Alles über Wein und den Rest der Welt…

Der “Jungweinwahn”

Jedes Jahr das selbe Spiel, an Weihnachten, spätestens im Januar/Februar,  geht das Geschrei nach dem neuesten Jahrgang los. Ich habe es satt und deswegen muss ich das jetzt mal hier loswerden. Wozu habe ich denn einen Blog…

Ihr lieben Weinfachleute, Händler, Sommeliers und Restaurantbesitzer, wo lebt Ihr denn? Wie habt Ihr denn Eure Kunden konditioniert? Ist es denn wirklich nötig, einen “pädophilen Weinboom” loszutreten? Ich glaube es eigentlich nicht. Und ich will es auch nicht glauben. Da fragt mich doch gerade einer, wann denn endlich der “Nullneuner” verfügbar ist. Ich dachte, ich hätte mich verhört und habe ihm gesagt, dass wir doch gerade erst (vor vier Monaten) den “Nullachter” gefüllt haben. “Macht ja nix”, sagt er, “wann bekomme ich denn den aktuellen Jahrgang?”. Als ich daraufhin erwiderte, dass 08 der “aktuelle Jahrgang” sei und ich keinen blassen Schimmer habe, wann wir den “Nullneuner” füllen, hatte ich wieder einen Kunden weniger. So sieht sie aus, die bundesdeutsche Premiumweinwelt!

Ich rede hier nicht von der Basisqualität für jeden Tag, sondern von den Weinen mit Anspruch aus dem gehobenen Segment. Da wird überall die ewige Litanei von Terroir, Spontanvergärung, langem Hefelager und “kontrolliertem Nichtstun” – wer hat es erfunden ;-) – gebetsmühlenartig wiederholt, aber der Wein hat bitteschön fix und fertig im Februar versandbereit zu stehen. Am liebsten schon mit den passenden Verkostungsnotizen und Bewertungen. So geht das nicht!

Komischerweise erlebe ich das nur hier bei uns im Land. Im Ausland ist das, im unserem Fall jedenfalls, kein Thema. Selbst die viel gescholtenen Amerikaner, die ja angeblich so überhaupt keine Kultur haben, haben verstanden, dass man Wein dann verkauft, wenn er am Besten schmeckt. Warum funktioniert das hier nur partiell bis überhaupt nicht? Die Antwort ist relativ einfach. Wir haben uns in den letzten Jahren einer Weinkonsumkultur hingegeben, die ganz bewußt auf das Vernichten von Jungweinen getrimmt war. Beispielsweise ist dass das Schlimmste, was man einem gut gemachten Riesling antun kann. Jeder hat sein Teil zu dieser Kultur beigetragen. Die Produzenten, indem sie alle mit Jungweinen anstandslos gefüttert haben. Die Journalisten, die diese begierig nach neuen Geschichten aufgesaugt haben und die Sommeliers und Restaurantler, die dachten, sie können ihren Kunden nichts “altes” zumuten. Es kann mir auch keiner erzählen, dass es wirtschaftlich notwenig wäre, Mikromengen von Supergewächsen schnell zu verkaufen. Davon lebt keiner. Gelebt wird von den “Brot und Butter Weinen”. Alles andere ist ein angenehmes “Zubrot”. Übrigens kenne ich nur wenige Weinjournalisten, die in der Lage sind auch “Altweine” zu verkosten. Woher auch, ganz viele kennen so etwas gar nicht. Mit einem habe ich beispielsweise schon Unmengen solcher Weine getrunken, dem guten Markus Hofschuster. Der kann sowas und deswegen weiß ich auch, dass er das Potenzial von Jungweinen einschätzen kann (das mag vielleicht dem einen oder anderen nicht passen, aber es ist so).

