Alles über Wein und den Rest der Welt…

Ärgernis der Woche

Unser Dr. Motz regt sich über eine Umfrage auf. Es geht um den Bau der Beliner Mauer. Und er haut gewaltig auf den Putz…

Es gibt Umfragen, die macht man besser nicht. Einfach deshalb, weil absehbar ist, dass dabei nur Schwachsinn heraus kommt. Eine davon ist die jüngste Forsa-Erhebung, wonach jeder dritte Berliner den Bau der Mauer am 13. August 1961 im Nachhinein für richtig erklärt. Unter den früheren Ost-Berlinern sind es sogar 59 (!) Prozent. Ein deutliches Beispiel dafür, dass der „gemeine Ossi“ mit zunehmendem Alter an Gedächtnisschwund leidet. Anders kann ich es mir jedenfalls nicht erklären. Nein, keine Sorge, ich will hier nicht die These von den „blühenden Landschaften“ propagieren, aber ist denn wirklich alles schon vergessen:

- 30 Minuten in der Schlange stehen, um am Morgen beim Bäcker seine Brötchen zu bekommen;

- ein vertrockneter Blumentopf als Schaufenster-Deko beim Metzger;

- Orangen aus Kuba, die es nur an Weihnachten gab und den Namen nicht verdient hatten;

- mindestens 10 Jahre Wartezeit auf einen neuen Trabi oder Polska Fiat;

- „stille Post“ am Morgen in der Straßenbahn, aus lauter Angst, der vermeintliche Stasi-Spitzel nebenan könnte mithören;

- Ausbildungs- und Studienplätze, die Parteimitgliedschaft und Linientreue voraussetzten;

- heimliches West-Fernsehen, um nicht ganz von der übrigen Welt abgeschnitten zu sein.

Abgesehen davon trägt ein solches Umfrage-Ergebnis nicht gerade dazu bei, die Bereitschaft zum Soli-Beitrag der „Wessis“ zu erhöhen. Es überrascht aber auch nicht, schließlich wählt die Mehrheit in weiten Teilen des Landes auch die Partei eines gewissen Oskar Lafontaine, der schon vor Jahren erklärte, es wäre das Beste, die Mauer wieder hochzuziehen! Wein konnte man zumindest als Privilegierter in der früheren DDR übrigens auch kaufen: Niersteiner Gutes Domtal zu überzogenen DM-Preisen im Intershop! Der im eigenen Land angebaute Wein ging ausschließlich in den Export in die sozialistischen Bruderstaaten oder verschwand in den Weinkellern der Partei-Bonzen.

3 Kommentare zu “Ärgernis der Woche

  • wasa69

    Herr Würz, Sie vergessen, die nicht gerade wenigen Mauertoten zu erwähnen. Die von manchen betriebene Geschichtsverklärung ist mir nicht nachvollziehbar. Der von Ihnen angesprochene Genosse hat im Übrigen nur hochpreisige Franzosen und Supertoskaner im Keller seiner toskanisch anmutenden Villa, soweit ich weiß. Der Plempel fürs Volk! Hier hilft nur ein Zwangsjahr mit Restbeständen aus den DDR-Kolchosen/Weinbaugenossenschaften zur Läuterung.

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    • Dirk Würtz Post author

      @wasa69
      Ich habe gar nichts vergessen, da ich nicht ich, sondern Dr. Motz der Autor dieses Beitrages ist (den gibt es wirklich!). Da der hier aber natürlich mitliest, bin ich mir sicher, dass er Ihren Einwand aufnehmen wird.

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  • Charles

    Respekt! Wenn es mehr von solchen Ostzonen(jetzt und früher)-Experten wie Dr. Motz und wasa 69 gibt, und da bin ich mir ziemlich sicher, brauchen sich Lafo und Co. um ihre Zukunft wirklich keine Sorgen zu machen…

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