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Die dicken Dinger aus Chile

Um eines gleich vorweg zu sagen: Ich habe mich noch nie wirklich ernsthaft mit Weinen aus Chile beschäftigt. Vor Jahren habe ich einmal verschiedene Carmenère probiert – die ich auch ganz interessant fand – das war es aber auch schon. Chile war für mich ganz weit weg, nicht nur geografisch. Bis gestern Abend…

Neulich meinte ein befreundeter Weinhändler zu mir: “Würtz, Du trinkst doch gerne Pinot und Syrah. Ich habe da was, aus Chile…” Meine Begeisterung hielt sich deutlich in Grenzen. Ich gebe zu, ich bin da doch manchmal sehr unflexibel und eingefahren. Ich weiss, das klingt dämlich. Aber ich habe einfach kaum Lust, meine wenige Zeit mit Weinen zu verbringen, die einfach nur interessant und nett sein könnten. Es gibt Momente, da will ich meinen Horizont gar nicht erweitern. Glücklicherweise habe ich das in diesem Fall aber gemacht, sonst hätte ich wirklich etwas verpasst.

Fünf Flaschen Wein und eine Flasche Sekt standen gestern Abend vor mir. Eine Menge Informationen lagen ebenfalls dabei. Und obwohl ich solche Infos immer erst nach dem Verkosten lese, habe ich in diesem Fall vorher schon einmal einen Blick darauf geworfen. “Cono Sur” – was soviel heißt wie “Kegel des Südens – ist der Name des Weingutes. 1.800 Hektar Weinberge verteilt über eine Distanz von 1.300 Kilometern in fünf verschiedenen Weinbauzonen. So etwas hatte ich vorher überhaupt noch nie gehört. Das klang für mich im ersten Moment nach industriellem Irrsinn. Aber dann habe ich weiter gelesen und festgestellt, dass hier teilweise zertifizierter Bio-Weinbau betrieben wird. “Cono Sur” ist eine Art Pionier im Öko-Weinbau in Chile.  Nicht nur das, auf jeder Flasche ist das Logo “CarbonNeutral® delivery” zu sehen. Da sind also Menschen am Werk, die sich Gedanken machen. Wenn man schon den Wein um die halbe Welt schickt, dann geht es also auch so. Sehr sympathisch!

Meine anfängliche Skepsis war einer enormen Neugierde gewichen und ich probierte die Weine. Ich liste sie einfach einmal auf:

2009 Cono Sur Chardonnay, Central Valley, 13.5 Prozent

Selten habe ich einen Chardonnay probiert, der so wenig nach Chardonnay geschmeckt hat wie dieser. Wobei ich mich eigentlich immer frage, wie Chardonnay eigentlich schmeckt… Dieser hier erinnert mich mehr an einen Sauvignon Blanc. Frisch, saftig und extrem fruchtig. Ein Maul voll Wein. Passt und macht Spaß und kostet um die 6.00 Euro… Wenn man unbedingt Chardonnay trinken muss – oder will – kann man da wenig falsch machen.

2008 Carmenère, 13.5 Prozent

Der Wein springt förmlich aus dem Glas. Rote Beeren, einen Hauch von Minze und Leder. Er riecht gigantisch. Der Geschmack ist ganz anders als  der Geruch erwarten läßt. Da ist ein kleiner Rüpel im Glas. Ganz und gar nicht filigran, sondern eher ruppig und frech. Der Wein macht wach und ist ein echter “Männerwein”. Ich musste sofort an Cowboys und Lagefeuer denken… Nicht mein persönlicher Favorit, aber für 9.00 Euro kann man nicht meckern. Die Trauben für diesen Wein kommen übrigens aus vier verschiedenen Anbaugebieten.

2008 Cabernet Sauvignon Reserva, 14 Prozent

Der Wein sieht aus wie die Robe eines Kardinals. Purpur. Er ist unglaublich vielschichtig und riecht nach Waldbeeren, etwas Kamille und Boretsch. Der mächtige Alkohol ist gut eingebunden und fällt quasi gar nicht auf. Überhaupt ist das mal ein Wein, der echten Trinkspaß macht. Selbst bei den hochsommerlichen Temperaturen. Kostet knapp unter 10.00 Euro.

2008 Syrah “20 Barrels”,13.5 Prozent

Der Wein riecht nach Rhône und nicht nach Übersee. Ein Kompott roter Früchte und ein Hauch von Melisse. Genial. Der Wein ist kräftig und packend, ohne aufdringlich oder einfach nur plump konzentriert zu sein. Warm, fruchtig und aberwitzig lang ist das Zeugs auch noch. Um es mal ganz einfach auszudrücken: Ein Rohr! Und was für eins. Ein Wein ganz nach meinem Geschmack aus der Rubrik: “Yamm Yamm”. Für 19.90 Euro absolut fair bepreist.

2008 OCIO Pinot Noir, 14 Prozent

WOW! Da haben wir aber mal einen Arnold Schwarzenegger in Hochform. Eine muskelbepackte Pinot-Wuchtbrumme. Im ersten Moment, zumindest geruchlich, wirkt er zwar wie ein klassischer Pinot. Dann kommt es aber ganz dicke. Was für eine Kraft, was für eine Dichte. Ein Bombardement von hochreifen Schattenmorellen. Verrückt! Viel zu jung natürlich, aber trotzdem Vergnügen pur. Den sollte man zwar nicht unbedingt momentan auf der Terasse trinken, aber es ist ja bald wieder Weihnachten… Mit 45.00 Euro nicht gerade billig. Aber trotzdem große Klasse!

Zu beziehen sind die Weine hier, bei der Weinwelt. Vielleicht stellen wir ja auch die Tage mal ein kleines Probepaket zusammen…

9 Kommentare zu “Die dicken Dinger aus Chile

  • Weintester

    In diesem Zusammenhang will ich noch den 2008er (Öko) Cabernet Sauvignon – Camenere empfehlen. Offensichtlich hat dieser zwar Ähnlichkeiten mit dem beschriebenen 2008er Camenere (wahnsinns Nase, der der Geschmack nicht ganz zu folgen vermag) aber man kann ihn schon recht gut trinken. http://weintester.wordpress.com/2010/05/16/cono-sur-cabernet-sauvignon-camenere-2008/
    Interessant fand ich ausserdem, dass die (angebliche) Ökozertifizierung meiner Erinnerung nach von einer Deutschen GmbH durchgeführt wurde. Nach welchen Kriterien hier die Einordnung als Ökowein vorgenommen wurde, kann vielleicht der befreundete Weinhändler aufklären?

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    • Dirk Würtz Post author

      @Weintester
      Ich werde das mal am Montag klären,wer die Zertifizierung durchgenommen hat. Wenn es allerdings eine deutsche Firma war, dann kann man sicher davon ausgehen, dass das auch in Ordnung ist.

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    • Dirk Würtz Post author

      @Weintester
      Das habeich auch schon gefunden. Ich versuche gerade eben diese zugrunde liegenden Kriterien heruaszufinden.

      Reply
    • Dirk Würtz Post author

      @Weintester

      So, jetzt habe ich die Infos. Die Firma BCS Ökogarantie GmbH aus Nürnberg zertifiziert den Bio-Bereich von Cono Sur regelmäßig gemäß den Vorgaben der EU-Verordnung VO 834/2007 sowie der Durchführungsverordnung Nr. 889/2008

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