Das Ganze treibt derartige Blüten, dass zweifellos anerkannte Spitzenproduzenten im Februar ihre Fassweine verschicken, damit die in einschlägigen Foren besprochen werden. Was ein Horror! Um es klar und deutlich zu sagen, jeder darf machen was er für richtig hält, aber wozu führt das? Zum nächsten Superjahrgang, der im hefigen Stadium schon definierbar ist? Wer kann das eigentlich? Ich bin schon so lange im Geschäft und habe da immer noch meine Zweifel an meiner eigenen degustatorischen Fähigkeit. Da sind mir wohl alle anderen um Lichtjahre voraus, vielleicht sollte ich künftig etwas anderes als Wein machen.

Mal ganz ehrlich ihr lieben Profis: Habt Ihr eigentlich schon einmal die wahre Pracht und Vollkommenheit eines gereiften Rieslings genießen dürfen? Eines Pinots oder eines Bordeaux, der mehrere Jahrzehnte auf dem Buckel hat? Das ist die wahre und reine Weinkultur und nichts anderes. Und ich rede hier nicht von Weinen jenseits einer bezahlbaren Grenze. Ich hatte gerade wieder einen Wein vom J.B. Becker aus dem Rheingau aus den achtziger Jahren. Der kostet fast nichts und ist jetzt perfekt zu trinken. Oder die Weine von Schloß Eltz. Da kostet heute ein Kabinett aus den sechziger Jahren 20(!) Euro und geschmacklich geht es kaum noch besser.

Was ist das Fazit?

Für mich ist das eigentlich ganz einfach. Wir müssen Aufklärungsarbeit leisten, wir müssen uns Zeit nehmen und wir müssen den Menschen erklären, dass zu einem Wein mit Anspruch mehr gehört als das Gefasel von Verarbeitungsmethoden, die so oder so keiner mehr ernsthaft glauben kann. Die Welt besteht nicht nur auz Spitzenweinen, die so toll gemacht sind, dass sie verschwinden, bevor sie gefüllt gehören. Solche Weine füllt man frühestens, wenn es im Weinberg wieder blüht. Später ist auch in Ordnung.

Liebe Kollegen, falls ich jemandem auf die Füße getreten sein sollte tut mir das leid, aber nur ein wenig…

47 Kommentare zu “Der “Jungweinwahn”

  • Markus Stolz

    Finde es toll, dass Du so klar Stellung beziehst – zu einem brisanten Thema. Ich war mir bisher gar nicht bewusst, dass in Deutschland ein solcher Jungweinwahn besteht. Gibt es denn diesbezüglich keinerlei Regulierung? In Griechenland ist es beispielsweise so, dass rote Grande Reserve Weine erst nach 4 Jahren und die weissen Grand Reserve Weine nach 2 Jahren auf den Markt gebracht werden dürfen. Auch ausserhalb dieser Regulierungen bringen die guten Weinmacher ihre Rotweine relativ spät auf den Markt, so ist in vielen Fällen gerade erst der 2007er Jahrgang geliefert worden.
    Schreit denn der Endkonsument nach jungen Weinen, oder liegt es eher am Fachhandel etc. der es eben immer so gemacht hat? Dementsprechend muss man die Zielgruppe für die angesprochene Aufklärungsarbeit identifizieren.

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    • Dirk Würtz Post author

      @Markus Stolz
      Nein, eine gesetzliche Regelung gibt es bei uns in D nicht. Ein solcher Versuch würde wahrscheinlich auch sämtliche Funktionäre auf den Plan rufen, die Zeter und Mordio schreien. Was es gibt, ist die Selbstbeschränkung des VDP, dass Große Gewächse erst ab dem 1. September des Folgejahres auf den Markt dürfen. Das ist eigentlich ein sinnvoller Anfang.

      Diese Situation hier bei uns entsteht aus dem Zusammenspiel Erzeuger-Medien-Fachhandel-Gastonomie. Da ist ein Kreislauf am drehen… Eine freiwillige Selbstbeschränkung kenne ich nur von ganz wenigen Erzeugen wie beispielsweise Koehler-Ruprecht, der dafür aber auch schon von diversen Weinführern abgestraft wurde.

