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VDP Lagenklassifikation – eine kleine Revolution…

Der VDP – die Prädikatsweingüter – sind so etwas wie die qualitative Speerspitze des deutschen Weinbaus. Sicherlich gibt es auch herausragende Weingüter, die nicht im VDP sind, aber im Großen und Ganzen spiegelt der VDP die absolute Spitze des deutschen Weinbaus wider.

Der VDP hat eine verbandsinterne Weinklassifikation, die relativ klar und deutlich ist. Theoretisch zumindest. Bei diesem Klassifikationsmodell handelt es sich um eine dreistufige Pyramide. Gutswein – Ortswein – Lagenwein. Wobei der Lagenwein ausschließlich aus klassifizierten “ersten Lagen” kommen soll, oder besser gesagt, muss. Aus diesen Lagen kommen die “Grossen Gewächse” (im Rheingau die “Ersten Gewächse”) und die fruchtsüßen Prädikatsweine. Eine klare und deutliche Geschichte, sollte man meinen. Betrachtet man sich die Realität dieses Modells, so wird schnell klar, dass es hier noch einiges an “Feinjustierung” braucht. Das hat der VDP erkannt, und das ist gut!

Gestern war die Mitgliederversammlung des Verbandes und schon heute ist auf der Seite des VDP folgender Passus zu lesen:

Steffen Christmann, seit 2007 Präsident des VDP, sprach in seinem Bericht zunächst die aktuelle Weinbaupolitik an. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die neuen Regierungen in Rheinland-Pfalz mit Weinbauministerin Höfken und in Baden-Württemberg mit Minister Bonde Qualität vor Quantität fördern und dies in der von der EU geforderten Herkunftshierarchie deutlich machen werden. Diese Reform des Weingesetzes folgt konsequent der von den Prädikatsweingütern 2002 privatrechtlich etablierten Lagenklassifikation, die zu einer Trendwende auf dem Markt der deutschen Spitzenweine beigetragen hat, durch die Festsetzung von Rahmenbedingungen nach dem Motto „Je enger die Herkunft, desto strenger die Qualitätsanforderungen.

Dennoch sei es wichtig, auch die VDP-Lagenklassifikation weiter zu entwickeln, um Mängel, die die Güter selbst wie auch der Markt erkannt hätten, nach zu justieren. Eine noch konsequentere Nutzung der Lagen ausschließlich für die Spitze und eine Stärkung des Mittelsegments ist notwendig, um für den Konsumenten eine noch verständlichere Klassifikation zu schaffen.

Wenn man diese Verlautbarung genau liest, auch zwischen den Zeilen, dann kommt das Ganze einer kleinen Revolution gleich. Im Grunde heißt das nichts anderes, als dass der VDP über die Einführung eines echten “Grand Cru” nachdenkt. Darunter könnte dann ein “Premier Cru” kommen. Eine, wie ich finde, sehr sinnvolle und überfällige Justierung. Das bedeutet allerdings auch, dass alle “Erste Lagen” einer erneuten Überprüfung unterzogen werden müssen. Und da liegt der “Hund begraben”. Das wird sicherlich alles andere als einfach und leicht duchsetzbar. Wer will schon künftig seinen bisherigen Grand Cru “nur” noch als “Premier Cru” vermarkten. Insbesondere im Rheingau, mit seiner gesetzlichen Klassifizierung der “Ersten Gewächse”, dürfte das auf heftigen Widerstand stoßen.

Ich persönlich halte diesen Schritt einer noch engeren Abgrenzung für den auf Dauer einzig richtigen Weg. Auch dann, wenn dabei einge bisherige Weine – oder Lagen – abgestuft werden. Ein “Grand Cru” MUSS über jeden Zweifel erhaben sein. Der kann und darf nur aus den absoluten Spitzenlagen kommen. Alles andere ist eine Verwässerung des Prinzips und auf Dauer nicht förderlich. Betrachtet man sich die qualitative Heterogenität der “Großen- und Ersten Gewächse” der letzten Jahre, dann realisiert man schnell, wie wichtig dieser Schritt des VDP ist. Insofern ziehe ich den Hut vor dem gestriugen Entschluß, das Ganze auszuarbeiten und auf den Weg zu bringen.

