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Lagerfeld bei Kerner

Normalerweise vermeide ich es, mir Sendungen mit Herrn Kerner anzuschauen. Letzte Nacht kam ich aber nicht daran vorbei. Der Grund war Karl Lagerfeld. Ich gebe zu, ich bin seit Jahren ein großer Fan dieses Mannes. Ich habe absolut keine Ahnung von Haute Couture, ich habe noch nie eine Modeschau gesehen, aber ich finde diesen Mann faszinierend, sehr klug und extrem kurzweilig. All das hat er gestern Nacht wieder einmal trefflich gezeigt. Ich gebe zu, ich traue JBK so oder so wenig tiefgreifenden Gesprächsführungsstil zu, aber gestern bekam er vom Maestro eine verbale Ohrfeige nach der anderen.  Kleines Beispiel: Im zarten Alter von zehn Jahren kassierte Lagerfeld eine Ohrfeige von seinem Onkel, weil er nicht wußte, wer Ferdinand Freiligrath war. eigentlich keine wirklich lustige Geschichte, und Kerner schaute auch leicht betroffen. Sofort kam die Frage von Lagefeld an Kerner: “Wissen Sie eigentlich wer Freiligrath war?” Rumms! Und so ging das die ganze Zeit. Zugegeben, Lagerfeld kokettiert stark mit seiner Bildung und seinem Ego, aber es hat doch den Anschein, als ob etwas dahinterstecken würde. Kerner hatte eigentlich die Chance, dem Modezaren wirklich gute Fragen zu stellen. Immerhin hat gerade ein ehemaliger langjähriger Mitarbeiter von Lagerfeld ein durchaus interessantes Buch veröffentlicht. Eine Steilvorlage für jeden kritisch hinterfragenden Moderator. Nicht so in diesem Fall. Lagerfeld kanzelte diese Geschichte sofort in einem Satz ab: “Schade um die Bäume, die für dieses Buch gefällt wurden.” Überhaupt sparte Karl der Große nicht mit Spitzen. Auf die Frage, was er von Heidi Klum halte, gab es nur ein kurzes. “Die kenne ich nicht. Die war nie in Paris”. Selbst Klums Gatte, der Sänger Seal, bekm sein Fett weg. Er hatte Lagerfeld als armen, alten Mann bezeichnet. Seine Reaktion darauf war kurz und prägnant: “„Was weiß der über meinen Vermögensstand? Ich bin kein Dermatologe. Aber in seiner Haut möchte ich nicht stecken.“Spätestens da, hätte Kerner doch einen hübschen Einstieg gefunden. Stattdessen spielte, oder besser inszenierte sich, der Maestro weiter. Überhaupt hat es den Anschein, als ob die Kunstfigur Lagerfeld perfekt läuft. Wie ein Uhrwerk, Tag für Tag, Jahr für Jahr. Er hat es über die Jahre verstanden sich so perfekt zu inszenieren, dass das wahrscheinlich auch noch im Schlaf funktioniert. Das ist irgendwie so gar nicht französisch. Aber wie hat er so schön gesagt: “Ich bin stinkdeutsch”. Ich hatte jedenfalls sehr viel Spaß…

15 Kommentare zu “Lagerfeld bei Kerner

  • Mario Scheuermann

    Lagerfeld ist weder deutsch noch französisch. Der Mann ist in aller erster Linie eines: preussisch. diszipliniert; gebildet und amüsant. Seine lakonischen Bemerkungen und Bosheiten erinnern mich stets an den kleinen, grossen König, der in Potsdam neben seinen Hunden begraben liegt.

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  • Heinz-Werner Geisenberger

    Für mich und das Studio-Publikum war Lagerfeld interessanter und amüsanter als viele der sonstigen Gäste bei Kerner.
    Ich stimme Dirk Würtz in allem zu.

    Heinz-Werner Geisenberger

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  • Matthias Pierre Lubinsky

    Wir können uns Ihrer Meinung nur anschließen. Diese Persönlichkeit ist ein Genuss, ihn erleben zu dürfen – und sei es im Fernshen – immer wieder Höhepunkt dieses eher auf andere Schichten ausgerichteten Mediums. Wir Deutschen sollten stolz sein auf dieses Dandy in Paris und anderen Metropolen, wo man mondän sein kann.

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  • Bolliskitchen

    ich sassbei einem dîner hier in Paris mal neben Karl Lagerfeld, der ist echt super nett, lustig, sehr gebildet und direkt, finde ich gut! Der hält nicht hinter dem Berg mit seinen Meinungen, und, was die Klum angeht, hat er ja auch recht!

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  • Biene

    Ich bin von der Arbeit kommend und ins Bett fallend beim “Abschaltzappen” auch genau in diesem Interview gelandet,. Und wieder einmal habe ich mich in meiner Meinung zu Lagerfeld bestätigt gesehen: Eine absolut bemerkenswerte Persönlichkeit. Für mich ein bisschen ein Analogon (wenn man so’was von Menschen sagen darf) zu Friedmann: Äußerst streitbar, aber beide höchst intelligent und mit einem Wissensfundus und Redegewandtheit ausgestattet, die ihnen ein gewisses Maß an Provokation und rhetorischer (aber auch sonstiger) Arroganz durchaus erlauben.

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  • Charles

    Naja, auch ein Karl Lagerfeld erzählt gelegentlich Stuss. Da er aber außerordentlich unterhaltsam ist, muss man ihm das ebenso durchgehen lassen wie seinen Narzismus. Viel wichtiger ist aber sein Hang zur Ehrlichkeit (Außer beim Grund, warum er in Wirklichkeit hohe Kragen und Handschuhe bevorzugt). Und das ist nicht nur in der Medienwelt äußerst selten geworden…

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  • Andreas Franke

    1. Karl Lagerfeld muss eine tolle Mutter gehabt haben
    2. Die blitzgezeichnete Karikatur von Herrn Kerner war doch Spitze: wer hat sich Herrn Kerners Gesicht auf dem Papier genau angeschaut – gut getroffen

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  • Heinz-Werner Geisenberger

    An Andreas Franke

    Lagerfeld zeichnete nicht Kerner sondern sich selbst!
    Sie haben wohl selber nicht genau hingesehen!

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  • Heinz-Werner Geisenberger

    An Charles

    Das von Ihnen in Klammern Gesetzte gefällt mir…!
    Bin selbst auch schon 64.

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  • sebastian

    Monsieur KL’s div. Auftritte in diversen Talk-Shows werden doch in
    Wirklichkeit immer uninteressanter …. er redet und redet und redet …
    ohne je Luft zu holen …. und hat immer weniger Wesentliches
    zu sagen … hatte er es jemals?

    Kaum jemand hat diese Kunst
    des “Redens-ohne-etwas-zu-sagen” so perfektioniert wie er …

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  • eva

    Lieber Würtz,

    es spricht doch im großen Ganzen für sich, dass mehr Menschen
    Deinen Lagerfeld-Artikel kommentieren, als Deinen Aufruf zur EUROPA-Wahl !

    Wenn die Interessen derart gelagert sind, dann brauchen wir uns über schlechte Quoten bei der Wahlbeteiligung nicht mehr wundern.

    Gott zum Gruß

    Eva

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