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  • Hermannsbergblogger

    Zustimmung, Zustimmung, Zustimmung!
    Bei J.B.Becker geht die aktuelle Weinliste zurück bis zum Jahrgang 1990 bei den Trockenen. ich bin erst vor kurzem dort gewesen und verbeuge mich vor dem grandiosen Trinkfluss der 2002 Walkenberg Alte Reben. An dieser Stelle sollte auch auf das Weingut Querbach hin gewiesen werden, Zur Prowein wird es dort bestimmt nur 08 zu sehen geben.
    Ich persönlich hätte es allerdings ganz gerne wen über reife Eltz geschwiegen wird, sonst bekommt man bald nicht mehr ;-)

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  • Werner Elflein

    Lieber Dirk, ein großartiges Statement, das ich so zu 99% mit unterschreiben kann. Einen Prozentpunkt ziehe ich dir ab, weil es dir zumindest “ein wenig” leid tut, jemanden damit auf die Füße zu treten. Mir täte das kein bisschen leid. Ganz im Gegenteil, ich denke, dass man es vielen in der deutschen Weinszene gar nicht hart genug mit dem Holzhammer in ihren Schädel prügeln sollte, dass ein großer Wein gleich in zweifacher Hinsicht Zeit braucht: im Keller und in der Flasche. Nicht ohne Grund bespreche ich in meinem Blog am liebsten reifere Weine und zeige dem Jungweinwahn auf diese Weise immer wieder gerne den virtuellen Mittelfinger. Dennoch gehört auch das Beurteilen von Jungweinen und die Beobachtung eines Weines in mehreren Reifestadien “mit zum Spiel”. Wer diese Entwicklung noch nie in seinem Leben verfolgt hat, kommt zweifellos regelmäßig zu grandiosen Fehleinschätzungen. Aber die meisten, die über Wein schreiben und Trinkprognosen abgeben, tun dies lediglich anhang von Mustern, die ihnen einmalig im Leben bei irgendwelchen Präsentationen vorgesetzt werden.

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  • Wein_Spanien

    Endlich jemand, der auf diesen Wahn deutlich hinweist. Man braucht sich nicht zu wundern, wenn bei so mancher Bestellung des Jahreskontingents eines Händlers dessen Lieferanten, bzw. Erzeuger nur noch den Kopf schütteln können. Die mit dem Wein immer assozierte innere Ruhe ist natürlich dabei vollkommen auf der Strecke geblieben. Die Gedankenmentalität des immer besseren, immer schnelleren und frühest möglichen passt sich dem allgemeinen Trend einer überhasteten Gesellschaft an. Viel Spaß, denn die Qualität und der gute Geschmack bleiben auf jeden Fall dabei auf der Strecke. Die Weinkultur leidet unter dem Verfall der Wertigkeiten und der Hype des Neuen wird zu einem höchst erstrebenswerten Zustand auf Dauer auserkoren. Viele Weinbaubetriebe sind natürlich im Zuge der weltweiten Wirtschaftskrise auch besonders in finanziellen Dingen sensibilisiert und manch einer wird versucht sein diesem Trend zu folgen um besser überleben zu können. Das wird unvermeidlich den Ärger der geschmacksbewußten Verbraucher nach sich ziehen. Man ist versucht zu sagen, macht ruhig alle weiter, so trennt sich alsbald die Spreu vom Weizen!

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  • Der Direttore

    Auf der philosohischen Seite geh ich mit der Kritik absolut mit und finde diesen globalen Jugendwahn in allen Subkulturen albern, weil soviel Erfahrug,Reife und vor allem Charakter auf der Strecke bleibt! Also Dirk, soweit konform und weiter aufkl… Mehr anzeigenären!
    Nur kleiner Hieb: Wir Vetriebler sind Wiesel und Papparazzi! Und wenn man in dutzenden Social Media Plattformen den Jahrgang 2009 als einen “Jahrhundertjahrgang” in Rheinhessen anpreist, macht man eins, man macht die Händler “scharf”! Wer also mehr Gelassenheit fordert, muss auf Superlative achten…

