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Sommerweintest im “STERN”

In der aktuellen Ausgabe des Hamburger Magazins der “STERN” ist eine große Weinprobe zum Thema “Sommerweine” erschienen. Das Positive vorneweg: Gewonnen hat ein Rheinhesse, das Weingut Kurt Erbeldinger aus Bechtheim mit einem 2008er Riesling Hochgewächs. Ansonsten finde ich diese Probe reichlich grenzwertig. Ich habe selten ein derartiges Durcheinander gesehen. Weiß, rosée, teuer, günstig, billig, Europa, Übersee, alles kreuz und quer. Kleines Beispiel: Die ersten beiden Weine kosten jeweils 5,50 Euro, der drittplatzierte 8,20 Euro und der vierte Sieger 11,90 Euro. Das ist eine Preisspanne, die deutlich zum Ausdruck bringt, dass hier völlig unterschiedliche Weine in einen Topf geworfen wurden. Von einem Wein für knapp 12,00 Euro erwarte ich (normale Konsumenten übrigens auch) etwas ganz anderes als von einem Wein um die fünf Euro. Dem STERN ist zu entnehmen, dass eine Jury unter dem Motto “Sommerweine” 230 Weiß- und Roséweine verkostet hat. Herkunft, Traubensorte(n), Jahrgang und Preis spielten keine Rolle. Schade eigentlich! Leider fehlt jegliche Definition des Begriffs “Sommerwein”. Was ist das? Wieviel Alkohol und Restzucker hat sowas? Was darf, oder sollte so ein Wein kosten? Fragen über Fragen… Die Jury bewertete sämtliche Weine komplett blind nach dem von der Union des Oenologes entwickelten 100er-System. In der Jury saßen Sommeliers, Journalisten und zahlreiche Weinhändler. Da sei die Frage erlaubt, ob tatsächlich jeder mit diesem Schema vertraut ist, das ist nämlich gar nicht so einfach. Und wenn man da nicht über die entsprechende Übung verfügt, wird das ganz schnell “grenzwertig”. Da wird beispielsweise der 2008er Rosée von St. Antony mit 77,53 Punkten “abgefrühstückt”.  Ein Wein, den ich zufällig kenne, und der ein Paradebeispiel für einen Sommerwein ist. Mal ganz abgesehen von der Tatasache, dass eine derartige Punktzahl (mit zwei Stellen hinter dem Komma) nun wirklich kaum noch einen interessieren dürfte. Die Jungs von dem Weingut wären im Nachhinein wahrscheinlich froh, sie hätten bei dieser Probe nicht mitgemacht.Grenzwertig finde ich übrigens auch die Tatsache, dass die Händler, die wohl einige Weine angestellt hatten, ebenfalls mitverkostet haben. Irgendwie erinnert mich das alles, an diese Geschichte im SPIEGEL über die Verkostung in den USA…

5 Kommentare zu “Sommerweintest im “STERN”

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