Alles über Wein und den Rest der Welt…

Dr. Motz und der Gault Millau

Bevor ich den aktuellen Kommentar von Dr. Motz hier einstelle, möchte ich zum 100.000 Mal klarstellen, dass Dirk Würtz nicht Dr. Motz ist. Im Übrigen haben ihn ja einige auch mitlerweile persönlich kennen gelernt. Bei Dr. Motz handelt es sich um einen Journalisten einer großen Tageszeitung der einen Fachbereich betreut, der mit Wein nicht das Geringste zu tun hat. Erschwerend hinzu kommt, dass Dr. Motz vom Wein auch nicht wirklich viel Ahnung hat. Er konsumiert ihn einfach, meistens knallsüße Beerenauslesen oder rumpeltrockenen Sekt…

Irgendwie verstehe ich die derzeitige Aufregung in der deutschen Winzerlandschaft nicht. Ich setze einmal voraus, dass sich die Verantwortlichen des Gault Millau mit der von ihnen ergriffenen Maßnahme nicht persönlich bereichern wollen. Vielmehr scheint es tatsächlich so zu sein, dass sich das Geschäftsmodell in der bisherigen Form nicht mehr rechnet. Also wird zähneknirschend nach einer zusätzlichen Einnahmequelle gesucht. Sollte dieser Weg nicht begehbar sein, droht der Redaktion der finanzielle Kollaps. Die “Bibel des Weines”, die jedem darin aufgeführten Winzer stets lieb und teuer war, wäre Geschichte. Wollen wir das wirklich? Die jetzt ausscherenden 14 so genannten Top-Winzer würden es wohl noch am ehesten verkraften. Ich für meinen Teil widerum würde es verkraften, erschiene die kommende Ausgabe des Gault Millau notfalls auch einmal ohne die Dönnhoffs, Knipsers oder Künstlers. Liegt darin nicht auch eine Chance, sich von verkrusteten Hackordnungen zu verabschieden? Kein kleiner Winzer müsste mehr länger darauf warten, dass die Redaktion wie auch immer auf ihn aufmerksam wird und um eine kostenlose Probe nachfragt. Mit 195 Euro ist man dabei. Und niemand sollte so blauäugig sein, daraus auch schon das verbriefte Recht auf eine positive Beurteilung abzuleiten. Journalisten mögen als korrupt und bestechlich gelten, aber doch nicht um jeden Preis. So richtig heuchlerisch aber wird das Ganze, wenn etwa Agnes Hasselbach vom Weingut Gunderloch in der “Süddeutschen” quasi eine Blindverkostung fordert. Damit liefen nicht nur die Tester Gefahr, sich öffentlich zum Gespött zu machen. Die jetzt auf die Barrikaden gehenden Nobel-Winzer wären die ersten, die lautstark die Rückkehr zur herkömmlichen Praxis forden würden. Ein guter Name verpflichtet schließlich – mehr als jeder Unkostenbeitrag. Das einzig Positive an der momentanen Diskussion ist die Erkenntnis, dass die verantwortlichen Chefredakteure des Gault Millau ganz offensichtlich nicht nur Freude in der Branche haben. Genau das macht mir Mut und ist ein Indiz dafür, dass hier in der Vergangenheit nicht nur Gefälligkeits-Journalismus betrieben wurde.

Dr. Motz

4 Kommentare zu “Dr. Motz und der Gault Millau

  • Pingback: Wer zahlt die Rechnung?

  • Friedrich Bolle

    Lieber Dr. Motz,

    das nennt man wohl einen freudian slip:

    ” Freude in der Branche haben.”

    :-) :-) :-)

    Und was den Gault Millau betrifft:

    Die (Auf)Forderung 195 Euro zu spenden, ist doch letztlich nur ein Indikator, dass die Nachfrage zum Preis X nicht mehr ausreicht um die Kosten zu decken.

    Wieviele Jahre können sich solche Printerzeugnisse noch halten?

    Den Brockhaus gibt es nicht mehr

    Die Encyclopædia Brittannica liegt auch in ihren letzten Zügen….