    LG

    Der Direttore

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  • Claus

    JA!JA!JA!
    Was freue ich mich, wenn ich 2007er jetzt aufmache, dieser Jahrgang mit der unendlich langen Vegetationsperiode. Ich will noch keinen 2008er oder gar 2009er trinken. Da lob ich mir doch den Löwenstein oder den Andreas Barth, da gibts den 2009er frühestens im kommenden September…

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    • Dirk Würtz Post author

      @Denny Ramone

      Wir können dieses Beispiel Wein ganz problemlos auf alle anderen Lebensmittelbereiche übertragen. Das Schlimme daran ist, dass das momentane Lieblingswort aller, der Begriff der “Nachhaltigkeit” ist. Ein tolles Thema, für mich das spannendste Thema überhaupt. Leider reden nur alle davon und die Umsetzung ist suboptimal. Schau Dir an wie heutzutage Tiere gehalten werden. Egal ob Schweine, Kühe oder Rinder. Das ist die größte Sauerei aller Zeiten. Da rennen alle irgendwohin um sich Schinken für 79 Cent pro 100 Gramm zu kaufen um dann am Abend im Stile des allerbesten “Salon-Bolschewiken” über mangelndes Bewußtsein, die Öko-Katastrpophe und die Nachhaltigkeit zu schwadronieren. Auf der anderen Seite sehe ich, wie das wohl beste Rindfleisch hier im Umkreis (Waller) nur mit Müh und Not verkaufbar ist. 10 Kilo Pakete DEMETER zertifiziertes Rindfleisch für weniger als 100 Euro und das Volk jammert: “Oh Gott ist das teuer”. Und zwar nicht der Hartz4 Empfänger, sondern der Ingenieur, der Doktor, Der Architket, der Professor uswuswuswusw. Das ist alles total krank!

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  • Harald

    Du hast absolut recht! Beim Auto wird das 15 Euro Öl eingefüllt und für sich selbst muss es ein Öl für unter ein Euro.
    Der Jungweinwahn ist absolut nervend. Nur Jung muß er sein, schmecken tut der alte Jahrgang.

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    • Dirk Würtz Post author

      @Harald

      Genauso ist es! Und darauf habe ich keine Lust mehr und dewegen war es das für mich auch. Jetzt bin ich nur leider nicht wichtig genug in diesem Spiel. Da müssen die ganz großen Namen her um was zu bewegen. Aber als alter ehemaliger “Strassenkämpfer” ;-) glaube ich immer noch träumerisch an die Macht des Volkes…

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  • Markus Stolz

    Dirk, danke für Dein feedback – ich muss sagen dass ich jetzt wirklich schockiert bin. Für mich als nicht in Deutschland lebender Weinliebhaber ist es geradezu unfassbar, dass es keine gesetzliche Regelung gibt, wann ein Wein auf den Markt kommen darf. Das mag natürlich daran liegen, dass ich es “gewohnt” bin im Supermarkt Jahrgang 06 und 07 zu kaufen, in Weinhandlungen kann man in Athen problemlos 04 und 05 bekommen.

    Die von Dir angesprochene Selbstbeschränking des VDP zeigt aber doch, dass man sich zumindest ansatzweise darüber Gedanken macht, die Weine nicht sofort auf den Markt zu bringen. Also scheint ja ein Interesse der Weinproduzenten gegeben…Dass diverse Weinführer ein Weingut abstrafen, welches sich Sebstbeschränkung auflegt, lässt mich sprachlos.

    Ich gebe Dir vollkommen Recht, dass die Situation im Ausland ganz anders gesehen wird. Dort würde man applaudieren, wenn Weinmacher Entscheidungen treffen, welche die Qualität ihrer Produkte betreffen. Es wäre sehr wünschenswert, auch in Deutschland klare Zeichen zu setzen. Ich habe viel von Deinem Beitrag gelernt – besten Dank.

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  • Mario Scheuermann

    Das Problem hat mehrere Ursachen.