43 Kommentare zu “VDP Lagenklassifikation – eine kleine Revolution…

  • Thomas

    Ich finde das völlig Absurd eine solche Klassifikation einzurichten deren Basis ein Verein ist der sich schützt und nicht für jeden offen ist! Das erinnert mich an das indische Kastensystem! Es kann doch nicht sein das Lagen von Mitgliedern automatisch besser sind als Lagen von Nichtmitgliedern? Hier will sich eine kleine geschützte von Weinführern promotete Elite auf Kosten der Allgemeinheit etablieren un abgrenzen!! Es wurde in Deutschland schon einmal versucht die Lagen in 1er, 2er und 3er Lagen zu klassifizieren, das war völlig daneben und wurde zu Recht abgeschafft! Ich halte ein solches Konstrukt für schädlich, trennend und wird für Generationen einen ungerechten Zustand besiegeln. Die Qualität im Glas MUSS immer höher einzuschätzen sein als eine evtl. edle Herkunft!

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    • Dirk Würtz Post author

      @Thomas
      Ganz ruhig Brauner… ;-) Auch ich fände es großartig, wenn diese Klassifikation allen offen stünde. Ist sie aber (noch) nicht. Wobei ich gar nicht mal so sicher bin, ob sie das nicht doch ist. Ich meine mich zu erinnern, irgendwann, irgendwo einmal gelesen zu haben, dass ein GG auch nicht VDPlern offen steht. Wie dem auch sei. es ist nun einmal ao, dass “Eliten” in der Regel “Schrittmacher” von bestimmten Entwicklungen sind. Ich habe beide Begriffe absichtlich in Anführungszeichen gesetzt. Ich glaube auch nicht, dass eine derartige Klassifizierung ungerecht sein kann. Wie kommst Du darauf?

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  • Thorsten Kogge

    Ich denke, ich muss Thomas zustimmen. Klassifikationen können “ungerecht” (ein sehr problematisches Wort, da kann man sehr lange drüber diskutieren, abergut) sein, insofern sie drei Effekte haben/haben können: 1. Eine Konzentration von Aufmerksamkeit auf Wenige und weitreichende Imitationskäufer- und kroduzenten, die der “Elite” hinterherrennen. 2. Hochklassififizierte Güter können Klassifikationsrenten einfahren und diese vererben. Vererbter Besitz und Eigentum ist immer eine soziale Ungleichverteilung von Chancen. Macht in dem Markt bedeutet dann, dass diese Elite gleichzeitig die Regeln des guten Geschmacks wesentlich bestimmt, die rein zufällig immer die eigene Position festigen. Das kann sicherlich auch positive Effekte für eine Region haben (Leuchttürme etc.), der Rheingau ist da sicherlich ein gutes Beispiel. Es bedeutet aber auch, das andere Regionen und Produzenten selten in der Lage sind, an bestimmten Wettbewerben in der oberen Liga teilzunehmen, insbesondere was die Preise für Flaschenweine angeht – selbst wenn die Weine bei Blindverkostungen gut abschneiden. Hm?

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    • Dirk Würtz Post author

      @Thorsten
      ich sehe das Problem nicht. Letztendlich entscheidet der Konsument. Eine solche Klassifikation beschränkt sich in der Tat zunächst einmal auf die Top-Lagen, aus denen (theoretisch) auch die Top-Weine kommen. Wenn das Ganze so aufgestellt, strukturiert und kommuniziert wird, dass es jeder direkt versteht, sehe ich da eher einen Nutzen für die Allgemeinheit (Leuchtturm)
      Was das Thema “ungerecht” angeht, sehe ich das eher sportiv und als Wettbewerb. Ähnlich wie im Fußball. Die beste Mannschaft schießt die meisten Tore und wird Meister. Ist doch ganz einfach. Da fordert auch keiner, dass alle Mannschaften die gleiche Spielstärke haben müssen. So ist das nun auch einmal mit den Weinbergslagen. Es gibt welche die gehören zur Champions League und andere eher zur Bezirksliga. Letztere können in einem guten Jahr, mit einem findigen Weinmacher aber durchaus auch einmal die großen schlagen.

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  • Werner Elflein

    Wenn du schreibst, Dirk, im Großen und Ganzen spiegele der VDP die absolute Spitze des deutschen Weinbaus wider, so muss doch erwähnt werden, dass inzwischen zahlreiche Spitzenerzeuger der ersten Reihe dem VDP nicht angehören. Die Liste ist vor allem an der Mosel ziemlich lang: Markus Molitor, Jos. Christoffel jr., Martin Müllen, Lubentiushof, Vollenweider, Weiser-Künstler, Karl Erbes, … – und das waren nur die, die mir spontan eingefallen sind. Dafür findest du in Reihen des VDP bundesweit etliche Güter, die dort aufgrund ihres Qualitätsniveaus eigentlich schon lange nichts mehr zu suchen hätten. Von der “Speerspitze des deutschen Weinbaus” kann hier meines Erachtens nicht die Rede sein. Und zu der nivellierenden Weinlagenklassifizierung sage ich lieber erst einmal nichts, damit hier nicht gleich der Kragen platzt.

