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Cocooning – Fluch oder Chance?

Viele Trendforscher benutzen momentan gerne einen Begriff: “Cocooning”, zu Deutsch “verpuppen”. Mit diesem Begriff soll der allgemeine Rückzug aus dem gesellschaftlichen und öffentlichen Leben in das private häusliche Umfeld beschrieben werden. In Zeiten wie diesen bedeutet dies eine deutliche Veränderung des Konsumverhaltens.Eigentlich müßten sämtliche Weinversender dieser Welt jubeln und die Gastronomen leider weinen. Wein wird zwar gekauft, hochwertige Nahrungsmittel wohl auch, aber konsumiert wird das Ganze im hauseigenen “Cocoon”. Ging man früher noch mit den Kumpels um die Ecke zum Wein oder Bier, trifft man sich nun zu Hause und trinkt dort. Irgendwie ist das auch nachzuvollziehen, insbesondere wenn man in seinem “Cocoon” ein soziales Umfeld kreiert.

Doch wie soll man als Produzent oder Händler auf dieses Phänomen reagieren? Wer erstetzt im heimatlichen “Cocoon” die Beratung, den Sommelier oder den Wirt? Und schon sind wir wieder beim liebsten aller Temen, dem web 2.0! “Cocooning” ist keine Pest, sondern eine Chance (für die Gastronomie natürlich leider weniger). Wer sich Gedanken macht und sich im web 2.0 richtig positioniert könnte eine direkte Leitung in diese “Cocoons” bekommen. Mehrwertinformationen und natürlich auch Unterhaltung sind die wichtigen Dinge, die zum eigentlichen Produkt als Zusatz zu liefern sind. Hier bietet sich eine große Chance für online Weinhändler und auch Weingüter. Es genügt heutzutage nicht mehr einen Weinshop in das Netz zu stellen, der sich im wesentlichen auf das Verkaufen von Wein beschränkt. Zusatzinfos müssen her, kurzweilig und leicht verständlich. Das kann in Form eines integrierten Blogs sein (so wie bei uns hier) oder durch diverse social networks wie beispielsweise “Facebook” passieren. Am Besten durch eine Kombination von allem. Eine eigene Gruppe auf Facebook zu gründen ist übrigens kein Hexenwerk. Und die Zeit, die man im Netz mit der Kommunikation mit potenziellen Kunden verbringt ist ja wohl alles andere als vergeudet!

Viele schrecken davor zurück, weil sie glauben es sei zu viel Arbeit und außerdem würde es so oder so niemanden interessieren. Alles Quatsch. Planvoll vorgegangen ist das Ganze, wenn es erstmal läuft, überhaupt nicht so anstrengend. Nebenbei bemerkt ist es effektiver als irgendwelche “Papiermalings”. Die kostn viel Zeit und viel Geld, sind schneller überaltert als verschickt und landen bei den meisten im Papierkorb. Im Übrigen sollte man einen Faktor nicht vergessen: In absehbarer Zeit werden alle sogenannten Entscheider dieser Welt Menschen sein, die eine Zeit ohne Internet gar nicht mehr kennen. Gleiches gilt natürlich auch für die Konsumenten!

6 Kommentare zu “Cocooning – Fluch oder Chance?

  • Stefan Schwytz

    Homedrinking is killing gastronomy ;-) Aber genau so sehe ich es auch. Kommt der Weinkonsument nicht zur Weinquelle, so muss der Händler/Produzent eben sich einen Weg “in den Cocoon” suchen, Social Media machen’s möglich. Für mich immer wieder erstaunlich, wie wenige Winzer/Weinhändler die Möglichkeiten des WebZwoNull nutzen und allein auf eine statische Webseite mit Billigshop von der Stange vertrauen, und dafür teure nichtssagende (Papier-)Mailings verschicken…

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  • der Ultes

    Hallo Dirk,

    zu “Wer erstetzt im heimatlichen “Cocoon” die Beratung, den Sommelier oder den Wirt?”: Das ist der Punkt wo die Weinfachberater im Handel ins Spiel kommen!

    ;-)

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  • CaptainCork

    Ich sehe es wie Bolle: Schmarrn aus den 80ern. Cocooning findet nicht statt, anstelle aber mehr Home-Cooking (mit Freunden) und – aus üblich deutscher Angst und deutschem Geiz – Abstinenz. Die Leute bleiben mehr daheim, weil sie glauben, das Ersparte rette sie vor dem bevorstehenden Jobverlust. In Österreich, in der Schweiz, sind die Lokale voll. Also: Alarm abblasen..