    1) ein Teil der Medien (nicht alle!), die sich einen Wettlauf liefern um die Wasserstandmeldungen

    2) Verkoster, die ihre Reputation nicht daraus beziehen, dass sie halbwegs ausgewogene, abschliessende Urteile zu Weinen abgeben, sondern daraus, dass sie die ersten sind die… Mehr anzeigen über den Wein schreiben.

    3) (und das muss auch mal gesagt werden) sind die meisten Verkoster überhaupt nicht in der Lage Jungweine zu probieren und zu bewerten. Von den 4000, die alljährlich nach Bordeaux reisen könnten auch 3.600 zuhause bleiben. Das gilt ganz besonders auch für Händler und Einkäufer! Nicht nur für Journalisten.

    4) Die Verbraucher, die immer nur das Neueste für das Beste halten und denken sie seien Kenner, nur weil sie den Wein früher getrunken haben als andere. Dabei sind sie nur Banausen. 4) die Sommeliers die jedem Deppen, wenn er nur das dafür nötige dicke Portmonnaie hat und mit der nötigen Selbstherrlichkeit auftritt, nach dem Mund reden, statt mal den Mut zu haben NEIN zu sagen.

    5) und nicht letztens (weil ohne die ginge das alles nicht) die Erzeuger, die sich von diesem Zirkus unter Druck setzen lassen und selbst noch einen mit allen technischen Schikanen früh glanzhell und stabil gemachten Wein als “spontan vergoren”, “terroirgeprägt” und “komplex” anpreisen. Und keiner wagt es mit dem Finger drauf zu zeigen und es als da zu bezeichnen was es ist: ausgezogene Weine oder des Kaisers neue Kleider. Dieses Interessensgeflecht ist mindestens so dick wie der gordische Knoten und es bedürfte schon brachialer Mittel um den zu zerschlagen. Das gilt aber heutzutage als unfein.

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  • Harald

    @ Dirk
    Das ist ein ganz großes Problem geworden. Der “Alte” Jahrgang mutiert sofort zum Ladenhüter, wenn der Neue Wein auf den Markt kommt. Lust darauf hab ich nicht, aber der Markt verlangt es und da muß ich leider mitspielen. Man plant nur noch für das folgende Vermarktungsjahr bis zur nächsten Ernte. Ist zwar gut für den Kapitalumschlag aber den reifen Weinen aus der vorherigen Ernte wird es nicht gerecht.

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    • Dirk Würtz Post author

      @Harald

      Ja, das ist schon ziemlich pervers. Hast Du “ältere” Jahrgänge, die viel Trinkfreude bereiten heißt es gleich: “Der kriegt seinen Wein nicht los…”. Und natürlich ist es nicht gerade einfach die Kunden dahin zu bringen, dieser Philosophie des größten Trinkvergnügens zu folgen. Dafür ist der Jungweinwahn viel zu etabliert, leider.

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  • Friedrich Bolle

    Wer hat eigentlich dem dummen Verbraucher , sprich dem Banausen gesagt er soll Jungwein trinken ??

    Keiner will es gewesen sein… der diese Marketingkampagne angeschoben hat??

    Mit Jungweinen wurde und wird doch auch Geld verdient oder ?? :-)

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  • Iris

    Jetzt mach ich’s mal wie Herr Scheuermann und kopiere hier meine Kommentare aus Facebook, alle Deine Blogleser sind da ja nicht vertreten (immerhin jetzt schon 67 Kommentare, also wirklich ein brisantes Thema:
    Also: Ich mache seit unserer Anfangszeit “langsame Weine” (ich glaube, “Slow(w)ine” gibt es übrigens schon – aber vielleicht noch nicht in der denglischen Version:-).

    Wenn man seine Weine 1,5 bis 2 Jahre im Keller ausbaut,geht das ja auch gar nicht anders.