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    • Dirk Würtz Post author

      @Werner
      Komisch, ich dachte, dass gerade Du diesen Vorstoß begrüßt. Denn da wird (hoffentlich) nichts anderes rauskommen, als eine klare Abgrenzung der tatsächlichen Spitzen von denen, die eher keine sind…

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  • Thorsten Kogge

    (Entschuldigung für einige Tipfehler – gibt es eine edit-Funktion)
    Immer zu denken gibt das Beispiel Bordeaux. Dort war die Klassifikation von 1855 auch als eine “offene” Klassifikation angelegt gewesen, die sich mit der Zeit verändern sollte. Stattdessen wissen wir, dass sie sich zu einem feudalen Kartell entwickelt hat. So muss es heute natürlich nicht zwangsläufig kommen, aber das Szenario ist schon ein Mögliches.

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  • Thorsten Kogge

    @ Dirk: Sicher, letztlich entscheidet der Konsument, aber wie “souverän” und abgeklärt ist der heute schon in vielen seiner Entscheidungen? Im Weinmarkt ist es (noch) so, dass Menschen, die eine ausgewogene Entscheidung treffen wollen sich nach einer Vielzahl von Qualitätskriterien ihr Urteil bilden. Hat sicher auch etwas mit dem allgemein höheren Bildungsstand vieler Weinkonsumenten zu tun und mit einer biographischen Vertrautheit, wenn man in einer Weinbauregion mit Wein groß wurde. Da ist die Lagenbezeichnung dann nur eines unter vielen Merkmalen und der Wein kann “enttäuschen”, wenn er dieser Qualitätsvermutung bei der Verkostung nicht gerecht wird. Insofern stimmt es schon, dass es den “sportiven Wettbewerb” gibt/geben kann. Anders sieht es aber in den Bereichen der Weintrinker aus, die weniger Wissen besitzen und sich primär nach solchen Labeln richten (insbesondere wenn sie in dne Markt einsteigen!).Da müssen die nicht-hochgelabelten Winzer gegen die Windmühle der Indifferenz ankämpfen und hierfür mehr Kapital aufwenden, während die Champions einfach die etablierten Netzwerke bedienen.

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    • Dirk Würtz Post author

      @Thorsten
      Kein Widerspruch! Oder vielleicht doch… ;-) Letztendlich geht es um die Etablierung einer Marke. nichts anderes sind die herrschaften im BDX. Da läuft sicher einiges falsch, zumal die anderen wenig bis gar nichts von diesen Leuchttürmen haben. Das muss aber nicht heißen, dass man in D nicht einen Weg über diese Premium-Marke findet, der funktioniert und an dem alle teilhaben können.

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  • Werner Elflein

    Nein, Dirk, es geht nicht darum, ob ich den Vorstoß begrüße oder nicht. Die Idee, bestehende Missstände zu verbessern, ist zwar grundsätzlich begrüßenswert, nur glaube ich nicht, dass der VDP letztendlich zu einer Lösung kommen wird, bei der dem selbst erhobenen hohen Anspruch auch die entsprechende Qualität aus Konsumentensicht, nämlich der im Glas, gegenüber steht. Wie ist es denn bisher beim Großen Gewächs? Jeder neue VDP-Winzer hat sich bei seiner Aufnahme in den Verband mehr oder weniger frei eine oder mehrere Erste Lagen aussuchen dürfen. Kartoffelacker olé. Glaubst du etwa, die Profiteure dieser freizügigen Regelung würden nunmehr freiwillig auf ihre Erste Lage verzichten und sie deklassieren lassen? Im Übrigen: Mit der Degradierung unserer Kulturlagen zu “Marken” fängt die Perversion bereits an. Wohin es weiter führt, kannst du dir im Film Mondovino ansehen. Dass bei der Diskussion schon wieder fast reflexartig auf Bordeaux oder Burgund verwiesen wird, anstatt von Grund auf eigene Konzepte zu entwickeln, die unserer deutschen Weinkultur entsprechen, ist der Gipfel der Armseligkeit.

