eintreten der anderen als falsch brandmarken. Warum ist es so selten möglich, andere Meinungen zu akzeptieren? Ich bin mir sicher, daß viele Tierfreunde auch Fleisch aus fragwürdiger Massentierhaltung auf dem Tisch haben, Atomkraftgegner nicht durchweg energiesparen oder was auch immer, ich glaube nicht an den perfekten Menschen.

    Laßt den anderen doch ihre Meinung, nehmt es als zusätzlichen Diskussionsstoff auf. Wer soll entscheiden ob der Kampf gegen Aids wichtiger ist als die Unterstützung von Atomopfern?

    Jeder sollte vor seiner eigenen Haustür anfangen zu kehren, der Blick über den Tellerrand bleibt wichtig und das Internet ist eine nahezu perfekte Möglichkeit, Informationen zu demokratisieren.

    Ich werde die EM sicher nicht wegen der Tiervernichtungsaktionen boykottieren, mein Interesse ist an Fußball ist ohnehin sehr gering, es wird mir mit viel zu viel Geld für mehr oder weniger leistungsbereite Zweibeiner zuviel Zirkus gemacht. Alle Unterstützer der Bundesliga könnten mit dem Geld viel bessere Dinge machen, aber das ist nur meine Meinung und ich werde andere wegen anderer Einschätzung nicht negativ beurteilen.

    Einen schönen Advent wünscht

    Wolfgang

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  • Gilli Vanilli

    langsam nervt facebook mit dem ganzen spam,

    das is der nachteil des teilens – viral verteilt sich das ganze dann

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