    Habe aber auch erst vor ein paar Tagen bei unserer Dégustation in Montpellier festgestellt, dass selbst Fachverkäufer oft sehr erstaunt sind, wenn man ihnen 2002 aus schenkt, um einen Eindruck zu vermitteln, wie unsere 2007 sich entwickeln könnten, wenn sie aus dem Babystadium ins frühe Erwachsenenalter kommen. Die brauchen eben nicht nur Zeit im Weinberg,um zu reifen, sondern dann auch im Keller (langsame Gärung auf den natürlichen Hefen, Malo, wenn der Wein so weit ist – das kann dauern… sondern dann auch beim Ausbau, der natürlichen Klärung (meist zwei Winter) – beim Abfüllen von Hand – bei der Flaschenlagerung – und da sie nach all dem nicht billig sind,manchmal auch beim Verkauf – und dann eben noch mal beim Trinken: atmen lassen, nichts zum runterkippen, sondern zum langsamen Genuss… am besten bei einem gutenEssen – und das auch lieber slow als fast….

    Und da das nicht in Mode ist, braucht auch der Aufbau der Kommunikation darüber seine Zeit – und passt nicht immer in 140 Zeichen:-).

    Aber wenn jetzt selbst Du das Thema aufgreifst, Dirk, denkt vielleicht doch noch mal der eine oder andere im fast web darüber nach und fragt bei seinem Weinhändler nach reiferen Jahrgängen oder setzt sich beim Winzer auf die Warteliste – schön wär’s!

    Und Harald: wenn Du noch ältere Jahrgänge hast, bin ich durchaus interessiert für meine nächste Bestellung – die beiden letzten Kartons haben nämlich leider keine Zeit zum Reifen gehabt – wurden einfach mit viel Vergnügen jung getrunken:-) mea culpa!

    Reply
  • Friedrich Bolle

    Eine Fundsache aus dem Blog von Markus Stolz:

    Personally I also observe that nearly all wines are drunk young in Greece, the concept of storing and ageing wines is a relative new one for the Greek consumer.

    Reply
  • Markus Stolz

    @Friedrich Bolle Richtig, die Weine die nicht den gesetzlichen Bestimmungen unterliegen, wie z.B. EO und TO werden oft sehr jung auf den Markt gebracht. Insbesondere Weissweine werden in GR viel zu jung getrunken, so ist Assyrtiko sehr lagerfähig. Bei den Reserve bzw. Grande Reserve Weinen sind die Bestimmungen vorgegeben, und damit gibt es eine ganze Reihe von Weinen, die erst nach 2 bis 4 Jahre auf den Markt kommen. Allerdings werden auch diese dann vom Konsumenten getrunken, sobald sie erhältlich sind. Der von Ihnen angesprochene Kommentar aus meinem Blog sprach dies an.

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    • Dirk Würtz Post author

      @BerlinKitchen

      Was möchtest Du denn mit Deinem Kommentar zum Ausdruck bringen. Isch nix värstehe…

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  • Peter Jakob

    Kleine Anmerkung: Der Jungweinwahn ist meiner Erfahrung nach kein ausschließlich Deutschland betreffender. Als ich letztes Jahr in Wien war, fiel mir in den Weinkarten der Weinbars auf, dass viele der angebotenen Weine eigentlich noch viel zu jung waren. Von verschiedenen Sommeliers hörte ich, dass die österreichischen Verbraucher nur ganz junge Weine schätzten. Bereits einen 2-3 Jahre alten Bordeaux könne man nicht mehr vermitteln. Irrsinn in anscheinend grenzüberschreitend.

