Alles über Wein und den Rest der Welt…

Ärgernis der Woche

Wie immer von unserem Dr. Motz. Wie teuer sind Beleidigungen?

Der Pfälzer an sich gehört – sagen wir es mal so – sicherlich einer ganz eigenen Spezies an. Nicht nur deshalb, weil er seinen Wein am liebsten aus Gefäßen trinkt, die allein schon von ihrem Fassungsvermögen her in anderen Landstrichen eher als Blumenvasen durchgehen würden. Auch sonst ist der gemeine Pfälzer eine ganz eigenwillige Erscheinung, was durchaus positiv zu sehen ist. Der Auffassung, daraus auch seine eigenen Rechte ableiten zu können, wurde jetzt allerdings von höchstrichterlicher Seite Einhalt geboten.
 
Hintergrund: Ein Pfälzer hatte auf die Ermahnung zweier Polizisten mit dem Satz „Ihr könnt mich am Arsch lecken“ reagiert und war damit in erster Instanz auch durchgekommen. Das zuständige Amtsgericht hatte mit dem Verweis auf pfälzischen Sprachgebrauch darin noch keine Beleidigung gesehen. Vielmehr hätte der Mann damit zum Ausdruck bringen wollen, dass die Beamten ihn doch einfach in Ruhe lassen sollten.
 
Eine Argumentation, der sich die nächst höhere Instanz im Berufungsverfahren nun allerdings nicht anschließen mochte. Die dritte Strafkammer des Landgerichts Kaiserslautern hob das erste Urteil auf und verdonnerte den 43-Jährigen, der sich trotz mehrfacher Aufforderung im Hauptbahnhof nicht vom Rauchen abhalten lassen wollte, zu einer Geldstrafe von 600 Euro. Welcher Landsmannschaft der gestrenge Richter angehört, ist im Übrigen nicht bekannt.
 
Was lernen wir daraus: Rauchen ist nicht nur gesundheitsgefährdend, sondern kann auch ganz schon ins Geld gehen. Um solcherlei „Missverständnisse“ künftig zu vermeiden, gibt es nur einen Weg: Ein Bußgeldkatalog muss her, der nicht nur – je nach Beleidigungsgrad – verbindlich festlegt, welche Wortwahl mit welcher Auflage zu ahnden ist, sondern auch, welches muttersprachlich eingeübtes Idiom in analoger Anwendung des hochdeutschen Sprachgebrauchs als Beleidigung zu verstehen ist.
 
Dann kann ich mir von vornherein überlegen, ob ich es mir leiste, den anderen für 350 Euro einen „Vollidioten“ zu nennen, oder es aus Kostengründen doch lieber bei einem einfachen „Depp“ belasse, den es – je nach Landstrich – als Schnäppchen schon ab 120 Euro gibt.

Anmerkung des Blogggwarts: Ich bin Pfälzer und so wie Dr.Motz uns eingangs beschreibt, kann uns nur ein Badenser sehen…

9 Kommentare zu “Ärgernis der Woche

  • Producer

    Einen Bußgeldkatalog für Schimpfwörter nach Beleidigungsgrad? Das ist jetzt Ironie, oder?

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  • Thorsten Wießner

    Da wäre ein “App”-likation doch toll – Du gibtst dann ein, was dir die Beleidigung wert ist, das GPS ermittelt den Ort und schägt Dir dann verschiedene Beleidigungen vor…; -))

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  • Eckhard Supp

    Das mit dem “Badenser” für die Badener ist aber jetzt auch nicht richtig nett. Ich würde ein geringes Bußgeld von EUR 15,- vorschlagen, im Wiederholungsfalle von EUR 50,-.

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    • Dirk Würtz Post author

      @Eckhard Supp
      Das mit dem “Badenser” war volle Absicht, ich weiss natürlich, dass das “Badener” heißen muss :-) Als Bußgeld halte ich in diesem Falle 15 Cent für angemessen…

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  • Gilli Vanilli

    Ich halte eine konkrete Bussgeldordnung für bestimmte Schimpfwörter auch für sinnvoll!!!!

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  • Thorsten Kogge

    Wie hoch ist das Bußgeld, wenn ein edelsüßer Wein wie eine Beerenauslese von Robert Weil als “Zuckerwasser” bezeichnet wird und der Mensch keinen Unterschied erkennt zu einem süß gepanschten Wein?

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  • Thorsten Kogge

    Werner, hab ich bisher noch nicht getrunken. So schlimm? Der Gault Millaut feierte ihn 2006 als eine Neuentdeckung des Jahres..aber was heißt das schon, hm?

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