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Twitter ist Bloggen für Arme! Meint die “ZEIT”…

Heute ist in der “ZEIT” ein Artikel von Jens Uehlecke über das Twittern an sich, im speziellen und überhaupt erschienen. Wenn ich ja nur ein wenig empfindlicher wäre, dann wäre ich jetzt nicht nur leicht verärgert, sondern hochgradig ärgerlich erregt. Dieser Artikel ist wieder einmal ein wunderschönes Beispiel für die Unzulänglichkeit und Arroganz einiger sogenannter Qualitätsjournalisten, die glauben, für sich die Meinungs- und Deutungshoheit gepachtet zu haben.Uehlecke hat leider den Grundsatz von Twitter überhaupt nicht begriffen: Was mich nicht interessiert, muss ich auch nicht lesen! Wer mich nicht interessiert, dem muss ich nicht folgen! Wenn ich keine Lust auf  Twitter habe, dann lasse ich es!

Hier einige kleine Kostproben aus seinem Artikel: “Warum das Ganze trotzdem so populär ist, ist schnell erklärt: Erstens haben Menschen einen nahezu unerschöpflichen Geltungsdrang. Und zweitens gibt es wie für Klowände keine Qualitätskontrolle, keine Mindeststandards. Jeder darf sich äußern, wann und so oft er will. Selbst jene, die nicht einmal mehr von all den Bärbels und Britts in Trash-Talkshows eingeladen würden.” Das ist doch schon einmal sehr schön. Da wird man also als Twitterer gleichgestellt mit sämtlichen “arbeitslosen Harz 4 Kaspern” in nachmittäglichen Talk Shows. Oder hat er das anders gemeint und ich verstehe es nur falsch? Ich glaube kaum, denn direkt danach kommt folgender Satz: “Und so hat das Unterschichten-Fernsehen endlich seine Entsprechung im Netz: Twittern ist Bloggen für Arme!” Damit ist es raus, getwittert wird nur von der Unterschicht. Das Wort “bildungsfern” hat er noch vergessen. Macht aber nichts, ich denke ich habe es auch so verstanden. Über die Tatsache, das sich via Twitter Meldungen sehr schnell verbreiten schreibt der Autor: “Das führt dazu, dass ein von Gerüchten getriebener Mob wieder und wieder Enten verbreitet.” Ich deute diese bildliche Aussage mal mit meinen Worten. Quasi meine subjektive Übersetzung: Der bildungsferne und arbeitslose Unterschichtenklowandbeschmierer rottet sich mit Gleichgesinnten zusammen und verbreitet Unwahrheiten und Lügen!

Das Ganze kommt mir wie ein verbaler Amoklauf eines in die Ecke getriebenen vor. Was hat Uehlecke denn nur für ein Problem? Wie kann man denn derart auf etwas herumhauen und treten, dass es doch angeblich gar nicht wert ist überhaupt beachtet, geschweige denn benutzt zu werden. Es ist schon irgendwie traurig, dass selbst ein so renomiertes Blatt wie die “ZEIT” sich zu einem derartigen Fauxpas hinreißen läßt. Ich dachte eigentlich, dass diese Art von Twitterschelte seit einem halben Jahr vorbei ist. Ich will das ja jetzt nicht an den höchsten Mast hängen, aber hier werden Millionen Menschen beleidigt. Das ihnen nebenbei jegliches Niveau und Bildung abgesprochen wird, lasse ich jetzt mal außen vor.  Übrigens: Unter @zeitonline twittert die “ZEIT”. Komisch, oder…