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  • Felix Peters

    Hallo Dirk! Ich fühle mich mal angesprochen als Erzeuger, der seine Weine im Netz viel zu früh anbietet. Ja, wir bieten einen 09er Riesling Bodenschatz und den 09er Rosé zum probieren an. Das sind aber unsere Basisqualitäten und ich habe zu keinem Zeitpunkt Jahrhundertwein oder ähnliches geschriehen. Ich glaube, dass 09 ein toller Jahrgang ist und vielleicht unser 09 Bodenschatz Riesling noch etwas Entwicklung braucht. Aber all die anderen Weine in unserem Keller, die noch auf der Vollhefe liegen, geschweige denn die Pinots möchten auch irgendwie gepflegt werden und ich muss auch für die neue Vegetationsperiode richten. Ganz ehrlich brauche ich jetzt im März auch schon etwas Geschäft, da 08 bei den Kunden und Händlern ist.
    Ich bin großer Fan von gereiften Weinen und wir haben verschiedene Rieslinge mit Absicht zurückgehalten um sie in Zukunft vereinzelt auf den Markt zu bringen. Unser Rotschiefer zum Beispiel ist unser wichtigster Wein, der kommt Mitte April auf den Markt und die Hauptvermarktung findet im Herbst statt und auch mal im zweiten Jahr, wie jetzt auch mit 08 bis ca. April.
    Also entweder gute leckre Basis etwas zu frisch oder Rieslinge mit Potenzial nach einiger Zeit. So ist es bei uns.
    Grüße von Felix Peters

    Reply
    • Dirk Würtz Post author

      @ Felix Peters
      So ist es doch auch richtig. Von der Basisqualität spreche ich ja auch ausdrücklich nicht. Die Tatsache, das Ihr bei St. Antony die Weine aus dem mittleren und dem Premiumsegment zurückhaltet bis sie schmecken ist doch genau das, was ich gemeint habe.

      Reply
  • Peter Schreiber

    Eigentlich sollte in der Weinwelt das Wort Vermarktungsdruck als Unwort des Jahres ernannt werden. Da spricht ein WAHRER Kollege. Danke… reine Inspiration :-) Kultur zu bewahren, bedeutet auch warten zu können bis sie entstanden ist….

    Reply
  • Volker

    Mir kommt das schnelle in den Verkauf bringen auch etwas so vor wie das Outsourcing der Lagerhaltung z.B. in der Automobilindustrie. Das Lagern wir auf den Komsumenten verlagert, was dem Winzer Lagerkosten und Kapitalbindung spart. Leider haben die Komsumenten kein Wissen um die Lagerfähigkeit von Weinen und sicher oft auch keinen adäquaten Lagerplatz. Man denke an die kleinen Kellerräumen in den Neubauten, in dem man außer seinem ganzen übrigen Kram dann auch noch ein großes Regal für seinen “Weinkeller” unterbringen soll…

    Reply
  • Gerrit

    Also einen guten 09er Basisriesling kann man sich in Bälde bestimmt gut antun … da will ich nicht laut aufschreien. Aber ansonsten stimme ich auch zu, dass dem Jungweinwahn entgegengetreten werden sollte.

    Nur sollte man dabei auch schauen, wo er herkommt. Es ist nämlich richtig, dass nicht nur Verbraucher oder nur Erzeuger daran schuld sind, sondern irgendwie doch alle Beteiligten … schnell den Keller wieder frei gemacht, schnelles Geld … und die Ungeduld der Verbraucher. Ich freue mich nämlich auch auf 09 … ;)

    Reply
  • Markus Vahlefeld

    “Seltsam des Propheten Lied, doppelt seltsam was geschieht.” Hm… jetzt klopfen sich alle mit der richtigen Meinung gegenseitig auf die Schulter. Aber was genau ist gemeint? Also, Alltagsweine, mit denen das Brot- und Buttergeschäft gemacht wird, sind ganz explizit davon ausgenommen. Süssweine ebenfalls, klar. Es geht um die Spitzenweine. Diese aber – und es gibt vielleicht eine Handvoll, die nicht – werden von VDP-Weingütern auf den Markt gebracht. Im September des Folgejahres. Oder später noch (Heymann-Löwenstein, Van Volxem, Kühling-Gillot und etliche andere). Ist das bereits der Jungwein-Wahn? Kann ich nicht glauben! Im Moment purzeln so einige Alltagsweine auf den Markt – aber die sind ja ausgenommen. Ausserdem: vor allem Weissweine – vor allem Rieslinge – haben einen bestimmten Charme, wenn sie jung sind. Der vergeht mit der Zeit und macht einem ANDEREN Charme Platz. Aber welcher Charme ist jetzt der bessere? Und der, der Jungweine schätzt, ist jetzt wahnhaft? Hm… Und ist das ganze vielleicht ein Problem der nicht-VDP-Güter, die eben ohne “Organisation” auf den Markt kommen und daher in Einzelkämpfermanier um die wenigen Plätze rangeln? Und ist jung gekauft gleich jung getrunken? Mehr Fragen als Antworten. Oder habe ich etwas nicht verstanden? Trotzdem, Schulterklopfen tut immer gut…