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  • Volker

    “Wer erstetzt im heimatlichen “Cocoon” die Beratung” – es ist ja nicht so, dass die Leute nicht das Haus verlassen würden. Nahrungs- und Genussmittel werden durchaus im Laden gekauft, wo der Fachhändler auch beratend tätig werden kann. Nur der Konsum erfolgt zuhause im Freundeskreis. Warum auch nicht? Daheim ist es gemütlich, da “stören” keine anderen Gäste oder Lärmkulissen, gemeinsam Kochen wird zum Freizeit-Event und gelebtem Miteinander. Und eine gute(!) Flasche Wein zu Hause getrunken, kostet mich soviel wie im Restaurant eine Flasche von der ganz günstigen Art.
    Habe ich Lust, bedient zu werden und mich nicht um Einkauf, Zubereitung, Abwasch zu kümmern, und habe das Gefühl, “unter Leute zu müssen”, dann geht man auch gerne was essen oder trinken.
    Im übrigen ist Cocooning ja nicht neu, das Wort geisterte schon vor ein paar Jahren rum. Ich hatte eigentlich gehofft, das Wort sei out, weil ich es aufgesetzt finde.

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  • Joerg Meyer

    Ich gebe den Vorrednern recht. Kein mir bekannte aktuelle Trendvorschung spricht vom Cocooning – das war wohl eher Ende der achtziger, Anfange der neunziger.

    Und ich hoffe, man erlaube mir eine kleine Kritik:

    Viele Weinblogger reden mittlerweile mehr über Social Medi als über Wein. Man hat den eindruck Sie wären lieber Social Media Experts / Marketing Referenten statt Wein Liebhaber.

    Sorry to say – aber ich habe nun seit einiger Zeit “Wein Blog” auf dem RSS Feed, weil ich die “Szene” mal etwas näher kennen lernen wollte…nur schreibt hier eigentlich ncoh wer über Wein? (Man möge mir Verzeihen – selbstverständlich ist das etwas übertrieben…)

    Oder gehts nur ncoh um das Web 2.0? Web 2.0 ist ledigleich ein Tool. Vom begandeten Weinbuch Autor will man halt viel über Wein wissen, nicht über seine Art und Weise Bücher zu schreiben.

    Kurzweilige und leicht verständliche Unterhaltung braucht man so wenig wie ein Loch im Kopf. Facebook Gruppen sind das allerletzte und sorgen nur für einen erheblichen Facebook Spam. Wir Bartender haben vor gut 4 Jahren angefangen, uns international auf Facebook zu versammeln. Mittlerweile sind es gut 1500 Kontakte und diese FB Novizen mit Ihem Gruppen und Page qautsch nerven unglaublich. Man sollte aufpassen, das seine Social MEdia Aktivitäten nicht zu SPAM verkommen.

    FB, Twitter, Blog, Videoblog und meinetwegen auch die neuste Weinblogger Spielwiese Posterous. Aber am Ende des Tages kommt es auf den Inhalt an. Wie beim Wein. Das auf die Trommel schlagen hilft wenig, wenn man eigentlich nur Oberflächliches zu sagen hat.

    Ich hoffe das wird nun nicht missverstanden … ich “beobachte” die Wein Blogger Szene nur seit einiger Zeit und denke mir: Können die mal aufhören über diesen Social Media Quatsch zu schreiben. IT Blogs schreiben über WEB 2.0 … Weinblogs über Wein. Und weniger Social Media ist manchmal mehr.

    Gruß

    Jörg Meyer

    @Jörg Meyer

    Eines vorweg: Ich freue mich über jegliche Art von Kritik und die daraus entstehenden Diskussionen. Jetzt kommt das “ABER”:

    Ich sehe das völlig anders, dies ist auch an die Adresse der “Vorkommentatoren” gerichtet. “Cocooning” findet sehr wohl statt. Und wie! Wie ich darauf komme? Ganz einfach. Ich bin hier an der Basis, im realen Leben sozusagen und beobachte sehr aufmerksam, was meine Kunden und Konsumenten tun und was sie nicht tun. Ich unterhalte mich mit ihnen auch darüber. Nebenbei, ich bin auch immer noch ein “normaler Konsument”. Fakt ist, ich erlebe dieses “Cocooning” tagtäglich.

    Zur web 2.0 Geschichte. Auch das sehe ich ganz anders. Auf allen mir bekannten Weinblogs ist das Thema Wein nach wie vor im Mittelpunkt. Selbstverständlich redet oder blogt man auch über das web 2.0 und alles was dazu gehört. Ist doch auch ganz klar. Das ist in unserer traditionellen und manchmal leicht antiquierten Weinwelt etwas Neues. Die Tatsache, dass ich das gerne thematisiere hat einen ganz einfachen Hintergrund. Ich möchte so viele Kollegen wie möglich mit dieser Thematik vertraut machen. In der weinproduziernden Welt ist dieses Thema nämlich noch lange nicht angekommen. Es ist aber sicher nicht so, dass das ein Schwerpunkt hier bei uns im Blog ist.

    Mindestens genauso kritisch wie Du/Sie sehe ich die Gefahr, dass manche Aktivität zum SPAM verkommt. Das ist allem Anschein nach ein momentan leider nicht zu bändigendes Problem. Insbesondere Twitter sehe ich hier mittlerweile sehr kritisch. Stellenweise ist das nichts anderes als ein merkwürdiger Chat, den die Welt nicht braucht.

    Alles in allem kann ich Deine/Ihre Kritik verstehen. Aber wie bei allem Neuen muss man ja erste einmal den Umgang lernenund dann seinen eigenen Platz in diesem Ding finden.

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