Alles über Wein und den Rest der Welt…

Große Weine

Hin und wieder hatte und habe ich die Gelegenheit bei wirklich denkwürdigen Weinproben anwesend sein zu dürfen. Weinproben, in deren Verlauf wahrhaft große Weine nicht nur verkostet, sondern auch getrunken werden. Da ich mir durchaus darüber bewußt bin, welch fantastisches Privileg das war und ist, habe ich beschlossen meine Blogleser wenigstens virtuell an diesem Erlebnis teilnehmen zu lassen. Ich werde also ab sofort immer mal wieder über derartige Proben berichten. Einer der absoluten Höhepunkte waren die nachfolgenden Weine, verkostet an einem wunderschönen Frühlingstag in einer wunderschönen Umgebung

Es ging los mit zwei echten Schätzen. 1825 Hochheimer Auslese Cabinet aus dem herzoglich-königlichen Cabinets-Keller und einer Auslese aus dem Jahr 1915 aus der Lage Johannisberger Klaus vom Graf Schönborn. Der 1825er war kein Wein der eigentlichen Trinkspaß brachte, aber er war sehr interessant. Alleine schon aufgrund des extremen Geruchs von Honig und Minze. Ganz anders die Auslese von Schönborn. Ein echter Genuß. Ein Hauch von Karamell und Honig, eine animierende Säure, kein Restzucker mehr, aber echter Trinkspaß. Und das nach fast einhundert Jahren!!!

Der nächste Flight (so nennen das die Freaks) drehte sich einzig und alleine um das Château Cheval Blanc. Eines meiner Lieblingsweingüter wenn es denn unbedingt Bordeaux sein muss. Es gab die Jahrgänge 1989, 1988, 1986, 1982,1978 und 1964. Mein absoluter Favorit war der Wein aus dem Jahr 1988. Hochkonzentrierte schwarze Beeren und tropische Früchte, ein Hauch von Tabak, Nüssen und Minze. Das Ganze gepaart mit einer unglaublichen Frische und einem großen Schild auf dem Stand:”Trink mich!” Sehr schön auch der 1964er, der in seiner ganzen Art noch sehr jugendlich und weich wirkte, obwohl er leichte Anklänge von flüchtiger Säure hatte.

Im darauf folgenden Flight dreht ich alles um den Jahrgang 1961. Sicherlich einer der größten Jahrgänge im letzten Jahrhundert. Mittlerweile leider auch preislich…Es gab die Weine der Chateaus Cheval Blanc, Margaux, Mouton Rothschild, Lafite und Ausone. Eine Reihenfolge in diese Weine zu bringen ist nicht wirklich einfach, fast unmöglich. Sie bewegen sich allesamt auf einem sehr hohen Niveau. dennoch hatte ich genau zwei Lieblinge. Den 1961 Cheval Blanc und den 1961 Mouton Rothschild. Der Cheval Blanc erinnerte mich an Zartbitterschokolade. Warum auch immer…Er war enorm konzentriert, sehr jugendlich, hatte kräftige Gerbstoffe und war so unglaublich laaaaaaaaang im Geschmack. Ein echt dickes und wollüstiges Ding! Ganz anders hingegen der 1961 Mouton. Ein Aristokrat feinster Ausprägung. Elegant, fast schon extravagant. Dieser Wein ist der ideale “Traumauslöser”. Bilder von Königshäusern, ausufernden Rokokofesten und riesigen gepflegten Parkanlagen in denen die Herrschaften lustwandeln schossen durch meinen Kopf. Ich war so sehr mit meinen Träumen beschäftigt, dass ich fast nicht gemerkt hätte, dass der 1961 Lafite einen wirklich üblen Korkschmecker hatte. Da waren sie dann aber auch schlagartig zu Ende, meine Träume. Was für eine unglaubliche Verschwendung!

Geendet hat das Ganze dann mit dem, was wir hier in Deutschland sicherlich am Besten können. Edelsüße Weine. Es gab eine 1953er Steinberger Trockenbeerenauslese von den Hessischen Staatsweingütern. Ein bernsteinfarbiges Monument, mit rauchigen Aromen, einem frisch gefülltem Honigtopf und fast keiner Säure mehr. Besser wäre es eigentlich nicht mehr gegangen, wenn dann nicht noch ein ganz besonderer Wein gekommen wäre. 1967 Rauenthaler Baiken Edelbeerenauslese von Schloß Eltz. Ein Weingut, dass es leider nicht mehr gibt. Die Kenner wissen, dass die edelsüßen Weine von Schloß Eltz zum Besten gehört haben, was der Rheingau jemals hervor gebracht hat. Dieser Wein war eine Offenbarung ,die zu beschreiben ich mir und Ihnen erspare. Dafür habe ich leider nicht die passenden Worte…

Ein Kommentar zu “Große Weine

  • Udo

    Habe auch schon an solchen Ereignissen teilgenommen und es macht einfach Spass immer wieder neue Weine kennenzulernen. Weinliebhabern kann man nur empfehlen, auch mal daran teilzunehmen.

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