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    • Dirk Würtz Post author

      @Werner
      Nein, Werner, das ist mir leider alles viel zu polemisch! Von wegen Kartoffelacker und so weiter… wenn der VDP jetzt an dieses Projekt geht, dann werden sie das sicherlich mit Sinn und Verstand machen und eben nicht wahllos irgendwelche Äcker zu Grand Crus machen. Im Übrigen wissen die auh ganz genau, dass zur Top-Lge auch noch ein Top-Mann/Frau gehört. Ich denke man tut gut daran dieser Sache ein wenig positiver gegenüber zu stehen, als sie reflexartig und polemisch schlecht zu reden.

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  • Thorsten Kogge

    Wenn das Lagenprinzip sich stärker ausbreitet im deutschen Weinbau bräuchten wir eigentlich eine Organisation vergleichbar wie in Frangreich das INAO, dass über die Vergabe von Lagenbezeichungen letztlich entscheidet. Die Verbände und jede Gruppe von Winzern die glauben, eine Spitzenlage zu besitzen, müsste sich einem für dritte nachvollziehbaren Anerkennnungsverfahren unterziehen. Winzer im Weinbauverband könnten dann ebenso wie VDP Winzer oder andere, unabhängige Spitzenwinzer in den genuss einer solchen Lagenbezeichnung kommen. Die EU hat ja eigentlich die Weichen für eine solche Regelung in der letzten Weinmarktreform schon gestellt…

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  • Thorsten Kogge

    …anstatt einer zentralen bundesweiten Organiation könnte man auch über entsprechende Landesorganisationen nachdenken, die der regional unterschiedlichen Definition von Lagenqualität Rechnung tragen und diese jeweils zertifizieren. Für den Verbraucher der vergleichen will ist es dann allerdings eher schwieriger als einfacher geworden..

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  • Werner Elflein

    Dirk, das Problem beim VDP ist, dass hier die Mitglieder eines Verbands unter sich auskungeln, was eine Erste Lage ist und was nicht. Wenn es eine Klassifizierung von Lagen geben soll, dann bitte durch ein unabhängiges Institut, das nicht nur Mostgewichte und Wetterkarten berücksichtigt, wie dies im Rheingau geschehen ist. Der VDP ist für mich schon aufgrund seiner einseitigen Interessenlage außen vor. Ich glaube eher nicht, dass der VDP in der Lage ist, die traditionellen Werte unserer Weinkultur zu vertreten. Speziell an der Mosel haben das in den letzten zehn bis 15 Jahren eher andere getan. Und auch in der Pfalz sehe ich vielleicht noch zwei VDP-Güter, die zu der von dir genannten Speerspitze zählen, namentlich Mosbacher und von Winning. Dahinter kommen eher einige aufstrebende junge Talente, als der Pfälzer Rest-VDP.
    Und mal ganz grundsätzlich: Beim VDP handelt es sich keineswegs um den Gralshüter der deutschen Weinkultur, sondern um nichts anderes als eine Lobby. Angesichts der Preisabsprachen (Mininum 15,- € für ein Großes Gewächs) könnte man auch von einem Kartell sprechen. Dass es im VDP den einen oder anderen Toperzeuger gibt, reicht mir nicht, um dem VDP die Kompetenz einzuräumen, zu entscheiden, welche Lagen groß oder weniger groß sein sollen. Wie sollte ein Verband auch Lagen klassifizieren, in denen seine Mitglieder nicht begütert sind? Allein daran wird’s schon scheitern.

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  • Werner Elflein

    Beinahe hätte ich’s vergessen: Die Notwendigkeit, Lagen zu klassifizieren, leuchtet mir überhaupt nicht ein. Und die Ausführung, egal wie, wird meines Erachtens immer für böses Blut sorgen, wenn man auf eine binäre Lagenwelt setzt (0: Lage nicht gut genug, 1: Lage gut genug für ein Grand Cru).

