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Deutscher Wein in der Deutschen Bahn

Seit kurzem gibt es in den Bordrestaurants der DB nur noch deutschen Wein. Auch gut, oder auch nicht, je nachdem woher man kommt…

Die Deutsche Bahn (DB) schenkt nur noch deutschen Wein aus. Das hat schon an manchen Stellen im Netz zu heftigen Diskussionen geführt, die ich hier nicht noch einmal wiederholen will. Es ist jetzt eben so, und damit hat es sich. Mich freut das – das ist aber auch kein Wunder.

Heute hat mir die DB ein Paket zugesandt. Inhalt: Alle Weine die es gibt, eine Weinkarte und ein Anschreiben. Wie hinlänglich bekannt ist, mag ich solche Probenzusendungen nicht sonderlich und eigentlich probiere ich die auch nur in den seltensten Fällen. Heute habe ich eine Ausnahme gemacht. Und da das Ganze ja auf einen glasklaren Interessenkonflikt (der Würtz macht Wein in Rheinhessen und im Rheingau) zusteuert, habe ich mir drei Probanden besorgt, die alles probieren durften. Keiner der anwesenden Testpersonen hat beruflich etwas mit Wein zu tun. Es waren zwei Damen und ein Herr aus der Zielgruppe der Bahnfahrer. Nachfolgend „Dame 1“, „Dame 2“ und „Herr“ genannt. Ich war quasi nur der Chronist, jedenfalls was die wertenden Äußerungen anging, und rede ab sofort nur noch in der dritten Person von mir ;-)

Was in so einem Angebot natürlich nicht fehlen darf, ist deutscher Sekt. Gleich zwei verschiedene waren in dem Paket. Rotkäppchen, der Marktführer, mit einer 0,2 Liter Flasche für 5,90 Euro. „Trocken“ steht auf dem Etikett, was bei Sekt nichts anderes heißt als süß… Mehr war dazu den Probanden nicht zu entlocken…

Der zweite Sekt ist von Allendorf aus dem Rheingau, heißt „Mönch“ und ist ein 2009 Riesling brut. Die 0,2 Liter Flasche kostet 8,20 Euro.

Dame 1: Nicht schlecht, Herr Specht. Frisch, knackig, mag ich!

Dame 2: Könnte man mit in den Urlaub nehmen…

Herr: Ne… ich nehme doch keinen Sekt mit (die zwei sind verheiratet…). Außerdem ist der mir zu kurz…

Dame 2: Kurz…? Quatsch, Du hast keine Ahnung

Fazit: bei den Damen kam der Sekt an, beim Herrn nicht wirklich. Dem Chronisten hat er geschmeckt.

Der erste Wein war von Brogsitter. 2010 Grauburgunder aus Rheinhessen. Ein Abfüller des Handelshauses Brogsitter, das eigentlich an der Ahr sitzt. 0,25 Liter für 6,30 Euro. Typische Grauburgundernase: Unterholz, Champignons und Wald, alles feucht… irgendwie…

Dame 2: Der Wein is a weng… (sie kommt aus Franken…)

Herr: Gefällt mir gut!

Dame 1: Irgendwie dumpf und erinnert mich an Milch.

Dame 2: Jetzt weiss ich es! Der Wein is a weng kurz.

Herr: Wenn Du eine kurze Zunge hättest, hättest Du mehr vom Wein.

Wein Nummer zwei kommt ebenfalls aus Rheinhessen und zwar vom Weingut Keth. 2010 Weissburgunder trocken. Auch ein Abfüller – also nicht aus eigenen Trauben hergestellt, was nicht weiter dramatisch ist. 7,40 Euro ist der Preis für die kleine Flasche. Auf dem Rückenetikett steht etwas von Birnen – und tatsächlich kann man die deutlich riechen und schmecken. Dem Chronisten gefällt das, zumal der Wein ganz spritzig und frisch ist.

Dame 2: Mmmh… Birne…aber nicht so intensiv

Dame 1: Na ja…

Herr: Ihr müsst das Glas schwenken, dann kommt auch die Birne

Dame 2: Seit wann kennst Du dich aus?

Dame 1: Leicht parfümig…

Dame 2: Schmecken tue ich die Birne jetzt auch… aber nicht sooo lange

Der dritte Weisswein ist dann endlich ein Riesling. 2010 Riesling Classic vom Weingut Barth aus Hattenheim im Rheingau. Erstaunlich intensive Farbe für einen „Zwanzigzehner“. Dieser Wein entfachte am Tisch eine hitzige Debatte, die der Chronist mangels der Fähigkeit des Schnellschreibens nicht aufnehmen konnte. Das Fazit ist ungefähr so: Die Damen mochten den Wein nicht wirklich, fanden ihn zwar ganz gut, wollten ihn aber nicht trinken. Der Herr und der Chronist sahen das anders und haben die Flasche geleert. Waren ja nur 0,2 Liter… Zitronig ist er und natürlich nicht trocken. Der Chronist ist überzeugt, dass der Wein bei der DB gut gehen wird – und er muss das nicht sagen!

