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Ein Blick in die Leitmedien – Thomas Leif

Ich muss schon sagen, ich bin erstaunt… erstaunt über das, was sich in den “Leitmedien” so abspielt. Ganz besonders über einige der Hauptdarsteller.Der Anlaß meines Erstaunes ist Thomas Leif. SWR-Chefreporter und Gründer des “Netzwerk Recherche”. Weinfreunden ist Leif wohlbekannt. Vor vielen Jahren hat er in einem Bericht für “Report Mainz” den “Gault Millau” kritisch betrachtet. Das Stück war damals ein veritabler Aufreger, weil sehr tendenziell und einseitig. Da kamen Leute zu Wort, die, dass war mehr als deutlich, stolz waren, auch einmal etwas in eine Kamera sagen zu dürfen. Gebracht hat es nebenbei bemerkt absolut gar nichts. Vor wenigen Jahren hat er sich dann noch einmal mit Wein beschäftigt und einen “Skandal” aufgedeckt. Leif ist, das ist unumstritten, eine Größe, wenn es um das Aufdecken von Skandalen geht. In der Regel macht er das auch sehr gut. In den oben genannten Fällen war das alles aber eher suboptimal. Leif ist ein streitbarer und natürlich auch umstrittener Journalist.

Bis vor wenigen Tagen war Leif der Vorsitzende des “Netzwerk Recherche”. Von diesem Amt ist er jetzt zurückgetreten. Warum und weshalb, ist hier und hier in epischer Breite nachzulesen. Spannend ist in diesem Kontext auch ein Interview mit Hans Leyendecker, einer weiteren Größe des investigativen Journalismus.

Da soll es also zu Unregelmäßigkeiten bei Abrechnungen von Fördergeldern gekommen sein. Diese Fördergelder kamen von der Bundeszentrale für politische Bildung. Dass das “Netzwerk Recherche” durchaus förderwürdig ist, steht für mich völlig ausser Frage. Gerade in Zeiten des “Lügenfernsehens” (dazu später noch eine kleine Anmerkung), ist eine saubere und ordentliche Recherche wichtiger und wertvoller denn je. Eigentlich sollte man das von den gelernten Journalisten auch erwarten. Wenn ich, als Blogger, einmal einen Fehler mache, dann ist das wohl eher einmal zu verzeihen. Auch wenn es nicht passieren sollte. Was ich allerdings nicht nachvollziehen kann ist, wie es diesen Profis passieren kann, allem Anschein nach 75.000 Euro falsch abzurechnen. Journalisten, die mit investigativen Recherchen beschäftigt sind und gerade deshalb wissen müssten, dass solche Fehler tödlich sein können. Tödlich deshalb, weil alle nur auf solche Fehler warten. Warum und weshalb das Ganze so passiert ist, wird die Zeit zeigen. War es ein Versehen, eine Unachtsamkeit, Absicht oder Eitelkeiten geschuldet. Wer weiss…

Und jetzt noch einmal kurz zum “Lügenfernsehen”. Vor zwei Monaten habe ich hier auf meinem Blog schon einmal über einen Beitrag des NDR berichtet, der mir sehr gefallen hat. Der kam gestern Abend wieder im TV, als “Panorama Spezial”. Er war ein wenig anders als der, den ich zuerst gesehen hatte. Auch hier gibt es heute einiges auf “meedia.de” an Kritik zu lesen. Davon mag einiges zutreffen, meine grundsätzliche Meinung über diese Art von TV ändert sich dadurch nicht. Im Gegenteil, sie wird eher noch bestärkt.

Dabei fällt mit wieder dieses grundsätzliche Thema von “Rechten und Pflichten” ein. Insbesondere für jemanden wie mich, der kein Journalist ist, damit keinerlei journalistische Rechte besitzt, aber wenn es um die Pflichten geht wie einer behandelt wird. Abmahnungen, Unterlassungserklärungen, Gegendarstellungen. Allen diesen Dingen muss ich nachkommen, Rechte habe ich als kleiner, doofer Blogger aber keine. Neulich wollt ich von einem Staatsanwalt zu einem bestimmten Thema eine Auskunft. Der hat mich am Telefon ausgelacht, als ich sagte ich sei Blogger. Ich solle mich akkreditieren lassen, dann würden wir weiter sehen… Ich habe das dann einfach mal versucht. Ganz offiziell beim Journalistenverband. Die haben fast genauso gelacht…