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  • Harald

    Habt Ihr vergessen, das wir in einer Demokratie Leben? Wir werden beurteilt wie wir sind und was wir erarbeitet haben und nicht aufgrund unserer Geburt bzw. Standes! Ich denke, so soll das auch beim Wein sein. Die Qualität im Glas ist entscheidend und nicht die Weinlage die dann aufgrund ihrer “hohen” Geburt, egal welche Plörre daraus kommt, die Bezeichnung Premier Cru oder sonst was erhält

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    • Dirk Würtz Post author

      @alle
      Ich habe so das Gefühl, dass das Ganze absichtlich falsch verstanden wird. Natürlich ist der VDP nicht der Gralshüter der deutschen Weinkultur und natürlich geht es hier nicht um ein Privileg einiger qua Geburt besser gestellter Menschen. Ganz im Gegenteil sogar. Hier geht es um eine parzellengenaue Abtrennung verschiedener großer Lagen. Das es diese große Lagen gibt ist doch wohl völlig unstrittig. Das man in großen Lagen auch kleine Weine machen kann ist doch auch logisch. Deswegen glaube, nein hoffe ich, dass der VDP diese Justierung seiner eigenen Klassifikation eben auch ganz deutlich an den verschiedenen Parametern orientiert. Und wenn sie es ganz gut machen wollen, dann holen sie sich selbstverständlich einen unabhängigen Rat ein. Das wäre mehr als geschickt, auch wenn es dieser Verband eigentlich nicht machen müßte. Das sind verbandsinterne Dinge, die trotz erheblicher Außenwirkung, keinerlei Gesetzen unterliegen. Es sei denn, sie erfinden neue Lagen…
      Was ich an der ganzen Geschichte so beachtlich finde, ist die Tatsache, dass der VDP sich mit dieser Justierung selbst hinterfragt, also selbstkritisch mit sich umgeht. Das ist doch genau das, was die meisten von Euch diesem Verband absprechen. Ich bin schon immer, @Werner weiss das, eher kritischer Beobachter. Aber ich sehe, gerade in der jüngeren Vergangenheit, dass der VDP sich wandelt. Mich beeindruckt das.

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  • Werner Elflein

    Dass es große Lagen gibt, Dirk, ist unstrittig, da gebe ich dir Recht. Aber ob eine Lage (oder Parzelle) groß ist oder nicht, ist keine schlichte Ja-Nein-Kategorisierung, sondern es kommt auf den Kontext an. Was für einen Riesling gut ist, muss für einen Spätburgunder noch lange nicht taugen, und umgekehrt. Die Idee, die Klassifikation bis auf die einzelnen Parzellen herunterzubrechen, ist vom Prinzip her aber gar nicht mal so schlecht, aber dann bitte nach Maßstäben, die nicht ein einzelner Verband oder eine Kommission vorgeben. Wenn eine Lage (oder Parzelle) groß ist, dann soll sie das bitteschön im täglichen Leben mit den Weinen, die dort wachsen, untermauern. Ich finde es ziemlich krank, dass ich als Weintrinker vom Etikett ablesen soll, ob der Wein groß ist oder nicht.

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  • Sebastopol

    “Das es diese große Lagen gibt ist doch wohl völlig unstrittig.”
    Danke, das sollte auch einmal in aller Klarheit gesagt werden. Die allgemeinen Kassandra-Rufe und Befürchtungen überraschen mich schon sehr.

    Das eine wirkliche, ernsthafte Klassifikation der altbekannten, traditionellen und unzweifelhaften Spitzenlagen überfällig ist, könnte doch ein möglicher Konsens sein. Das zwischen Gimmeldinger Meerspinne und Forster Ungeheuer diverse prinzipielle Unterschiede bestehen tritt, denke ich, doch sehr klar zu Tage.
    Und wie schon aus anderen Motiven hier gefragt: wer sollte eine solche Klassifikation mit salomonischer Weisheit zur allgemeinen Zufriedenheit durchführen können? Wohl niemand, ganz sicher nicht der Weinbauverband als kleinster gemeinsamer Nenner aller Wein- und Traubenerzeugender Betriebe.

    Was ist also so schlecht daran, wenn ein Verband, mit dem ich durchaus ein paar Hühnchen zu rupfen habe, der sich aber immerhin das Streben nach höchster Qualität auf die Fahne geschrieben hat, eine solche Unterscheidung für die eigenen Mitglieder vornimmt? Hat eine solche mutige Idee nicht auch Testlauf-Charakter für das allgemeinverbindliche Weinrecht? Und strahlt ein wie auch immer benannter “Grand Cru Weinberg” nicht auch Kraft seines Namens auf die Besitzer nicht-klassifizierter Parzellen ab? Chambertin&Co lässt grüssen.