Rotwein. Die Genossenschaft „4 Jahreszeiten“ aus der Pfalz steuert einen 2010 Portugieser zum Programm bei; Preis für die kleine Flasche: 6,30 Euro. „Nichts ist fieser, als Portugieser“, ist einer der Lieblingssprüche des Chronisten… Das ist natürlich ein Scherz. Portugieser ist gut, vorausgesetzt man macht es richtig. Die Hoffnung des Chronisten ist es ja, dass Portugieser einmal zur zweiten Leitrebsorte, nach dem Pinot , hier bei uns wird.

Dame 1: Nase o.k

Herr: Pfhh… Nase… man kann ihn mit Spaß trinken. Wer will da noch riechen!

Dame 1: Ist mir etwas zu rapsig… oder wie heißt das? Gerbig? Was weiss ich, es kratzt halt ein wenig.

Dame 2 verträgt keinen Rotwein und riecht nur. Zu dem Wein hatte sie aber keine Riech-Meinung.

Weiter geht es mit der Königin des Rotweins. 2007 Spätburgunder von August Kesseler aus dem Rheingau. Auch ein Abfüller, 8,20 Euro pro kleines Fläschchen.

Dame 1: Riecht nach Assmannshausen (Anm. des Chronisten: Sie hat Recht!)

Dame 2: Das riecht so gut, dass muss ich gar nicht trinken. Riechen langt schon.

Dame 1: Lecker! Das bestelle ich mir, wennich das nächste Mal meinen Platz im Speisewagen verteidigen muss.

Dame 2: Blöde Allergie. Mir egal, ich trink den jetzt!

Anmerkung des Chronisten: Das ist schon richtig guter Stoff (das war jetzt ganz wertfrei!).

Der letzte Wein kommt wieder aus Rheinhessen. Er heißt „Urschrei“, warum auch immer, ist aus dem Jahr 2009 vom Weingut Lorenz (ist hier ganz in der Nähe), „öko“ und kostet 7,40 Euro. Ein grosses Cuvée aus Dornfelder, Regent, Cabernet und Portugieser. Kräftig, würzig, dicht und eher maskulin.

Dame 1: Schmeckt irgendwie… warm…

Herr: Sehr gut! Geht gleich in den Kopf. So mag ich das!

Dame 2: Ich mag lieber den Spätburgunder.

Dame 1: Leicht ruppig. Eher so der Männerwein

Herr: Den trinke ich, dass ist meiner!

Und was ist das Fazit der kleinen Verkostung?

In jedem Fall ist bei den Probanten jetzt angekommen, dass es guten deutschen Wein gibt, sogar bei der DB. Mokiert wurde ein wenig die Preisgestaltung. Alles in allem ist das Angebot, gemessen an den kleinen Portionsflaschen, doch eher hochpreisig. Natürlich wird man dafür im Speisewagen auch  bedient, aber wirklich günstig ist das Ganze natürlich nicht. Im Schnitt legt man über 7,00 Euro für ein Glas Wein (mehr ist es ja nicht) hin. Das ist üppig, aber meiner Meinung nach gerade noch so in Ordnung. Es soll sich ja auch keiner ins Koma saufen, im Speisewagen. Es langt, wenn das die ganzen Ausflügler in den Großraumabteilen machen!

Zur Entstehung:

Nachdem die DB mit der “Deutschwein-Idee” an das Deutsche Weininstitut (DWI) herangetreten war, gab es eine Ausschreibung, bei der 250 Weine und Sekte aus über 100 Weingütern teilgenommen haben. Ausgewählt wurden die Weine in einer zweitägigen “Blindprobe” von einer “Fachjury” bestehend aus Mitarbeitern der DB, des DWI und einigen Weinjournalisten. Keleine persönliche Anmerkung: Ich würde zu solchen Proben auch einmal einige ganz normale Konsumenten einladen. Schließlich geht es ja auch um die…

9 Kommentare zu “Deutscher Wein in der Deutschen Bahn

  • Heinz Magnus

    Die Idee mit der Versuchsanordnung hat mir gefallen. Aber im Anschluss an die Bemerkung zu den “Ausflüglern” im Großraumwagen (vielen Dank für die Erwähnung,lieber Herr Würtz) möchte ich noch etwas anderes loswerden. Am Samstag vor zwei Wochen war ich am Vormittag mit einer Gruppe von 10 mir anvertrauten Jugendlichen zwischen 11 und 17 Jahren im Großraumwagen IC 2. Klasse (die ich solo vermeide) zwischen Köln und Mannheim unterwegs. Hinter uns 2 angetrunkene Pärchen um die 25 mit Musikunterstützung, vor uns 8 Midlife-Damen mit ständig steigendem Alkohol- und Krakeelpegel. Mit einem Wort: was da läuft, ist (bei einem vollbesetzten Wagen)absolute Rücksichtslosigkeit. Bitten um ein wenig Rücksichtnahme werden verwundert oder mit Agression entgegen genommen. Schaffner(innen) halten sich – was ich verstehe – vornehm zurück. Ob die Bahn da etwas unternehmen möchte? Vielleicht liest hier jemand mit. Für mich kommt bei nahen Zielen nur noch der PKW in Frage, wenn’s weiter geht,dann durch die Luft.
    Beste Grüße
    Heinz Magnus

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  • Volker

    Witzig geschrieben, gerne mal mehr davon :-)
    Was mich wundert, warum die Auswahl so Rheinhessen / Rheingau-lastig ist? Hatten die anderen Weinbauregionen nichts Gutes angestellt oder waren die so in der Unterzahl?

