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Jahrgang 2011 – update

Nach den letzten Berichten über den zu erwartenden Jahrgang und den vielen Spekulationen, habe ich beschlossen, das Ganze jetzt regelmäßig zu begleiten. Vielleicht hilft es ja und macht einiges transparenter und verständlicher…

Obwohl es in den letzten Tagen ganz schön kalt war, haben die Reben weiter zugelegt. Ich habe heute diverse Reifemessungen gesehen, da hatte der Dornfelder schon 46 Oechsle, der Frühburgunder 63 Oechsle, der Spätburgunder 36 Oechsle, der Riesling 30 Oechsle und der graue Burgunder 43 Oechsle (Werte aus dem Rheingau). Die Trauben haben also 10 bis 15 Oechsle seit der vergangenen Woche zugelegt. Das ist mächtig. Man spricht mittlerweile vom frühesten Reifebeginn seit 1955 (da begannen die Aufzeichnungen im Rheingau). Wir sind jetzt sogar etwas weiter als in dem irrsinnigen Jahr 2003!!! Ich nehme einmal an, dass sich die meisten an dieses “Rekordjahr” noch erinnern können. Jetzt haben wir eine frühere Reife. Man stelle sich das einmal vor…

Die Trauben sehen nach wie vor sehr gut aus. Einige kleine Fäulnisnester habe ich gesehen, allerdings nur beim Weissburgunder. Ansonsten sieht das alles aus wie gemalt – auch was den Behang anbelangt. Was dabei allerdings herauskommt werden wir sehen. Der allgemein frühe Beginn der Lese ist wohl kaum noch aufzuhalten, mal sehen wer den Startschuß gibt. Den ersten Federweißer gibt es ganz sicher noch in diesem Monat…

Ganz grundsätzlich ist mir ein wenig mulmig zumute. Ich traue der ganzen Sache nicht so ganz. Ich hoffe einfach mal, dass es nicht großartig regnet und dabei warm ist. Das wäre sehr unschön. In den Mitteilungen der Weinbauämter wird in jedem Fall überall auf einen unbedingten Einsattz von Botrytiziden hingewiesen. Man rechnet mit einer erhöhten Botrytis-Gefahr… Ich bin ja kein großer Freund dieser Mittelchen, aber ich verstehe natürlich diese Warnung.

Grundsätzlich gilt weiterhin: Alles kann sein, nichts ist unmöglich und Daumen drücken, dass das Wetter hält! Nächstes update folgt dann kommende Woche.

14 Kommentare zu “Jahrgang 2011 – update

  • Harald

    Also ich habe heute andere Nachrichten von der Ökoberatung aus Oppenheim erhalten:

    “Reifestand: Auch wenn die Medien den frühesten Lesebeginn seit den Aufzeichnungen
    ausrufen, wird dies nur zum Teil eintreffen. Die ersten Reifemessungen zeigen ein Niveau von 2008 und 2009, was einen Vorsprung von etwa 20 Tagen vor dem langjährigen Mittel bedeutet (Rheinhessen, Pfalz). 2003 und 2007 waren dagegen noch ein paar Tage früher! Der kühle Juli und der gute Fruchtansatz haben ihre Spuren hinterlassen. Pfalz: Eine erste Vormessung der Frühsorten ergab bei Regent Mostgewichte von 49° Oe (Mostsäure 11,3 g/l) und bei Ortega von 64° Oe (Mos tsäure 15,7 g/l).Rheinhessen: Regent: 45 – 50 °Oe, Ortega: 55 – 60 °Oe, Huxelrebe : 45 bis 55 °Oe, Müller-Thurgau in früher Lage: 50 bis 55 °Oe und in später Lage bei etwa 40 °Oe. Riesling wird Ende der Woche an der Rheinfront das Stadium „Weichwerden“ erreichen.”

    Viele Grüße von der Mosel

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  • Werner Elflein

    Meine Frühburgunderreben tragen bereits vollständig durchgefärbte Trauben. Obwohl die Beeren noch recht sauer schmecken, bin ich doch sehr überrascht über die frühe Reife, selbst bei dieser Sorte. Dabei hatte ich die Rebstöcke ursprünglich in Neuss gepflanzt, um vermeintliche klimatische Nachteile ausgleichen zu können.

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  • S.

    Laienansicht auf der Basis von drei Gesprächen mit Winzern im Breisgau: es wird mit einer Lese mindestens 3 Wochen früher als im Mittel der letzten Jahre gerechnet. In der 2. Septemberwoche wird die Lese ziemlich sicher schon losgehen. Parallelen zu 2003 habe ich auch gehört, allerdings mit dem Unterschied, dass in 2003 die Reife ab Juli wegen der großen Hitze galoppierte, während der Reifeverlauf dieses Jahr zwar früher einsetzt, aber auch etwas gleichmäßiger stattfindet.

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  • Thorsten Kogge

    @ Werner: Ich wusste gar nicht, dass Du auch Wein machst! ich bestelle hiermit den Elflein 2011 in Subscription..sozialverträgliche Preisgestaltung vorausgesetzt, wovon ich bei Dir ausgehe.

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  • Felix Peters

    In meinem Kaffeesatz habe ich gelesen bzw. mein Gefühl sagt mir, das am Roten Hang die Riesling Lese vom Termin her ähnlich sein wird wie 2007 oder 2009. Die hohe Anzahl an Trauben pro Stock und die kühlen Nachttemperaturen werden die Riesling Reife sicherlich etwas hinziehen. Ich habe schon leicht weiche Beeren beim Riesling in Rheinnähe gefunden. Andere Riesling Lagen zeigen noch keine Bestrebungen weich zu werden. Die Spätburgunder färben langsam aber sicher um.
    LG Felix

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    • Dirk Würtz Post author

      @Harald und Felix
      Ich beobachte im Rheingau das ähnlich, wobei die Unterschiede der Lagen schon ganz gewaltig sind. Hier ist die Entwicklung durchaus als rasant zu bezeichnen. Klar ist aber auch, dass die Mitteilungen der Ämter immer differenziert zu betrachten sind.

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  • Werner Elflein

    Thorsten, ich habe nur drei/vier Rebstöcke mit Frühburgunder und zwei mit Riesling. Den Verrückten, der bereit ist, den Ertrag für mich zu vinifizieren, suche ich noch.

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  • Harald

    @ Dirk Es wird sehr große Unterschiede bei der Reife geben, die Ertragsabhängig sein werden. Aber warum spekulieren? Abwarten bis es so weit ist, die Weinwerdung abwarten und dann weiß man mehr.

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  • Werner Elflein

    Mal eine Frage an die Experten: Ich beobachten bei meinen Neusser Rebstöcken (stehen im Garten meines Bruders), dass sich vor allem beim Frühburgunder die Blätter bereits verfärben, gerade so, als stünde der Herbst unmittelbar vor der Tür. Daneben bei den beiden Rieslingstöcken ist das noch nicht so extrem. Hat jemand eine Idee, woran das liegen könnte?

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