    Das die von uns allen unisono geforderte Qualität der Weine weder mit Verbandszugehörigkeit, noch mit Parzellenbesitz allein zu erklären ist, versteht sich eigentlich von selbst. Perfektion ist nicht unbedingt eine zutiefst menschliche Eigenschaft. Das Streben danach wahrscheinlich schon. Mit der obigen Erklärung hat für mich der VDP zumindest seinen Willen zur Verbesserung gezeigt und den ersten Schritt von vielen weiteren, nötigen getan.

    Rein persönlich und privat werde ich jede konsequente(!) Entscheidung begrüssen. Eine ähnliche Aufweichung und Verwässerung wie bei den Ersten/Grossen Gewächsen würde von vornherein die Lage des deutschen Weinbaus nur weiter verschlechtern.

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  • Thomas

    Dirk, das wäre ja alles ok wenn dieser Ansatz für alle Winzer offen stünde. Aber es ist eben wie beim GG, zwar mehrfach angekündigt für alle Winzer da, aber am Ende eben doch nur für die eigene Klientel! Der VDP ist die FDP der Weinwirtschaft und wird sich daher bei einer Klassifizierung streng an seine Mitglieder halten und damit wird es eben unfair, denn einfach Mitglied werden beim VDP geht ja auch nicht. Wobei wie das geht ist mir auch nicht klar, da muß man jemanden kennen, es gibt angeblich Vetorechte usw. – ganz FDP halt!

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  • Gast

    Ich frage mich immer, warum wir alles den Franzosen nachmachen müssen, selbständige Ideen sind gefragt und zur Klassifizierung – warum muss ich große Lagen immer auch als solche Kennzeichnen? Große Lagen sind doch historisch entstanden und dies zeigt auch der Markt (Preispolitik) – warum muss ich da Primeur oder Grand Cru dazuschreiben, damit es auch die Etiketttrinker verstehen?

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  • Werner Elflein

    Nur kurz zur Klarstellung, weil evtl. missverständlich: Mit “Lagen-Schwachsinn” meine ich übrigens nicht eine sinnvolle(!) Klassifizierung, sondern das Auftreten irgendeines Scheinprädikats auf den Etiketten.

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  • Armin

    Werner erkläre mir doch mal kurz den Unterschied zwischen “sinnvoller Klassifizierung” und auftreten eines Scheinprädikats auf den Etiketten?

    Übrigens den Versuch einer “Demokratisierung” der Lagen hat es im 71er Weingesetz gegeben, bis hin zu den sog. Großlagen, die gar keine Lagen mehr waren, aber allen die Möglichkeit gaben “Lagenweine” zu machen, auch wenn man gar keine Trauben aus “echten” Lagen hatte. Wohin das geführt hat wissen wir alle. Der Ruf nach “demokratischer Gleichheit” hat doch in einer Qualitätsdiskussion nichts zu suchen.

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  • Werner Elflein

    Armin, sehr richtig, Qualität (im intuitiven Sinne zu verstehen) lässt sich nicht demokratisieren.

    Zu deiner Frage: Eine Lagenklassifikation halte ich für sinnvoll, weil es Lagen gibt, die auf einem Flaschenetikett nichts zu suchen haben: Piesporter Michelsberg und (fast) alle anderen Großlagen zum Beispiel. Eine Lagenklassifikation darf aber nicht dazu führen, die sinnvolle Verwendung von Lagennamen zu unterbinden. Viele Eisweine stammen beispielsweise nicht aus 1A-Lagen, aber ich bin der Ansicht, dass zur Unterscheidung von anonymen Supermarkt-Eisweinen, die in Rheinhessen mit dem Vollernter vom Stock geschlagen und zu einem Einheitsbrei zusammengekippt werden, hier ein Lagenname (neben der Rebsortenbezeichnung) einfach sein muss.

    Ansonsten bin ich der Meinung, dass ein Lagenname allein keine Aussage hat. Wichtiger ist oft der Name des Erzeugers, und nur dann, wenn es sich um einen guten Winzer handelt, hat die Angabe der Lage überhaupt eine tiefere Bedeutung. Wenn dann die Konvention darin besteht, nur klassifizierte Weinlagen (neben den Prädikaten) zu verwenden, ist das schon völlig ausreichend. Warum “Wehlener Sonnenuhr Riesling Spätlese Erste Lage”, wenn “Wehlener Sonnenuhr Riesling Spätlese” das gleiche sagt?