5 Kommentare zu “Twitter ist Bloggen für Arme! Meint die “ZEIT”…

  • Maren Bürgel

    Wenn ich ehrlich bin: ja, es wimmelt bei Twitter vor Banalitäten und Belanglosigkeiten – na und? Ich weiß nicht, wie man das Leben überhaupt aushält, wenn man Banales und Belangloses nicht aushalten kann. Und Geltungsdrang? Mag sein – mag aber auch sein, daß Menschen einfach gern kommunizieren (und Twitter ist ja keine Einbahnstrasse, die Twittergemeinschaft pflegt den Austausch), und dabei mischt sich Banales mit nützlichen Tips, interessanten Gedanken, Bildern, Musik und mehr. Bunt halt, und jeder pflückt, was er mag.
    Das hat schon eine gewisse Beliebigkeit, aber wer davor warnt, hat selbst vielleicht einfach Angst, Deutungshoheit zu verlieren.
    Zwei Sätze des Verfassers fallen besonders ins Auge:
    “Jeder darf sich äußern, wann und so oft er will.” und
    “Doch das war eben nur möglich, weil niemand prüft, was wahr ist und was falsch.”
    Aha. Da fehlt also eine Instanz, die bestimmt, wer sich wann wie oft äußern darf. Und plötzlich verantwortet jeder selbst, was er für wahr oder falsch hält. (Wie war das noch? Die traditonellen Medien – wie z.B. Zeitungen – gewährleisten Wahrheit?)
    Ganz falsch jedenfalls scheint mir die Aussage: “Und wer sich für die – allein schon aus Platzgründen – inhaltsarmen Beiträge der anderen interessiert, kann sie abonnieren.”
    Kurz=inhaltsarm, Sermon=bedeutungsschwanger? Da sei Lichtenberg vor!
    Wie gesagt, mir schwant, da ist einfach jemand sauer, daß ihm die Deutungshoheit davonschwimmt. Kommt einfach so die “gemeine Masse” angelatscht und sagt: hey, mach mal halblang mit dem Versuch, mir die Welt zu erklären; ich schau’ mal, wie ich mich selbst durchwurschtele.
    Kein Wunder, daß man dann leicht panisch reagiert … .

    Und schließlich und endlich: Was um Himmels Willen hat der Verfasser eigentlich gegen Klos? Sind doch ungemein nützliche Einrichtungen… .

    Herzliche Grüße – Maren Bürgel

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  • Olaf

    Ich vernute eine gezielte Provokation. Eine Art Steine-im-Glashaus-werfen… und wenn was getroffen wird einfach schulterzuckend “war doch ein Öko-Apfel” sagen… ;)

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  • hans

    ich muss ein wenig schmunzeln.
    mir sträuben sich bei der zeit-lektüre ziemlich oft die haare.
    der anteil von wirklich interessanten beiträgen ist angesichts der vielen buchstaben erschreckend gering.
    die seltsame – hier unverhohlene – arroganz von herrn uehlecke entspricht den aufklebern, die vor einiger zeit mal auf einigen pkw’s zu sehen waren:
    ‘eure armut kotzt mich an’ stand darauf zu lesen ….
    jens uehlecke hatte bestimmt so einen aufkleber!
    herr uehlecke dünkelt offenbar hochkulturbeseelt über den niederen twitterkloaken. welch krankhafte folgen doch die einladung zu einem zeit-artikel haben kann ….
    ich bin zwar kein twitterer, aber ich hoffe, er bekommt kräftig eins getwittert!
    (obwohl ich bezweifle das er dünkelnderweise noch wahrnehmungsfähig ist)
    prost

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  • A. Frank

    Hallo,

    auch wenn der ZEIT-Artikel zu tendenziell sein mag, sind die Assagen nicht ganz von der Hand zu weisen. Twitter ist häufig banal und belanglos. Auf die Inhalte kann man sich nicht sicher verlassen. Das liegt in der Natur des Mediums. Es mag einige Twitter-Kanäle geben, die richtig sinnvoll sind. Letztlich ist es ein “ge-hyptes” Medium, um das es in spätesten 18 Monaten ruhig sein wird und es “nur noch” eine Ergänzung zu anderen Medien ist. Sinnvolle Kanäle werden bestehen bleiben.

    Man sollte Twitter nicht überschätzen. Man muss noch herausfinden, für was es tatsächlich sinnvoll ist. Ich vermute:
    a) Geschlossene Interessengruppen, die sich vertrauen und zu bestimmten Zeitpunkten kurzfristig austauschen wollen.
    b) Vertrauenswürdige Anbieter, die abgesicherte Informationen lieferen.
    c) Leute, denen es Spass macht und für die es ein Zeitvertreib ist (ähnlich Chatforen)

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