    Und was das pro und contra der Blindverkostung betrifft:

    Vielleicht sollte man auch einmal über den Tellerrand blicken:

    In anderer Agrarzweigen kennt man die Blindverkostung

    Reply
  • Friedrich Bolle

    Nachtrag:

    “Dr. Motz vom Wein auch nicht wirklich viel Ahnung hat. Er konsumiert ihn einfach, meistens knallsüße Beerenauslesen oder rumpeltrockenen Sekt…”

    Jo mei warum kauft er sich denn den Gault Millau :-)

    “Journalisten mögen als korrupt und bestechlich gelten, aber doch nicht um jeden Preis.”

    Nicht um jeden Preis….

    aber für ein(en) pot-de-vin????? :-) :-) :-)

    Reply
  • Iris

    Der Streit betrifft mich nicht persönlich, ich bin zwar eine deutsche Winzein, mache meinen Wein aber in Frankreich, das vorweg. Ich weiß übrigens auch nicht, wie es in Frankreich vom Gault Millau gehandhabt wird, die 6400 besten Weine Frankreichs zum Preis von 23,66 € (Amazon) dem Leser vorstellen zu können. Ich habe nie eine Anfrage nach kostenlosen Testflaschen bekommen, finde das aber auch wirklich nicht schlimm.

    Vielleicht wird hier nicht über sowas diskutiert, weil es so viele Weinführer gibt, die Ähnliches machen, Guide Hachette, Bettane-Dessauve, Dussert-Gerber, Gilbert-Gaillard und natürlich auch Parker France – und wie die alle heißen mögen. Da kann der Weinliebhaber sich aussuchen, welcher Adressliste er vertraut und wessen Punktesystem ihm am besten paßt.

    Daneben git es eine Fülle von themenbezogenen Weinführern, nach Region, Anbaumethoden (guide des vins bio, naturel, terroir,…), Preisklasse usw.

    Ich freue mich immer sehr, wenn ich den Namen meines Gutes und meine Weine in einem dieser “kleineren” Führer entdecke, meist in denen über “naturnahe oder sogenannte authentische Weine”, die vermutlich ja dann auch von Lesern gekauft werden, die sich für diese speziellen Weine interessieren und nicht speziell nach Punkten und Medaillen (für die ja bei der Wettbewerbsanstellung meist auch eine Gebühr bezahlt werden muss) einkaufen.

    Wie die Autoren auf meine Weine aufmerksam geworden sind, ist immer eine spannende Frage – wie sie dann an meine Weine gekommen sind, eine noch spannendere, da ich meist erst von der bevorstehenden Veröffentlichung erfahre, wenn ich um zusätzliche Informationen zu einem Wein gebeten werde.

    Vermutlich haben die jeweiligen Autoren sich erst die Mühe gegeben, eigene Recherchen in Liebhaberkreisen anzustellen und sich die entsprechenden Flaschen zu besorgen. Was mich dann als Winzer natürlich besonders freut.

    Ich kann den Verlag des hier in Frage gestellten Führers ja verstehen: in einem Jahr, in dem meine Ernte besonders klein ausfällt oder in dem sich die Kunden angesichts der finanziellen Krise mit den Bestellungen etwas zurückhalten, würde ich auch manchmal gerne einen Spendenaufruf losschicken, der mir helfen könnte, die Produktionskosten meines Weins unabhängig vom späteren Verkauf der Flaschen zu decken – bloß würde ich mich in diesem Fall wohl an meine Weinkunden wenden, was im Falle eines Weinführers wohl die Leser wären, für die ein solcher Führer doch eigentlich hergestellt werden sollte – oder sehe ich das falsch?

    Und funktionieren würde das wohl auch nur, solange meine Kunden von meinem Produkt so überzeugt sind, dass sie mir auch weiter ihr Vertrauen aussprechen, indem sie eben “vorbestellen”, weil sie wissen, dass ich alles tun werde, um die gewohnte Qualität zu wahren…

    Ein Weinführer, dem die Kunden (Käufer/Leser) wegbrechen, wäre vielleicht besser beraten, Anstrengungen zu unternehmen, deren Vertrauen wieder zu gewinnen – ob das mit der vom Gault Millau gewählten Methode wirklich gelingt, die doch auch bei dem einen oder anderen Weinliebhaber Zweifel an eben dieser Unabhängigkeit und Kompetenz aufkommen lassen könnte, ist eine Frage, die ich mir stelle und die mich auch die Reaktion der Unterzeichner des offenen Briefes verstehen lässt.

    Reply

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>