Alles über Wein und den Rest der Welt…

Romantisches Franken

“Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah”. Treffender kann ich es nicht mehr ausdrücken. Ich hatte in den letzten Tagen die Freude, einen traumhaft schönen Landstrich kennzulernen. Das “romantische Franken”, kurz vor Nürnberg im Landkreis Ansbach gelegen. Eine wunderschöne hügelige und bewaldete Region. Irgendwie erscheint die Welt dort noch in Ordnung. Kleine Dörfer, tolle Gasthäuser, viele Sehenwürdigkeiten, historisch wichtige Punkte  und liebenswerte Menschen. Kurzum, ein wahres Kleinod. Ich war in einer kleinen Gemeinde mit 130 Einwohnern namens Sauernheim im Gasthaus “Zur Eiche”. Ein Gasthaus wie es besser nicht sein könnte. Schöne Zimmer, tolles gut bürgerliches Essen und eine eigene Metzgerei. Alles frisch, alles selbst gemacht, alles lecker! Natürlich ist dieses Dorf kein touristischer Höhepunkt, aber das macht es gerade aus. Es ist sehr ruhig und sehr idyllisch. Nebenbei ist es auch nur wenige Kilometer zur Autobahn A6 gelegen, was die Anreise extrem vereinfacht. Gestern Abend hatte ich dann die Gelegenheit, in fränkische Trinkgewohnheiten eingeführt zu werden. Das Standardgetränk nennt sich “schwarze Maß”. Ein Maßkrug gefüllt mit Bier, Cola und Kirschlikör. Sehr süffig und sehr gefährlich. Unserem Colaschoppen sehr ähnlich…

Rund um Sauernheim gibt es zahlreiche Beschäftigungsmöglichkeiten. Ausflüge in das nahe gelegene Ansbach (die Kaspar Hauser Stadt), das fränkische Seenland mit dem sehr schönen Brombachsee, die Stadt Heilsbronn mit den Grabgelegen der Hohenzollern im beeindruckenden Münster, die Hopfenstadt Spalt und natürlich die Stadt Nürnberg, die nur knapp 50 Kilometer entfernt ist. In Nürnberg hatte ich dann das Glück, in der Irrerstrasse eine kleine, aber sehr schöne Weinbar zu entdecken. Eigentlich handelt es sich wohl mehr um einen Weinhandel, der am Abend dann aber zur Weinbar umfunktioniert wird. Das Ganze ist zwar sehr  italienlastig , aber natürlich gibt es hier auch fränkischen Wein. Und was für welchen. 2007 Riesling Kabinett von Schloß Sommerhausen. Ein perfekter Sommerwein, ein Paradebeispiel für einen Kabinett. Fruchtig, leicht und toll zu trinken. So lasse ich mir dieses Prädikat gefallen. Was mir aber am Besten gefallen hat, war die nette und unkomplizierte Art des Besitzers und der Gäste. Man saß draußen an einem Tisch zusammen und kam gleich ins Gespräch. Da hat sich wieder einmal gezeigt, dass Wein die Menschen verbindet. Wer einmal in Nürnberg ist, sollte diese Weinbar unbedingt besuchen. Es lohnt sich wirklich.

Überhaupt lohnt sich der ganze Abstecher in diese Region und ich werde sicherlich ganz zügig wieder dorthin fahren. Das Einzige, was ein wenig stört, ist die Tatsache, dass es auf dem Land kein DSL gibt. Die haben noch noch das klassische Modem. Das ist quasi die Steinzeit. Alleine das Abrufen von E-Mails ist eine Lebensaufgabe. Ich habe es dann einfach auch gelassen. Für “Webabhängige” wie mich, war das eine harte Probe. Keine E-Mails, kein blog, kein Twitter. Nach den ersten heftigen Entzugserscheinungen ging das dann aber auch irgendwie…

4 Kommentare zu “Romantisches Franken

  • biene

    Das Schöne an so technologischen Wüsteneien ist: Wenn man die erste innere Verunsicherung, die sich ohne e-mails, Twitter und so fort einstellt, überwunden hat, kann man die Ruhe, die diese romantische Gegend ausstrahlt, genussvoll aufsaugen. Ein Buch in der Hand oder auch nicht, an einem kleinen Gartentisch im Freien sitzen, sich von der Sonne die Nase kitzeln lassen und einfach einmal für ein paar Stunden oder Tage den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Da wird einem Senecas Weisheit “Ein kleiner Teil des Lebens nur ist wahres Leben; der ganze übrige Teil ist nicht Leben, ist bloße Zeit” schmerzlich bewusst………Hält leider nicht lange an dieses Bewusstsein; oder bin das gar nicht ich, die hier am PC sitzt???

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  • biene

    P.s.: Übrigens besinnt man sich an solch ruhigen Tagen, in solch ruhigen Gegenden durchaus auch ‘mal wieder auf Traditionelles – oder wie nennt man das, wenn Web-Abhängige morgens beim ersten Kaffee auf der Terrasse zur gedruckten Tageszeitung greifen?

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  • Dominik

    Interessante und lecker klingende Version der “schwarzen Mass”. In Unterfranken, wo ich ursprünglich herkommen, ist es schlicht “Asbach” und Cola. Noch gefährlicher und man hat schnell genug davon ;-)

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  • der Ultes

    Hi Dirk,
    du schreibst ja “Nach den ersten heftigen Entzugserscheinungen ging das dann aber auch irgendwie…”, ist ja auch kein allzu großes Problem, darfst mich auch zukünftig gerne von unterwegs anrufen um die aktuellsten Statistiken abzurufen! Hoffe ihr habt euch gut erholen können!

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