12 Kommentare zu “Ein Blick in die Leitmedien – Thomas Leif

  • Joerg Utecht

    Voraussetzung für die Erlangung des “offiziellen” Presseausweises ist die Hauptberuflickeit. Zumindest formal. Mit der Art des Mediums hat das erst einmal nichts zu tun.
    Wie überall im Leben gibt es natürlich Mittel und Wege. Grauzonen. Fragwürdiges.
    Lange Jahre als “hauptberuflicher” Journalist habe ich den Ausweis kaum einmal benötigt. Denn unter Journalisten ist er inzwischen zum Schwert der Spesenritter verkommen, die sich so Vergünstigungen erschleichen.
    Da ich nun beruflich PR mache und feierabends blogge, brauche ich ihn auch nicht.
    Den Staatsanwalt übrigens würde ich hier einfach namentlich nennen – selbst Behördenvertreter sollen ja lernfähig sein…

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  • Weinkaiser

    Nach dem letzten (mir bekannten) Wein-Beitrag von Thomas Leif habe ich mich beim SWR per Email über Fehler im Beitrag und die Art und Weise der Interviewführung beschwert. Es gab im Beitrag mehrere extrem kurze Winzerstatements, bei denen sich (zumindest wenn man die Winzer und ihre Haltung zu einzelnen Fragen kennt) der Eindruck aufdrängte, sie seien absichtlich so kurz gewählt um sie aus dem Zusammenhang zu reißen.

    Neben einer freundlichen und sachlichen Antwort der Redaktion bekam ich eine Mail von Leif selbst, in der er mir androhte, mich zu verklagen…

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  • Weinkaiser

    Nix mehr. Ich habe ihm darauf nicht geantwortet und er hat mich nicht verklagt. Zu meiner damaligen Kritik (ist sicher zwei Jahre her) stehe ich auch heute noch.

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  • Rolf

    Also, einen offiziellen (staatlich anerkannten) Presseausweis gibt es schon lange nicht mehr. Es liegt letztlich immer im Ermessen der jeweiligen Stelle, ob sie einen Presseausweis anerkennt. Wichtig ist aber, das staatliche Stellen gegenüber Journalisten auskunftspflichtig sind. Und Journalist ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Für so genannte Fachjournalisten (das bist Du ja mit dem Weinthema allemal) gibt es den DFJV, dort kannst Du Dein Glück mal versuchen. Die schließen zwar “Hobbyjournalisten” aus, nicht aber diejenigen, die “regelmäßig und dauerhaft” arbeiten. Versuchs doch mal :-)

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  • Mario Scheuermann

    Der von mir beanstandete Beitrag kam immerhin vor den Fernsehrat. Aber genützt hat das auch nichts. http://www.best-of-wine.com/sms-board.htm?sms=2315

    Auch musste ich mir von einem festangestellten Kollegen eines Frankfurter Intelligenzblattes Drohungen (“Sie werden schon sehen, was Sie davon haben) und Beschimpfungen (schle3chter Journalismus) anhören. Wie ich windiger Geselle denn es wagen könnte dem Gralsritter des einzig wahren und kritischen Journalismus ans Bein zu pinkeln. Der Kollege bestellte dann einen Newsletter ab, weil dieser unseriös sei. Davon das Leif gelogen hatte und bei mir die schriftlich belegte Wahrheit stand, liess sich dieser namhafte Qualitätsjournalist nicht überzeugen.

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  • Kurt J. Zuckermann

    Österreich, Du hast es (wieder einmal) besser. Nicht weil es bei und keine kritisch zu diskutierenden Journalisten oder Staatssender gäbe, sondern weil bei uns die gesetzlichen Rahmenbedingungen für journalistische Tätigkeit vernünftiger geregelt sind. Und weil die meisten Amtsinhaber (nicht nur Staatsanwälte) den neuen Medien viel aufgeschlossener gegenüber stehen. Vielleicht weil sie ein Auge über den grossen Teich geworfen haben und gesehen haben, dass die klassischen Medien, besonders Print, dort schon Dead Men Walking sind. Oder weil sie die Vision des ‘Vaters des WWW’, Sir Berners-Lee, bei der W3C 2010 gehört haben, dass in Zukunft jedermann sein Blog schreiben wird und es wegen dem Überangebot dann ohnehin keiner mehr lesen wird…

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  • Gilli Vanilli

    jaja wer zuletzt lacht – die macht des Internets, der Bloggerwelt usw. haben schon so einige zu spüren bekommen

    die lachen dann später mal nicht mehr, irgendwann werden es auch die letzten Hinterwäldler noch lernen

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