    Reply
    • Dirk Würtz Post author

      @Markus Vahlefeld
      Da spricht er, der Philosoph. Schön, dass Du Dich zu Wort meldest.

      Schulterklopfen… na ja, zwangsläufig muss das so klingen, da sowohl hier als auch auf facebook allem Anschein nach keine “Jungweinfreunde” mitlesen. Klar, hat ein Jungwein seinen eigenen Charme, nämlich den der Jugend. Das ist ähnlich wie bei den zwischenmenschlichen Beziehungen ;-)

      Reply
  • Markus Vahlefeld

    Na, ich verstehe immer noch nicht, was mit WAHN gemeint ist… Da sind die Supermärkte, in denen heute noch 2006er Rieslinge halbtrocken stehen. Und da sind die Fachhändler, die mit Mikromengen versorgt werden – und wenn die nach 1 Jahr nicht weg sind, fragt sich jeder, ob das wohl ein schlechter Wein ist – oder zumindest mit einem schlechten PLV. Da ist mal wieder Angebot und Nachfrage die Zauberformel. Und natürlich kaufen sich die Weinfreaks, die hier am lautesten WAHN schreien, die jungen Weine – weil gereift bekommen sie sie nicht mehr. Dieses Schulterklopfen meinte ich. Man erhebt sich über die “Jungweintrinker” und macht selbst den Run auf die Jungweine mit, weil man Sammler oder Kenner oder was auch immer ist. Die größten Kritiker der Elche, waren bekanntlich selbst mal welche. Nur so Gedanken…

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  • Patrick Johner

    Der Ursprung dieser Diskussion lag doch bei einem Anruf, wann denn der 2009er endlich kommen würde… Man möchte ja schliesslich den “Jahrhundertjahrgang” nicht verpassen und evtl. damit selbst Werbung machen?!? Dirk wollte sich hiermit nur etwas Luft schaffen und nicht ständig die gleiche Antwort abgeben müssen. Als kleiner Tipp sollte man wohl eine kleine Info-Box in die Webseite / Blog einbauen, der über die angepeilten Erscheinungstermine Auskunft gibt… Dann kann man am Telefon höflich darauf hinweisen… und irgendwann ein ReleaseSalesStream (RSS-Feed) daraus basteln ;-)
    Oder einfach einen Twitteraccount mit solchen Infos füttern und Ihn per RSS (wie der Twitter-Feed) hier einfügen :-) ))

    Reply
  • Marc Herold

    Ich sehe das ähnlich wie Markus. Beim entsprechend begehrten Produkt kann man seine Kunden “erziehen”. Ansonsten würde ich das Interesse an dem jungen Wein auch erst mal positiv sehen. Da gibt es Kunden, die etwas kaufen wollen. Das ist ja per se nicht schlecht für einen Winzer…
    Ich sehe hier aber auch ein Bedürfnis nach Information (Wie entwickelt sich der Wein? Vergleich mit anderen Jahrgängen…Was gibt es überhaupt für Weine, trocken, edelsüß etc?). Dieses Informationsbedürfnis der Kunden wird von den meisten Winzern ignoriert. Solche Infos könnte man auch prima auf eine HP stellen, dann müssen die Winzer die Leute nicht immer mam Telefon zusammenstauchen…;-)

    Viele Grüße

    Marc

    Reply
  • jokel

    Danke Dirk, die diese Ermahnung dazu dem Wein die Zeit zu geben, die er braucht, haben viele nötig. Ich hatte neulich einen 2001er Würtz 2, der ist jetzt richtig lecker!

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