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  • Eckhard Supp

    Na ja, schön, dass der VDP nach 20 Jahren auch kapiert, dass es so nicht weitergehen kann. Aber eine Entwicklung hin zu Grands / Premiers Crus auf Verbandsebene sehe ich (wegen der 20 Jahre) kritisch. Entweder sie kommt unabhängig vom VDP auf Länder- bzw. Bundesebene oder sie kommt gar nicht (richtig).

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  • mundschenk

    Hallo Dirk,
    das Thema Lagenklassifikation wurde auch unter http://www.dasweinforum.de/viewtopic.php?f=7&t=697 diskutiert.

    Ich persönlich glaube, dass es bei der gewollten Wiedereinführung der alten Lagenbezeichnungen innerhalb der Grosse-Gewächs Lagen vor allem darum geht diejenigen VDP-Winzer zu beruhigen, die wirtschaftliche Nachteile befürchten, wenn die vom VDP festgelegte Übergangsregelung für die Grossen-Gewächs-Lagen greift.

    Nach dem Ablauf der Übergangsfrist (meines Wissens Ende 2011) wird es vielen VDP-Mitgliedern nicht mehr möglich sein, Weine aus Weinlagen die von anderen VDP-Mitgliedern als Grosse-Gewächs-Lagen genutzt werden
    (z.B. die Lagen Forster Ungeheuer oder Deidesheimer Kieselberg) wie bisher als “klassifizierte Lage” abzufüllen.

    Vielmehr müssen sich diese Winzer dann entscheiden, ob Sie in diesen Lagen in Zukunft ebenfalls Grosse Gewächse (mit all den damit verbundenen Auflagen) produzieren oder ob sie in Zukunft auf den (verkaufsfördernden) Lagennamen verzichten und die Weine als „Gutswein“ oder „Ortswein“ vermarkten.

    Da zum einen nicht alle Weinberge innerhalb dieser Lagen für die Produktion “Grosser Gewächse” geeignet sind (Bodenunterschiede, Rebalter,…) und vermutlich auch nicht alle VDP- Mitglieder die Weine aus diesen Lagen als Grosse Gewächse vermarkten wollen oder können, gibt es da sicherlich ein gewaltiges Konfliktpotential!

    Gruß

    Peter

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  • Christoph Röper

    Nach meiner Meinung gibt es zu viele “Spitzenweine” in Deutschland. Oft geben weder die Lage noch die Handwerklichkeit es her, dass ein Wein das Prädikat “großes Gewächs” o.ä. erhält. Das Geschäft ist für den Winzer prima, aber der unwissende Verbraucher kann getäuscht werden.

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  • braunewell

    ich habe bedenken, dass hier zwei themen miteinander vermischt werden:

    1. die klassifizierung des vdp, ein für mich lagengebundenes qualitätssystem, über dessen qualität im glas gern diskutiert werden kann
    2. eine wie auch immer geartete einteilung der lagen von “für zuckerrüben schwer geeignet” bis hin zum “grand, grand, grand cru”

    ich glaube in deutschland gibt es noch ein riesiges ungenutztes potential an unbekannten toplagen, dafür wissen wir auch dass es immer wieder schlechte weine aus toplagen gibt

    für mich hilft eine strikte einteilung der lagen (auch wenn sie dynamischer als in bdx ist) nicht weiter, da der entscheidende faktor immer noch der winzer ist.
    wenn ein spitzenwinzer dann in spitzen lagen arbeitet, und die sucht er ständig, hat sie, etc.. kommen wir dahin wo die diskussion hinläuft

    für mich muss es deshalb um konsequente regeln für die weinklassifizierung gehen, richtlinien nach denen gearbeitet wird und wie produziert wird, denen sich alle (vdp und nicht vdp) gerne freiwillig anschließen können. alles weitere halte ich für unmöglich und auch für unnötig, da es den deutschen weinbau und den jungen winzern der inovatinskraft berauben würde!

    wir brauchen ein offenes system, wettbewerb um den besten wein und eine strikte, unabhängige kommission die auch weine ablehnt “ziel nicht erreicht”
    und der vdp könnte dafür ein motor sein, die idee weiter zu entwickeln, mit diesen klaren regeln und regionalen unterschieden

    eine andere möglichkeit sehe ich nicht

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  • Werner Elflein

    Die Diskussion ist einmal wieder typisch deutsch. Statt nach Klassifizierungen, Gesetzen und Regeln zu fragen, hat jeder Winzer die Möglichkeit, hochwertige Lagenweine zu erzeugen. Warum braucht er von seinem Verband alles schriftlich? Letztlich ist jedes Regularium nichts anderes als eine Vereinheitlichung – und davon haben wir ohnehin genug. Es ist ja kein Zufall, dass 90 Prozent der Großen (Riesling-)Gewächse nahezu gleich (schlecht und langweilig) schmecken, und diesem Mangel wird auch durch eine veränderte Lagenklassifizierung nicht abgeholfen.

