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Der Frost und die Folgen

In den frühen Morgenstunden des vergangenen Mittwochs war er da, der Frost, und er hat sich geholt, was er konnte. Heute, vier Tage später, werden die Schäden noch deutlich sichtbarer und damit auch die Folgen.

Franken, Rheinhessen und die Pfalz. Das sind die wohl am stärksten betroffenen Regionen. In allen anderen Regionen gibt es natürlich auch Schäden, aber nicht ganz so flächendeckend. Betroffen sind zahlreiche Lagen, und, wenn man näher hinschaut, auch die ganz “klassischen” Weinbergslagen. Es ist definitiv nicht einfach nur so, dass ausnahmslos die flachen und angeblich schlechteren Lagen betroffen wären. Da muss ich einigen Darstellungen, wie der in ihrer Diktion eher misslungenen des VDP, doch deutlich widersprechen. Natürlich sind zahlreiche vom Frost betroffene Lagen eher solche, in denen kein Wein hingehört. “Wo ein Pflug kann gehen, keine Reben sollen stehen”, ist ein alter, aber nicht ganz falscher Spruch. Im Zeichen der allgemeinen klimatischen Veränderungen und der fortschreitenden Technisierung des Weinbaus, kann man aber auch über diesen Spruch trefflich streiten. Und wenn ich mal zusammenfasse, was ich in den vergangenen Tagen von diversen Spitzenbetrieben gehört habe, dann hat es in einigen Gegenden eben auch die klassischen, alten Lagen erwischt.

Was heißt das für den Jahrgang 2011?

Die Auswirkungen für den aktuellen Jahrgang sind einfach darstellbar. Was die Qualität des “Elfers” anbelangt, kann man jetzt fast gar keine Aussage treffen. Alles ist möglich – wie in jedem Jahr. Nach dem mengenmäßig viel zu kleinen Jahrgang 2010 kommt allerdings nun der nächste Schlag in das Gesicht. 2011 werden einige Tausend Hektar Ertrag fehlen. Viele der aktuell verloren gegangenen Listungen werden weiter verloren bleiben, zahlreiche neue werden hinzukommen. Auf dem “Weinmarketingtag” in Heilbronn am vergangenen Donnerstag habe ich mehr als einmal von Händlern gehört, dass sie bereits mit dem Jahrgang 2010 nach ausländischen Alternativen suchten und das Ganze jetzt natürlich noch verstärken werden. Eine kleine, vielleicht auch größere, Katastrophe bahnt sich an. Das hängt ganz von dem Verhalten der Konsumenten ab.

Der deutsche Wein muss – und wird – teurer werden. Daran führt kein Weg vorbei. Egal wo er angeboten wird. Ob im Weingut, beim Fachhändler oder im Discounter. Ich hoffe, dass diese Preiserhöhung akzeptiert wird. Und um es ganz deutlich zu sagen:

Ich appelliere an alle Weintrinker in diesem unserem Land! Denkt nach, haltet zu uns, seid solidarisch, kauft bitte weiterhin deutschen Wein. Auch wenn er einen oder zwei Euro teurer wird.

Wir Deutschen sind Weltmeister im Spenden. Egal ob Haiti, Togo oder Bali. Denkt bitte einmal an das, was vor Eurer Haustür passiert. Auch hier geht es um Existenzen, um Familien und um kleine Kinder! In diesem Fall bin ich ganz auf der Seite von Captain Cork, der in seiner provokanten, aber in diesem Fall richtigen Art sagt: “Trinkt patriotisch“. Und bitte, keine Nazi-Debatte vom Zaun brechen. Das hat mit überzogenem Nationalismus gar nichts zu tun. Wer so denkt, hat leider gar nichts verstanden. Das Motto ist: “Think global, act local”. Auch wenn dieses Motto aus einem anderen Bereich kommt, passt es doch ganz gut!

Jetzt sind Lösungen und vernünftige Projekte gefragt. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem ganz deutliche Zeichen in den Absatzmärkten gesetzt werden müssen. Sowohl vom Weinhandel, als auch von den Discountern. Gerade mit letzteren liessen sich jetzt ganz tolle Projekte umsetzen…Lieferantentreue ist angesagt.

5 Kommentare zu “Der Frost und die Folgen

  • Peter

    Genau meine Meinung, du hast noch Württemberg vergessen.
    Ansonsten ist es jetzt wichtig die kommende Situation zu gestalten. Das wird aber gerade im LEH sehr schwer werden da der Verbraucher dort fast ausschließlich nach dem Preis entscheidet.

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    • Dirk Würtz Post author

      @Peter
      Und gerade da, im LEH und bei den Discountern, müssen wir ein neues Bewußtsein schaffen. Und zwar eines, dass in solchen Situationen passt. So eine Art “Solidarpakt”!

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  • RuwerRiesling

    In Südafrika sitze ich weitab vom Schuss und bekomme vieles erst ein paar Tage später mit. Wie sieht es eigentlich im Elsaß und in der Champagne aus? Die Bundesregierung wird leider eher wenig für die Winzerschaft tun, da müßte dann schon was aus Brüssel kommen, daher meine Frage nach unseren direkten Nachbarregionen.

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  • Pingback: Wundenlecken nach dem Frost | geschmacksreich

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