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Bordeaux 2010 – ein Stimmungsbild

Wie gestern angekündigt… wir haben unseren “Informanten” in Bordeaux. Einen der sich auskennt und Ahnung hat. Heute hat er uns seinen ersten “Wasserstandsbericht” durchgegeben.

Achtung, jetzt kommt etwas ganz Neues und völlig überraschendes: der Jahrgang Zwanzigzehn ist von einer so exzellenten Qualität, wie sie nur in wenigen Jahrgängen zuvor zu finden war!!! So, jetzt haben wir den Salat… Das war die erste Aussage unseres Informanten heute. Auf meine Frage, wie Zwanzigzehn im Vergleich zu Nullneun wäre,  bekam ich zur Antwort, dass keiner die Nullneuner auf den Tisch stellt. Die liegen auf den Schönungen und können deswegen nicht probiert werden. Das würde ich, glaube ich, auch sagen.

Das Medoc wäre, so die Auskunft, extrem homogen. Ebenso St. Emillion und Pomerol. Interessanterweise sehen das die Kolllegen aus den USA und England anders. Für sie sind die beiden Gebiete eher heterogen. “Es gibt durch die Bank fast keinen schwachen Wein”, sagt der Informant. Selbst diverse Alkoholmonster, wie beispielsweise La Mission Haut Brion mit schlappen 15,1 Prozent (!) Alkohol wären nahe an der Perfektion. Aber, und jetzt kommt es, “trinken würde ich die nicht mit Spaß”. Das sind sensationelle Verkostungsweine. Solche, die in Blindproben alles und jeden vom Tisch hauen. Aber wenn es darum gehen wird sie zu trinken, “wird die Flasche sicherlich nicht leer”, so unser “Spitzel”. Das ist doch schade, eigentlich, denn dafür sind sie doch gemacht… oder täusche ich mich da etwa.

Eine weiter interessante Geschichte ist die folgende: Es ist wohl die Hölle los im Anbaugebiet. Heerscharen von Menschen drängeln sich durch die Verkostungen. Viel mehr Chinesen, als das früher der Fall war, sind vor Ort… auch keine Überraschung. In einigen Châteaus liegen Verkostungslisten und Jahrgangsberichte. In Französisch, Englisch und Chinesisch. Allerdings nicht in deutscher Sprache. Was sagt uns das? Sind wir nicht wichtig genug für die großen Weine? Ich weiss es nicht, dass müssen andere entscheiden.

Über die Preise spricht keiner – und wenn, dann nur wie folgt: “Wir haben keinen Einfluß auf die Preise. Das macht der Markt!” Aha…auch gut! Hie und da gibt es dann aber wohl doch Ausnahmen. Manch einer konzentriert sich auf eher moderate Preise um: “meine Weine auch weiterhin in der Gastronomie verkaufen zu können”. Das klingt sympathisch und irgendwie intelligent.

Soviel zum ersten Stimmungsbild. Jetzt dann natürlich zum absolut wichtigsten, den Punkten ;-) Folgende Weine sieht unser Informant im 100-Punkte-Olymp: Lafite, Mouton, Margaux, Petrus, Cheval Blanc und ganz nahe dran, der bereits erwähnten La Mission. Sein persönlicher “Coup de Coeur” ist Pavie Macquin, Larcis Ducasse und Beau-Séjour-Bécot

8 Kommentare zu “Bordeaux 2010 – ein Stimmungsbild

  • Gerald

    Dass viele Weine nur mehr auf maximale Punkte in den Weinguides getrimmt werden, ist leider ja nicht nur bei Bordeaux der Fall, sondern schon fast überall. Schuld ist letztendlich der Konsument, der nach Parker- (und anderen) Punkten kauft und damit Weine bekommt, die als Probenschluck großartig sein mögen, aber nicht unbedingt zum Trinken …

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  • Eckhard Supp

    Ehrlich gesagt, habe ich diese Unterscheidung zwischen Trink- und Degustationsweinen noch nie richtig verstanden. Ich habe jedenfalls alle Weine, die ich hoch bewertet habe, anschließend oder später auch sehr gerne getrunken … wenn ich denn die Gelegenheit dazu hatte bzw. sie mir leisten konnte. Vielleicht sind das Problem nicht die Weine, sondern die Verkoster ???

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  • Eckhard Supp

    Schön auch der Verschreiber: “Coup de Couer” liest sich fast wie “coup de couette”, das wäre dann ein Schlag mit der Bettdecke. Oh Herr, lass Abend wer’n …

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    • Dirk Würtz Post author

      @Supp
      Stimmt, da war ein “e” an der falschen Stelle. Grazie
      Ansonsten, tja… was soll ich sagen… ich kenne das eigentlich auch nur so, wenn ich, ganz persönlich, einen Wein gut bewerte, dann will ich ihn auch austrinken, irgendwie… Hier geht es aber wahrscheinlich wirklich um diese Art von Wein, der RP oder sonstige Punkte abräumt, der selten bis kaum getrunken wird und wenn, dann liegt die dementsprechende Wertung dabei…und dann muss das Zeugs schmecken ;-)

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  • weinfex

    Moin Dirk, wie schon einmal vor etwas Zeit geschrieben, fahr hin, “Bild Dir Deine Meinung”;-) und schreib es auf… Kurz zu den Fakten, man konnte durchaus 09 probieren; es gibt durchaus Listen auf Deutsch (wobei ich das ganz ehrlich gesagt “Banane” finde (z.B. auf Haut Brion/La Mission), ungefähr genauso wie deutsche Speisekarten im franz. Restaurant oder im span. Restaurant auf Mallorca; was habt ihr alle nur gegen die Chinesen, ich kann diesen “Luxusneid” nicht mehr hören. Ich erinnere mich dabei immer an meine Kinder, wenn der eine dem anderen das Spielzeug wegnimmt…
    Was die Preise angeht, es wird wohl wirklich teurer, was man in unseren Breitengraden sicher nicht nachvollziehen kann, dass verstehe ich sogar, aber all die Diskussionen darüber werden daran nichts ändern,
    allerdings in der Hauptsache bei den Weinen, die die, die darüber diskutieren eh noch nie, oder nicht mehr kaufen werden.
    Ein letzter Satz zur Qualität, sie ist in der Tat sehr gut, und wenn das Verkostungsweine sind, welche
    da “im perfekten Bereich” herumschwirren, muss ich wirklich milde schmunzeln…

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    • Dirk Würtz Post author

      @weinfex
      ne,ne,ne…Nix ist mit Luxusneid, nicht die Bohne. Grundsätzlich habe ich einfach die Stimmung meines “Informanten” vor Ort wiedergegeben. Nicht mehr und nicht weniger. Das Ihr als Händler das Ganze etwas anders seht, liegt in der Natur der Sache und ist völlig o.k.
      Ich hatte drei Einladungen nach BDX inklusive Vollprogramm und Streicheleinheiten und ich bin absichtlich nicht hin. Nächstes Jahr vielleicht einmal, mal sehen… Außerdem habe ich mit meinem Informanten so oder so die bestmöglichste aller Lösungen, denn dem öffnen sich auch ohne Wartezeiten und Riesenauflauf sämtliche alle Türen ;-)
      Ich weiss nicht, was Du beim Begriff “Verkostungsweine” schmunzeln musst. Das ist doch längst ein internationaler – und auch deutscher – Trend.

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  • Pingback: Geopolitische Weinbalance « Würtz-Wein

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