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  • berni

    Die Frage ist ja, woran man eine 1. Lage (Gewächs oder Großes oder Herausragendes etc.) überhaupt erkennt? Sind es nachvollziehbare Größen, wie z.B. Hangneigung etc. oder segnen sich da Leute selbst auf Kosten anderer?

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  • Weinneuppy

    Ich denke mal, bevor man sich Gedanken über ein neues Klassifikationsmodell a la Burgund macht, müßten die Lagen neu bestimmt werden. Hier haben wir in Deutschland meines Erachtens am meisten Arbeit vor uns.
    Auf der einen Seite heißt dies, Gewanne, die im Rahmen der FLurbereinigung in großen EInzellagen aufgegangen sind, wieder in die Eigenständigkeit zu entlassen. (Beispiele: Wildenstein, St. Paul, Kammerberg, Auf der Lay und viele mehr)
    Daneben sollten Einzellagen in irgendeiner Weise Lagenübereinstimmungen aufweisen. Das heißt, jede Einzellage sollte über eine einheitliche Bodenstruktur und/oder einheitliche mikromklimatische Voraussetzungen und/oder einheitliche Ausrichtung etc. verfügen. Erst wenn dies erreicht ist, kann man wirklich von einer Einzellage sprechen. Viele der jetzt bestehenden EInzellagen gewährleisten dies eben gerade nicht, da sie viel zu groß sind.
    In einem weiteren Schritt müßten dann zahlreiche Lagen abgeschafft werden, da diese dem Anspruch an klassifizierte Lagen schlichtweg nicht gerecht werden. Hier dürfte wohl der größte Widerspruch, insbesondere der Genossenschaften zu erwarten sein.
    Erst wenn wir weniger, aber dafür einheitlichere Lagen haben, können anfangen diese zu bewerten und so ein Herkunftsprinzip wie im Burgund umsetzen.
    Meine Gedanken sollten aus der Sicht der Verbrauchers verstanden werden – der wüßte in meinem Modell tatächlich, daß dieses Modell erstmals eine Vergleichbarkeit und damit Entscheidungshilfe anböte – ob dies die Winzer immer so schätzen würden ist aber natürlich fraglich.

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  • Werner Elflein

    Weinneuppy, “einheitliche Bodenstruktur” – so hätten es viele gerne. Damit alles schön klassifizierbar ist und in eine Schublade gesteckt werden kann. Die Realität sieht da leider (und ich möchte sagen: zum Glück) anders aus. Die Bodenstruktur ändert sich nicht selten alle paar Meter, und wenn du einmal durch die Weinberge gehst, wirst du dies allein schon durch Augenschein feststellen. Schon allein deswegen ist deine Forderung, Einzellagen sollten “in irgendeiner Weise Lagenübereinstimmungen” aufweisen, nicht realistisch. Dein allzu theoretischer Vorschlag ist daher schon im Ansatz zum Scheitern verurteilt.

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  • Thorsten Kogge

    Wie sieht es denn mit dem Klima als natürlichem Standortfaktor aus? Ich erinnere mich an einen Vortrag von Dieter Hoppmann (Metereologe von Hause aus) der anhand von sehr vielen Daten/Langzeitbeobachtungen prognostizierte, dass in den nächsten 10-15 Jahren neue, bisher noch nicht hier angebaute Rebsorten drinne sind. Auf jeden Fall “wandern” südliche Rebsorten in nördliche Regionen. Was passiert zum Beispiel, wenn es dem Riesling und dem Spätburgunder im Rheingau zu warm wird und dann vielleicht Merlot angebaut wird? Merlot anbauen ist dort jetzt bereits in einigen Gegenden möglich: http://drinktank.blogg.de/eintrag.php?id=2865. Das hätte dann doch schon gravierende Folgen für die bestehende Bewertung der Lagen, oder? Weil die alle aus Zeiten stammen, in denen klimatisch nur ein sehr begrenztes Spektrum an Rebsorten möglich war…

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  • Thorsten Kogge

    …wäre ein weiteres Argument für eine “offene” Klassifikation, wenn man denn eine will.

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