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Wein aus der Amphore

Früher hat man Wein in Amphoren aus Ton gemacht, heute benutzt man in der Regel Holzfässer oder Edelstahltanks. Im Rheingau gibt es einen Winzer der benutzt wieder Amphoren. Die Rede ist vom Weingut Peter Jakob Kühn.

Ich habe schon viel von dem Kühnschen Amphorenwein gehört, hatte aber noch nie die Gelegenheit ihn zu probieren. Nach allem was ich so über diesen Wein vernommen habe, scheint er eher ein “Spalter” als ein allgemein beliebter Wein zu sein. Das an sich gefällt mir ja schon ganz gut. Also, Flasche auf und los…

2005 Amphore, Riesling trocken, Tafelwein, Rhein, 13.0%

Die Farbe an sich spricht schon Bände. Der Wein sieht aus wie ein wirklich alter und gereifeter Riesling. Ganz und gar nicht wie einer aus 2005.  Geruchlich hat das mit Riesling überhaupt nichts zu tun. Ich käme nie auf die Rebsorte. Allerdings riecht es faszinierend. Wie eine Mischung aus Honig, Malz und einem Hauch von Menthol. Ein wenig erinnert mich der Geruch an einen gereiften weißen Châteauneuf. Geschmacklich ist auch alles irgendwie ein wenig anders. Es schmeckt nach Kräutern, Bergkäse (!), irgendwie ist es ein wenig bitter und die Säure ist auch relativ unerwartet präsent. Ich bin verwirrt und gestehe erhlich, dass ich mir momentan kein wirkliches Bild von dem Wein machen kann. Ich werde ihn mal dekantieren und schauen was passiert…

Einen Tag später:

Der Wein hat sich nicht verändert. Geruchlich ist alles so wie gestern. Geschmacklich auch. Einzig der Nachgeschmack ist anders. Es schmeckt ziemlich lange nach und nach ungefähr drei Minuten kommt eine Frucht, die mich ein wenig an Pfirsische erinnert.

Fazit

Ein wahrlich komplizierter und extrem anspruchsvoller Wein, der sich mir persönlich nicht wirklich gänzlich erschließt. Ich bin mir nicht sicher, ob ich davon eine Flasche trinken könnte. Ich fand das eine Glas schon reichlich anstrengend. Ich werde den Wein aber weiter beobachten…

15 Kommentare zu “Wein aus der Amphore

  • Thomas

    Interessant. Ich habe den Wein vor etwa einem Jahr das erste mal verkostet. Ähnliche Erfahrungen. Allerdings empfand ich damals die Pfirsichnote oder Aprikose(?) extrem dominant. Sollte sich der Wein in dem Jahr so verändert haben? Bin mal gespannt. Zwei Flaschen sind noch da.

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  • Robert Naser

    Langsam wird das wohl zum Trend, Berhard Ott macht das ja auch.

    Vielleicht sollte man eher mal Rotwein in der Amphore machen, der kommt der Luft bei der Vinifikation besser klar.

    Noch einen Schritt weiter zurück in der Geschichte des Weins und wir essen wieder die angegorenen Traube vom Boden.

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    • Dirk Würtz Post author

      @juppi
      Tja… ich bin mir nicht sicher… Ich steh ja eigentlich auf die Freak-Show-Weine… der ist mir noch nicht freakig genug. Bei allen Extremen die er hat und zeigt wirkt er doch irgendwie ganz brav. Ich probiere ihn morgen noch einmal…

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  • Axel Biesler

    als das gemisch noch trübe in seinem tönernen gefäß lag, habe ich es zum ersten mal probiert. 2006 war das. und ich fands großartig, gewiss hats nichts mit riesling gemein gehabt, doch wohnte dem wein schon damals eine wunderbare kraft inne, dessen wirkung – so stehts zu vermuten – nur entsteht, wenn man winzer und seine geschichte kennt und eine gewisse affinität für solcherlei experimente mitbringt. bei meinem letzten versuch, diesen ‘wein’ zuzulassen, empfand ich so (eintrag 1.5.2010): http://www.diewein.de/weintagebuch/

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    • Dirk Würtz Post author

      @Axel Biesler
      Um das mal klar und deutlich zu sagen. Ich kenne den Betrieb und die Familie seit Ewigkeiten und ich bin ein großer Fan der Weine und der Menschen. Insbesondere schätze ich die Konsequenz und Bedingungslosigkeit mit der Peter Kühn in den letzten Jahren seinen Weg geht. Das ändert allerdings überhaupt gar nichts an meiner eher gespaltenen Haltung zu diesem Wein. Und ganz allgemein: Ich muss weder den Winzer, noch seine Geschichte kennen und schon gar keine Affinität zu irgendwas haben um eine “wunderbare Kraft und Wirkung” zu fühlen, spüren oder entstehen zu lassen. Ich kenne genug Weine, bei denen es mir so geht und bei denen ich nicht den Hauch von Schimmer habe wie der Winzer und seine Geschichte ist. Im Gegenteil, mich irritiert das eher und hindert mich am Versuch objektiv zu sein.

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  • Maria

    Guten Tag,
    das hört sich nach einem extrem spannenden Wein an. Gut bei einer Amphore kann ich mir gut vorstellen, dass, allein durch das andere Material, der Wein ungewohnt ist. Schade, dass ich bei etvini solchen Wein nicht bekomme. Ich werde einmal das recherchieren wo er statt dessen erhältlich ist.