    Preislich finde ich es ganz schön happig, immerhin sitze ich hier nicht in einem Restaurant oder schönen Weinlokal mit passendem Ambiente, sondern in einer Plastikumgebung, schaukelnd und werde von Jemandem in mehr oder weniger passender Dienstuniform bedient.

    Will die Bahn Leute in den Speisewagen und zum Weintrinken bekommen oder nicht? Und sind das nur Geschäftsleute und die kratzt es nicht, wegen Spesen?

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  • Thorsten Kogge

    An sich ist es eine tolle Werbung für den deutschen Wein, in der Bahn serviert zu werden. Aber wie die Vorredner verwundert dann die Auswahl aus nur 2 Regionen (wobei man sich ja hier einen turnusmäßigen Wechsel vorstellen könnte!) und der Durschnittspreis ist mit über 7 € eindeutig zu hoch! Bei einer imaginären 0,75 Flasche wären wir bei ca. 25 €. Damit zementiert man mal wieder das Image von Wein als “Nobel” und nur für die “bessere Gesellschaft” verfügbar während der Pöbel gefälligst Bier trinkt. Auch im Vergleich zu Weinlokalen, von denen viele bereits Wein im offenen Ausschank für 3.50 oder 4 € anbieten, ist das sehr hochpreisig angesetzt. Klar, da kommt ein Catering-Aufschlag hinzu..aber so viel?

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    • Dirk Würtz Post author

      @Alle
      Ich hatte neulich in der Bahn eine vollausgebildete und extrem kompetente Servicekraft im Speisewagen!

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  • Thorsten Kogge

    @ Dirk: Klar, die will bezahlt werden..aber a) gibt es an vielen anderen Orten wo auch geschultes Personal arbeitet die Weine im Ausschank günstiger und b) verlangt die Bahn insgesamt hohe Preise bei ihren Produkten im Bistro und Speisewagen..2,80 für einen Kaffe? Und dann eher dünner Filterkaffee? hm. Ich glaube es ist der hohe Aufpreis für die Produkte, die diesen hohen Verkaufspreis erklären. Die Rotkäppchen-Flasche kostet im normalen Verkauf ca. 1.50 €, da hat die Bahn den Preis also mehr als verdreifacht. Ka-Ching macht die Kasse da.

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  • Frank Schulz

    vorab: Für mich überwiegen die positiven Aspekte der Aktion bei weitem; für die Branche und die Pflege des sensiblen und bei vielen außerhalb der Szene und Anbaugebiete erst dämmernden deutschen Selbstbewusstseins, tatsächlich(!) eine Weinnation zu sein (ohne dusselige Volkstümelei).

    Fakt ist, es entstehen DB Lagerkosten an 10 Standorten in Deutschland, es muss viel Ware hin- und hergefahren werden, die Logistik an Bord ist eine Herausforderung.
    Immer wenn ich mich in einer Großstadt an einen gedeckten Tisch setze und gastronomischen Service erwarte, wird es nicht viel günstiger – und da sause ich nicht auf Schienen durch’s Land.
    Und: Klar muss DB auch verdienen. Um der Sache gerecht zu werden, sollte man daher nicht Preise der Erzeuger oder Gaststätten in Anbaugebieten als Maßstab anlegen.

    Jetzt gilt es unvoreingenommen zu verfolgen, wie die Wirkung der Aktion sich entfaltet. Entspannt, bei einem Glas Wein und interessanter Zeitungs-, Weinportal- oder Blog-Lektüre.

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  • Thorsten Kogge

    @ Frank: So sei es, okay..(und trotzdem versteht niemand, warum einen Zug zu beliefern soviel mehr kosten soll als ein Restaurant in der Innenstadt..die DB leistet sich eigene Wein-Lager? Interessant. In anderen Bereichen ist man längst zu Direktlieferung über gegangen..Logistik kann so vereinfacht werden). Als Maßstab hatte ich diverse Lokale in der Kölner und Berliner Innenstadt vor Augen, nicht unbedingt in den Weinbaugebieten. Aber gut..lassen wir das Aufrechnen.

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  • Sven Zerwas

    Ich habe heute im Gegenzug den Rotwein von Ryanair bei meinem Nachbarn erleben können, Cuvée aus Tempranillo und Merlot aus Spanien, abgefüllt in Frankreich 1/4 Flasche 5,95 €, der Duft, der mir 2 Sitze weiter entgegen geschlagen ist, war schon richtig unangenehm, oxidativ und hat mich an so manchen Wein der Vinocamp Verkostung der meistverkauften Markenweine erinnert. Dann doch lieber mit der Bahn fahren und deutschen Wein geniessen.

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