    Freundliche Grüße,
    Maria

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  • Peter

    Bergkäse passt. Man kann es auch eingeschlafene Füße nennen, wenn man pointiert formulieren will. Er schmeckte wie ein preiswerter Riesling, der drei Wochen geöffnet auf der Fensterbank stand. Ich hatte leider nur eine Flasche. Denn sonst würde ich ihn einmal blind neben einem günstigen Riesling, der drei Wochen auf der Fensterbank stand, servieren und meine Weinrunde raten lassen, welcher Wein drei Euro kostet und welcher 45.

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  • Axel Biesler

    @Dirk Würtz
    klar, die gibt es auch bei mir, jene weine, die einen vom hocker hauen, ohne dass man vorher überhaupt irgendetwas von ihnen wusste. danach macht man sich meist klüger – an der erfahrung ändert das freilich nix mehr. im falle von kühns amphore wars umgekehrt, und das vorher gesammelte wissen wanderte in diese (jawoll!) ‘wunderbare kraft’. dass der wein sie mit “gespaltener meinung” zurücklässt, liegt auf der zunge seines zechers. zwei meinungen über einen wein, so what? mir hat das ungefähre wissen um die entstehung dieses weines jedenfalls geholfen, ihn zu verstehen und zu schätzen. einer klassischen sensorischen prüfung hält er sicher nicht stand, aber will er das? ich glaube nicht.

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    • Dirk Würtz Post author

      @Axel Biesler
      Ah… so kann ich gut damit leben. Ein Wein zwei Meinungen, d´accord. Mich hat nur zuerst diese “dass-muss-man-verstehen-können-Diktion” etwas irritiert…
      Ich glaube im Übrigen kaum, dass Kühns auch nur ein einziges Mal darüber nachgedacht haben, ob dieser Wein auch nur ansatzweise eine klassische sensorische Prüfung bestehen könnte. Bei diesem Wein geht es ja offensichtlich um etwas ganz anderes. Ich persönlich kann damit nur wenig, bis gar nichts, anfangen. Aber wie ich schon sagte, ich werde ihn sicherlich noch einmal probieren, ich bin ja kein Betonkopf. Wenn ich allerdings die Wahl habe, dann trinke ich mit großem Vergnügen den Schlehdorn und eben nicht die Amphore.

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  • pivu

    Ergänzend sei gesagt, dass Peter Kühn – noch – keine geotgischen Kveri (oder s.ä., also die echten Amphoren) nutzt, sondern Tonbehälter aus Spanien. IMO wird die Amphorengschichte viel zu viel hochgekocht, interessant ist die Weinwerdung rundherum, und da ist der Ausbau in der Amphore eine Komponente, nicht mehr und nicht weniger. Bernhard Otts Veltliner, den ich auf der VieVinum verkosten konnte, überzeugte mich sehr, spannend auch ein Chardonnay von Birgit Braunstein in der Amphore.

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  • Oliver

    Hallo Dirk,
    Deine Beschreibung spricht mir aus der Seele. Habe letztes Jahr mehrere Flaschen erstanden und dann auch kurz danach die erste geöffnet. Sie braucht einen Abend mit einem freien Kopf, man probiert, ist sehr verwirrt.. stellt weg… nach einigen Minuten noch ein Schluck.. wieder das gleiche…weil irgendwas faziniert usw. usw.. nach 7 Stunden war sie dann leer… Das ist ein Kopfwein und eine Herausforderung für jeden bewussten Weinliebhaber und definitiv kein easy drinking

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  • Eckhard Supp

    “Interessant ist die Weinwerdung drumherum” … dazu gehört auch die Tatsache, dass die georgischen Amphorenweine, die mich wirklich überzeugt haben, aus der Amphore erst mal ins Barrique und dann erst in die Flasche wanderten. Den Wein von Ott konnte ich gestern kosten und fand ihn viel zu streng und irgendwie zu “eng” ohne das aromatische “Leuchten”, das ein guter Veltliner zeigt. Die anderen Otts waren um Längen besser und lebendiger.

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  • pivu

    D’accord, dass es sicher der “bravste” von 4 Amphorenweinen aus Ö war. Muster und auch Ott füllen aus der Amphore ins Fass, Ewald Tscheppe direkt in die Flasche. Und um besser oder schlechter geht’s doch gar nicht, vielleicht um anders, dass manchmal Spaß macht, aber sicher nicht täglich. Zumindest noch nicht. Kein Wunder, wenn alles Premieren incl. bei Peter Kühn oder der 2. Jahrgang wie bei den beiden Steirern sind.

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  • Wolfgang Feierfeil

    Hallo Dirk,

    ich finde den Wein absolut faszinierend. Wie schon mehrfach erwähnt, ein Wein zum Beschäftigen. Für mich deshalb ein absoluter Freakwein, weil er sämtliche Grenzen überschreitet. Weil er verwirrt. Gerade diese Bernsteinfabe, diese ungewöhnliche Aromatik, die eher etwas liköriges erwarten lässt, um dann doch mit einem, lebendige Säurespiel zu überraschen, das meiner Meinung nach deutlich dem Riesling zugeordnet werden kann. Aber mehr wie ein Glas (wenn überhaupt) am Stück, möchte ich davon wohl auch nicht trinken.

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